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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-12-08 · Heft 49 (8.12.1916) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 49 (8.12.1916)
Date
1916-12-08
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 rufes. Der Sarg wurde hierauf von Kameraden zur Gruft getragen, und nachdemder Geistliche Gebet, und- Segen gesprochen und die Sol» baten Pie Ehrensalve abgegeben hatten, hatte die Feier ihr Ende erreicht. L. Mel, 1. Dezember. Die um die Verpflegung und Betreuung der in unserer Marine dienenden jüdischen Soldaten so hochverdienten Eheleute Lehrer L. KahundFrau Gemahlin werden am 6. Januar k. I. das Fest ihrer silbernen Hochzeit begehen. Unsere aufrichtigsten Wünsche begleiten daS brave Paar, möge es seine drei im Felde stehenden Söhne bald gesund, ruhmaekrönt und in Frieden heimkehren sehen. Am Sabbath Chanuka beabsichtigt Herr Katz für 80 Mann, sowie für die in Kiel liegenden Verwundeten einen Garnisongottesdienst zu veranstalten. Nach desien Schluß sollen die Leute mit Kaffee, Kuchen, Obst, Zigarren usw. bewirtet werden.. Obschon Mittel hierzu von Frankfurt a. M. in Aussicht gestellt sind, so fehlen immer noch ungefähr 60 Mark. Herr Katz hofft, daß ihm diese von edlen Glaubensgenossen gestiftet werden. Esten, j. Dezember. Hier fand vor kurzem die Kriegstagung der Bezirksverbände des Vereins israelitischer Lehrer der R Hein Provinz und Westfalens statt. Es hatten sich Lehrer und Lehrerinnen des Industriegebietes vom Niederrhein, Kölner und Aachener Bezirk in stattlicher Zahl eingefunden. Stein (Ruhrort), sprach über „Krieg und Schule", was reichen Stoff zu einer ergiebigen Aussprache bot. Die angenommenen Thesen wurden dem Hauptverein als Material überwiesen. Aus der reichhaltigen Tagesordnung sei noch ein Bericht erwähnt, den der Vorsitzende, Abraham (Essen) über die Tätigkeit des Vereins und der Penfionskasse gab. Da seit Ausbruch des Krieges keine Hauptversammlung mehr stattgefunden hatte, nahm die Versammlung mit besonderem Interesse davon Kenntnis, daß die Befürchtungen, welche sich an die Pensionskasse infolge des Krieges knüpften, nicht eingetroffen sind. E. M. Erlanaen, 1. Dezember. Unsere Universitätsstadt hat das erste Denkmal aufzuweisen, das in Deutschland einem Juden ans einem öffentlichen Platze errichtet wurde. Es ist ein Standbild des vor nunmehr einem Jahrhundert geborenen Professors der Medizin Dr. Jakob Herz, der am 29. September 1871 hier verstorben ist. Tr. Herz trat 1840 in.den Lehrkörper der Universität Erlangen -ein und galt bald als erste Autorität Deutschlands auf dem Gebiete der chirurgischen Anatomie. Seinem Zusammenwirken mit dem Histologen G er lach verdankte die Erlanger medizinische Fakultät ihre Be- ' deutung. Jnr Jahre 1869 wurde Herz ordentlicher Professor an dieser Universität. Bereits vorher hatte man ihm nahegelegt, das; für den getauften Inden Herz die Erlangung einer ordentlichen Professur eine Leichtigkeit sei, doch erklärte er auf alle Vorhaltungen, daß er nur als Jude Universitätsprosessor werden wolle. — Die Gemeindebehörden ernannten ihn zmn Ehrenbürger Erlangens; der König von Bayern zeichnete ihn mit der ersten' Klasse des Verdienstordens des heiligen Michael aus. . Herz war der erste jüdische ordentliche Professor in Bayern-. «l. A. Nürnberg, 1. Dezember. Das Eiserne Kreuz erhielten: Rechtspraktikant Dr. Kurt Mosbach er, Sohn des Kaufmanns. Hermann Mosbacher; Ludwig Baruch, Inf. im bahr. 14. Jnf.-Regt.; Karl Rosenbau m, Kaufmann und Leutnant beim Landsturm-Batl. in Belgien; Fritz Bamberger, U.-O. im bahr. 21. Jnf.-Regt., Prokurist der Fa. Max Herz: Dr. Fritz Gerngroß, Pionier bei der Minenwerferkomp. 306. Den Militärverdienstorden 2. Klasse erhielten: Vizefeldwebel Emil Höchster ans Fürth. Das bahr. Ludwig-Kreuz für Kriegsverdienste erhielten: Kaufmann Berthold Cohn, Kommerzienrat Dr. Max L e o p o l d , z. Z. Lazarettinspektor, Großkaufmann Max Guttmanu, z. Z. Zahlmeister bei der Korpszahlstelle des bahr. III. A.'-K. Zum Stabsarzt wurde befördert Dr. Robert Ving. Zu Oberärzten die Ass.-Aerzte Dr. Albert Dreifuß, Dr. Adolf D e s f a u e r. Zum Hauplmann: Oberleutnant Stephan Kuhnreuter aus Fürth. E. M. Frankfurt a. M., 1. Dezember. Der Verein „Weibliche Fürsorge" gibt einen Tätigkeitsbericht über die abgelaufeneu beiden Kriegsjahre heraus. Der Verein beteiligte sich an einer großen Zahl von Fürsorgearbeiten für die weibliche Jugend und hat sich auch in bereitwilliger und umsichtiger Weise in den Dienst der Kriegsfürsorge gestellt. Als Kriegsarbeit ist zuerst das „Flüchtlingsheim" zu nennen, in dem vom August 1914 bis Mai 1915 28 Familien mit 163 Personen ein schützendes Obdach fanden, wo in gemeinsamer Küche die Speisen zubereitet wurden. Am 31. Mai wurde das Flüchtlingsheim geschlossen, weil die' Zahl her Anmeldungen zurückging; die verbliebenen Insassen würden in offene Armenpflege übernommen. Der Verein ist an der Unterhaltung eines „Wohnheimes für durchreisende Frauen und Mädchen" beteiligt, das von der Ortsgruppe Frankfurt a. M. des jüdischen Frauenbundes verwaltet wirk Seit Kriegsausbruch wurden dort 72 obdachlose weibliche Personen so lange ausgenommen, bis sie Weiterreisen konnten oder Arbeit fanden. Ein Versuch, eine Nählehrstube einzurichten, mußte aus Mangel an Beteiligung nach kurzer Dauer eingestellt werden, ebenso Sonntagskochkurse für berufstätige Frauen und Mädchen. Die Stellenvermittelung des Vereins hat gute Erfolge aufzuweisen. Durch Einführung eines unentgeltlichen Mittagstisches konnte den Bedürftigen ausreichende Ernährung und den schwerkämpfenden Penstonsinhaberinnen zu einem Verdienst verholfen werden. Das Bureau des Arbeitsnachweises wird von etwa 10 000 bis 12 000 Personen jährlich in Anspruch genommen; zwei Sekretärinnen und 25 freiwillige Helferinnen sind in dieser Abteilung tätig. Die-Berufsberatungsstelle konnte von 28 schulentlassenen Mädchen 12 in geeigneten Stellen unterbringen. Das von der „Weiblichen Fürsorge" unterhaltene Heim für berufstätige Frauen und Mädchen hat jetzt 33 Insassen, darunter Schneiderinnen, Kontoristinnen, Kindergärtnerinnen usw. Der Verein besitzt ein Vermögen von etwa 10 000 Mark. Die Ausgaben für die Berichtszeit betragen 12 600 Mark. Grlterrpick-AnMM. 0. W. Wien, 1. Dezember. Donnerstag mittag fand