Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1916)
- Date
- 1916-11-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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80. Jahrgang Nr. 44 7 Berlin, 3. November 1916 eilüng desAudenlums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wSch«ntl1«h. A bonnements'ssre^s: durch den Buchhandel oder die Post (in Verttu und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich SM. — Postscheckkonto 224!. Begründet von Rabbiner Vr. Ludwig Phittppfon Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor Dr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums*, Berlin SW, Jerusalemer Straße *6-45, zu richten. Verlag von Nndolf Mofse, Berlin. RabLinerverband und Verband der Deutschen Juden. — IjmjUU* Die Woche. — Prof. Dr. Brann. Zu seinem 25jährigen Dozentenjubiläum. Von Rabbiner Dr. Löwenstamm, Pletz (O.-Schl.). — Schriften über Deutschtum, Judentum, Ostjudentum. Von L. G. — Fürsorge. Von Rabbiner Dr. Friedmann in Lublinitz. — Feuilleton: Auge um Auge. Russischer Sozialroman von M. Pulvermann. — Literarische Mitteilungen. — Büchereinlauf. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums*). Berlin, Berlin-Pankow, Königsberg i. Pr., Aus der Provinz Posen, Breslau, Görlitz, Leipzig, Halberftadt, Seesen a. H., Aachen, Frankfurt a. M., Mainz, Wien, New Uork. — Von Nah und Fern. SabbinrrorrbslM und Verband der Deutschen Duden. uf allen Seiten greifen übermächtige Feinde an. J>n Lande ist Burgfrieden angesagt. Abgesehen von extremen politischen Parteien wird er auch gehalten. Insbesondere schweigen die Kämpfe zwischen den verschiedenen Richtungen innerhalb der einzelnen Kirchen. Nur die jüdische Religionsgemeinschaft hat die traurige Auszeichnung, auch während dieser Zeit nicht die inneren Gegensätze schweigen lassen zu können, und durch innere Zwietracht ist ein bereits erreichter wesentlicher Fortschritt hinsichtlich der Militärseelsorge wieder' rückgängig gemacht worden. Damit aber nicht genug. Neuerdings beginnt sogar noch ein Kampf um Standesvorrechte, die eine einzelne Beamtenkategorie sich zu erobern gedenkt: ein Kampf, in welchem diese Beamtenkategorie so rücksichtslos vorgeht, daß sie nicht einmal Bedenken trägt, Schritte zu unternehmen, die geeignet sind, die mit vieler Mühe und in jahrelanger Arbeit geschaffene gemeinsame Zentralvermittlungsstelle für den Verkehr mit Behörden zu sprengen oder doch deren künftige Wirksamkeit zu untergraben. Wer die Verhandlungen liest, die auf dem letzten Rabbinertag gepflogen sind, kann ein Gefühl des Bedauerns nicht unterdrücken, daß derartige Vorgänge überhaupt, und noch dazu in jetziger Zeit, möglich sind. Neuerdings nun ist in einer Nötiz, welche im „Israelitischen Familienblatt" erschienen ist, behauptet worden, daß diejenigen Rabbiner, welche dem Ausschuß des Verbandes der Deutschen Juden angehören, erklärt haben, bis zur Klärung der schwebenden Differenzen ihre Teilnahme an den Sitzungen des Verbandes einzustellen. Die V er ö ff entl i chu n g einer solchen Nachricht kann nur von einer Stelle aus veranlaßt worden sein, welche mit vollem Bewußtsein daraus hinausgeht, die Verbindung zwischen Rabbinerverband und Verband der Deutschen Juden zu sprengen. Sollte der Inhalt jener Nachricht zutreffend sein, so würden wir eine, solche Erklärung als eine revolutionäre Art des Vorgehens ansehen müssen. Bestehen Meinungsverschiedenheiten zwischen den rabbinischen Mitgliedern des Ausschusses und den übrigen Mitgliedern, so würde eine Erledigung dieser Meinungsverschiedenheiten in parlamentarischer Weise nur auf zwei Wegen möglich sein: entweder die rabbinischen Mitglieder müßten im großen Ausschuß des Verbandes oder nötigenfalls auch in einer zu berufenden Hauptversammlung bestimmte sachliche Anträge oder einen Tadelsantrag gegen die jetzige Verbandsleitung stellen und hierfür eine Mehrheit zu erlangen suchen mit dem Erfolg, das; die jetzige Verbandsleitung zurücktritt und andere, der Mehrheit genehme Herren an deren Stelle oder mindestens an Stelle derjenigen einzelnen Personen, gegen welche der Tadel sich richtete, zu treten hätten. Oder aber, wenn die Verstöße, über welche die rabbinischen Mitglieder sich zu beklagen haben, so erheblich sein sollten, daß ein ferneres Zusammenarbeiten völlig ausgeschlossen ist, und ferner auch keine Aussicht besteht, eine Mehrheit zugunsten der Ansicht der rabbinischen Mitglieder herbeizuführen, so würde allenfalls noch die Möglichkeit bestehen, daß die rabbinischen Mitglieder ihre Aemter niederlegen und aus dem Ausschuß austreten. Der dritte Weg aber, der nach der obenerwähnten Nachricht gewählt worden ist, daß nämlich die rabbinischen Mitglieder ihre Aemter beibehalten, eine Mitarbeit aber ablehnen, ist ein Streik in bester Form, eine Kriegserklärung mitten im Burgfrieden. Unser Blatt ist gewiß gegen den Verdacht gefeit, daß es den Interessen der Rabbiner irgendwie zu nahe treten könnte. Unsere Leser wissen, daß wir die rabbinischen Interessen wo nur immer möglich zu fördern versuchen und daß wir auch für die Standesbestrebungen der Herren stets das größte Interesse gezeigt haben und sie in so weitem Umfange unterstützen, wie uns dies mit dem allgemeinen Interesse irgend vereinbar erscheint. Wenn wir uns zu vorstehenden Bemerkungen gezwungen glauben, so liegt es uns daher völlig fern, gegen irgendwelche rabbinischen Bestrebungen Stellring zu nehmen oder in den sachlichen Meinungsverschiedenheiten, welche etwa be-, stehen können, Partei für den einen oder den anderen Teil zu ergreifen. Nur der Form des Vorgehens gilt unsere Mahnung, und wir möchten den beteiligten Herren zu bedenken geben, daß auch durch die Form des Vorgehens der Bogen überspannt werden kann. Die Herren Rabbiner mögen, bevor sie auf dem betretenen Wege fortschreiten, die eintretenden Folgen wohl überlegen. Entweder: es gelingt ihnen, im Ausschuß des Verbandes oder auf dessen Hauptversammlung eine Mehrheit für ihre Ansicht zu bekommen. Dann werden sie selbst die Leitung im Verband übernehmen müssen, denn es ist nur billig und für die Gesamtinteressen auch nur nützlich, wenn diejenige Partei, welche die Mehrheit erlangt hat, selbst die Verwaltung übernimmt. Wir fürchten aber, daß eine Leitung des Verbandes der Deutschen Juden durch rabbinische Mitglieder in den Hauptämtern aus die Dauer nicht durchführbar sein wird. Weder die Gemeinden noch die Lehrer werden auf die Darier