Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 49 (8.12.1916)
- Date
- 1916-12-08
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3229232-3229282--72732-3285191- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
4 l israelitischen Tempel der Innern Stadt hielt Oberrabbiner Tr. G ü d e m a n n die Trauerrede. Im großen israelitischen Tempel der Leopoldstadt hielt Herr Rabbiner.Dr. Grunwald die Trauerrede. Eine Trauerkundgebung fand ferner in der Israelitischen Theologischen Lehranstalt statt. Dieselbe wurde von dem Präsidenten des Kuratoriums Moritz Edler v. Kuffner mit einer Ansprache eröffnet, woraus Rektor Tr. Schwarz die Gedächtnisrede hielt. 2. Wien, 1. Dezember. Im Alter von 77 Jahren verschied kürzlich der Amtsleiter der israelitischen Kultusgemeinde, Herr Simon H o r w i tz. Der Verstorbene, ein Sohn des berühmten Wiener Oberrabbiners Lazar H o r w i tz s. A., stand durch mehrere Jahrzehnte im Dienste der Wiener israelitischen Kultusgemeinde und hat sich durch sein liebenswürdiges, aufrichtiges Wesen, seinen biederen Charakter und durch seine Pflichttreue in allen Stellungen, die er bekleidete, die Sympathien seiner Kollegen und des Vorstandes in hohem Maße erworben. Amtsleiter Horwitz war in den weitesten Kreisen der Wiener Judenschaft bekannt und geachtet. An dem Leichenbeaänanis nahmen nächst den Anaebörigen des Verstorbenen der Präsident der Wiener KultuLaemeinde Dr. Alfred Stern. Präsident der Chewra Kadischa Herr Salo C o b n. der Kirltnsvorsteber Wilhelm Vavvenbeim. Dr. Markus Spitzer, Samuel Steiner, zahlreiche Beamte der Kuttusaemeinde unter Führung des Sekretärs Dr. Emil Adler sonne viele freunde und Verehrer des Verblichenen keil. Den Nachruf hielt Herr Rabbiner Dr. Ta glicht, worauf der Präsident Dr. Alfred Stern in warmen Worten von dem lau.a.iäbriaen Beamten, betten Vorzüae er schilderte, uaurens des Vorstandes Abschied nahm. Tie kantonalen Funktionen versah Herr Oberkantor M orocn stern mit dein Chor. — Am 18. v. M. hielt zuaunsten einer Palästina-Hi'lssaktion die bekannte Wettrei sende. die Schwester der Pbllantroven Heinrich und Fritz M cni) e t. iin Vortraassaate des Wistensckaftlichen Klubs vor geladenen Gästen einen Vortrag über unser Stammland Palästina, das sie zweimal bereist bat. Sie machte einen illustren Kreis nicht nur mit den beilinen Stätten dreier Kcui^ssionen, sondern auch mit den iübi feiten Kolouisationsbestrebunaen. sonstigen tü - discheir Jnsttentioneu und der Temvler durch ihre flau* hervorragend guten Lichtbildervorsübrnugen in ihrer bekannten lebens- und geistvollen W^ite bekannt. — Folaen.de Aenßerunaen unseres- Ka-iters (\ a v i bih’ften auch die Leier der ..Alloemeiuen ,%ihma des Judentuins" intereniererr: Als Kaiser Carl als Tbron-solaer nach der Befrei nna Ggli^iens- Kolmuea besuchte, empfina er auch eine Devutati-on der südifchen Killtirsaemeinde. deren Svrecher er für seine Hn'ldl.nmo mit don Worten dankte: ..Wir fteiVrr immer gewußt, daß die bilden tronp Büraer de« Staates vnd, und haben uns davon auch jetzt vü'eder während dieses Krieges i'cher^-enat. Kvvf hoch? Cs wird alles bald wieder aut werden." — Dem Vertreter der iiidisch»n Gemeinde ah Czernawib. der