Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1917)
- Date
- 1917-01-12
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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der Pester Religionsgemeinde Vizepräsident Tr. Moritz Stiller und die Vorsteher königl. Rat Dr. Friedlich Hall a s z und Wilhelm Grauer; für die Ofener Kultusgerneinde Präsident Dr. Isidor Szabolzi: für die Altofener Kultusgemeinde Präsident königl. Rat Tr. Joseph Stern. In Vertretung der Orthodoxen nahm an der Krönnngsfeier der Präsident der Pester orthodoxen Kultusgemeinde Abraham Freudiger de Obuda teil. Z. Lembepg, 5. Januar. Ter Vizepräsident des israelitischen Kultilsgemeindevorstandes, Landesadvokat Dr. Jakob D i a m a n d , der während der Russenherrschast in der galizi-schen Landeshauptstadt ein unzweideutiges Bekenntnis zur Monarchie abgelegt und seine Pflicht gegendas Vaterland sowie gegen seine engere Heimat hingebungsvoll erfüllt hat, weshalb er gewaltsam nach Kiew und sodann nach Ni'hnij Nowgorod verschleppt wurde, ist nach lEmonatiger Leidenszeit aus der Gefangenschaft nach Oesterreich zurückgekehrt und in Wien eingetrosfen. Wie groß die Achtung ist, die sich Tr. Diamand durch seinen Mick erworben hat, lassen die zahlreichen Sympathiekundgebungen und die Ovationen, die ihm bei der Heimkehr von seinen Landsleuten bereitet wurden, deutlich erkennen. In einer in Wien abgehaltenen Versammlung Lemberger Bürger und angesehener, noch als Flüchtlinge dort weilender Persönckchkeiten wurde Tr. Diamand herzlich begrüßt und als ein Mann g-ewisienhafter Pflichterfüllung gefeiert, der in der Stunde höchster Gefahr-trotz aller, seelischen Aufregungen aus seinem. Posten in Lemberg verblieben sei und Beweise seines Patriotismus und seiner Ucberzeugungs-treue getleferk habe. Rach den Acickeilungen des Herrn Tr. Diamand hat der Lemberger Stadtpräsident Tr. Rutowski, ruck dem er in den letzten drei Monaten im Petersburger Gefängnisse vor der endgültigen im Austauschwege erfolgten Freilassung zurückgehalten wurde, aus dem Wege nach der Heimat die russische Grenze ebenfalls bereits überschritten. -- Der wegen seines langjährigen, gemeinnützigen Wirkens bestbekannte Großindustrielle Josef S. Philipp hat anläßlich seines siebzigjährigen Geburtstages eine Stiftung im Betrage von 50 000 Kronen errichtet, deren Zinsen alljährlich an fünf jüdische Witwen von ini gegenwärtigen Kriege gefallenen Soldaten verliehen werden sollen. Tie Verwaltung des Stistungskapiknls wird der Vorstand der Jüdischen Kultusgemeinde besorgen, das Verleihungsrecht bleibt einem Kuratorium Vorbehalten, dem der jeweilige Präsident bzw. Vizepräsident der Gemeinde und namentlich bestimmte Familienmitglieder des Stifters angehören. Herr Philipp hat außerdem aus diesem Anlaß eine Reihe jüdischhumanitärer und allgemeiner Kriegsfürsorgezwecke, ferner den Jüdischen Nationalsonds mit Spenden bedacht. Um so mehr ist es zu begrüßen, daß er jüngst, in den Beirat der Lemberger Kultusgemeinde an Stelle des von dieser Ehrenstellung zurückgetrekenen Dr. A l l e r h n n d berufen wurde. Von Ash und fern. -- Ter Dermatologe Prof. Dr. med. Gustav Behrend, Privatdozenr an der Universität Berlin, vollendete am 10. d. M. das 70. Lebensjahr. Er stammt aus Reusrettill in Pommern, erwarb in Berlin beit Doktorgrad und doziert seit 1879 an der Friedrich- Wilhelm-Universität. 1891 wurde er Leiter der Station für Geschlechtskranke der Stadt Berlin. Die alte Berliner Kvnsektivnsfirma Max Jap ha beging am 2. Januar den Dag ihres 50jährigen Bestehens. — Der Inhaber der Firma Cohn u. Roseubaum, Herr Julius W. C o h n, ist zum stellvertretenden Handelsrichter beim Landgericht I ernannt worden. - Der jüdische Durnv c rein P o s c rt veranstaltete anläßlich des Ehannkafestes eine Makkabäerseier, die sich eines großen Zuspruchs zu erfreuen hatte. Den Festvortrag hielt der Königliche Bibliothekar Prof. Dr. Heinrich Löwe aus Berlin. Die turnerischen Vorführungen der Frauenlmd Jugendabteitilngen sielen tadellos aus. Mit Vorträgen, Gesängen und anderen Darbietungen wurde der gemütliche Abend alisgesüllt..Aus Breslau wird uns geschrieben: I m P a t r i a r ch e n a l t e r v u n 9 7 I a h r e n ist am 31. v. M. Frau Ernestine L e d e r m a n n geb. Falk zur ewigen Ruhe eingegangen. Sie hat vier Geschlechter geschaut und ihren Manu überlebt, der als Lehrerveteran (er war in Kriewen, Pr. Posen, Lehrer an der jüdisch-öffentlichen Volksschule) seinen Lebensabend in llnserer Gemeinde beschlossen und vor Jahren selbst-in hohem Alker, nahezu 90 Jahve alt, gestorben ist. - Der in Neifs-e verstorbene Generaloberarzt'Dr.'Leo Mankiewicz gehörte unserer