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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-02-16 · Heft 7 (16.2.1917) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 7 (16.2.1917)
Date
1917-02-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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81. Jahrgang Nr. 7 Allgemeine Berlin, 16. Februar 1917 eitung des Judentums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wöchentlich. A bonnementS'Pre^sdurch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsftellen) bezogen vierteljährlich 3 IN. — Postscheckkonto 32<*. Begründet von Uabbiner Vr. Ludwig PHMppson Unter Leitung der Geheimen Regierungs-Rats Professor vr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgein. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße *6-99, zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. TTttflAlt* ®ur vergleichenden Religionsgeschichte. Von Dr. B. Selig- IJlItJl4!l + fowitz (Döthen). — Die Woche. —- Eröffnungsrede am 5. Delegiertentag des Jüdischen Frauenbundes, gehalten von Sidonie Werner (Hamburg). — Edmund Helfft. Von L. G. — Direktor Dr. Hermann Baerwald. Von Direktor Tr. S. Adler (Frankfurt a. M.). — Beer Rainer. Von I. Elbogen. — Briese aus Frankfurt a. M. 1816/23. Von L. G. — Feuilleton: Tante Trude. Roman einer Vierzigjährigen. Von Anna Gokdschmidt. , Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Ällenftein, Posen, Breslau, Augsburg, Mainz, Marburg, Luxemburg, Paris, Petersburg. — Von Nah und Fern. Lur vergleichenden Geligionsgelchichte. Von Dr. B. Seligkowitz (Köthen). enn es wahr ist. was man so häufig als Forderung hinstellt, daß der Theologe nicht bloß mit seinen speziellen Fachdisziplinen, sondern auch mit den Errungenschaften und Resultaten der übrigen Wissenschaften, wie Philosophie, Naturkunde, Geschichte, Archäologie, sich befreunden soll, weil eben alle diese Gebiete in die Religionswissenschaft einmünden und Waffen für oder gegen sie liefern, so verdoppelt und steigert sich dieses Postulat unleugbar in Rücksicht auf die Wissenssphäre, mit der sich die vergleichende Religionswissenschaft befaßt. Nicht allein wird durch derartige Studien der Blick der Theologen erweitert, sondern er findet hier auch unschätzbares Material für die Apologie des Offenbarungsglaubens. Die Bibel tritt dadurch aus der Isoliertheit heraus; die Offenbarung gewinnt neues Licht; sie zeigt sich nicht bloß als der isolierte Polarstern, sondern ihre Strählen schimmern auch, freilich in einem matten, magischen Helldunkel, durch die mythologischen Nebel des Heidentums hindurch, und es drängt sich uns schließlich die Ueberzeugung auf, daß die alten orientalischen Völker trotz der vielen Irrfahrten, die sie im Laufe der Zeit gemacht, doch manche religiöse Grundidee als gemeinsames Erbteil aus dem Schiffbruch der Wahrheit gerettet, hatten. Wir machen nicht selten init Verwunderung die Wahrnehmung, daß die -Heidenwelt lange nicht in dem Maße vom Pfad der Wahrheit abgewichen war, wie man es sich gewöhnlich vorstellt, sondern daß die Vorsehung immer noch auch über ihr gewaltet hat. Freilich gilt das mehr für die ältesten Völker; je mehr wir nämlich der Wiege des Menschengeschlechtes uns nähern, desto ungetrübter fließen ihre religiösen Anschauungen und Traditionen; je mehr wir uns aber von ihr enffernen, desto gebrochener und unreiner scheinen die Strahlen der Offenbarung durch das Prisma des mythologisierenden Geistes. Welche Tragweite die bedeutende Uebereinstimmung der ältesten Kulturvölker der Menschheit in so vielfachen urgeschichtlichen Punkten mit der Bibel hat, liegt ans der Hand. Die Zeit ist nun vorbei, wo noch ein Mann der Wissenschaft Hie Urgeschichte der Bibel für ein bloßes Mythenbuch erklären Vtttt, ohne sich ein wissenschaftliches Armutszeugnis auszustellen. Denn gerade die orientalischen Forschungen, die Indologie, Persologie, Assyriologie und Aegyptologie, bestätigen ihren historischen Charakter. Die Bibel hat dadurch aufgehört, vereinsamt wie eine Pyramide in der Weltgeschichte dazustehen, da ihre religiösen und geschichtlichen Ueberlieferungm durch den geschlossenen Völkerkranz der Vorzeit bewahrheitet würden. Es erhebt sich nun aber die Frage nach dem Grund dieser Erscheinung. Woher diese auffallende Uebereinstimmung und diese mannigfachen Berührungspunkte? Es gibt nur drei mögliche Hypothesen, um diese .Tatsache zu erklären. Die Nächstliegende ist, an eine gegenseitige Entlehnung zu denken. Allerdings, wenn es sich bloß um die Hebräer und Aegypter handelte, ließe sich am Ende eine Entlehnung annehmen. So aber erstreckten sich die Berührungspunkte über weitere Völkerkreise. Und wenn man bedenkt, wie diese geographisch, sprachlich und kulturhistorisch auseinanderfielen, wie sie vielfach in politischem und religiösem Antagonismus zueinander standen, dann verliert diese Hypothese alle Wahrscheinlichkeit.. Die mosaischen Bücher aber als die gemeinsame Quelle anzunehmen, woraus sie alle geschöpft hätten, ist schon deshalb unstatthaft, weil die heiligen Schriften der ältesten Kulturvölker des Orients fast sämtlich über das Zeitalter des Mose hinausragen, weshalb jene auch nicht ans den Büchern Moses geschöpft haben können. Ein zweiter Erklärungsgrund, den man zur Lösung der in Rede stehenden Frage aufstellen könnte, wäre ein Psychologischer. Man könnte nämlich sagen, und hat es auch getan, es läge in der ursprünglichen geistigen Organisation des Menschen, gewisse religiöse Ideen durch eine Art von Naturnotwendigkeit zu produzieren, sobald er zu einer gewissen Höhe der Entwicklung gelangt sei, etwa wie alle Völker in der Raum- und Zeitanschaunng überein stimmen. Allein dagegen ist zil bemerken: Wie kommt es denn, daß neben der Harmonie eine so durchgreifende, vielseitige Differenz und Diskrepanz auf ein und demselben Gebiet zutage trat? Was wirklich in der natürlichen Organisation oder, wenn man lieber will, im Katechismus des Geistes liegt, muß sich auch bei allen Menschen wesentlich gleichmäßig ausgestalten, wie es bei den natürlichen Gesetzen des Denkens der Fall ist. Zudem handelt es sich in unserer Frage nicht nur um religiöse Ideen, sondern uin geschichtliche Traditionen. Es kann aber doch wahrlich nicht in der Naturbeschaffenheit des menschlichen Geistes liegen, auch historische Ereignisse mit Notwendigkeit zu Produzieren. So bleibt also nur die Annahme übrig, die urgeschichtlichen Berührungspunkte zwischen den verschiedenen Völkern untereinander und init der Bibel als Reste und Erinnerungen aus der alten gemeinsamen Urzeit und Uroffenbarung anzusehen. Die ethnologischen und vergleichenden Sprachforschungen weisen ja immer mehr die Abstammung der Völker voneinander »nd die ursprüngliche Einheit des Menschengeschlechts nach.

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