ibm die Eraebenbeit der Juden für die Krone und deren Träger ausdritekte. märte der iunae Er-rberzog: „Ihre Gl-arpbensaenossen haben weaen ihres Patria'tism.uH unter der Rilltenherrschast sebr aolitten. Die jüdische B^völkeruua ist sehr patriotisch. Wir werden thr das me. veroesieu. Nach Beendiauna des Krieges, werden hoffentlich alle Schäden gutgemacht werden." Van Osk und ssern. — Die aus Anlaß der Silberhochzeit des Kaiserpaares am ^7. Februar 1906 durch untere Gemeinbebörden bearündete Enttundlnmsanstalt und Gvnäkoloaiiche Abteiluna beim Krankenbaute der iüdi'chen Gemeinde bat durch Allerhöchste Verfnauna vn,n 5. Ostober 1916 die Erlaubnis mix Fübrnna des Namens ..Kaiser-Withelm-nnd-Kaiserin-Auguste-Viktorin-Stistttng" erhalten. — Am lebten Sonntag wurden die jüdischen Rekruten des Lnftschitterbataillons in der Neuen Synagoge auf die Vereidigung vorbereitet. Als Rabbiner fungierte Herr Dr. Blu menth al. — Geh. Sanitätsrat Dr. Gustav S i ur o n beging am 29. November seinen 80. Geburtstag. Simon, der schon die Feldzüge 1864, 1866, 1870 mitaemacht hat. bat sich auch zu Beginn des Weltkriegs in den Dienst des Vaterlandes gestellt und ist, solange es sein Gesundheitszustand erlaubte, Führer eines Lazarettzuges gewesen. Den ihm zu seinem Geburtstage zugedachten Ehrungen hat er sich durch eine Reise entzogen. — Geheimrat Prof. Dr. Karewski hat die Rote-Kreuz- Medaille 2. Klasse erhalten. — Prof. Dr. Adolf Strelitz, der vor zwei Monaten krankheitshalber aus dem Amte als Direktor der Baruch Auerbachschen Waisenanstalten geschieden ist, ist am 2. d. M. im 66. Lebensjahre gestorben. Unter großer Beteiligung der Theater- und Schriftstellerweltwurde am 3. d. M. Herr Mols. S l i w i n s k i, der Chef des Theaterverlags Felix Bloch Erben, auf. dem Friedhof in Weißensee zur letzten Ruhe bestattet. Die Trauerrede HM Rabbiner Dr. Warschauer. — Aus Breslau wird berichtet: Der Herr Regierungspräsident hat das Gesuch des Borstandes der Breslauer Synagogengemeinde in Sachen der rituellen Aettversorgung dahin beschieden, daß der Kriegsausschuß für Oele und Fette in Berlin die Angelegenheit bearbeitet, so daß von dort aus eine einheitliche Regelung demnächst zu erwarten sei. — Frau Fabrikbesitzer Haase in Rybnik schenkte dem dortigen Vaterländischen Frauenverein aus Anlaß des 150jährigen Bestehens der Firma Haase 500 Mark in Kriegsanleihe mit der Bestimmung, daß die Zinsen stets zu Weihnachten für Voll- und Halbwaisen ohne Unterschied der Konfession zu verwenden sind. — Herr Kaufmann R. B i b o in Erfurt, Sohn des etatmäßigen Feldwebels a. D. Samuel Bibo, Ritter des Eisernen Kreuzes 2. Klasse vom Kriege 1870/71, erhielt die Rote-Kreuz-Medaille 1. Klasse. — Herr Kommerzienrat Georg Ro se nzw ei g in Kassel erhielt die Rote-Kreuz-Medaille 3. Klasse. — Aus Anlaß von Großherzogs Geburtstag wurde, dem Unteroffizier Julian Lehmann, Sohn des Schriftstellers Herrn Oskar Lehmann in Mainz, der bereits mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet ist, die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen. — Aus Heilbronn wird uns geschrieben: Bei der hiesigen großen Vollversammlung des Roten Kreuzes hielt der hiesige Bezirksrabbiner