Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 24 (15.6.1917)
- Date
- 1917-06-15
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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der freien nationalen Entwicklung des russischen Judentums ein Zentralorgan der jüdischen nationalpolitischen Autonomie (ein jüdisck)er „Sejm") geschaffen werden müsse. Dieses Organ hätte den kulturellen Bedürfnissen der Juden (Schulen, Theater, Museen, öffentliche Fürsorge, soziale Hilfe usw.) sein Interesse zu widmen. Die Konferenz drückte den Wunsch aus, daß alle jüdischen Arbeiterparteien zu einer Partei verschmolzen werden sollen; es wurde beschlossen, an dem Russisch-Jüdischen Kongreß teilzunehmen. — Am 23. April hat in Moskau eine Konferenz des hebräischen Sprachverbandes Chowewe Sfath Ewer stattgefunden. Es referierten Herr Hillel Slatopolskh (Programm des Sprachverbandes), CH. N. Bialik (Nation und Sprache), Tr. Joseph Klausner (Jüdische Erziehung außerhalb der Schule), Tr. M. Glücksvhn (Hebräische Presse), Zemach (Hebräisches Theater), Tr. Mohilewer (Hebräisches Lehrerseminar); eine Reihe anderer Referenten behandelte die Frage der Organisierung hebräischer Schulen, Herausgabe hebräischer Kinderliteratur usw. Ter bekannte Moskauer Industrielle Herr S. Persitz berichtete über die Organisation des hebräischen Sprachvereins und seine finanziellen Hilfsmittel. Ferner wurden behandelt die Frage der Organisierung eines hebräischen professionellen Lehrerverbandes und die Einrichtung von Abendkursen und Sabbatschulen. Von Sah und fern. — Ter Hilfsverein der deutschen Juden, der gemeinsam mit der Großloge für Deutschland 8 U. O. B. B. und dem Frankfurter Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Juden die Kriegshilfsaktionen durchführt, hat neuerdings für die aus Jaffa und Gaza in Palästina evakuierten jüdischen Einwohner 50 000 Mark zur Verfügung gestellt, die vornehmlich dazu verwandt werden sollen, um nt den größeren Ansammlungsorten der Evakuierten! Volksküchen einzurichten. Seit Kriegsausbruch ist für das Hilfswerk in Palästina insgesamt über eine halbe Million verausgabt worden; weitere Geldsendungen, die dringend notwendig sind, werden in kürzester Frist folgen. - Tie neue Versammlung aller derer, welche Angehörige in englischer Kriegsgefangenschaft haben, findet am Dienstag, den 19. Juni, nachmittags 5 Uhr, im Restaurant „H o f j ä g e r", Königgrützer strafte 121, Ecke Prinz-Albrecht-Straße, statt. Das Restaurant liegt dicht am Leipziger Platz und sehr nahe dem Anhalter und Potsdamer Bahnhof. Oberbürgermeister Wer m it t h und dem Berliner Stadtrat Geheimrat Professor Tr. Albert M o s s e sind durch Beschluß der Gemeindebehörden von Ortelsburg, der Patenstadt Berlins, das Ehrenbürgerrecht von Ortelsburg verliehen worden. — Das Vrüdikat Professor wurde dem Privatdozenten in der medizinischen -Fakultät der Friedrich - Wilhelms - Universität in Berlin Dr. Adolph G u t m a n n verliehen. -- Der Berliner Stadtverordnete Georg I m berg , Kommerzienrat Georg Haberland. der Berliner Stadtverordnete Martin Friedberg, Geh. Kommerzienrat M. S t e i n t h a l und Fabrikbesitzer Heinrich Grünfeld haben das Verdienstkreuz für Kriegshilfe erhalten. — Aus Posen wird uns geschrieben: In der letzhin stattgehabten Versammlung der Repräsentanten unserer Shnagogengemeinde wurde an Stelle des verstorbenen Geheimen Kommerzienrats Herz Herr Stadtrat Schleyer zum Vorsitzenden des Repräsantenkollegiulns gewählt. — Der Lehrer und Schriftsteller I. Herzberg in Bromberg, durch feine zahle richeu belletristischem historischen und Pädagogischen Arbeiten in weiten jüdischen Kreisen bekannt und geschätzt, vollendet am 18. d. M. sein 90. Lebensjahr. Wir entbieten kern fleißigen, im Dienste des Judentums ergrauten Manne .unsere herzlichsten Glückwünsche. — Man schreibt uns aus Nogasen: Durch Einbruchsdiebstahl entwendet wurde die Almosenbüchse vom jüdischen Friedhöfe. Die Büchse wurde zertrümmert auf dem Felde neben dem Friedhose aufgefunden, ihres Inhalts beraubt. Ta die Büchse erst kürzlich geleert worden ist, dürfte dem Langfinger kein großer Betrag in die Hände gefallen sein. Mit Hilfe der Polizei wird der Missetäter leicht zu ermitteln sein. — Im Alter von 80 Jahren, ist in Oppeln der Stadtrat und Stadtälteste Julius P r i n g s h e i nt gestorben. Der Verstorbene gehörte dem Aufsichtsrat der Oberschlesischen Portlandzementwerke in Oppeln seit ihrer Gründung und seit 1909 als stellvertretender Vorsitzender an. Bor 3 7 Jahren hatte ihn das Vertrauen seiner Glaubensgenossen an die Stelle seines verstorbenen Vaters in den Vorstand