Glaubensgemeinschaft nicht mehr all. Das Lebensmittelamt des Magistrats von Stettin macht bekannt: Soweit in der Butterkundschast eines Butterkundengeschlifts rituell lebende Juden vorhanden sind, sind diese, sofern sie die Annahme von Margarine oder Kunstspeisefett aus religiösen Gründen verweigern, mit Butter zu beliefern. Ist sich das Butterkundengeschäft nicht darüber klar, ob für die Weigerung, Margarine oder Kunstspeisefett entgegenzunehmen, lediglich religiöse Gründe maßgeberrd sind, so hak es den betreffenden rituell lebenden Klllrden an das Lebensmittelamt zu verweisen. Das Lebensrnittelaint wird alsdann den Fall untersuchen und dem Butterkundengeschäft weitere Anweisung erteilen. — Aus München werden folgende Ernennungen gemeldet: Zum ordentlichen Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften in München: Geh. Rat und ordentlicher ltniversitätsprofessor Dr. Richard Millstätter (München); zunr außerordentlichen Mitgliede ao. Professor Dr. Rob. Emden (München); zu korrespondierenden Mitgliedern die Untversitiitsprofessoreu Dr. Ignaz Goldzther (Budapest), Otto Hirsch selb (Berlin), Heinrich Friedjung (Wien).— Ter Besitzer der Wäsche- und Militärefsektensabrik Sigmund S ch w a r z e n b e r g e r in Fürth stellte dem Stadtmagistrat den hochansehnlichen Betrag von 100 000 Mark zur Verfügilng mit der Bestimmung, hieraus eine Stiftung zur Wohnungsfürsorge für kinderreiche Familien und zur Unterstützung von Kriegsteilnehmerfamilien des Völkerkrieges zu errichten. Die Stiftung hat ben Namen Sigmund und Fanny Schwarzenbergersche Kriegswohlfahrtsstistung zu führen. - In Elberfeld wurde eine Sammlung zugunsten des Hygienischen Instituts in Jerusalem durchgesührt. Das Ergebnis der Sammlung, die insgesamt 2122,70 Mark beträgt, soll zur Beschaffung wichtiger Medikamente, besonders von Chinin und Impfstoffen, verwandtwerden. — Der erste Vorsitzende der Synagogengemeinde Bonn, Herr Moritz D a v i d, ist nach langem,, schwerem Leiden am 23. v. M. verschieden. Er gehörte seit vierzig Jahren dein Borstande an und widmete seine besten Kräfte dem Dienste der Gemeinde, die unter seiner Leitung zu hoher Blüte gelangte. Sein Tod bedeutet für die Gemeinde einen schweren Verlust. Ehre seinem Andenken. -- Infolge einer besonderen Zuwendung ist, wie uns aus Frankfurt a. M. geschrieben wird, der Vorstand der Achawa instand gesetzt, denjenigen ihrer Mitglieder, die durch den Krieg in größere Bedrängnis geraten sind, ausnahmsweise eitle müßige Beihilfe zu gewähren. Gesuche mit den nötigen Nachweisen sind bis spätestens 15. Februar an den Vorstand in Frankfurt -a. M., Pä-lmstraßr 16, zu richten. — Dem praktischen Arzt Dr. Lipmann in Wiesbaden wurde in Anerkennung seiner Verdienste um die Verwundetenpslege voll Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog von Hessen das Militär-Sanitatskreuz verliehen. Herr Dr. LiPPmanu, der sich als erfahrener, llmsichtiger Arzt eines guten Rufes erfreut, hat sich auch durch feine aufrichtige Frömmigkeit und edle Menschlichkeit die Achtung und Wertschätzung weiter Kreise erworben. -- Der Kaiser von Oesterreich hak dem einer Divistoll zugeteilten Feldrabbiner d. M. Moses Schwa r er in Anerkennung tapferen und aufopferungsvollen Verhaltens vor dem Feinde das goldene Verdienstkreuz mit der Kräne am Bande der Tapserkeitsmedaille verliehen., Aus N i s I) ix i j - N o lv g o r o d wird gemeldet, daß das jüdische Asyl für Flüchtlinge, in dessen engen Räumlichkeiten zweitausend vunlänische Juden nnteraebracht - waren, tu der Nacht zum 1.7. Dezember vom Feuer vernichtet wurde/ Das Holzge bände brannte in kürzester Zeit nieder. Die Zahl der Getöteten wird ans 150 geschätzt, die der Verletzten auf 450. — Für Januar 1917 wird die Eröffnung der elektrotechnischen und Architekturabteilungen des Jüdischen Polytechnikxxnts zu Jeknterinoslaw geplant. Die Eröffnung der ökollomischen Sektion wird auf Herbst 1917 verschoben. Für die nächste Zeit ist eine Konferenz der Gönner und Freunde des Instituts einberufen, die ein Kuratorium wählen wird. — Russische Zeitungen aus Petersburg melden den Tod des bekannten jüdischen Philanthropen Eh. K a h a n. Mit ihm ist eine der edelsten und markantesten Persönlichkeiten der russischen Judenheit dahingegangen. Kahan, der Gründer mld Besitzer der vier bedeutendsten Naphthawerke tit Rußland, war der jüdischen Oeffenklichkeit als Förderer der T achte mosti- Schule in Jaffa und vieler anderer jüdischen Stiftungen bekannt.. Verantwortlicher Redakteur: Albert Kcrtz in Berlin-Pankow, Florastratze 58 Verantwortlich für den Anzeigenteil: M ax I u ng eBerlin-Friedew'm. Dr-xuk und Verlag von Rx'rdolf Moste.