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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-05-25 · Heft 21 (25.5.1917) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 21 (25.5.1917)
Date
1917-05-25
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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feiten stoßen. Die Sache erscheint um so absonderlicher, als Briese, in denen sich ganze Sähe in hebräischer oder jüdischer Sprache, jedoch in lateinischen Buchstaben geschrieben, vorfinden, anstandslos die Zensur Passieren. Aber auch die Redaktion des „Lernberger Tageblattes" muß sämtliche Artikel in polnischer oder deutscher Uebersehung der Zensur vorlegen, da der m Friedenszeiten eingestellte Zensor für jüdische und hebräische Sprache gegenrvärtig ausgeschaltet wurde. So ist die Sprache und Schrift, in der die ältesten Kulturdenkmäler der Menschheit, die heiligsten Bücher aller Religionen abgefaßt wurden, ohne jeden haltbaren Grund in Acht und Bann gelegt worden zilm großen Leidwesen der davoll so hart betroffenen jüdischer! Bevölkerung. Run gibt es unter den mindertanglichen Landsturmmäunern unzählige vertrauenswürdige Leute, denen die Zensur hebräischer und jüdischer Postsachen und Jeitungsmanuskripte anvertraut werden könnte. Wir richten au die jüdischen Abgeordneten aus Galizien die dringende Bitte, dieselben mögen diesem Verbote nachgehen und auf dessen baldigste Außerkraftsetzung hinarbeiten. Es ist eine Arbeit, deren Erfolg Urnen alle Ehre machen, ihnen die Dankbarkeit der gesamten jüdischen Bevölkerung des Landes sichern würde. tzollsnd. C/3 Den Haag, im Mai. Der Gesamtbetrag der im Monat A p r i l all den Jüdischen N a t i o n a l f o n d s abgelieferten Spenden beläuft sich auf 9 0 09 3 M a r k. Hierzu haben beigetragen-. Oesterreich 30 570 Mark (davon 5877 Mark aus dem besetzten Gebiet), Deutschland 18 072 Mark (davon 7171 Mark aus dem besetzten Gebiet), Nordamerika 18 538 Mark, Rußland 13 191 Mark, Holland 2395 Mark, Bulgarien 1834 Mark, England 1388 Mark, Schweiz 1099 Mark, Südstavische Länder 849 Mark, Neuseeland 470 Mark, Ungarn 377 Mark, Dänemark 357 Mark. Aegypten 241 Mark, Schweden 72 Mark und Frankreich 40 Mark. Die Verwaltung des Jüdischen Nationalfonds bat letztens in einigen Ländern eine Aktion begonnen, die die Aufbringung größerer Kapitalien für die Realisierung seiner kolonisatorischen Pläne nach Friedensschluß zum Ziele hat. Zn diesem Behufe lvurde ein neuer Spendenthpus, „Nachlaß" genannt, in Höhe von 4000 Mark, 5000 Kronen bzw. 5000 Francs festgesetzt, die die Turchschnittskosten für den Bodenanteil einer Ansiedlerfamilie darstellen. Von Ash und fmt Das Reichsbankdirektorium macht im Anzeigenteil dieser Nummer bekannt, daß vom 21. Mai d. I. ab die Zwischenscheine für die Schuldverschreibungen und Schatzanweisungen der fünften Kriegsanleihe in endgültige Stücke mit Zinsscheinen umgetauscht »verden können. Professor Dr. Adolf L o e w h wurde mit der Vertretung des erkrankten Direktors an der Landwirtschaftlichen Hochschule Geheimen Regierungsrat Professor Dr. Zuntz beauftragt. Dr. Julius Hirsch, bisher Dozent der Privatwirtschaftslehre, ist zum etatmäßigen Professor der Privatwirtschaftslehre an der Kölner Handelshochschule ernannt worden. Ter in Berlin lebende Radierer Erich Wolssfeld, der mit seiner großzügigen künstlerischen Auffassung an Stauffer-Bern oder Greiner erinnert, erhielt den Professortitel. — Ter Buchführer Ludwig L o e b e l bei der Spandauer Königlichen Artilleriewertstatt ist mit dem Berdrenstkreuz für Krieasbilfe ausgezeichnet »verden. — Zürn Vertreter der Versammlung auf dem Westpreußischeu Städtetage zu Danzig am 4. Juni wurde u. a. auch Herr Justizrat Aron so hu iDhoru) gewählt. - Aus Dirschau wird uns geschrieben: Die Stadtverordnetenversammlung beschloß die Annahme einer Schenkung von W000 Mark, die durch den verstorbenen Kommerzienrat Museale und dessen Erben zum Besten der Armen der hiesigen Stadt erfolgt ist, unter lebhaftem Dank für den hochherzigen Stifter. - Wie uns ans Lissa i. P. mitgeteilt wird, ist es den Bemühungen des Herrn Rabbiners Dr. Gelles gelungen, die Aufnahme von 21 erholungsbedürftigen jüdischen Großstadtkindern in dortig/) jüdische Familien zu sichern. - - Die „Breslauer Jüdische Volkszeitnng" berichtet: Zur Unterbringung von Stadtkindern auf dem Laude haben sich entsprechend der Regiernngsverordnung, welche für eine Berücksichtigung der konfessioneilen Gliederung eintritt, die Rektoren der Volksschulen an den Jüdischen Frauenbund gewandt. Derselbe hat einen Ausschuß niedergesetzt. der unter Leitung der Frau Justizrat Ollendorff die Unterbringung fördert. Etwa 70 Kinder sind in verschiedenen jüdischen Familien, n. a. in Neumarkt, Wohlan, untergebracht. Einen Trans- Port haben Herr Direktor F a b i a n und Gattin nach Jauer, einen anderen Frau