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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-11-24 · Heft 47 (24.11.1916) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 47 (24.11.1916)
Date
1916-11-24
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Kolonnen", Sanitätsstationen, Ambulatorien, Kliniken. Greisenashle, Speisehallen. Ein besonderer Zweig ihrer Tätigkeit ist die Schaffung von „Kinderheimen", die zugleich Kindergärten. Spielplätze und Spciseanstalten für Flüchtlingskinder vom dritten bis achten Lebensjahre sind. Außerdem gehört z» ihrem Arbeitsgebiet die Fürsorge für Wöchnerinnen und Säuglinge. Diese drei Gesellschaften ergänzen aufs beste die direkte Flüchtlingsfürsorge der Hilfskomitees; sie werden zum Teil von diesen subventioniert, haben aber auch eigene Einnahmen und Fonds zur Deckung ihrer Millionenbudgets. Die Jewish Colonisation Association (3ca) mutz auch als eine der Organisationen genannt werden, die durch ihre Vermittlungstätigkeit (Geldsendungen aus überseeischen Ländern an russische Verwandte) Fürsorgehilfe leistet. Außerdem gewährt die Jea Kredithilfe bei der Neueinrichtung von Flüchtlingen. Die Gesellschaft der „Freunde der hebräischen Sprache" beschäftigt sich mit der Gründung hebräischer Schulen und Kindergärten. Die rlisstschen Zionisten — besonders erwähnt seien die Mitglieder des zionistischen Aktionskomitees, die Herren Dr. E. W. Tschlenow und I. A. Rosow — haben durch ihre energische und hingebende Mitarbeit in hervorragendem Matze zum Gelingen der Hilfsaktion beigetragen. Von Sah mW fern. — Pros. Felix ß t e b e r m a n n hat seine Spende, die den Angehörigen Berliner Krieger zugute kommen soll, durch eine erneute Gabe von 60 000 Mark auf 300 000 Mark erhöht. — Der Offizierstellvertreter Hugo L e v i in Firma Grünzweig & Schlesinger, Berlin, Köpenicker Straße 80/82 (Schwiegersohn des Herrn Paul P i n c u s, Kurfürstendarnm 43), der bereits seit einigen Monaten im Besitz des Eisernen Kreuzes 2. Klasse ist, ist jetzt mit der Hessischen Tapferkeitsmedaille sowie mit der Württembergischen Medaille mit der Inschrift „Für Tapferkeit und Treue" ausgezeichnet worden. — Die Leitung der Zeitschrift „Im Deutschen Reich", des amtlichen Organs des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens,. ist an Chefredakteur I. Landau übergegangen. — Aus Posen wird uns geschrieben: Mehr als zwanzig Personen sind wegen Kriegswuchers, und zwar Ueberschreitung der Höchstpreise, von hiesigen und auswärtigen Gerichten bestraft worden. Unter den Verurteilten befindet sich nicht eine jüdische Person. Bei den starken Verdächtigungen gegen Juden verdient dies besonders hervorgehoben zu werden. - Aus Anlaß des 50jährigen Bestehens des Vaterländischen Frauenvereins erhielten die Rote-Kreuz-Medaille Zweiter Klasse Frau Geh. Justizrat Jda Orgler in Posen; die Rote-Kreuz-Medaille dritter Klasse Herr Sanitätsrat Dr. Pincus in Posen, Frau Justizrat Thekla Salinger in Wöllstein, Frau Anna Wittkowski in Schneidemühl, Frau Stadtrat Margarete A s ch geb. Lippmann in Posen. — Die Synagogengemeinde Fraustadt hat durch das Hinscheiden des langjährigen Repräsentantenvorstehers Herrn Justizrat Siegmund Fließ, Ritter des Roten Adlerordens, einen schmerzlichen Verlust erlitten. In dem ihm von den Gemeindebehörden gewidmeten Nachruf heißt es: „All das Gute, was er der Gemeinde erwiesen, wird bei uns in dankbarer Erinnerung bleiben." — Herr Oberlandesgerichtsrat Emil Weinberg und Frau Helene Weinberg geb. H i r s ch l a n d zu Oldenburg haben das oldenburgifche Friedrich-August-Kreuz zweiter Klasse am rotblauen Bande erhalten. — Herr Rentner Nathan H e i m a n n und Frau errichteten bei der Synagogengemeinde Dortmund eine Stiftung im Betrage von 20 000 Mark, deren jährliche Zinsen zur Hälfte an Bedürftige verteilt werden sollen. Die andere Hälfte soll so lange zum Kapital geschlagen werden, bis dieses die Höhe von 200 000 Mark erreicht; von diesem Zeitpunkt ab sollen die sämtlichen Zinsen jährlich zur Verteilung gelangen. -. Anläßlich des 50jährigen Bestehens des Vaterländischen Frauenvereins fand in Magdeburg ein besonderer Kriegsgottesdienst statt. Die Gedenkrede, eine nach Form und Inhalt ausgezeichnete Predigt, hielt Herr Rabbiner Dr. Lange. -- Herr Kommerzienrat Georg Rosenzweig in Kassel erhielt die Rote-Kreuz-Medaille dritter Klasse. - Aus dem Bureau der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" wird uns geschrieben: Der At a n g e l an T e f i l l i n nimmt einen immer peinlicheren Charakter an. Von allen Seiten gelangen Gesuche von Gefangenenlagern, aber auch aus dem Publikum um Ueberlasfung von Tesillin an uns heran, die wir nicht befriedigen