Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1917)
- Date
- 1917-02-02
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 bewundert. Nicht nur trt tver Etappe, sondern auch im Schützengraben übt er, keine Gefahr kennend, seine seelsorgerische Tätigkeit aus und spricht den Soldaten in liebevoller Weise Mut und Gottvertrauen zu. Zu den Verwundeten begibt er sich, selbst das größte feindliche Feuer nicht scheuend, um ihnen in väterlicher Weise Trost und den Sterbenden oft ihre letzte Bitte zu erfüllen -und ihnen die Augen zuzudrücken. Die Soldaten erfreut er mit Liebesgaben, wie Tefillin, Gebetbücher, Zedakel, Zigaretten usw. Die jüdische Mannschaft liebt und verehrt ihn wie einen Vater -und wendet sich mit allen ihren Wünschen an ihn. Auch bei seinen unmittelbaren Vorgesetzten und seinen Kameraden erfreut sich Herr Feldrabbiner Tr. Nagelberg der größten Wertschätzung und Beliebtheit. — Herr Rabbiner Moritz Friedmann in Linz ^beging vor kurzem in. vollster Körper- und Geistesfrische seinen 80. Geburtstag. Während seiner beinahe 34jährigen segensreichen Tätigkeit als Rabbiner und Seelsorger der genannten Kultusgemeiude hat derselbe durch sein hingebungsvolles und pflichteifriges Wirken als wahrer Priester des Herrn sich die Liebe, Wertschätzung und Hochachtung der ganzen Gemeinde erworben. Auch höheren Orts wurden seine Verdienste, die er sich als langjähriges Mitglied des k. k.' Landesschulrates und als Religionslehrer erworben, bereits vor 10 Jahren gewürdigt, indem er durch Verleihung des Franz-Iosef- Ordens ausgezeichnet wurde. — Am 31. Dezember v. I. ist Herr Qberrabbiner Tr. Ignatz E r n st in Warasdin verschieden. Der Verewigte, ein Schüler Israel Hildesheimers, ausgerüstet mit reichem Wissen, von treuer, vaterländischer Gesinnung, erreichte ein Alter von 71 Jahren. Sein segensreiches Wirken, seine Milde und Güte hatteil ihm Verehrer weit über den Kreis seiner Gemeinde erworben: er w-urde auch mit dem goldenen Verdienstkreuz mit der Krone von Seiner Majestät allsgezeichnet. Gerade an seinem Todestage erhielt der dritte seiner Söhne, Dr. Theodor E r n st, das goldene Vcrdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille. Das Leichenbegängnis fanb unter der Beteiligung der ganzen Bevölkerlmg, sämtlicher Aemter und Behörden statt. -- Einer der bedeutendsten ungarischen Publizisten, Leutnant Dr. Ernst Ballagi, der als internes Redaktionsmitglied des „Egyenlöseg" auch als Verfasser von jüdischen Fragen bekannt ist, wurde von Seiner Majestät für tapferes Verhalten vor dem Feinde mit dem Signum laudis ausgezeichnet. Ballagi ist seit Kriegsausbruch schon zum Viertenmal an der Front. Als der Krieg ausbrach, machte er gerade seinen aktiven Prüseuzdieust. Bei Schabatz wurde er verwundet. Er kämpfte in Russisch-Polen, dann in den Karpathen und im Herbste 1916 in Ostgalizien. Gegenwärtig ist er Kommandant einer Maschinengewehrabteilung. Von Sah und jfern. Aus Anlaß des Geburtstages Sr. M a j e st ä t des Kais e r s fanden am 27. Januar in allen Gemeindesynagogen Fest - gottesdien st e statt. — Eine Hauptversammlung des Z e n t ra l v e r e i n s d e ut sch e r Staatsbürger jüdischen G laub e n s findet am Sonntag, den 4. Februar, vormittags 10 Uhr, im Rheingold, Potsdamer Straße 8, statt. Die Tagesordnung enthält folgende Punkte: Die Juden im Heere, Aufgaben des Zentralvereins in und nach dein Kriege, Bericht über die Tätigkeit des Vorstandes, Hanptstelle für Berufsberatung der Juden, Vorstandswahl, Entlastung und Wahl der Revisoren. -- Vom Reichs tag sarcs schuß zur Beratung des Gesetzes über den vaterländischen Hilfsdienst wurde ohne Erörterung eine Vorlage des Kriegsnmtes angenommen, die wesentlich denl Schutz der religiösen Interessen der Israeliten dienen soll. --- Landtagsabgeordneter Geheimer Justizrat Cassel hat den Roten Adlerorden dritter Klasse mit Schleife erhalten. — Dem Dentisten, Herrn Hermann Katz in Berlin, Landsberger Straße 71, wurde von Sr. Majestät dem Könige von Bayern das König-Ludwig-Kreuz für Verdienste in der Heimat verliehen. — Zum Gedächtnis des 1903 verstorbenen Direktors Erich Rathenau sind für 1917 zur Ausbildung in einem technischen Berufe 75 Stipendien mit 19 150 Mark verliehen worden. - Der bekannte Berliner Pianist Paul Goldschmidt ist das Opfer eines bedauerlichen Unfalls geworden. Auf der Fahrt von Berlin nach Hamburg, wo er ein Konzert veranstalten wollte, stürzte er in der Nähe der Station Friesack aus dem v-Zuge. Der Verunglückte wurde nach dem Reservelazarett in Friesack gebracht, unb hier ist er, ohne das Bewußtsein erlangt zu haben, gestorben. — Aus Posen wird uns geschrieben: Die Handelskammer für den Regierungsbezirk Posen hielt in diesen Tagen die erste Vollversammlung im neuen Jahre ab. Nach Beeidigung von Sachverständigen wurde Herr Geheimrat Kantorowicz zum Vorsitzenden und die Herren Israel F riedl a e n d e r und Stadtrat H. Elkeles zu stellvertretenden Vorsitzenden wiedergewählt.