Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1916)
- Date
- 1916-11-10
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3229232-3229278--72664-3285119- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
umfassende Ausstellung auS den Gesamtwerken deS bekannten^ Berliner Malers Lesser Ü r y bereitet Paul C a s s i r e r in Berlin vor. Die Ausstellung soll von dem älteren, ebenso von dem jüngeren Schaffen des Künstlers ein Gesamtbild geben. — Aus Hohensatza wird uns geschrieben: Das Eiserne Kreuz 2. Klasse wurde dem Vizefeldwebel Fabrikbesitzer Karl Freudenthal vom Infanterieregiment 140 verliehen. Herr Freudenthal, der zurzeit verwundet ist, ist ein Sohn des hiesigen stellvertretenden Synagogen-Gemeinde-Vorstehers Herrn Rentier Heymann Freudenthal. — Zum stellvertretenden Handelsrichter beim Bromberger Landgericht wurde neu ernannt der Bankier Stadtrat Siegfried S a l o m o n s o h n aus Hohensalza. — Die Rote-Kreuz-Medaille 3. Klasse wurde verliehen dem Schuhmachermeister Isidor Brzesinski, Hohensalza. — Im Juli dieses Jahres hatte der Quartaner Fritz H a a s e in Rhbnik einen an Jahren älteren Tertianer vom Tode des Ertrinkens aus dem Paruschowitzer Teich gerettet; dafür wurde jetzt dem mutigen Lebensretter vor versammeltem Gymnasium durch den Direktor eine lobende An- # erkennung ausgesprochen. — Die Stadtverordnetenversa m ui lung zu Breslau erteilte kürzlich ihre Zustimmung zu der Annahme einer Reihe hochherziger Stiftungen, so der Schenkung von 200 000 M. von Frau Else Fürst geb. Sachs und der von Kommerzienrat Adolf Sternberg gemachten Stiftung von 20 000 M. für Kriegsverletzte. — Der Gemeindebeamte Herr 5. Blankenburg in Landsberg a. W. beging am 25. Oktober seinen 70. Geburtstag. Derselbe ist über vierzig Jahre im Amte. Vom Vorstand, von den Repräsentanten und von der Beerdigungskommission waren Deputationen erschienen, welche in ihren Ansprachen die Treue und die gewissenhafte Pflichterfüllung des Jubilars hervorhoben. Wertvolle Geschenke wurden hierbei überreicht. — Dem Fabrikbesitzer Julius Salinger in Dresden wurde das Ehrenkreuz für freiwillige Wohlfahrtspflege verliehen. Aus Mecklenburg-Schwerin wird gemeldet: An Stelle des auf seinen Antrag ausgeschiedenen Geh. Justizrats Behncke ist der Amtsgerichtsrat Erythropel zu Schwerin wieder zum Landesherrlichen Kommissar im Israelitischen Oberrat bestellt worden. — Der Hauptlehrer A. Levy in Norden (Ostfriesland) ist am 29. v. M. Plötzlich verschieden. Der Dahingeschiedene war Begründer und erster Vorsitzender des dortigen Vereins für jüdische Geschichte und Literatur. — Die bekannte Weinsirma Hoflieferant David Weil in Landau übermittelte dem kürzlich verunglückten Fliegerhauptmann B o e l ck e gelegentlich des Abschusses seines dreißigsten feindlichen Flugzeuges die Spende von 1000 M. sowie ein Bukett edelster Psalzweine. B o e l ck e überwies diesen Betrag von 1000 M. der Fliegertruppen-Jnspektion zum Ankauf von Weihnachtsliebesgaben für bedürftige Flieger; bezüglich der übermittelten Weine schrieb er der Firma, daß er bei dem guten Tropfen des edlen Spenders freundlichst gedenken werde. Inzwischen ist er leider gestorben. Herr Aron Berliner und Frau Ba bette geb. Liebermuth in Würzburg begingen am 6. d. M. die Feier der Goldenen Hochzeit. Das Jubelpaar, welches im 78. bzw. 76. Lebensjahr steht, erfreut sich der besten Gesundheit in geistiger und körperlicher Frische. — Herr Kommerzienrat Georg Rosenzweig in Kassel erhielt die Rote-Kreuz-Medaille 3. Klasse. — Der Verein für K u n st p f l e g e in Offenbach a. Ai. veranstaltete am 25. v. M. in der Synagoge Goethestraße zugunsten des Roten Kreuzes ein Orgelkonzert, an dem hervorragende Künstler aus Frankfurt a. Nt. mitwirkten. — Die „Denkmünze der freiwilligen Krankenpflege", wurde im Krankenhaus der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. den freiwilligen Helferinnen Rosi M i ch a e l, Bella O P P e n h e i m e r , Erna H o ch s ch i l d , Hedwig St r a u ß , Marie A l b e r s h e i m , Marie Siegel, Lore Baerwald und Emmy Neumond verliehen. - Aus Mainz wird uns geschrieben: Herrn Großh. Rabbiner Prof. Dr. S. Salfeld wurde das Verdienstkreuz der hessischen Kriegs-. fürsorge am blauroten Bande verliehen. - Der 16jährige Wilhelm Krämer von hier, jetzt in Zwangserziehung, hatte im Sommer auf dem alten israelitischen Friedhofe wie ein Wilder gehaust und die Urnen sowie Figuren aus den Grabdenkmälern zutrümmert. Er wurde zu einer Woche Gefängnis verurteilt. — Anläßlich des Regierungsjubiläums des Königs von Württemberg erhielt Herr Kirchenrat Rabbiner Dr. Krön er in Stuttgart den Titel eines Oberkirchenrates. Ferner wurden für ihre Tätigkeit in der jüdischen Kinderküche mit dem Char^ottenkreuz ausgezeichnet die Damen Frau Carl Mandel, Fräulein Adele Grünwald, Fräulein Marta G u t m a n n und Fräulein Irma Ries er. — Aus Wien wird uns geschrieben: Wie wir erfahren, hat das k. k. Kriegsmiuifterium angeordnet, daß in Würdigung des religiösen Empfindens der Kriegsgefangenen israelitischen Glaubensbekenntnisses für dieselben der Sonnabend als allgemeiner Ruhetag zu gelten hat. Es ist streng darauf zu achten, daß die Israeliten an Sonntagen zu allen Diensten und an ihren allgemeinen Ruhetagen nur zu dringenden Arbeiten herangezogen werden. Für Israeliten ist daher der Sonnabend als allgemeiner Ruhetag anzusehen. Für die Katholiken gilt der Sonntag, für die Mohammedaner der Freitag als allgemeiner Ruhetag. - Der Vater Viktor Adlers, also der Großvater des Mörders, trat, als dieser noch ein Kind war, aus dem Judentum aus und zum Katholizismus über. Er wurde samt seiner Familie in Rom vom Papst selbst getauft. Die Taufe fand an einem Jom-Kippur statt. Sowohl Viktor Adler wie auch Friedrich Adler, der Mörder, haben sich später für konfessionslos erklärt. — Der König von Ungarn hat für den beim Landesrabbinerseminar in Budapest systemisierten außerordentlichen Lehrstuhl für hebräische und aramäische Sprachlehre und jüdische Geschichte den diplomierten Rabbiner Dr. Max Klein vorläufig in provisorischer Eigenschaft zum außerordentlichen Professor ernannt. — Nach dem „Corriere della Sera" berichten venizelistische Zeitungen aus Saloniki, die provisorische Regierung beabsichtige, strenge Maßnahmen gegen jene Israeliten anznwenden, die sich weigern, Militärdienste zu tun. Alle Klassen bis zum 40. Jahre, außer den schon bis zum 31. Jahre Einberufenen, würden eingestellt werden, falls sie sich noch weiter der Rekrutierung entziehen sollten. Dieselbe Zeitungen berichten, daß die französischen Behörden mit den Maßregeln der provisorischen Regierung vollkommen einverstanden sind. — Wie über Stockholm aus Odessa berichtet wird, sind der hebräische Dichter Bialik und der hebräische Schriftsteller Dr. Klausner zum Militärdienst eingezogen worden. — In Warschau starb dieser Tage der bekannte hebräische Schriftsteller, Lehrer und Herausgeber hebräischer und pädagogischer Zeitschriften M a n u s K r i n s k i. Die Beerdigung fand unter überaus starker Beteiligung statt. — Der neue amerikanische Botschafter Herr M. Abraham E l k u § ist vor kurzem mit seiner Gattin und seinen Kindern in Konstantinopel eingetroffen. Die gesamte türkische Presse beglückwünschte ihn zum Antritt seines neuen Postens mit langen, herzlichen Artikeln. ~~ Der neue deutsche Konsul von Jaffa, Herr M. Schob i n ger, stattete kürzlich dem hebräischen Gymnasium dieser Stadt einen Besuch ab und wohnte den türkischen und hebräischen Unterrichtsstunden bei, für welch letztere er sich besonders interessierte. Der Konsul beherrscht die türkische Sprache vollkommen und hat in der hebräischen Sprache auch gewisse Kenntnisse aufzuweisen. Beim Verlassen der Stunden sprach er sich sehr lobend über die Leistungen dieser Schule aus. — Die Rosch-Haschono-Nummer des „American Hebrew" bringt, wie die „Berliner Jüdische Rundschau" mitteilt, den folgenden Brief des Präsidenten Wilson an die Redaktion zum Abdruck: Weißes Haus, Washington. Ihr Plan für eine Sonderausgabe des „American Hebrew" hat mich sehr interessiert, und ich benutze gern die Gelegenheit, mein hohes Interesse für das Werk auszudrücken, das Sie für die Juden Amerikas tun. Ich hoffe, daß diese, ebenso wie ich es sicher von Ihnen annehme, fühlen, daß Amerika eine wirkliche Heimat ist, in der alle Kräfte für Gerechtigkeit und untadeliges Handeln Zusammenarbeiten, und ich habe sicherlich nicht nötig. Sie oder die anderen meines wahren Interesses für meine Mitbürger hebräischer Herkunft zu versichern. Niemand, der die Geschichte Amerikas und der Welt kennt, wird es unterlassen können, ihren hervorragenden Anteil an der Industrie, der Philanthropie, der geistigen Entwicklung und der politischen Freiheit anzuerkennen. Shadow Lawn, 20. September 1916. Herzlich und aufrichtig Ihr Woodrow Wilson. Verantwort icher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moste.