berufen, und diese ganze Zeit hindurch hat er an der Spitze der Jüdischen Gemeinde ununterbrochen gestanden. Er war vom lebhaftesten Interesse für das Judentum ich allgemeinen und für seine He'imatsgemeinde im besonderen erfüllt und hat seine Tatkraft und sein warmes Herz in. allen Zweigen der Verwaltung den: Dienste der ihm anvertrauten Sache bis in die letzten Tage seines Lebens gewidmet. Ehre seinem Andenken. — Aus Aachen wird uns geschrieben: Assistenzarzt Dr. Richard Schuster, Sohn der Witwe Dr. Ludwig Schuster, wurde zum Oberarzt ernannt. Unteroffizier Alfred I a u l u s, Sohn des Militärseelsorgors Rabbiner Dr. Jaulus, erhielt das Hessische Kriegsehrenzeichen. —- In Frankfurt am Main verschied eines der ältesten Mitglieder der Gemeinde, Frau Jonathan Mayer Wwe., geb. Schneider, im 93. Lebensjahre. An ihret Bahre gab ihr Enkel Herr Dr. He ine mann denr Schmerze um den Heimgang der innig religiösen und weltlich gebildeten, von echter Vornehmheit des Charakters erfüllten Greisin herzlichen Ausdruck. — Aus Wien wird uns geschrieben: Der Minister für Kultus und Unterricht in Wien hat dem Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinde in Aussig a. d. E., Dr. Arthur Rosenzweig, zurzeit als Feldrabbiner Leiter der k. u. k. israelitischen Militärseelsorge in Brünn, den Professortitel verliehen. Tr. Rosenzweig ist der älteste Sohn des Berliner Rabbiners Dr. Adolf R o s e n z w e i g. — Unter den von Kaiser Karl ernannten 55 lebenslänglichen Herrenhausmitgliedern befinden sich folgende Juden: Louis Freiherr v. Rothschild, Bergrat Max Ritter v. G u t m a n n , mährischer Landtagsabgeordneter und Obmannstellvertreter des Klubs des verfassungstreuen Großgrundbesitzes im mährischen Landtag Tr. Philipp Ritter v. Gomperz und Chefredakteur der „Neuen Freien Presse" Moritz Benedikt. Dem Herrenhaus gehören bereits an: Hofrat Professor Dr. Grünhut, Professor Freiherr Joseph Scheh v. Koromla und der Generalrat der Anglo-Oesterreichischen Bank, Kommerzialrat Beruh.. Wetzler. — Im 75. Lebensjahre verstarb der Rabbinatssekretär der israelitischen Knltusgemeinde in Wien, Herr Jonae- S t r a n f k y. Er stand länger als 55 Jahre im Dienste der Kultusgemeinde. Der Heimgegangene hat sich durch sein verdienstvollem Wirken viele Sympathien erworben. Die Beerdigung fand Freitag, den 8. Juni, unter großer Beteiligung statt. — Wie „Cloß Radomsti" von: 3. Mai schreibt, hat der Stadtrat in Dombrowa im österreichischen Okkn pationsaebiet beschlossen, daß in Zukunft Juden in der Stadt Dombrown nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des Stadtrates wohnen dürfen. Durch derartige Bestimmungen wird ein neuer polnische r A n s i e d l u n g s r a y o n geschaffen. — Die jüdischen Studenten der Universität und des Polytechnikums in Warschau verlangten Vertretung in den studentischen Ausschüssen der genannten Hochschulen. Dieses Verlangen wurde von den polnischen Studenten brüsk abgelehnt. In einem von der Studentenschaft veranstalteten Meeting hielt der Rektor des Warschauer Polytechnikums, Plaschke. eine scharfe antisemitische Rede, die in der jüdischen Studenten schaft und in weiten jüdischen Kreisen die größte Empörung her vorgerusen hat. Die jüdischen Studenten hielten Protestversamm lungen ab und beschlossen, in einen Streik einzutreten, der nun schon seit längerer Zeit anhält. — In der letzten Sitzung der Warschauer jüdischen Gemeindeverwaltung wurde der Antrag, für die verstorbenen Armen an Stelle der Leinenhemden solche aus Papier einzuführen, in Erwägung gezogen. Ter Antrag wird damit begründet, daß die Jüdische Gemeinde zu diesem Zwecke vordem Kriege 4000 Rubel verausgabt hat, jetzt aber 50 000 Rubel ausgeben muß. — Angesichts der bevorstehenden Wahlen zur Jüdischen Gemeinde in Warschau haben die Assimilanten Beratun gen abgehalten und als ersten Punkt ihres Wahlprogramms eine Nationalisten noch zu der „Agudath haorthodoxim" gehören. Der Hauptlosung der Asiimilanten bei den kommenden Wahlen wird der Kanrpf gegen die Nationalisten sein. Auch die sogenannten „Unparteiischen" haben bereits über ihre Stellung zu den kom menden Wahlen beraten. Es wurde beschlossen, eine neue Partei zu gründen, die alle jene an sich ziehen soll, die weder zu den Nationalisten noch zu der „Agudath haorthodoxim" gehören. Der neuen Partei will sich auch ein Teil der „Neoassimilanten" anschließen. Es wurde auch beschlossen, ein Organ in polnischer Sprache herauszugeben. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastraße 58. Verantwonlich für den Anzeigenteil: Mar Junge. Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse