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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-11-03 · Heft 44 (3.11.1916) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 44 (3.11.1916)
Date
1916-11-03
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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alle Praktischen Fragen jüdischer Hilfeleistung gegenüber dem Kriegs- Unglück (darunter auch die Emigrationsfrage) vom Programm des Kongresses auszuschließen, den Ausdruck „nationale Rechte" im Programm des Kongresses durch das Wort „Gruppenrechte" zu ersetzen und endlich durch Zulassung Delegierter der amerikanischjüdischen Organisationen nach einem noch zu bestimmenden Wahlsystem die demokratische Grundlage des Kongresses zu gefährden. Von Mah und ssern. — Herr Ernst Gottlob, Sohn des Kaufmanns Sigm. Gottlob •tu Berlin, vor zirka neun Monaten zum Leutnant befördert und dann an der Westfront schwer verwundet, erhielt das Eiserne Kreuz erster Klasse. - Das Württembergische Charlottenkreuz in Silber und die Rote-Kreuz-Medaille dritter Klasse erhielt Herr Edmund Jacoby in Berlin, der seit Beginn des Krieges in hervorragender Weise seine Kraft den Interessen des Noten Kreuzes widmet. — Dem Königlichen Hoflieferanteil Walter S i l b e r st e i n, Inhaber der gleichnamigen Berliner Herrenausstattungsfirma, Friedrichstraße 87, ist vom Kaiser von Oesterreich das Ehren kreuz zweiter Klasse verliehen worden. - - Der diesjährige Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland wird in der Weihnachtswoche in Berlin zusammentreten. — Der Rentier, frühere Handelsrichter Louis Mendelssohn, Begründer der Rohpappenfabrik Mendelssohn u. Wharton in Köpenick, beging am 15. v. M. seinen 80. Geburtstag. -- Ter Schuhmachermeister Adolf C o h n, Oranienburger Straße 84, feierte am 21. v. M. seinen 70. Geburtstag. Es war ihm vergönnt, für Kaiser Wilhelm hn Feldzuge 1870 die Fußbekleidung auszuführen. - Der „Robert- Schumann-Chor", Dirigent L. Kopf, der sich schon des öfteren in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt hat, beabsichtigt, Ende Januar 1917 das „Requiem" von Chernbini zu Wohltätißfeitszloeckeii aufzuführen. Sangessrendige Damen und Herren werden gebeten, dem Chor beizutreten und an den Proben teilzlmehmen. Die Proben finden an jedem Donnerstag, abends 8XA Uhr, im Sängersaal der Sophiensäle, Sophienstraße 18, statt. Ter Chor besteht fast ausschließlich aus Juden. Gäste sind herzlich willkommen. — In der Nacht zum 31. Ok- , tober ist der bekannte Satiriker Julius Stetten heim, zwei Tage vor Vollendung seines 85. Lebensjahres, gestorben. Stettenheim übte seinen Witz gern an deil Antisemiten, die er von ihrem ersten Auftreten an mit dem ganzen Sarkasmus seiner Feder bekämpfte. -- In Lublimtz starb am 22. v. M. in hohem Alter der Gemeinderepräsentant Markus K a:n ln, der lnehr als ein Menschenalter treu und selbstlos den Interessen der Gemeinde gedient, zwei Jahrzehnte das Amt eines Vorstehers der Chewra Kaddischa rnustergültig verwaltet und stets als Mensch und Jude vorbildlich gelebt hat. — Aus Breslau wird berichtet: Herr Moritz Schottländer hat dem Ausschuß für die Kriegsverletztenfürsorge in der Provinz Schlesien 30 000 Mark Reichsanleihe zur Verfügung gestellt, dessen Zinsen als Moritz und Anna geb. Danziger - Schottländersche Stiftung zur Fürsorge für nicht mehr erwerbsfähige Kriegsverletzte aller Konfessionen, insbesondere Sieche und Kriegsblinde, Verwendung finden sollen. Das Kapital soll, wenn Kriegsverletzte, denen die Zinsen zugute kommen können, nicht mehr vorhanden sind,' zu gleichen Teilen an die Schlesische Blindemmterrichtsanstalt und den Schlesischen Krüppelfürsorgeverein fallen. — Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur zu Lissa i. P. sprach am 29. Oktober Justizrat Michaelis Breslauer aus Breslau über: „Die Juden in Preußen bis 1812". — Am 8. Oktober feierte Herr Rentner Moritz Aatz in Duderstadt seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar stand fünfzig Jahre hindurch an der Spitze der Gemeinde. Ihm verdankt sie es vor allem, daß die Gemeinde eine öffentliche jüdische Volksschule besitzt. - Die israelitische Gemeinde zu Kassel hat vor einiger Zeit ihren Beamten eine Kriegsteuerungszulage in Beträgen und nach den Grundsätzen, wie die Residenz Kassel sie für ihre Beamten uftv. bestimmt hat, gewährt. Diese Zulagen werden vom 1. April 1916 ab bis zum Ablauf der auf den Friedensschluß folgenden drei Monate ausgezahlt. — An: Jüdischen Lehrerseminar in Köln fand in diesen Tagen die dritte Notentlasftlngsprüftlng unter Vorsitz des Königlichen Provinzialschulrats Volk m e r statt. Alle Abiturienten bestanden. — Das Eiserne Kreuz ctfter Klasse erhielt Leutnant d. R. Fritz Loeb, Sohn des Herrn Leopold