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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-02-09 · Heft 6 (9.2.1917) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 6 (9.2.1917)
Date
1917-02-09
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 unter anderem etwa folgendes nasführte: „Schon unter der glorreichen Regierung Ihrer Majestät roeitaib Kaiserin Ma ria- Theresia haben die aus dem Orient nach der kaiserlichen Haupt- und Residenzstadt Wien übersiedelten Spaniolen ein Gemeinwesen gebildet, dem in Allerhöchster Anerkennung für die Verdienste seiner Mitglieder um die Hebung der Handelsbeziehungen mit dem ottomanischen Reiche die Privilegien einer autonomen Gemeinde und das Recht der freien und öffentlichen Ausübung des Gottesdienstes verliehen wurden. So ward dieses unser Gemeinwesen die erste staatlich anerkannte I s r a e l i t e n g e m e i n d e Oesterreichs. Das Gefühl innigster Dankbarkeit für diesen großherzigen Akt Allerhöchster Gnade, die edle und wohlwollende Gastfreundschaft, die wir in der Kaiserstadt gefunden haben, erweckte in den Herzen unserer Vorfahren eine unendliche ehrfurchtsvolle Liebe für das erlauchte habsburgische Herrscherhaus, eine unerschütterliche treue Anhänglichkeit für Oesterreich, das un% zur zweiten Heimat geworden ist. Diese Gefühle haben sich von Geschlecht 31t Geschlecht stets mehr und mehr vertieft. Darum entsprang unser Herzenswunsch, vor die Stufen des Thrones treten zu dürfen, der tiefempfundenen Sehnsucht, anläßlich Euerer Majestät Thronbesteigung mit allen österreichischen Landeskindern auch unsererseits die ehrfurchtsvollste Hingebung für Euer Majestäten zum Ausdruck 31t bringen und Euer Majestäten unsere allerehrerbietigste Bitte zu Füßen zu legen, die Sonne der Gnade auch auf unsere Gemeinde leuchten zu lassen. Tie Aufrichtigkeit unserer Gefühle bekundet sich in dem begeistert zustimmenden Amen, das aus der Tiefe unserer Herzen steigt, wenn an jedem Sabbatmorgen vor den geöffneten Pforten unserer Buudeslade der Segen des Allmächtigen auf Euer Majestäten geheiligtes Haupt herabgefleht wird im gleichen Gebete wie für unseren erhabenen Souverän Seine Majestät den Sultan Mehmed V. Gahzi, mit Allerhöchstwelchem Euer Majestät in treuer Wassenbrüderschast verbunden sind. So offenbaren sich bei jedem Anlaß der heiße Wunsch und die innige Bitte der ganzen Gemeinde, der Allm ächtige möge E uer M a j e st ä t L ebe nsp sa d mit g l 0 r xci chen Lorbeeren bestreuen und Euer Majestät eine lange, ruhmvolle und segensreiche Regierung an der Seite Euer Majestät erhabenen Gemahlin und des erlauchten Herrn Erzherzog-Kronprinzen bescheren, rum Wöhle aller Völker, zum Heile der gesamten Monarchie." Der Kaiser antwortete hierauf: „Mit herzlichem Danke nehmen die Kaiserin und ich die Begrüßung des Verbandes der türkischen Israeliten und die uns in so warmer Weise zum Ausdruck gebrachten Segenswünsche entgegen. Es gereicht mir zur lebhaften Befriedigung, Sie als Angehörige des in unerschütterlicher Waffenbrüderschaft mit uns Verbündeten Ottomanischen Reiches empfangen zu können und in Ihrer Kundgebung eine Bestätigung der Liebe und Anhänglichkeit zu erblicken, mit welcher die Mitglieder des Verbandes „Sephardim" für ihre zweite Heimat erfüllt sind. Gerührt, daß Sie für Ihren nur innig befreundeten Herrscher, Seine Majestät den Sultan, betend auch meiner gedenken, hege ich die besten Wünsche für das Gedeihen,Ihrer Gemeinde und versichere Sie gern meiner steten Wohlgeneigtheit." Rach der Ansprache zogen Ihre Majestäten die Mitglieder der .Huldigungsdeputation ins Gespräch, erkundigten sich über die Verhältnisse der Gemeinde und entließen sie in überaus huldvoller Weise. Von Mh und fern. — T e r K a i s e r hat auf das au ihn gerichtete Huldigungstelegramm des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens folgendes Antworttelegramm senden lassen: „S. M. der Kaiser lassen dein Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens für den Huldigungsgruß und das Gelöbnis der Treue bestens danken. Geh. Kabinettsrat Baleutiui." — Geheimer Sanitätsrat Dr. Gustav Simon ist nach kurzem Krankenlager in Wilmersdorf gestorben. Er hat erst kürzlich seinen achtzigsten Geburtstag feiern können. Geheimrat Simon hat sich trotz seines hohen Alters als Oberstabsarzt noch im vaterländischen Dienst betätigt. Er war Inhaber des Eisernen Kreuzes. — Das Jüdische Genesungsheim in Lehnitz eröffnet feilt Heim voraussichtlich am 1. März d. I. Da sich die Gesuche in den Sommermonaten Juni, Juli, August, wie in den Vorjahren, sehr häufen werden und dann nicht berücksichtigt werden können, ist es dringend zu empfehlen, Anträge um Aufnahme baldigst an das Bureau des Vereins Jüdisches. Genesungsheim, Berlin, Rosenstraße 2/4, zu richten. — Kommerzienrat Leo Lustig, Generaldirektor der Deutschen Eisenhandel-Akt.