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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-03-30 · Heft 13 (30.3.1917) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 13 (30.3.1917)
Date
1917-03-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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81. Jahrgang Nr. 13 Berlin, 30. März 1917 Ein unparteiisches Mrgan für alles jüdische Interesse Diese Zeitung, erscheint wöchentlich. A bonnements'preis» durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich Z IN. — Postscheckkonto 324. Begründet von Rabbiner Br. Ludwig Phiiippson Unter Leitung der Geheimen Regierungs-Rais Professor Vr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße 46-49, zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. 'flnhfHf* Nicht zählen, sondern wiegen! Ein*Nachwort zur Haupt- Versammlung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Berlin am 4. Februar 1917. Bon Rabbiner Dr. Hatpersohn (Mysloivitz. — Tie Woche. — Zu den Rilnatvorschristen des Pessachfüftes. Bon Ixvri. — Die Ausstellung der Kunstsammlung der Jüdischen.Gemeinde zu Berlin. Aus dem am Eröffnungstage erstatteten Bericht von Moritz Stern. — Dr. AI. Spanier in Magdeburg. Bon Bxuno Lange. — Rabbiner Tr. Seligkowitz (Köthen). Bon A. K. — Richard Otto Frankfurter: Ohne Götter. Besprochen von L u dw i g G e i g e r. — Feuilleton: Ein Purinifpiel mit Hindernissen. Humoreske von M. Pulvermann. — Tante Trude. Roman einer Vierzigjährigen. Von Anna Goldschmidt. — Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Aachen, Dortmund, Bratet (Kr. Höxter), Darmstadt, Wien. —- Von Nah und Fern. Sicht zählen, sondern wiegen! Ein Nachwort zur Hauptversammlung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Berlin am 4. Februar 1917. Bon Rabbiner Dr. H alpe r s o h n l.Mystvwitz). er der jüngsten Hauptversammlung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Berlin beigewohnt hat, der wird sich kaum des Gefühls haben erwehren können, daß neben all dem Trefflichen, was da im Hinblick auf die Judenzählung von berufenem Munde gesagt worden ist, so manches ungesagt geblieben ist. Für beides gebührt der umsichtigen Versammlungsleitung, die in den bewährten Händen des Vorsitzenden Justizrat Horwitz lag, uneingeschränkte Anerkennung, und wenn der zweite Redner zu dem Hauptpunkte der Tagesordnung: „Die Juden im Heere", Rabbiner Professor Werner, bem Vorstande des Vereins seinen Dank aussprach für das, was er in der Angelegenheit der Judenstatistik getan hat, und für das, was er nicht getan hat, so werden wir diesen Tank ausdehneü dürfen auf das, was in der letzten Tagung in dieser Zählungsfrage zum Ausdruck gelangt ist, und für das, was dort nicht zum Ausdruck gelangt ist. Nicht gefährliche oder gar staatsgefährliche Dinge waren es, die von der Erörterung ausgeschlossen blieben, wie der Berichterstatter der „Deutschen Tageszeitung" in seinem Berichte über die Versammlung ^Montagsausgabe vom 5. Februar 1917) glaubhaft machen will; für die Unrichtigkeit seiner Auffassung spricht schon - wenn es noch eines Beweises bedarf Name und Charakter des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der vom Beginn seines Bestehens an bewußtes Deutschtum und bewußtes Judentum auf sein Banner geschrieben hat! Nein, es handelte sich um nichts mehr und nichts weniger als um die Aussprache über die von den Heeresbehörden angeordnete zahlenmäßige Erhebung, die für den Augenblick unterblieb und auf einen späteren Zeitpunkt nach Friedensschluß zurückgestellt wurde. So hat auch der Berichterstatter Geheimrat Cassel mit ausdrücklichen Worten erklärt, „daß man, wenn, die Waffen ruhen, auf den Erlaß über die Judenzählung im Heere zurückkommen werde, daß aber gegenwärtig alles zu vermeiden sei, was eine Trübung an irgendeiner Stelle Hervorrufen könnte". Die Auseinandersetzung über Berechtigung und Bedeutung der Judenzählung im Heere muß demnach der Zukunft Vorbehalten bleiben; sie wird aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. Da wir also in der Gegenwart nicht von der Gegenwart sprechen dürfen, so wollen wir einen Blick tun in die Vergangenheit, in die Tage des biblischen Altertums, wo auch „Judenzählungen" erfolgten, und aus der Vergangenheit wollen Nur für die Gegenwart die Nutz» anwendung ziehen, die gipfeln möge in dem Satze: „ N i ch t zählen, s o n d ern wi e g e n! " Von solchen Zählungen wird uns zu wiederholten Ata len in der Schrift berichtet, und erst in den letzten Wochen haben wir in der Synagoge mehrmals davon vernommen. Ziel und Zweck und im Zusammenhang damit der Umfang der Zählungen im alten Israel ist verschieden. Bald gilt es, die Gesamtzahl der über 20 Jahre alten Männer aufzunehmen (2. Buch Moses 00,12 ff.; 4. Buch Moses 1,1 ff.), bald wird der Stamm Levi, der bei diesen allgemeinen Zählungen nicht mitgerechnet wurde, einer besonderen Musterung unterworfen, und zwar nach drei Gruppen getrennt, gemäß seiner Einteilung in drei Stammeshäuser (4. Buch Moses 4,2; 4,22: 4,29), bald werden alle Sohne Levis von einem Monate und darüber als „Austausch" gegen die Erstgeborenen der übrigen Stämme, deren Anzahl gleichfalls zu ermitteln war (daselbst 3,40), zahlenmäßig festgestellt. War demnach Ziel und Zweck der Zählung verschieden, so blieb sich doch wohl in allen Fällen die Art der'Zählung gleich trotz der Mannigfaltigkeit der technischen Ausdrücke bei den einzelnen Musterungsgeboten. lieber den Vorgang des Zählens gibt uns nur eine Stelle, die oben zuerst genannte, erschöpfende Auskunft. Da heißt es: „Wenn du aufnimmst die Kopfzahl der Kinder Israel nach ihren Musterungen, so soll jeder ein Sühnegeld für den Herrn geben, auf daß keine Seuche unter ihnen sei, wenn man sie mustere. Das gebe ein jeglicher, der durch die Musterungen geht: einen halben Sekel nach dem Sekel des Heiligtums, zwanzig Gera der Sekel, einen halben Sekel als Gabe dem Herrn." (2. Buch Moses 30,12 ff.) Mit anderen Worten: Tie Volkszählung sollte nicht, wie sonst allgemein üblich, nach Köpfen geschehen, denn dies könnte, 'wie befürchtet wird, ein Massensterben nach sich ziehen (vgl. dazu 2. Sam. 24,1, wo man in der Tat in den Tagen Davids den Ausbruch einer Pest dem aus des Königs Geheiß begangenen Verbrechen einer „Volkszählung" zuschrieb: heutigen Tages besteht ja noch bei den Alten eine fromme Scheu, eine Zählung von Personen nach Köpfen zu bewerkstelligen, etwa zur Feststellung der für das öffentliche gemeinsame Gebet vorgeschriebenen Zehnzahl). Vielmehr sollte' von jedem, der für die statistische Aufnahme in Frage kam, d. h. von jedem Zwanzig-

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