im Sitzungssaale der Wiener Israelitischen K u l t u s g e rn e i n d e eine Trauerfeier für Kaiser Franz Josef I. unter großer Beteiligung der Gemeindemitglieder statt, bei der Präsident Dr. Alfred Stern eine Trauerrede hielt, in der er einleitend sagte: „Wir sammeln uns heute zu einer Totenklage, zu einer Klage unserer Gemeinde, so tief erschütternd, herzergreifend, alle Mitglieder unserer Gemeinde, darüber hinaus unsere gesamte österreichische Judenschaft umfassend, wie sie in diesen Räumen kaum jemals gehört wurde. Unser geliebter Kaiser Franz Josef I., dessen kaiserlichen Worten unmittelbar nach seinem Regierungsantritt vor 68 Jabren wir die rechtliche Anerkennung dieser unserer Gemeinde zu danken haben, ist nicht mehr!" Der Redner bat, daß die Worte des Dankes für alles Gute und Edle, das er in seinem Leben gewirkt, himmelwärts als Fnrsvrecher steigen. Er gedachte der bösen Verhältnisse der Juden in Oesterreich als Zeitgenosse, als lebender Augenzeuge, die das Judenamt verkörperte, gedachte der unzureichenden Zahl der Ebebefähigung der Juden his 1848, gedachte des Jammers derjenigen, die eine vom Gesetze anerkannte Ehe nicht schließen konnten, der Beschränkungen in jeglicher Berufs- und Erwerbstätigkeit, im Wohn- und Aufenthaltsrechte, um auf die Staaten im Norden und Osten hinzmveisen, jene Staaten unserer Feinde, die uns „Befreiung von der Barbarei" bringen wollen. Das ist das Bild, das die Zustände der Glaubensbrüder damals in Oesterreich hatten. Dieses Joch abgenommen, die Juden aus der Bedrückung zur Freiheit, aus der Finsternis zum Lichte geführt zu haben, sie aus Parias zu freien, gleichberechtigten Bürgern des Vaterlandes gemacht zu haben, das herrliche Wort der Gleichberechtigung gesvrochen und es in die Tat nmgesetzt zu haben, dafür gebühre Kaiser Franz Josef I.. heißester Dank. Dieser Dank möge ihm zur Seite stehen am Throne Gottes. Der Redner erwähnte den unvergeßlichen Empfang der Huldigungsdeputation der Judenschaft Oesterreichs beim sechzigiäbrigen Regierungsjubiläum und der herzlichen Worte,-die der Kaiser damals an die Abordnung der Kultusgemeinden Oesterreichs gerichtet hat: „Die israelitische Bevölkerung hat immer eine staats- und gesetzestreue Gesinnung, Ergebenheit für Mein Haus und Anhänglichkeit an Meine Person bekundet. Ich schätze auch Ihren Familiensinn und Ihre Freude am Wohltun. Seien Sie versichert, daß Ihre Glückwünsche Meinem Herzen wohlgetan haben und daß Sie und Ihre Glaubensgenossen Meines kaiserlichen Schutzes gewiß sein können.". Redner schloß mit dem Hinweis, daß in den Tempeln für die Erhaltung .des Lebens des.Kaisers gebetet worden ist, daß aber seine Stunde gekommen war. „Aber sein Andenken wird als ein gesegnetes fort in unserer Gemeinde, in allen jüdischen Gemeinden Oesterreichs, in-den Herzen unserer Glaubensbrüder für alle Zeiten leben!"—-Sonntag, den 26. Nov., nachmittags, fanden in sämtlichen Synagogen Wiens Trauergottesdienste statt. In allen Synagogen, welche dem Anlässe entsprechend Trauerschmuck trugen, war die Beteiligung eine überaus große. Bei dem feierlichen Gottesdienst im

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