Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1916)
- Date
- 1916-11-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Gin unparteiisches Mrgan für alles jüdische Interesse Berlin, 10. November 1916 80. Jahrgang Nr. 45 Begründet von Rabbiner vr. Ludwig Philippson Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor vr. Ludwig Geiger Verlag: kluäolk IKo88e» verlin» Zerusalemer Stra8se 4S-49 Diese Zeitung erscheint wöchentlich. A bonnements«Pro)s; durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 M. — Postscheckkonto 324:. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adreffe: Verlag der „Ällgem. Zeitung des Judentums*, Berlin SW, Jerusalemer Straße 46-49, zu richten. Verlag von Rudolf LNoffe, Berlin. Das 25jährige Jubiläum einer amerikanischen Zeitschrift, yilljull« Von L. G. — Die Woche. —- Geh. Regierungsrat Julius Pieck. Von U G. — Aus der Berliner Gemeinde. Von L. G. — Bericht über die Feier der jüdischen Herbstseste im Kampfgebiet an der Somme. Von Feldrabbiner Dr. Salvmvnski. — Wie werden wir unsere Kinder nach dem Kriege erziehen? Von Dr. Willy Cohn, zurzeit im Felde. — Feuilleton.- Ter Sabbat kommt. Bon Schalom Asch. Deutsch von Marie Betzmertny. — Literarische Mitteilungen. — Büchereinlauf. — Sprechsaal. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Pr.-Stargard, Bosen, Beruhen O.-S., Breslau, Nürnberg, Frankfurt a. M., Wien, Budapest. — Von Nah und Fern. Das 25 jährige Jubiläum einer smeriksnilchen Leitlchritt. on der führenden freisinnigen amerikanischen Zeitschrift „The Reform Advocate" ist in diesen Blättern schon in ehrfach die Rede gewesen. Jetzt liegt die Festnummer gelegentlich ihres 25jährigen Bestehens vor, vom 27. Mai 1916, die mir aber erst im Herbst zugekommen ist. Diese Nummer bildet ein stattliches Heft von 134 Seiten, von denen freilich ein reichliches Drittel durch Anzeigen der verschiedensten Art eingenommen ist. Diese Annoncen legen ein Zeugnis ab von der außerordentlichen Verbreitung der Zeitschrift und von der Bedeutung, die man in vielen Kreisen ihr zuschreibt. Das ganze Heft ist auf schönem Papier gedruckt und mit außerordentlich vielen Illustrationen: Porträts und Faksimiles versehen. Die Nummer beginnt mit einer allgemeinen Einführung des wackeren Herausgebers, Emil G. Hirsch, der außerdem seinen ersten Leitartikel vom 6. März 1891 zum Wiederabdruck bringt und das Faksimile einer Seite der ersten Nummer folgen läßt. Albert M. Friedenberg gibt eine Uebersicht der in englischer Sprache erschienenen amerikanisch-jüdischen Zeitungen mit Bildern der Herausgeber und mit Abbildungen des Titels der bedeutenderen Journale. Derselbe Autor handelt in einem anderen Aufsatze über die amerikanisch-jüdischen Zeitungen, die in deutscher Sprache veröffentlicht wurden, die aber jetzt meist eingegangen sind: die „Deborah" von Jsaac M. Wise, den „Sinai" von David Einhorn, den „Zeitgeist" — ein Artikel, gleichfalls mit Bildern der Herausgeber und der hauptsächlichsten Mitarbeiter geziert und durch Abdruck einzelner prägnanter Stellen erläutert. Herman Eliassof gibt eine Uebersicht der in hebräischer Sprache veröffentlichten amerikanischen Zeitungen, Leon Zolotkoff über solche in jiddischer Sprache, beide Aussätze in gleicher Weise wie die früher erwähnten mit Bildern und Stichproben versehen. Die im vorstehenden genannten vier Aufsätze geben eine höchst dankenswerte, kulturgeschichtlich ungemein wertvolle Uebersicht des jüdischen Journalismus in Amerika, die ein vortreffliches Bild der mannigfaltigen, einflußreichen, teils kurzteils langlebigen Zeitungen gewährt. Während die englisch, deutsch, hebräisch geschriebenen Journale zum Teil Jahrzehnte zurückreichen, sind die jiddischen meist neueren Datums. Unter den letzteren ist die älteste, wenn ich richtig gesehen habe, 15 Jahre alt. Auf diese Uebersicht des Journalismus folgt der Abdruck einer Rede, die Kaufmann Köhler über die Juden in der Medizin im Februar 1916 gehalten hat, eine Rede, die, wenn auch in ältere Zeiten zurückschweifend, hauptsächlich die letzten Jahrhunderte behandelt und sich keineswegs auf Amerika beschränkt, sondern auch Europa und besonders Deutschland berücksichtigt. Samuel Sale, ebenso wie Hirsch, ein Schüler meines Vaters, redet über das „gesprochene Wort" und gedenkt dabei in schönen Ausdrücken seines Vaters und des meinigen. (Es ist charakteristisch, daß in dieser Rede nicht hebräische Stellen angeführt werden, sondern als einziges Zitat ein solches aus Shakespeares „Troilus aud Oressida" erscheint.) Sodann beantwortet Henry Berkowitz die Frage „Was kann Kirche und Synagoge für soziale Erneuerung tun?" Neben solchen Originalanfsätzen kommen auch einzelne Uebersetzungen vor, z. B. aus Julius Simons Abhandlung „Die Juden und die gebildeten Klassen unserer Zeit", und zwar die Stelle, in der ausführlich von Kretzers Romanen gesprochen wird. Es ist nicht möglich, jeden einzelnen Aussatz des reichen Heftes zu erwähnen. Eine Hervorhebung verdient die Abhandlung von Nannie A. Reis „Die jüdischen Frauenklubs und die jüdischen Zeitungen", ferner die Plauderei von Frau Israel Cowen über „Jüdische Klubs" und Jenny Franklin Porvins Beantwortung der Frage „Wer will unser Helfer sein?", in der sie die Genossen und Genossinnen zu einer neuen jüdischen Lebensführung aufruft. Andere Artikel, gleichfalls mit Bildern geziert, ebenso wie alle die übrigen bisher hervorgehobenen, gedenken der großen jüdischen Organisationen und Synagogen in Chikago. Eine andere Abteilung ist kulturhistorischen Artikeln gewidmet, aus denen die Abhandlung von Hermann Jacobsohn über die Juden in Holländisch-Westindien und von Herold Berman „Das Ergehen der verfolgten Völker" (gemeint sind vor allem Polen und Litauer) hervorgehoben sein mögen. Auch das Feuilleton ist vertreten, und zwar durch eine Uebersetzung von Perez „Drei Generationen und drei Anschauungen" und durch die aus unserer Zeitung entnommene Skizze von Jon. Fried „Kein Kaddisch soll man sagen". Eine allgemeine innerjüdische Angelegenheit wird von Emanuel Schreiber durch den Aufsatz erörtert: „Ist eine konservative Strömung im Judentum der Vereinigten Staaten vorhanden?" Den Schluß des außerordentlich reichhaltigen Heftes, das wahrlich keinen Papiermangel beweist, bilden die üblichen Korrespondenzen aus New Pörk, in deren einer der letzte Wille des verstorbenen Scholem Aleichem abgedruckt wird, ferner Lokal- und Familiennachrichten, auch auswärtige Notizen, in