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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-03-16 · Heft 11 (16.3.1917) · p. Seite 122

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 11 (16.3.1917)
Date
1917-03-16
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
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- 122 die Versorgung und Unterbringung der Studierenden nach Beendigung ihrer Studien betreiben wird. Unbemittelten Studierenden werden die Studiengelder bis zur Erlangung einer Berufsstellung gestundet werden und sollen sie die gestundeten Studiengelder in Teilbeträgen zurückerstatten können. Sehr reichhaltig wird auch der Lehrplan der „Fürst- Leopold-Akademie" ausgestaltet sein. Er umfaßt etwa folgende Disziplinen: Rechts-, Staats- und Verwaltungskunde, » Bürgerliches Recht, Straf- und Prozeßrecht, Gerichtliche Medizin, Wirtschaftslehre, Bodenfrage, Versicherungswesen, Behörden, Organisationen, Selbstverwaltung, Verwaltungsstreitverfahren, Schulrecht, Armenrecht, Handelsrecht, Polizei-, Kontrollwesen, Städtebauwesen, Gefängniswesen, Finanzwifsenschast, Bankwesen, Pressewesen, Presserecht, Geschichte der Presse usw. Dem Lehrkörper werden führende deutsche Gelehrte und hochgeachtete akademische Lehrer angehören. Als Aufnahmebedingung soll zwar als Mindestforderung das einjährig-freiwillige Zeugnis gefordert werden, doch liegt es — wie dieser Tage von wohlunterrichteter Seite bekannt gegeben worden - weder im Sinne des fürstlichen Gründers, noch in dem seiner ihn beratenden Beamten, die Grenzen der gesellschaftlichen oder wissenschaftlichen Voraussetzung eng zu ziehen. Der Berechtigungsschein wird ebensowenig einen Eckpfeiler bilden wie etwa die Zugehörigkeit zum Ofsizierstande. Fürst Leopold will - so wurde in der „Lippischen Landeszeitung" ausgeführt -- dem Worte „Freie Bahn dem Tüchtigen" gerade auch in der neuen Verwaltungsakademie einen Inhalt, eine praktische Bedeutung geben. Der Fürst und seine Berater wollen, daß gerade die Intelligenten und Fleißigen, diejenigen, denen das Leben bislang die Pforten zum wissenschaftlichen Lehrsaale verschlossen hat, in Detmold eine Lehrstätte finden. Tie vorstehenden Ausführungen sprechen für sich selbst. Hier tritt ein Institut ins Leben, das auch seitens der deutschen Judenheit höchstes Interesse verdient, weil es die Aufgabe erfüllen wird, eine gediegene wissenschaftliche Grundlage für den zu wählenden Beruf unserer nach Bildung strebenden jüdischen Jugend zu geben, weil es ihnen die Pforten öffnet zu einer neuen Möglichkeit einer gesicherten Lebensstellung. Nicht unerwähnt möge zum Schlüsse bleiben, daß die in Lippe wohnenden Juden von jeher sich stets bei Regierung lind Behörden großen Wohlwollens erfreuten und auch die nach Detmold eilenden Bildungsbeflissenen hier eine größere jüdische Gemeinde vorfinden werden, in der ein reges jüdisches Gemeinde- und Geistesleben herrscht. Auf Detmolds wundervolle Lage inmitten des Teutoburger Waldes, auf seine überaus gesunden klimatischen Verhältnisse hinzuweisen, dürfte sich wohl erübrigen, weil Detmold als eine Perle unter den Städten Deutschlands rühmlichst bekannt ist. Dir Woche» Berlin, 18. März 1917. er 11. März, der Tag unserer Befreiung, ist diesmal still vorübergegangen. Wir haben keinen Grund zu lauten Feiern und nicht einmal Anlaß zu ruhigem, froheni Gedenken; denn so dankbar wir auch dafür find, daß ein wohlmeinender König, unterstützt von hochgesinnten und großgestinunten Räten, den Juden Preußens vor nun 105 Jahren, 1812, die Aufnahme in den Bürgerverband gewährte und sie dadurch