Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 13 (30.3.1917)
- Date
- 1917-03-30
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Galizien und der Bukowirra. Die großzügigen Bemühungen des .in Wien gründeten Vereins zur Rettung verlassener jüdischer Kinder sindet rh^e Hauptstütze NN der unter schwierigen Verhältnissen geleisteten AÄeit inr Lande selbst. (Sin Stab von hilfsbereiten Damen und Herren sowohl am Sitze der Zentrale als auch in den Provinzstädten fittdet da Gelegenheit zu segensreichem Wirken; vor allem jedoch soll der aufopferungsvollen Arbeit des vow Präsidenten Dr. Emil P a r - nas und dem unermüdlichen Generalsekretär David Rüben zahl geleiteten Bureaus dankbarst gedacht werden. -- Die Gesamttätigkeit umfaßt die Fürsorge für in Waisenhäusern und Horten untergebrachten Kinder und für solche, die vorläufigin häuslicher Pflege belassen wurden. Der uns vorliegende Bericht meldet, daß bisher 552 Kinder in . Waisenhäusern untergebracht sind, hiervon 104 im Waisenhaus Leprberg I, 50 im Waisenhaus Lemberg. II, . ferner in den Waisenhäusern Ernsdorf 90, Simachowitz-Stiftung dortselbst 30, Jaworow 34, Symbor 74. Przernhsl 50, Przemysl ('Tagesheimstätte) 90. Die Waisen Häuser in Sambor und Przemysl sollen in Kürze auf je 100 Plätze erhöht werden, zu melchenr Zwecke der Wiener Verein den Betrag von 15.000 Kronen zur Beschaffung der Einrichtung widmete. Ebenso soll in nächster Zeit in Lemberg ein mit einer Werkstätte verbundenes Internat für 25 der Schulpflicht entwachsene Mädchen ins Leben gerufen werden, außerdem ist die Schaffung von Waisenhäusern in Stryj und Mosciska sowie von Tageshorten in Grodek und Sadora-Wisznia in Vorbereitung. Durch Vermittlung des Zentralkomitees bzw. seiner Vertrauensmänner gelangen auch die .staatlicherseits bewilligten, leider bisher sehr bescheiden gehaltenen Unterstützungen an häuslich untergehrachte Kriegswaisen (pro Kopf 5 Kronen monatlich) zur Verteilung. Dank der Fürsorge des Vereins zur Rettung verlassener jüdischer Kinder in Wien konnte auch eine recht ansehnliche Bekleidungsattion in -Angriff genommen merbcn, und zwar wurden bisher 1500 Paar Schuhe. 508 Kleidchen, 765 Knabenanzüge, 595 Wiuterkrägen (Mäntel), 100 Sweater, 960 Leibchen, 800 Paar Strümpfe, 840 Taschentücher und N53 sonstige Wäschestücke znr Verteilung gebracht. Von Osh und JFmt ----- Ter Berliner Stadtverordnete Herr L e o p o l d Iacobi vollendete am 23. d. M. sein 70. Lebensjahr. Er vertritt seit 1889 den ersten Gemeindewahlbezirk der Zweiten Abteilung ununterbrochen in der Stadtverordnetenversammlung. Die Gemeindebehörden wühlten ihn in den Aufsichtsrat der Städtischen Elektrizitätsunb Gaswerke sowie der Städtischen Straßenbahn und in eine Reihe anderer Deputationen. In der Verwaltung der Berliner Jüdisck)en Gemeinde betätigt sich Stadtverordneter Iacobi seit Septenlber 1882 als Mitglied der Steuerveranlagungskonunission, an deren Aufgaben er lebhaften Anteil nimmt. Stadtverordneter Iacobi hat aus Anlaß seines 70. Geburtstages dem Vorstände der Jüdischen Gemeinde eine Spende von 10 000 Mark überwiesen, die fite Kriegswohlfahrtszwecke Verwendung finden soll. Ter Vorstand der Indischen Gemeinde hat seinem Mitarbeiter -ein herzliches Glückwunschschreiben übersandt, das die Verdienste Jacobis um das öffentliche Leben unserer Vaterstadt und unserer Gemeinde hervorhebt. -- Der Frau Henriette May wurde in ihrer Eigenschaft als Schriftführerin des „Jüdischen Frauenbundes" das Verdienstkreuz für Kriegshi'lfe verliehen. - - Ten Herren Bernhard Ka ß und Handelsrichter Albert K i r f ch st e i n in. Berlin ist für ihre Verdienste um die Leitung des Ausschusses für Konfektionsnotarbeit das Verdien stkrenz für Kriegshitse verliehen worden. — Dem Feldrabbiner Dr. Jacob Sänger ist von Seiner Majestät dem Kaiser von Oesterreich das Ritterkreuz des Franz Josef - Ordens mit der Kriegsdekoration verliehen worden. - - Das Vorstandsmitglied des Vereins der Oesterreicher in Berlin Ober Ingenieur Jakob Mandl, der sich auch als Kurator der Kaiser- Franz - Josef - Stiftung „ Das Kind" verdient gemacht hat. ist in Berlin gestorben. — Die Ne P rä sen ta ntenversam m l u ng der A d a ß - I i s r o e l - Gemein de hat die Errichtung einer jüdisckpn Volksschule beschlossen. Die erste Klasse soll sobald als nur irgend möglich eingerichtet werden. Im Jüdischen Mädchenhaus Pankow werden jüdische Mädchen von 14 bis. 16 Jahren zur unentgeltlichen hauswirtschastlichen Ausbildung ausgenommen. Meldungen an Frau Geheimrat Loewe, Berlin W, Uhlandstraße 30. Tie ordentliche Hauptversammlung des Vereins „Jüdische Blindenanstalt für Deutschland E. V." findet I am Sonntag, den 1. April, 11 Uhr vormittags, im Vorstandszimmer des Brüdervereins, Kurfürstenstraße 115/116, statt.;~t Herr Kallsmann Julius S p ringer, in Kukmsee hat der Stadt Kulrnsee zum Andenken an seinen im Felde gefallenen Sohn die Summe von 5000 Mark gestiftet. Die Zinsen sollen für Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene gefallener Krieger verwandt werden. - $er©el}eime Kommerzienrat Michael Herz. Inhaber der Firma Lramncl Herz in Posen, ist im Alter von nahezu 76 Jahren gestorben. Ter Entschlafene war lange Jahre hindurch Vorsitzender der Posener Handelskammer und Ehrenbürger der Stadt Posen. Herz war unter anderem auch erster Vorsitzender des Aufsichtsrates der Ostbank für Handel und Gewerbe, Mitglied des Aufsichtsrats der Posener Straßenbahn pnd der Bank für Handel und Industrie. Der Dahingeschiedene stand auch an der Spitze des Lokalkomitees des Hilfsvereins der deutschen Inden in Posen. — Zum erstell Rabbiner von Leipzig wurde der bisherige Rabbiner von Oppeln, Dr. Gold m a n 11, gewählt. — Anläßlich des 25jährigen Regierungsjubilänms des Großherzogs von .Hessen wurde Herr Rabbiner Dr. Marx in Davmstadt mit dein Professorentitel au'sgezeichnet. - - Aus Frankfurt a. M. wird berichtet: Die Villa des früheren englischen Generälkonsiuls Sir Francis Oppenheimer, die von der deutschen Regierung zur Zwangsversteigerung gestellt worden ist, wurde von dem österceichichen Generalkonsul Max Freiherr v. Goldschmidt-Rothschild, an dessen Liegenschaften sie grenzt, für 670 000 Mart gekauft. - - Der Sanitätsgefreite Fritz Lehmann, bei einer Fußartiüerie-! batterie im Westen, erhielt das Eiserne Kreuz. Fritz Lehmann ist der jüngste von drei Brüdern, Söhne des Schriftstellers Herrn Oscar Lehmann in Mainz, die alle im Felde stehen und nun auch alle drei das Eiserne Kreuz erhalten haben. — Kommerzienrat Joseph Baum, der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Kattsmannserholungslieime, Mitinhaber der Firma „Nassauische Leinenindustrie I. M. Baum", ist in Wiesbaden gestorben. -- Das „Jüdische KorrespondenMatt" im Haag teilt mit, daß der Minister für innere Angelegenheiten auf eine Anfrage des Zentralkomitees zur Unterbringung jüdischer Kinder ans allen kriegführenden Ländern die Antwort gab, daß ihm mit Rücksicht auf die vielen Schwierigkeiten in der Lebensmittelfrage eine Erweiterllng der Tätigkeit des Zentralkomitees nicht angebracht erscheine. — Alls Brünn wird uns geschrieben: Dieser Tage erschien in der Statthalterei eine Abordnlurg der kleineren Kultusgemeinden in Mähren, bestehend aus den Rabbinern Dr. I. Günzig (Loschitz), Dr. F. Kanter (Zwittau) und Dr. Rosen mann (Mährisch-^Schönberg), um für die Versorgung der Flüchtlinge mit Kartoffeln während des israelitischen Osterfestes zu bitten. Die Abordnung wies darauf hin, daß mit Rücksicht auf die knapp zugemessene Mazzothmenge die armen Flüchtlinge in diesem Jahre besonders schwer betroffen werden und daher eine Abhilfe dringend zu empfehlen wäre. Zugleich ersuchten die Rabbiner, die Höchstpreise für Mazzoth in diesem Jahre möglichst niedrig zu bemessen. Hofrat Werner, der die Abordnung empfing, versprach die vorgebrachten Wünsche tunlichst zu berücksichtigen. — Herr k. u. k. Hoflieferant Markus Bondi in Wien, ein geborener Mainzer und Vater des Mainzer Rabbiners Dr. Jonas Bondi, erhielt von Seiner Majestät dem österreichischen Kaiser den Titel eines Kaiserlichen Rates. Herr Adolf Jonas in Budapest spendete 500 000 Kronen zugunsten des GraLisbrot- Waisen gestiftet. — Die jüdische Gemeinde in Kairo rühmt sich, im Besitze einer Bibelhandschrift zu sein, die aus dem salomonischen Tempel stammen soll. (?) Diese Bibel wurde als besonderes Heiligtum sorgsam gehütet. Als Napoleon Aegypten eroberte, drang der Ruhm dieser Bibel bis zu ihm. Er entschlyß sich, die Synagoge zu besuchen und versuchte das Manuskript für das Pariser Museum zu erwerben. Man bot vergebens den Juden eine enorme Geldsumme an, wollte ihnen eine neue Synagoge bauen und ihre bürgerliche Stellung verbessern; aber umsonst! Der Rabbiner erwiderte: „Sie sind Herr des Nils und des ganzen Landes Mizraim, sie' haben Macht, uns diese Bibel mit Gewalt zu nehmen, aber gegen Tausch überlassen wir sie nicht." Die Juden blieben nicht allein im Besitz ihrer Bibel, sondern auch in ihrem früheren Zustande. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in B er Nu, Pankow, torastratze 58 Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge. Derlin-griede«aü. Drink und Verlag von Rudolf Moffe.