Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-03-09 · Heft 10 (9.3.1917) · p. Seite 110

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 10 (9.3.1917)
Date
1917-03-09
Page
Seite 110 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3229286-3229296--72940-3285393
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

110 tragen. Die Geschichte des Weltkrieges wird einst zeigen, wie diese Art von Blättern planmäßig das Feuer entfacht und bis zuletzt sich bemüht hat, statt den Brand zu ersticken, nur noch mehr Oel in die lodernden Flammen zu gießen. Und was für den heutigen Völkerbrand im großen gilt, das gilt von dem Kampf im kleinen, wie ihn die antisemitische Presie feit langer Zeit mit einer Ausdauer und Unermüdlichkeit, die einer besseren Sache würdig wären, gegen die Juden führt, um die alten Vorurteile wach zu erhalten und neue Scheiterhaufen für sie anzuzünden durch Behauptungen, die teils unwahr, teils maßlos übertrieben sind. Da mögen die Juden dasselbe Wort sich zur Richtschnur nehmen, das Herr v. Kardorff gegenüber den deutschfeindlichen Anklagen der ausländischen Blätter und Staatsmänner dringend empfohlen hat: „Wenn die Verleumdungen hundertmal ausgesprochen werden, dann soll die Wahrheithundertmal verbreitet werden!" Man soll also nicht müde werden, Vorurteile zu widerlegen. Aber Vorurteile, heißt es, werden mit der Muttermilch eingesogen. Deshalb sollen sie schon von Kindheit an als unbegründet hingestellt werden, und in Haus und Schule soll mit Nachdruck gegen sie angekämpft werden. Und wie die Sonne durch das finsterste Gewölk schließlich hellstrahlend und beglückend hindurchbricht, so werden Wahrheit, Recht und Vernunft über Lüge, Unrecht und Vorurteil trotz alledem zum Siege gelangen: So will es das eherne Sittengesetz, das die Weltgeschichte als Weltgericht verkündet. Bit Woche. Berlin, den 6. März 1917. ie große, allgemeine Frühjahrsoffenstve ist zwar noch nicht eingetreten, aber mannigfache Vorstöße sind an verschiedenen Fronten erfolgt. Ueberall zeigt sich dasselbe Resultat. Trotz gelegentlicher, planmäßig geschehener Rücknahme unserer Linien und trotz mancher Verluste, die auch von unserer Heeresleitung nicht in Abrede gestellt werden, überall siegreiche Abwehr der Angriffe mit stattlicher Beute und vielen Gefangenen. Nirgends ist ein Durchbruch, nirgends ein irgendwie sichtbarer Erfolg unserer Gegner geschehen. Wir können also mit aller Ruhe und vollem Vertrauen auf die Tapferkeit unserer unvergleichlichen, heldenmütigen Truppen rechnen «und dürfen uns der Zuversicht hingeben, daß ebenso wie im Frühjahr 1915 und 1916 die Prahlereien unserer Gegner schmählich zuschanden werden und die von ihnen immer verkündete, wohl aber kaum von ihnen selbst geglaubte Gewißheit ihres endgültigen Sieges in das Gegenteil verkehrt wird. Unterdesien sind unsere Unterseeboote wacker an der Arbeit; können auch nicht täglich bestimmte Zahlen angegeben werden, so verlauten von Zeit zu Zeit amtliche Berichte, welche die wunderbarsten Taten unserer Schisse und die schwersten Schädigungen unserer Feinde berichten. So wurde in der verflossenen Berichtwoche an einem einzigen Tage' die Vernichtung von nenn russischen Schiffen im Eismeer und von vier großen Transportdampfern im Atlantischen Ozean und von sehr viel kleineren und größeren Schiffen an den verschiedensten Stellen gemeldet. Ferner wird neuerlich berichtet, daß an der Südküste Irlands durch zwei deutsche Unterseeboote 15 Dampfer und 7 Segelboote, im ganzen also 22 feindliche Schiffe, mithin zusammen 64 500 Registertonnen versenkt worden sind. Endlich wird mitgeteilt, daß 21 Dampfer, 10 Segler und 16 Fischerfahrzeuge mit insgesamt 91 000 Bruttoregistertonnen versenkt seien. EineKriegserklärungAmerikasist bisher noch nicht abgegeben worden. Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Oesterreich-Ungarn sind zwar gespannt, aber noch nicht abgebrochen. Die Nachrichten darüber widersprechen sich, ob die Bereinigten Staaten in der Versenkung eines Schiffes, aus dem auch einige Amerikaner zugrunde gegangen sind, die „offene Handlung" zu sehen geneigt sind, die dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Amerika und Deutschland den wirllichen Krieg folgen laffen. In Amerika sind die Stimmen, die zum Frieden raten, sehr zahlreich, obgleich man im großen und ganzen annehmen darf, daß die Amerikaner ihren Präsidenten, der ganz gegen Willen und Gesetz die Absicht hat, wenn nötig, auch eigenmächtig vorzugehen, nicht im Stiche lassen werden, so wenig sie auch geneigt zu sein scheinen, ihm die von ihm gewünschten unbedingten Vollmachten anzuvertrauen. Wohl verlautet aber schon jetzt, daß in den Vereinigten Staaten nirgends, selbst nicht bei dem taten- und kriegslustigen Präsidenten, die Neigung vorhanden ist, sich mit den Ententemächten so weit eins zu erklären, daß sie sich, wie es jenen am besten paffen würde, die Hände vollkommen binden laffen, so daß sie nur-in Gemeinschaft mit allen wider uns Verbündeten zu einem Friedensschluß bereit wären. So würde man, wenn es wider Erhoffen doch zum Kriege zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland kommen würde, das seltsame Schauspiel eines großen und eines kleinen Krieges erleben, um einen Ausdruck zu gebrauchen, der in vielen politischen Zeitungen wiederkehrt: die bei weitem größere Zahl unserer Gegner, fest entschlossen, nur gemeinsam Frieden zu schließen, und der neueste Gegner, der sich vorbehält, den für ihn passenden Zeitpunkt zu einem Friedensschluß abzuwarten. Eine ziemliches Aufsehen erregende Nachricht besagt, daß eine Weisung seitens des Deutschen Auswärtigen Amtes an den deutschen Gesandten in Mexiko gelangt sei, der mexikanischen Regierung ein Bündnis anzubieten für den Fall, daß die Vereinigten Staaten Amerikas uns den Krieg erklären sollten. Kommt dieses Bündnis zustande, so würden dadurch Amerika starke Schwierigkeiten bereitet werden, die jene große Macht verhindern müßten oder es ihr jedenfalls erheblich erschweren würden, einen wirklichen Krieg gegen Deutschland zu führen. * Das Schreiben des Staatssekretärs Zimmermann an den deutschen Gesandten in Mexiko hat folgenden Wortlaut: Berlin, den 19. Januar 1917. Ain I. Februar werden wir den uneingeschränkten U-Boot-Krieg beginnen; trotzdem hat man die Absicht, Amerika neutral zu halten. Wenn diese Bemühungen nicht gelingen, so schlagen wir ein Bündnis mit Mexiko auf folgender Grundlage vor: Wir werden gemeinschaftlich Krieg führen und Frieden schließen. Wir würden eine allgemeine finanzielle Unter st ützung gewähren, und es wird angenommen, daß Mexiko das verlorene Gebiet von N e u - M e x i k o und Arizona zurückerhalte. Einzelheiten der Ausführung werden Ihnen überlasten. Sie haben den Auftrag, Carranza im strengsten Vertrauen zu sondieren, und sobald es gewiß ist, daß ein Krieg mit Amerika ausbrechen wird, ihm den Wink zu geben, er möge sich aus eigener Initiative mit Japan in Verbindung fetzen, dieses Land zum Anschluß auffordern und gleichzeitig seine Vermittelung zwischen Japan und Deutschland anbieten. Lenken Sie die Aufmerksamkeit Carranzas darauf, daß die Durchführung des rücksichtslosen U-Boot-Krieges es möglich macht, England niederzuzwingen und innerhalb weniger Monate zum Frieden zu bringen. Unterschrift: Zimmer mann. Wenn sich die gegnerische Presse über einen solchen Schritt der Reichsregierung erhitzt, so ist entschieden darauf hinzuweisen, daß wir genau dasselbe Recht haben, uns an Neutrale zu wenden, wie Amerika bei dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen die Neutralen zu einem gleichen Schritt zu veranlassen suchte. A

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.