zu vollberechtigten Staatsbürgern machte, so muß man leider bekennen, daß seitdem mancher Rückschlag eingetreten ist, viele Hoffnungen geknickt und viele Wünsche unerfüllt geblieben sind. Aber wir sind nicht gewillt zu klagen, sondern sind wie in allgemeinen so auch in jüdischen Dingen hoffnungsfroh und zukunftssreudig. Wie wir trotz ständiger langanhaltender Kälte und immer erneuter Wiederkehr eisiger Wintcrstürme des kommenden Frühlings sicher sind, so wollen wir trotz der nicht aufhörenden Beeinträchtigungen, trotz der beständigen Nadelstiche, trotz der immer wieder sich zeigenden heimlichen und offenen antisemitischen Gesinnung nicht aufhören zu hoffen, daß auch den Juden in Preußen und im Deutschen Reich ein voller und ganzer Frühling endlich beschert sein möge. Wie in der Natur, so will es auch in der Welt bisher nicht rechter Frühling werden. Die schweren, opferreichen Kämpfe gehen überall weiter. Im Westen sind kleinere, im Osten größere Erfolge von uns erzielt worden. Der Unterseebootkrieg dauert fort, auch kürzlich ist wieder mehrmals von einer reichen Beute, von je 30 000 Registertonnen, gemeldet worden. ..Die Vereinigten Staaten Amerikas stehen unmittelbar vor dem Abbruch der Beziehungen zu Oesterreich-Ungarn, der Präsident Wilson hat die Betvaffnung der Handelsschiffe angeordnet. Demgemäß wurde die von Deutschland verhängte Unterseebootsperre für den amerikanischen Handelsverkehr als nicht bestehend betrachtet. Es wird ferner mitgeteilt, daß Norfolk, Baltimore und Washington aeaen Ueberraschungen durch Unterseeboote geschützt wurden. Ein Stahlnetz sei zum Schutze der Reede von Hampton Roads gespannt worden. Damit seien die Festungen Monroe, Oldvoint, Comfort teilweise und Norfolk ausreichend geschützt. Wohl könne man nicht verhindern, daß Unterseeboote in die Cheaspeakebucht bis Baltimore und Washington gelangen, aber nachts werde das Drahtnetz seine Schuldigkeit erfüllen. Aus Meriko wird gemeldet, daß die antiamerikanische Bewegung um sich greift, und daß Meriko gegen englische Anzapfungen sich energisch gewehrt hat. Unter den allgemeinen Ereignissen, die eine kurze Mitteilung verdienen, sei nur der Tod des Grafen Zeppelin, des Erfinders der großen, seinen Namen tragenden Luftschiffe, erwähnt. Der Tod erfolgte im 78. Lebensjahre des hochbedentenden Mannes, dessen Name der Unsterblichkeit geweiht ist. Es ist beklagenswert, daß ein Mann von einer so großartigen Bedeutung, dessen wunderbare Erfindung auch während dieses Krieges für die Deutschen Großartiges geleistet hat, nicht den endgültigen Sieg der deutschen Waffen erleben konnte. Graf Zepvelin starb in Berlin infolge einer Lungenentzündung: seine Beisetzung ist in Stuttgart erfolgt. In den feindlichen Ländern verschlechtern sich die materiellen und Politischen Verhältnisse zusehends. In Frankreich konstatieren selbst regierungsfreundliche Blätter, daß das j Ministerium Briand nicht mehr die gewohnte Majorität besitze. > In Rußland scheint die Lebensmittelnot aufs höchste gestiegen zu sein; Aufstände sind in'Petersburg und anderwärts ailsgebrochen, die blutig unterdrückt werden. In Italien herrscht Zuckernot, Kohlenmangel: die Unterdrückung der SeidenauSfuhr nach England scheint eine Katastrophe vorzubereiten. In Italien bestärkt man das Elend durch Spionenriecherei. Darüber meldet das „Berliner Tageblatt": „In der Kammer gab der Abgeordnete Defelice „Enthüllungen" über angebliche deutsche „Spionage in Nom". Defelice erklärte, das; Rom nach wie vor von deutschen Spionen wimmle. Ans Anrufe: „Die

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