können, da unsere gesamten Vorräte vergriffen, die Sendungen neuer Tefillin aus dem heiligen Lande seit längerer Zeit ausgeblieben sind und die Herstellung in Deutschland den größten Schwierigkeiten begegnet. Wir bitten wiederholt und dringend alle diejenigen, die über entbehrliche Tefillin verfügen,' uns diese überlassen zu wollen. Die Tefillin werden vor ihrer Weitergabe natürlich nachgesehen und, soweit möglich, instand gesetzt. — Der Landgerichtsrat Dr. Josef H a y m a n n in Nürnberg wurde zum Landgerichtsdirektor in Nürnberg befördert. — Das bayerische Ludwigs- Kreuz erhielt Frau Betty Blum, Gattin des Stabsarztes Dr. Julius Blum in Heidelberg, die feit Kriegsanfang als Hilfsschwester in einem Reservelazarett in Zweibrücken tätig ist. — Aus Wien wird gemeldet: Das Kriegsministerium hat den Religions- Professor Dr. Schulim Ochser zum Feldrabbiner der Reserve ernannt. — Laut den Aufzeichnungen von Moritz Frühling in Wien, der eine genaue Statistik führt und veröffentlicht, sind seit Beginn des Krieges im österreichisch-ungarischen Heere über 13 000 Kriegsauszeichnungen an Juden verteilt worden: zwei Drittel an Soldaten und ein Drittel an Offiziere und Mlitärbeamte. — Dr. Emil Schneider aus Wien veröffentlicht in einer Wiener medizinischen Zeitschrift die Resultate seiner Untersuchungen über die Zahl der Nervenerkrankungen > während des Krieges. Unter den Patienten feines Spitals waren darunter 15% Tschechen, 6% Ungarn, 40% Inden, 20% Rumänen. 13% Deutsche. Die Juden sind am meisten zu nervösen Erkrankungen geneigt; das zeigt die Aufstellung, welche Wahrnehmung auch frühere Untersuchungen bewiesen. — Der Armeerabbiner Dr. Tänzer hielt kürzlich vor dem Oberbefehlshaber Ost, Generalfeldmarschall Prinz Leopold von Bayern, und einem Kreise sehr hoher Offiziere einen Vortrag über „Die Geschichte der Stadt Brest-Litowsk", der sehr beifällig ausgenommen wurde. Seine Königliche Hoheit gab wiederholt in ehrenvollen Worten seiner Anerkennung Ausdruck. — In Moskau haben sich Freunde der hebräischen Sprache und Literatur zusammengetan, um einen großen hebräischen Verlag in Form einer Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 300 000 Rubel ins Leben zu rufen. 100 000 Rubel wurden von einer einzigen Persönlichkeit gezeichnet; die Statuten der Gesellschaft sind bereits zur Genehmigung eingereicht. — Aus Lodz wird uns berichtet: Dieser Tage fand eine Beratung der jüdischen Kuratoren der Lodzer städtischen Volksschulen statt. Es wurde ein Vorstand gewählt. Vorsitzender ist Dr. med. Handelsmann, sein Stellvertreter Ing. A b r a h a m s o n, Schriftführer Stanislaus K e r n b a u m, Stellvertreter H. K e m - p i n s k i. Das Kuratorium hat einen Vordruck der Berichte über den Gesundheits- und materiellen Stand der Kinder ausgearbeitet, der jeden Monat ausgesüllt wird. Die Zahl der jüdischen Kuratoren beträgt 20. — Die Stadtverwaltung in Jerusalem ersuchte denArmeebefehlshaber Djemal-Pascha um die Eröffnung von Nahrungsmittelstellen, wo Nahrungsmittel von der Stadtverwaltung selbst verkauft werden sollen. Die Stadtverwaltung verfügt gegenwärtig über Bohnen, Linsen, Graupen, Sesam und Zucker und ist jetzt um den Ankauf anderer Lebensmittel bemüht. Die Eröffnung der Nahrungsmittelstellen ist in allen Vierteln der Stadt geplant. — Die sanitären Verhältnisse in Palästina haben den Verein der jüdischen Aerzte und Naturforscher für sanitäre Angelegenheiten in Palästina veranlaßt, einige Broschüren zur Aufklärung über die zurzeit dort herrschenden Krankheiten in den verschiedenen Landessprachen herauszugeben. Von diesen Schriften liegen jetzt zwei vor, beide aus der Feder von Dr. Beham: eine allgemeine Schrift über den Krieg als Urheber und Verbreiter der bekanntesten Infektionskrankheiten und eine eingehende Schrift über die Cholera. Beide in hebräischer Sprache. — „Jewish Chrvnicle" schreibt: Im Jahre 1776, während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, lieh der Bankier Chaim Salomon der amerikanischen Regierung 660 000 Dollar als Kriegsanleihe. Die Schuld ist bis heute nicht zurückgezahlt, und sie beträgt heute mit Zinsen etwa 150 Millionen Dollar. Als Taft Präsident war, machte man ihm von jüdischer Seite den Vorschlag, mit dem Gelbe eine jüdische Universität in Washington zu gründen. Die Zeitung „Jewish Comment" bringt jetzt die Sache in Erinnerung und fordert die jüdische Oeffentlichkeit ans, sich zu belnühen, daß das Geld dem Judentum nutzbar gemacht werde. Verantwort icher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für de i Anzeigenteil: Mar Junge. Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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