Loeb in Trier. Dem Armeerabbiner der Bngarmee Dr. Tänzer ist vom König von Württemberg das Ritterkreuz erster - Klasse des Friedrichsordens mit Schwertern verliehen worden. — Anläßlich des Regierungsjubiläums des Königs von Württemberg wurde folgenden Herren in Cannstatt das Ch-arlottenkreuz verliehen: Isidor G e r st l e, Ferdinand Hanauer, Ferdinand Levi, Strauß, Solomo. Ebenso ^bekam Fräulein Bella Rothschild, Schwester im Reservelazarett Haueisen, das Charlottenkreuz. — Herr Siegmund Kahn in Straßburg i. E. wurde zum GarmsonverwaltU'Nigsmspekto'r-Stellvertreter bei der Kommandantur des Truppenübungsplatzes Oberhofen (Elsaß) ernannt. — Aus Budapest wird geschrieben: Seit Kriegsausbruch hält Frau Janka Krauß-Müller in dem israelitischen Bethause, Jstvanstraße 61, Predigten. Die Dame verrichtete anläßlich des Versöhnungstages ein Gebet für das Wohlergehen des Kaisers und den Sieg unserer Waffen sowie der Verbündeten. Das Gebet hatte die tiefste Wirkung hervorgerusen. — Ein allgemein angesehenes Mitglied der Budapester Gesellschaft und der Kaufmannschaft, der Präsident des Israelitischen Landestaubstummemnstituts, Direktions- Mitglied der Jnnerstädter Sparkasse-Aktiengesellschaft usw., Samuel Deuts ch, ist am 6. Oktober im hohen Aller gestorben. Als Begründer eines angesehenen Grotzhandlungshauses, als Mitglied der Stadtrepräsentanz und langjähriger Vizepräsident der Pester Kultusgemeinde hat er eine hervorragende Rolle gespielt in den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts als Bahnbrecher des modernen ungarischen Handels, zu dessen Aufblühen er viel beigetragen hat. Sein Hinscheiden wird von einem großen Bekannten-, Verwandten- und Berehrerkreise betrauert. — Die Londoner „Jewish Chronicle" meldet in ihrer Nummer vom 13. Oktober 1916 nach einem Central- News-Telegramm aus Kairo, daß der russische Geschäftsträger in diesen Tagen einen Befehl veröffentlicht hat, wonach alle russischen Untertanen im dienstfähigen Alter sich zum Dienst im englischen Heere melden müssen. Der Befehl trifft in erster Linie die sich gegenwärtig in Aeggypten aushaltenden russischen Inden. — Der Moskauer Kongreß monarchistischer Organisationen wählte einen ständigen Ausschuß, bestehend aus der Regierung nahestehenden Persönlichkeiten, denen die Wahrung der Grundgedanken' des Parteiprogramms obliegt: der Schutz der rechtgläubigen Kirche, die Erhaltung der unbeschränkten Monarchie und die Verhinderung der jüdischen Gleichberechtigung. - Der vom russischen Minister des Innern Protopopow gegründete Zeitungsverlag wurde vom Ministerrate bestätigt. Die Firma wurde jedoch von der Regierung gezwungen, in die Statuten den Passus -aufzunehmen, daß Personen jüdischen Glaubens nur die Aktienminderheit besitzen dürfen. Die Regierung begründete diese Forderung mit geplanten Auslnerzung des jüdischen Einflusses in der Presse. - Am 18. November begeht der bekannte Schriftsteller Dr. L. S. Kazenelenso n tu Petersburg seinen 70. Geburtstag. Seine Freunde mW Verehrer planen, bei bicfem Anlasse seine sämtlichen wissenschaftlichen Werke und Memoiren herauszugeben und den Tag festlich zu begehen. — Der Jüdische Verein für Literatur und Kunst in Lodz hielt seine Gründungsversammlung ab. Der Verein zählt bereits 92 Mitglieder. In die Verwaltung wurden die Herren I. Katzenbog en, S. Hamburger, E. Z i w i e r , S. K a tz und F. T o b i a s z gewählt. — „American Jewish Chronicle" berichtet aus Petersburg- Die Zeiten ändern sich. Früher mußte Rußland antisemitische Agitatoren nach England senden, jetzt ist hier ein englischer Professor Fers und publiziert Brandartikel gegen die Juden in der „Nowoje Wremja". Er „beweist", daß die Juden allein die Schuld an der bisher geringen englisch-russischen Freundschaft tragen, und daß die Juden als Urheber der Entwicklung des deutschen Handels in Rußland anzusehen sind. Man kann erkennen, wieviel die „Nöwoje Wremja" von ihrem Einfluß verloren haben muß, wenn sie genötigt war, sich aus England einen antisemitischen Agitator zu verschreiben. — Das provisorische zionistische Exekutivkomitee in New Uork hat von der französischen Regierung die Erlaubnis zur Einfuhr von Medikamenten nach Palästina erhalten. Diese Erlaubnis bezieht sich auf die Einfuhr von Medikamenten, die schon seit längerer Zeit in Aegypten für Palästina deponiert waren. Infolgedessen hat das States Department in Washington den amerikanischen Kreuzer „Desmoiües", der in Barcelona lag, nach Alexandria beordert, um die Medikamente von dort nach Jaffa zu bringen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berün-Panlow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Frieden cm. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

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