Dr. Beer mann den Festvortrag: „Aus Ostpreußens Leidenszeit" (mit Lichtbildern), der begeisterte Ausnahme fand. Die Veranstaltung wurde durch den Bericht des Herrn Erhard v. M a r ch t a l e r eingeleitet, der u. a. erwähnte, daß unter Leitung der Frau Helene Landauer sich ein Bekleidungskomitee für entlassene Soldaten gebildet habe. — Dem Generalstabsarzt Prof. Dr. Pick in Wien wurde der Titel und Charakter eines General-Oberstabsarztes verliehen. Der hervorragende Gelehrte ist mithin in den Rang eines Feldmarschalleutnants gelangt und hat zugleich die höchste Charge erreicht, die einem österreichisch-ungarischen Militärärzte Vorbehalten ist. — Am 14. v. M. wurde in Lemberg in feierlicher Weise die Einweihung der Grabstätte der in diesem Kriege gefallenen jüdischen Soldaten auf dem israelitischen Friedhof sowie die Enthüllung eines dort als Obelisk erbauten Denkmals vorgenommen. Der Feier wohnten die Spitzen der Behörden sowie Abordnungen des österreichisch-ungarischen und des deutschen Heeres bei. Es wurden von religiösem und patriotischem Geiste getragene Ansprachen in deutscher, polnischer und ungarischer Svrache gehalten. Unter den Gräbern befinden sich auch solche von russischen Soldaten jüdischen Glaubens. — Die italienische Regierung hat alle in Italien wohnenden Juden aufgefordert, uachRußland zurück^nkehren. Jraendeine Instanz, bei der die von dieser Zwauasmaßregel betroffenen Juden Einsvruch geaen die Zwangsverschickung erbeben können, besteht in Italien nicht. Es wird weder ein Unterschied zwischen politischen Flüchtlingen und anderen Auswanderern gemacht, noch wird den aus Rußland ausgewanderten Juden das Recht einaeräumt, im italienischen Heere zu dienen. — Sir Lionel Roths ch i I d hat sich, im Gegensatz zum 'englischen Staatssekretär Samuel, warmherzig der zum Heeresdienst gezwnnaenen russischen Juden in England angenommen. In einem Aufsatz in einer Tageszeitung weist er nach, daß die Juden Englands im Verhältnis zu ihrer Zahl der enalischen Armee mehr Menschen geliefert haben als die Engländer selbst. Mehr als 20 000 Juden dienen im englischen Heere. - - Polnische in Rußland erscheinende Zeitungen berichten, daß sowohl die Organe der radikalen russischen Nationalisten wie die der extremen Reckten auf der rücksichtslosen Durchführung der Russifizierung im okkupierten Teil Ostaaliziens bestehen. Diese beantragte Russifizierung betrifft hauptsächlich die Ruthenen, weniger, und mit gewissem Vorbehalt, die polnische Bevölkerung. Unerbittlich soll man dabei gegen bic Juden Vorgehen, die gegenwärtig von den reaktionären Parteien in Rußland mit größerer Feindseligkeit denn je behandelt werden. ,,Solange Ostgalizien nicht gründlich russiziert wird", führen diese Ö.rgane aus, „kann man nie dessen Besitzes sicher sein." — Aus Warschau wird berichtet: Die Ziffern der Volkszählung sind nunmehr endgültig sestgestellt. Danach betrug am 1. März 1916 die Bevölkerung Groß-Warschaus 984 640 Köpfe, darunter 596 939 Christen- und 351 521 Inden. Verantwort icher Redakteur: Albert Kah in Berlin-Pankow, gNorastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil. Max Junge. Berlin-Friedenan, Druck und Verlag von Rudolf Masse.