Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1917)
- Date
- 1917-04-27
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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jetzt in den R-uhestan-d getretenen Beamten der israelitischen Kultusgemeinde Jakob Strümpel. Stefan Prager, Sohn des Kaufmanns Sigward Prager in Ottensoos. Dr. Lothar Wallerste i n e r, Rechtspraktikant und Vizewachtmeister in einem bayerischen Artillerieregiment. Sanitätsgefreiter Josef E lk an. D en Militär v e r d i e n st o r d e n 4. Klasseer h i e l t e n: Leutnant d. R. N'ichard F r i e d m a n n im 21. bayerischen Reserve-Jnfanterieregimenh Sohn des Fabrikanten Hugo. Friedmann. Fritz Stein l e i n, Oberleutnant in der 3. bayerischen Trainabteilung, Oberarzt Dr. Alfred A r o n h e i mi -und Richard F e >u ch t w a n g e r beide aus München. Das M ili t ärv er dienst kreu z 2. Klasse erhielt: Feldmiagaziniuspektcr Otto N e u b >u r ger , Sohn des Kommerzienrats Martin M. Neuburger in München. Das Milit ä r v e r d i >e n st k r e u z 3. Kl a s s, e e r h i e l t e n: Rechts Praktika nt und B-izewachtmeilst'er Tr. Lothar W a l l e r st e i n e r. Friedrich E l kan, Sohn des Kaufmanns M. Elkan (Nürnberg). Ersatzreservist S. F r i e d m a n n , Mitinh-aber der Firma W. Friednranns Mve u. Co. Unterofsizier Oskar Th a.lh ei m e r in Fürth. — Kaufnwnn Sigmund Utitz in Nürnberg erhielt vorn Kaiser von Oesterreich das Kriegskreuz für Zivilverdienst. Zum bayerischen Leutnant wurde befördert der Artillerie-Bizewachtiueister Ernst Bi ng, Sohn des Kaufmanns Oskar Bing. Zum Rittmeister wurde befördert Oberleutnant d. L. a. D. Emil Fechheimer, Fabrikbesitzer und Königlicher Handelsrichter. E. M. Koblenz, 20. April. Unsere Gemeinde rühmt sich, die erste jüdische Kultusgemeinde Deutschlands zu sein, die eine Orgel beim offiziellen Gemeindegottesdienst eingeführt hat und den deutschen Gebeten wie dem deutschen Gemeindegesang eine hervorragende Stellung im Gottesdienst einräumte. Schon 1851 richtete der damalige Prediger, spätere Rabbiner Ben I s r a e l, der seit 1843 in unserer Gemeinde wirkte, hier einen modernen Gottesdienst ein, für den er ein besonderes Gebetbuch verfaßte, das 1851 in dem Berlage von Friedländer in Brilon erschien. Nach anfänglichem Widerstreben einer geringen Zahl orthodoxer Mitglieder unserer Gemeinde war der Frieden bald wieder hergestellt. Die Neuerung erfreute sich dauernder allgemeiner Beliebtheit. Das Borgehen der Koblenzer Gemeinde wurde für eine ganze Anzahl jüdischer Gemeinden, besonders in Süddeutschland, bahnbrechend. Nach kurzer Zeit folgten die Gemeinden in Mannheim. AUep i. H., Mainz und anderen Orten/ Erst mehrere Jahre später folgte in der Reichsbauptstadt die Jüdische Reformaemeinde mit der Einführung einer Orgel in ihrem neuen Gotteshaus in der Jobauuisstraße, und etwa fünfzehn Jahre später weihte die Berliner Jüdische Gemeinde ihre große Synagoge in der Oranienburger Straße, in der eine Orgel den Gemeindegesnng begleitet. & & Marburg i. H., 20. April. Ein hebräisches Blindenschriftsvstem hat der Leiter der Berliner Jüdischen Blindenanstalt für! Deutschland, Inspektor F r i e d b e r g e r , ausgearbeitet, das den j blinden Akademikern, die sich dem Studium der Theologie widmen oder ihre angefangenen theologischen Studien fortsetzen wollen, btt* Studium der Bibel im Urtext möglich macht. Die Uebertraguug des Hebräischen in ein für Blinde eriatzbares Punktiersystem bedeutet nicht nur für blinde jüdische Theologen, sondern auch für die protestantische Theologie.-und die Orientalisten einen großen Fortschritt. Das Friedbergersche System besteht, ähnlich wie das Braillesche Beürdenschristsystem, aus einer Zusammenstellung erhaben geprägter Punkte und Striche. Der Friedbergersche Entwurf fand auf der Tagung der blinden Akademiker für Deutschland, die am 17. Dezember 1916 stattfand, lebhafte Beachtung und allgeineine Anerkennung. Die Schrift liegt zurzeit einer hier tagenden Kommission des Vereins blinder Akademiker zur Prüfung und Begutachtung vor. Delgim. S£2 Brüssel, 19. April. Wie am Roschaschonohsest hatten die jüdischen Heeresangehörigen und Beamten in Belgien und, soweit sie Urlaub bekamen, auch von der Front Gelegenheit, die Sederabende in Brüssel gemeinsam zu verleben. An den beiden Abenden waren zirka 350 Kameraden hier vereinigt. Durch die bereitwillige Unterstützung zahlreicher Gönner in der Heimat und in Brüssel selbst war es möglich, ihnen eine in jeder Beziehung gelungene Feier zu bieten. Die Sederabende wurden in echt jüdischer Weife abgehalten. Es war nicht nur für recht gutes, rituelles Essen gesorgt, sondern