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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-04-27 · Heft 17 (27.4.1917) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 17 (27.4.1917)
Date
1917-04-27
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Ouhlsnd. Z. Moskau, im April. Hier fand in eineln Riesensaale eine große öffentliche jüdische Versammlung statt, einberufen von einem Komitee der vereinigten jüdischen Organisationen. Dr. Echiel T s ch l e n o w, der ^intt Vorsitzenden gewählt wurde, gedachte in seiner Rede der Opfer des alten Regimes und begrüßte dann die Freiheit aller „politischen Verbrecher", ferner die Reichsduma, das russische Proletariat und die Armee. Es sprachen dann die Vertreter der verschiedenen jüdischen Organisationen. Verschiedene Forderungen wurden ausgestellt; in einer aber waren sich alle einig: in der Forderung nationaler Rechte für das russische I u d e n t n m. Die Tagung nahm die folgende Resolution an: „Tie jüdische Volksversammlung in Moskau begrüßt in großer Freude die Freiheit. Wir sind ganz davon überzeugt, daß die Gründungsversammlung, die auf Grund des freien Wahlrechtes gewählt werden wird, in Rußland vollkommene Volksverwaltung Herstellen wird und daß dem jüdischen Volke, wie allen anderen Völkern in Rußland, außer der bürgerlichen Freiheit auch nationale Rechte, nationale Selbstverwaltung und freie nationale Entwicklung gesichert werden wird. Tie Versammlung besichließt, einen allgemeinen jüdischen Kongreß in Rußland einzuberufen." Von Ash und f mt — Am Freitag. den 20. April, besuchte Prinz Zia Eddin, der älteste Sohn des Sultans der Türkei, welcher als Führer der türkischen Sondermission. die Sr. Majestät dem Kaiser den ihm vom Sultan verliehenen Ehrensäbel überreichte, in Berlin weilt, das neue Krankenhaus der Jüdischeil Gemeinde in der Ererzierstraße. Der Prinz war von feinem Flügel-adjutanten, Grafen Moltke. und bem türkischen Arzte Dr. B e h b j e t begleitet. Er wurde von dem stellvertretenden Vorsitzenden des Vorstandes des Krankenhauses, Iustizrat Dr. Hermann Oberneck, begrüßt. Am Ern p Tang des hohen Gastes nahmen ferner verschiedene Mitglieder des Krankenhausvorstandes und Verwaltungsdirektor F r i e d in a n n teil. — Dr. Raul Nathan, der Geschäftsführer des Hilfsvereins der deutschen Inden im Ehrenamte, beging am 25. d. M. seinen 60. Geburtstag. — Der kürzlich verstorbene Ehrenbürger der Stadt Posen Geheimer Kouunerzienrat Michael H e r z hat außer verschiedenen Vermächtnissen folgende Lummen letztwillig ausgesetzt: 20 000 Mark der Stadtgemeinde Posen (für den allgemeinen Rettnnaswnds, unter der Bezeichnung ..Michael-Herz-Stiftung"). 10 000 Mark für den Israelitischen Armenhilfsverein in Posen, 30 000 Mark für den Verein junger Kaufleute, 5000 Mark für den Zweigverein des Vaterländischen Franenvereins in Posen, 10 000 Mark für das kaufmännische Erholungsheim, falls ein solches bis zum Jahre 3922 in Lndwigshöhe bei Moschin, Kreis Schrinun, errichtet wird. 10 000 Mark Tür das S. B. Latzsche Alter- und Siechenbenn. behnfts Stisjnna eines Bettes unter dem Namen ..Michael-und-Iennv-herz-Stistnna. und rund 10 000 Mark für verschiedene Vereine ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses. Für das Rote Kreuz in der Provinz Posen spendeten Milch u. l> o. in Posen''2000 Mark. - Das Verdienstkreuz für Kriegshilse ist verliehen worden: dem Stadtverordnetenvorsteher Herrn Iustizrat Ploczek in Posen: dein Kaufmann und Stadtverordneten Herrn S ch w a r c z e n s k i, Inhaber der Firma Salo Wreczfnski in Gnesen: dem Beigeordneten Buchdruckereibesitzer Herrn Emil I v a ch i m in Pleschen ilnd dein Fabrikbesitzer und Stadtverordneten Unteroffizier Simon S a l v m o n in Wreschen. — Juni Osterfeste hat der Fabrikbesitzer Herr Robert A r o n in Bromberg dem Vaterländischen Franenverein 100 und der Stadt Bromberg 200 Zentner Kohlen zur k o st e n l o s e n Verteilung an arme Familien überwiesen. — Herr Dr. Bruno A l e r a n d e r - K a tz und Ehefrau in Görlitz überwiesen der Stadt 20 000 Mark für Kinderfürsorge. — Herrn Isidor Goldschmidt in Dortmund ist der Rote Adlerorden vierter Klasse verliehen worden. — Frau Dora Markus, Gemahlin des Herrn Philipp Markus in Leer in W., erhielt die Rote-Kreuz- Medaille am Bande für Verdienste in' der Pflege in Lazaretten. — Aus Ansbach wird berichtet: Au Stelle des zur Zivitverwaltung in Warschau einberufenen Distriktsrabbiners Tr. P. Kohn, hier, wurde der Königs. Reallehrer Dr. David Braver in Nürnberg zum Distriktsrabbiner dahier gewählt. Die zum