-Ges. in Berlin, übergab bei seiner jüngsten Anwesenheit in Holland 1000 holländische Gulden zur Verteilung an die von ihm besuchte Mannschaft des in Tmuiden eingelaufenen havarierten deutschen Torpedobootes „V. 69". Geheimer Regierungsrat Dr. jur. Julius Pieck erhielt den Kronenorden 3. Klasse, Justizrat Julius M a g n u s den österreichischen Orden der Eisernen Krone 3. Klasse. — Herr Willy Schlesinger, Aeltester der Kaufmannschaft von Berlin, ist zum Mitgtiede des Beirats des Reichskommissars für Uebergangswirtschaft ernannt worden. — Aus Marienwerder wird uns geschrieben: Am Sonntag, den 11. Februar d. I., werden es 60 Jahre, daß der hiesige 74jährige Kultusbeamte E. Altona sein Amt hier in Marienwerder ausübt. Solange ist er auch hier als Mohel tätig. Gleichzeitig ist ihm das Glück beschieden, seine goldene Hochzeit bei voller Rüstigkeit zu feiern. Trotz des Krieges werden in der Gemeinde Vorbereitungen zu einer würdigen Feier getroffen. — Am 28. v. M. fand in Posen eine D e l e g i e r t e n v e r s a m m l u n g der Indischliberalen Jugendvereine Deutschlands statt. Der Generalsekretär der Jüdisch-liberalen Vereinigung, Rechtsanwalt Stern (Berlin), nahm an den Verhandlungen teil. Nachmittags 4H Ubr veranstaltete der Posener Jüdisch-liberale Jugendverein im Hotel Friedrichsbos einen öffentlichen Vortrag. Herr Rabbiner Dr. Goldmann (Ovbeln) svracb über „Kriegszeit und jüdischer Optimismus". — Aus Anlaß der 400jähvigen Jubelfeier der Reformation Plant das Deutsche Buchaewerbemufeum in Leipzig eine große Bibelausstellung, die nicht nur die Luther-Bibel, sondern die Bibel in allen Sprachen der Welt zeigen soll. -- Die zahlreichen jüdischen Kriegsgefangenen des Lagers Langensalza bitten ihre deutschen Glaubensgenossen um gütige Ueberlassung deutscher Unterbnltungslektüre jüdischen Inhalts. Sendungen wolle man aefälligst franko an den Seelsorger des Gefangenenlaaers, Prediger Alfred Schäler in Gotha, oder direkt an die Adresse des Gesungenen Jankel Kavlan, 1. Komvagnie, Gefangenenlager Langensalza (Thüringen), richten. — Ans Borken (Westfalen) wird uns geschrieben: Am 21. v. M. erlag im Alter von 87 Jahren der Lebrer a. D. Levi Sofien feinem Leiden. Ein verdienter und allbeliebter Mann scheidet mH ihm ans dem Leben. Er besaß ein großes talmudisches Wissen und war eine Autorität auf dem Gebiete des jüdischer? Kalenderwesens. Seine Bedeutung wurde noch einmal anläßlich seiner Beerdigung gewürdigt, die viele Leidtragende von nab und fern zusamrnenführte. Sein Andenken wird bei uns zum Segen fortdauern. - In seltener Frische des Geistes und Körpers feierte am 27. Januar Herr Geheimer Kommerzienrat S. Heichelheim in Gießen seinen 76. Geburstaa. Er ist Borsißender des Vorstandes der israelitischen Relig'vnsaemeinde. Handelsrichter und Vorsitzender der Handelslain'ner Gießen. -- Hinter Bukarest fiel, während er Verwundeten Beistand leistete, durch Herzschuß der Ober- und Bataillonsarzt Dr. M. S ch u r, Inhaber des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse und des Könmlich Bäuerischen Mckitärverdienstordens. Er wirkte früher am Krankenhaus der Israelitischen Gemeinde in Frankfurt n M. und ist 8<vv Sobn des Kultusbeamten Sckur in Kitzingen a. M., der fünf Söhne ins Feld sandte, von welchen zwei seit zwei Jahren vermißt sind. — Arnold Z w e i g s „Ritualmord in Ungarn", jüdische Tragödie in 6 Aufzügen, wurde von der Generalintendanz der Vereinigten Stadttheater in Frankfurt a. M. für die Spielzeit 1917/18 zur Uraufführung angenommen. Das Drama, dessen Handlung im wesentlichen den historischen Begebenheiten des weltbekannten Prozesses von Tisza-Eftlar folgt, erregte bereits im vorigen Jahr beim Erscheinen der Buchausgabe (Hyperion-Verlag, Berlin) besonderes Allssehen und läßt eine starke, eigenartige Bühnenwirkung erwarten. — Provinzialrabbiner Dr. M u n k in Marburg ist am 6. d. M. im Alter von 66 Jahren nach 40jähriger Tätigkeit verschieden. — Wie aus Mailand gemeldet wird, ist dort Professor Dr. Sigismund Fried - m a n n , ordentlicher Professor für deutsche Literatur an der Mailänder Universität und am dortigen Polytechnikum, gestorben. Friedmann war 1862 in Jassy geboren, studierte in Deutschland, später in Pisa und hatte seit dreißig Jahren den Lehrstuhl in Mailand inne. Er veröffentlichte zahlreiche literarhistorische Arbeiten, darunter ein Buch über „Das deutsche Drama im 19. Jahrhundert", das rechte Beachtung gefunden hat. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, fttorastraße 58 Verantwortlich für den Anzeigenteil: Mai-Junae. Berlin-Friedenan. . . Druck und Verlag von Rudolf Mofse.

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