auch die zeremoniellen Vorschriften wurden vor allen Dingen strengstens befolgt. Zwischendurch wurde ein Hoch aus unseren obersten Kriegsherrn ausgebracht, und werden diese Festabende wohl allen Beteiligten in bester Erinnerung bleiben. Kaien. r. Warschau, im April. An der von der Bolkspartei veranstalteten jüdischen Kulturtagung, die am 26., 27. und 28. März in Warschau stattfand, nahmen zirka 100 Delegierte aus dreißig polnischen Städten teil. Nach einem Beschluß des Zionistischen Komitees hatten die zionistischen Kuturvereine davon abgesehen, die Konferenz zu beschicken. Auch die Lehrer der jüdischen Mittelschulen in Warschau sowie der Bund waren an der Tagung nicht beteiligt. Die Konferenz wurde von Herrn Prilutzki eröffnet, der zunr Vorsitzenden gewählt wurde. Vizevorsitzende waren H. D. Nomberg, Stupnitzki und Ingenieur Merker. Gleich nach den Wahlen des Präsidiums machte sich eine Opposition bemerkbar, die gegen den Parteicharakter der Konferenz protestierte. Die Vertreter der von den Poale Zion gegründeten Arbeiterheime (I. Reichmann, Ingenieur Schurek) und der Delegierte des Bildungsvereins für jüdische Arbeiter (Sußmann) erklärten, daß eine Konferenz, auf der weder die zionistischen noch die Arbei'tkerorWNlsatiouen offiziell vertreten sind, keine bindenden Beschlüsse über jüdische Kulturfragen fassen könne. Sie stellten den Antrag, die Konferenz möge sich als Vorkonferenz erklären, die die Borbereitungsarbeiten für die künftige, von a l l e n national-jüdischen Parteien und Richtungen einzuberufende Kutnrkonferenz erledigen solle. In der Debatte, die die ganze erste Sitzung in Anspruch nahm, schlug der Vorsitzende vor, die Abstimmung über diese Frage aus die lletzte Sitzulüg zu verlegen: tarn dann erst könnten sich die Delegierte.', über den Charakter der Konferenz ein Bild machen. Mit einllndfünfzig gegen sechsundvierzig Stimmen wurde dieser Dorschtag angenommen. Die Vertreter der Arbeiterheilne erklärten.- davauf, daß sie die T-aguna, da sie nur engen Par-teiiickeressen diene, für unnütz betrachteten und daß sie sich an ihr nicht beteiligen könnten. Der Vertreter des Bildungsvereins für jüdische Arbeiter erklärte, daß er nur zu Jnsormationszwecken auf der Konferenz bleibe, ihre Beschlüsse aber nicht für bindend erkläre. S. I. Stupnitzki sprach dann über die Aufgaben der jüdischen Kullurbeweguug, Ratmann Efron über die jüdische Volksschule ulld 9t. Schwalbe über die professionelle Ausbildung in der jüdischen Schule. Alle Redner der sich daran anschließenden Diskussion waren der Meinung, datz die Unterrichtssprache die jiddische sein muß. I. Krönenderg erklärte das Studium der hebräischen Sprache in der Volksschule für überflüssig. I. Kaminkowski erklärte es als ein nationales Verbrechen, die hebräische Sprache aus der Schuteanszllschließen. Jll ähnlichem Sinne sprachen Nomberg ulld Hillel Zeitlin sowie Efron. Nach tangell Debatten wurde einstimmig beschlossen, die Frage des hebräischen Unterrichts an der jüdischen -Volksschule nicht der allaemeinen Schulkommision zu übergeben, sondern sie von der Konferenz selbst in namentlicher Abstimnmug entscheiden zu lassen. Mit überwiegender Mehrheit wurde folgender Antrag des Herrn Efron angenommen: In der jüdischen B o l k s s ch u l e i st de r Unterricht der h e b r ä i s ch' e u Spra ch e obligat o r i s ch u n b m u ß i n i h r e i u e ll d o tu i - nier e n d c it P l n tz e i u n e h nt c n. Die Tagung beschloß ferner einstimmig, die Forderung eines jüdischelt Schulrates in Polen auszllstellen, der alle Angelegenheiten des jüdischen Schulwesens im Lande regeln soll. Eilt jüdisches Lehrerseminar soll demnächst ins Leven ge-! rufen werden. In den weiteren Sitzungen sprach N. Prilutzki über die Elltwicktllng der jiddischell Sprachforschung und ihre nationale Bedeutung, Hillel Zeitlin erstattete ein Referat über die hebräische Sprache als das heiligste Gut des jüdischen Volkes. Es wurden noch Vorträge gehalten über die jüdische Volksmusik, über das jüdische Theater, über das Bibliothekswesen und über die jüdische Folklore. Trotz der Proteste der Opposition wurde auf der letzten Sitzung mit dreiundvierzig gegen zweiunddreißig Stimmen beschlossen, die Tagung als Konferenz, und nicht als Vorkonferenz zu betrachten. Die Opposition verließ darauf die Tagung und die Majorität, die geblieben war, wählte in das Provisorische Zentralkomitee für die Kulturarbeit in Polen die Herren Prilutzki, Nomberg, Stupnitzki, L. K a h a n B o g a t y, Efron u n d D i. n e s o h n aus Warschau und die Herren W o l k o w i c z, Jngeniellr Merk er, N a n f e l d und E t t i u g e r ans der Provinz.