- Die Gemeinde-Synagoge B (Israelitische Brüdergemeinde) veranstaltet an den ersten Freitagabenden der Wintermonate einen zweiten Freitag-Abendgottesdienst um 1% Uhr für alle diejenigen, die dem ersten, ZU früherer Stunde stattfindenden Gottesdienste beizuwohnen verhindert sind. — Herr Fabrikbesitzer Dr. Levy in Hohensalza, zurzeit als Rittmeister im Felde, wurde zum Stadtverordnetenvorsteher wiedergewählt. — Die Synagogen gerne in de in Gleiwitz betrauert das Hinscheiden ihres Rabbiners Dr. Wilhelm M ü nz, der seit September 1884 mit hingebender Pflichttreue und rastlosem Arbeitseifer seines Amtes gewaltet. Die Gemeindebehörden rufen ihm rühmend nach: ,,Mit seinem umfassenden Wissen und in hoher, idealer Auffassung der Pflichten seines Berufes war er seiner Gemeinde ein treuer Berater und Führer. Den Schwachen und Armen war er ein stets bereiter Helfer, für die kranken, der Erholung bedürftigen Kinder sorgte er. in Jastrzemb als liebevoller Vater. Sein Andenken wird in unserer Gemeinde unvergänglich fortleben." — Herr Kaufmann Julius Hirsch st ein in Hirschberg, Inhaber der Firma Julius Hirschstein u. Co., beging am 29. Januar den 70. Geburtstag. Seine drei Sohne sind im Felde. Herr Rabbiner Professor Dr. Werner in München erhielt vorn König von Bayern folgendes Schreiben: ,.Tie Rabbiner des Königreiches haben meines Geburtstages mit warm empfundenen Glückwünschen für nie in und des Vaterlandes Wohl gedacht. Von Herzen sage ich ihnen für den neuen Beweis treuanhänglicher Gesinnungen meinen aufrichtigen Dank. L u d w i g." — Ter in München verstorbene Rechtsanwalt Justizral Arnold Adler sie in hat der Stadtgemeinde München den Betrag von 64 000 Mark mit der Bestimmung vermacht, daß damit eine Wohltätigkeitsstistung errichtet wird, aus welcher ohne Unterschied dos Bekenntnisses, vor allem Kriegsteilnehmer oder deren Familien unterstützt werden sollen. — Lehrer Meier Strauß in Gelnhausen lvurde anläßlich seines Uebertritts in den Ruhestand der Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern verliehen. --- Wie bie „Franks. Ztg." erfährt, hat Freiherr v. Goldschmidt- Rothfchild in Frankfurt a. M. der Nationalstiftung 100 000 Mark überwiesen, und zwar mit der Bestimmung, daß hiervon der Stadt Frankfurt 50 Prozent und dem Zentralkomitee in Berlin ebenfalls 50 Prozent zur Verfügung gestellt werden. — Der älteste Inhaber des Bankhauses L. Kronenberger u. Co. (Mainz), Herr Ludwig Kronenberger, wurde zum großherzoglichen Kommerzienrat ernannt. Herr Kommerzienrat Kronenberger ist Mitglied des Vorstandes der Mainzer Israelitischen Religionsgemeinde und waltet als solcher in strengster Pflichterfüllung seines Amtes. Seit drei Jahren bereits ist er auch Präsident der Rhenus-Loge und Vorstandsmitglied vieler sozialer Organisationen, in denen seine wertvolle Mitarbeit sich großer Wertschätzung erfreut. — Georg Brandes, der bekannte dänische Schriftsteller, wurde zum Vizepräsidenten des „Institute of British Poetry“ ernannt. — Aus Brünn lvird uns geschrieben: Ter k. k. Feldrabbiner in der Reserve Dr. Arthur Rosenzweig aus Aussig a. E. wurde vom k. u. k. Militärkommando in Wien zur aktiven Dienstleistung einberusen und mit der Leitung der neu kreierten k. u. k. israelitischen Militärseelsorge in Brünn für die Ergänzungsbezirke Brünn, Jglau', Znaim und Kremsier betraut. Dr. Arthur Rosenzweig ist der älteste Sohn des Berliner Rabbiners Dr. Adolf Rosenzweig. — Der Oberrabbiner von Frankreich, Alfred Levy, richtet an alle Glaubensgenossen die Bitte, das Werk der Nächstenliebe, das zur Unterstützung russisch-jüdischer Gefangener in Deutschland dient, kräftig zu unterstützen. Ter Hcnrptsitz dieser Institution ist Lyon: Leiter derselben sind Nabbiner Seches und Achille Picard, Präsident des dortigen Israelitischen Konsistoriums. — Am 4. Januar fand in der Synagoge Rue de la Victoire eine erhebende Gedächtnisfeier für die gefallenen jüdischen Studenten statt. Alle Studentenassoziationen hatten Vertreter entsandt, und viele Rektoren und Professoren der Universitäten und Hochschulen waren anwesend. — Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58 Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf SRofie.