Distriktsrabbinat Ansbach gehörigen 21 israelitischen Kultusgemeinden hatten sich auf die'Perscm des neu zu erwählenden Rabbiners geeinigt und gebeten, von einem Ausschreiben der Stelle Abstand zu nehmen. —- In der Magistratssitzung zu Augsburg gab Oberbürgermeister v. Wolfram ein Schreiben der Verwaltung der israelitischen Kultus-- gemeinde bekannt, wonach es diese bei dem Ernst der Zeit und der herrschenden Lebensmittelknappheit als nicht passend erachtet, an das bevorstehende Fest der Einweihung der neuen Synagoge ein Festmahl anzureihen, es vielmehr vorziehe, statt dessen den Betrag von 1000 Mark der städtischen Ernährungshilfe zu überweisen gemäß einer alten jüdischen Tradition, wonach bei festlichen Anlässen die Vvrnahme wohltätiger Werke üblich ist. Der Oberbürgermeister gab weiter bekannt, daß Oberbaurat Holzer das ihm seitens der israelitischen Kultusgemeinde für seine Beratung beim Synagogennenbau nngebotene Ehrengeschenk von 500 Mark gleichfalls für wohltätige Zwecke überlassen habe, und entbot beiden Gebern den herzlichsten Dank des Magistrats. - Dein Assistenz- und Bataillonsarzt Dr. S. Eschwege, früher am Städtischen Krankenhause in Frankfnrt a. M., wurde kür die den Hanseatentrnvven bei den schweren Kämpfen im Westen in vorderster Linie freiwillig geleistete erste ärztliche Hilfe das Hamburger Hanseatenkreuz verliehen. — Aus Heidelberg wird uns geschrieben: Frau Bezirksrabbiner Dr. Pinkuß aeb. Mayer erhielt vom Großherzog von Baden das Kreuz für freiwillige Kriegshilse 1914/16 verlieben. Die gleiche Auszeichnung erhielt Herr Ernst Weil. Teilhaber der Hopsenhandlung Leo Weil in Heidelberg. — Das i s r a el i t is ch e K o n s i sto r i u m des Unte re l s a ß hat das von dem Präsidenten der Kriegsernährungswirtschast herausgegebene Buch über Kriegsernährungswirtschast 1917 den Rabbinern zur weiteren Berbreitung des Inhalts zugestellt. Durch Rundschreiben werden die Rabbiner ans den Erlaß des Kriegsamtes betreffend die Sammlung und Ablieferung von Gegenständen aus Sparmetallen usw. hingewiesen, damit sie diesem weiteren, vaterländischen Zwecken dienenden Werke nach Möglichkeit ihre Unterstützung leihen. — Aus Budapest wird geschrieben: Für das von der Landeszentrale inauanrierte Frauz-Jasefs-Internat sind die ersten 100 000 Kronen bereits eingelaufen. Die Budavester Hanvtgemeinde bewilligte zu diesem Zwecke 25 000 Kronen. — Der Nächstenliebeverein ..A h avas Reim" versah die jüdischen Zivilkranken sowie die vervnmdeten Krieger in den von ihm seit jeher alimentierten Zivilnnd Kriegsspitälern auch diesmal zu den Osterfeiertagen ganz unentgeltlich nnd in unbeschränkter Zahl mit ritueller Kost. Zur Deckung der Kosten der Osterausspeisuna notierte der Bereinsausschuß mit Rücksicht ans die unermeßliche TeuerTmg 10 000 Kranen. Zur Ausnahme von Anmeldungen in die Svitäler wurde eine Kommission entsendet. —- Das Schwedische Korresvondeinbureau verbreitet folgende Mitteilung der Londoner „Iewsih Dinges": Zahlreiche Lebensimittelläden im Ostende Londons kleben in letzter Zeit Plakate an mit der Aufschrift: ..Verkaufe nicht an Inden." Jüdische Frauen, die aw Nah-rungsm.it-tel.waxlen, werden beleidigt und weggejagt. Wenn ne sich wirklich bis zu den Verkäil-'ern' dnrchgedrückt haben, werden sie beschimpft. Auf diese Weise rächt sich' das englische Volk an den russischen Juden, die nicht in das englische Heer emgetreten sind. Die Behörde sieht das alles ruhia mit an. ohne irgend etwas zu tun. nin diesen Bovkott zu verhindern. -- Durch die Politische Amnestie der neuen russischen Regierung ist eine Anzahl von Zionisten, die weaen ihrer Zugehörigkeit zur Zionistischen Oraanisation von der alten Regierung nach verschiedenen Orten Sibiriens verschickt worden waren, nach ihren Wohnorten zurückgekehrt. Es sind darunter Zionisten aus Witebsk und Odessa. Unter anderen wurde auch der bekannte hebräische Schriftsteller M. Kleimnann befreit, der nach Saratow verbannt war.- Die Indische Gemeinde in Lodz hat kur dieses Passahfest etwa 250 000 Rubel unter die hilfsbedürftige jüdische Bevölkerung. verteilt. — Nach einer Kabelmeldung aus Amerika wurde der Amerikanisch-Jüdische Kongreß auf den 2. September .1917 einberufen. — In Montreal wurde zum erstenmal ein Jude in das kanadische Parlament gewählt. Er heißt Berkowitfch und stammt ans Warschau. Verantwortlicher Redakteur: Albert Kak in'Berlin-Pankow.'ggorastrahe f8 Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Jnnge. Berlin-Friedenan. Druck nnd Verlag von Rudolf Mofse.

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