Ollendorf dieser Tage nach Trachenberg geleitet. Dieselbe nimmt gern weitere Anmeldungen von jüdischen Familien ans kleinen Gemeinden entgegen. - Wie der Obermaat Georg Kahn von der Kaiserlichen Marine zu Kiel in seinem und seiner Kameraden Rainen mitteilte, wurde es ihnen, hauptsächlich durch die Fürsorge des Frankfurter Philanthropen Lassar L e w i f o h n V ermöglicht, herrliche Pessachtage bei ausgezeichneter Verpflegung zu verbringen. Die Sederfeier gestaltete sich sehr erhebend. — Aus S eese n a. H. wird uns geschrieben: Der ehemalige jüdische Alurnnatszögling dev Jacobson-Schule Erich Glas, der als Kriegsfreiwilliger zu Beginn des Krieges ins Heer eingetreten ist, hat wegen hervorragender Tapferkeit vor dem Feinde das Eiserne Kreuz erster Klasse erhalten, nachdem ihm schon vor einiger Zeit das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen und er zum Leutnant der Reserve befördert worden ist. Der wackere Offizier ist nock^ nicht 20 Jahre alt. -- In Meran verschied Generalmajor Simon V vget, Ehrenuntglied der Budapester Ehewra Kadi sch a. Er hinterließ. ohne jede Ehrenbezeugung und ohne jeden-Nachruf beigesetzt zu werden. — Der Kaiser von Oesterreich hat dem k. u. k. Feldrabbiner Tr. Samuel Link für tapferes und aufopferungsvolles Verhalten vor dem Feinde das goldene Verdienstkreuz mit der Krone nur Bande der Tapferkeitsmedaille und den Schwertern verliehen. ' Diese Allerhöchste Auszeichnung, bei gleichzeitiger Verleihung der Schwerter für tapferes Verhalten, wird von all denen, die Herrn Feldrabbiner Dr. Link aus seiner anerkannt rührigen Tätigkeit, die in vornehmer Zurückhaltung, abhold allen Aeußerlichkeiten, in stiller, emsiger Berufsarbeit sowie in entschiedenem und würdevollem Vertreten des Judentums in Erscheinung tritt, kennenzulernen Gelegenheit hatten, mit hoher Befriedigung begrüßt werden. — Aus Budapest wird gemeldet: Dr. Mar Schächter, außerordentlicher Universitätsprofessor, Stabsarzt usw., einer der geschicktesten Operateure Ungarns und hervorragender medizinischer Schriftsteller, ist verschieden. Er betätigte sich auch int jüdischen Gemeind ewesen und auf jüdisch-literarischem Gebiete. Aus Rom wird das Ableben des Schriftstellers Primo L e v t gemeldet. Bekannt sind seine Auffätze in der „Nuova Antologia", womit er als entschiedener Gegner des Zionismus und jeder jüdischen Bewegung auftrat. —- In London hat sich ein Komitee gebildet, das von den russischen Korporationen beschickt ist und die Aufgabe hat, die Rückkehr der russischen Flüchtlinge nach Rußland zu organisieren und ihre Interessen in England »vahrzunehmen. — In einiger Zeit »vird die erste jüdische Musikschule in Warschau unter dem Namen „Musikkurse von Slobodow und Kipnis" eröffnet »verden. Der Leiter dieser Kurse, die teilweise von Professoren des Warschauer Konservatoriums geleitet »verden, ist Tr. A d e l b e r g. Die Schule hat moderne Methoden, so daß die Erwartung berechtigt ist, daß aus ihr gut geschulte Musiklehrer hervorgehen »verden. — Henryk G l y c e n st e i n , der bekannte jüdische Bildhauer, der sich seit Beginn des Krieges in Polen aufhält und sein Atelier nach Warschau verlegt hat, veranstaltet gegewvärtig eine Rundreise durch die größeren und kleineren Städte Polens, um jüdische Kunstgegenstände ausfindig zu »nachen. Auch wird Glycenstein die Friedhöfe zum Studium der Grabinschriften besuchen. — In Sibirien und einer Reihe anderer russischer Gouvernements befanden sich bekanntlich zahlreiche Juden, die von der russischen Okkupationsmacht in Galizien als Geiseln verschleppt wurden. Ein Erlaß der provisorischen Regierung, unterzeichnet vom Ministerpräsidenten Fürsten L»vo»v und dem Kriegsminister Gutschkow, verordnet die sofortige Freilassung aller Verschleppten, ohne Unterschied der Nationalität und des Glaubens. Sämtlichen Befreiten soll "die Mglichkeit der Rückkehr in ihre Heimat gegeben »verden. Tie Unbemittelten sollen von den Behörden die Kosten für die Reise und Unterhalt erhalten. Eine spezielle Mlitä-rkommission »vird eingesetzt, die die Aufgabe hat, die einzelnen Fülle zu untersuchen, in denen die Rückkehr nicht gestattet »verden soll. — Luigi Lnzzatti erklärte dem „Je»vish Morning Journal" von New Hort, daß nach seiner Meinung die Juden überall die Freiheit verlangen »nüsseu, deren sie sich in Italien und in den Vereinigten Staaten erfreuen. Im befreiten Palästina sollen die Juden nicht herrschen, sondern als freie Bürger das Land ihrer Ahnen fruchtbar machen. Wenn das Judentum vom der Bedrückung befreit sein »vird, »vird es nicht mehr ein Volk bilden, sondern eine Religion wie alle anderen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Kah in Berlin-Pankow, Floraftraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. ' Druck und Verlag von Rudolf Masse.

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