Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1916)
- Date
- 1916-10-27
- Page
- Seite 515 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3229232-3229276--72625-3285078- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
515 Gustav Schneider. Sern Leben und Schaffen von Dr. Karl Schwarz, mit einem Vorwort von Hermann Struck. Berlin 1916. Schon in einer früheren Nummer haben wir den durch schwere Krankheit in jungen Jahren dahingerafften jüdischen Künstler Gustav Schneider erwähnt und auch einzelne seiner Bilder, hauptsächlich jüdischen Inhalts, veröffentlicht. Nun liegt ein Schriftchen vor, ungemein geschmackvoll ausgestattet, das von dem Leben des jungen Zeichners nähere Kunde gibt. Es enthält außer einer Biographie eine große Anzahl von Briefen, die er von seinen Reisen nach der Schweiz und Italien aus an seine Eltern geschrieben hat (1910 bis 1914), gibt ein Verzeichnis seines „graphischen Werkes" (im ganzen 174 Nummern), Radierungen, Lithographien, Linoleumschnitt von 1903 bis 1914 und bringt im Anhang Abbildungen, meist Landschaften aus Italien, aber auch eins, das unser besonderes Interesse erregt: „Jude mit Mütze." Wir benutzen die Gelegenheit des Erscheinens dieser Gedenkschrift, die nicht im Buchhandel erschienen ist, um noch einmal die Aufmerksamkeit auf diesen talentvollen, liebenswürdigen, bescheidenen jüdischen Künstler zu lenken, der von allen, die ihn kannten, geschätzt und von ihnen zusammen mit den tiefgebeugter! Eltern und Geschwistern herzlich betrauert wird. 1». G. * — Der Rabbi von Suwalki. Novelle von S. Sch achnowitz. Bände 17—18 aus der Jüdischen Volksbücherei (Kriegsschristenserie Nr. 3—4), Frankfurt a. M. Die Erzählung ist kein Meisterwerk, aber sie mag als Kriegsliteratur durchgehen. Der Held, der Rabbi von Suwalki, der aus einem deutschen Ostseebade trotz seines Herzleidens sofort, nachdem er die Kriegserklärung erfahren, nach seinem Wirkungsorte zurückkehrt, ist der typische, herrliche, alte, weise Mann mit großem, weißem Bart, der liebende Vater einer Tochter, die natürlich ebenso schön wie tugendhaft ist. Diese ist die gleichfalls oft gezeichnete Heldin, die sich an den Erzählungen von jüdischen Märtyrerinnen berauscht hat, einem hohen russischen Offizier, wenn sich auch in ihrem Herzchen eine kleine Neigung für ihn bemerkbar macht, widerstrebt und schließlich einem deutschen Arzt jüdischen Glaubens, der sie immer geliebt hat, die Hand reicht. Der Bund wird noch von dem Vater gesegnet, der ebenso wie seine Tochter die fürchterlichsten Qualen durch den Kosakenobersten zu bestehen hatte, der freilich an dem würdigen Rabbi ein gewisses Gefallen hatte. Alle diese Figuren haben wir nun schon so oft an uns vorübergehen lassen, daß es wirklich Zeit wäre, daß sie aus der Novellenliteratur verschwänden. Aber das Milieu ist nicht übel gezeichnet und die Erzühlungsform trotz vieler Nachlässigkeiten und Willkürlichkeiten nicht allzu schlecht. L. G. * — Berliner F ü r s o r g e a r b e i t während des Krieges. Vortrüge und Berichte aus den: Ausbildungslehrgang der Zentrale für private Fürsorge E. V. Berlin 1916, Vahlen. 8°, 156 Seiten. Als der gewaltige Krieg vor mehr denn zwei Jahren ausbrach, war in der ganzen Welt ein allgemeines Staunen über die wunderbare Organisation unserer Mobilmachung, die in überraschend kurzer Zeit den Aufmarsch der kampfbereiten, vorzüglich ausgerüsteten Millionen unserer feldgrauen Truppen ermöglichte und so die für den ganzen Verlauf des Krieges so entscheidenden ersten Erfolge herbeiführte. Nicht ganz so gut zeigte sich die Organisation für alle anderen Bedürfnisse, die den Bestand und die Weiterentwicklung des Volksganzen int Innern gewährleisten sollte. Doch es wäre vermessen, die Fehler, die wir jetzt kennen, gar so sehr unseren Behörden zum Vorwurf zu machen; waren doch die Aufgaben so ungeheure und so neuartige, daß nicht leicht ihnen jemand gewachsen sein konnte, auch war eine Vorbereitung für diese ganz unvorherzusehenden' Verhältnisse bei der vollen Abschließung von aller Welt kaum möglich. Darum mußte auch die private Fürsorge in der gesamten Wohlfahrtspflege und Liebestätigkeit dem Ansturm der mannigfaltigen Aufgaben gegenüber in der ersten Zeit notwendigerweise versagen. Vieles hat Opferfreudigkeit und guter Wille hier zu schaffen versucht, aber ohne eine sorgfältige Vorarbeit, und Vorbereitung läßt sich aus gutem Herzen Wohlfahrtspflege nicht erfolgreich ausüben. Ueberstürzung in der Schaffung von Hilfsstellen mit unzureichenden Arbeitskräften und unzureichenden Mitteln ist das Kennzeichen dieser Zeit; bereits im ersten Kriegsjahre sind in Groß- Berlin über 300 neue Kriegshilssorganisaliorren entstanden, von denen nur wenige sachgemäß eingerichtet und geleitet wurden. Zu allermeist war wenigstens guter Wille dabei ausschlaggebend, doch nicht so selten spielte Ehrgeiz der Stunde mrd auch das Geschäftsinteresse derselben eine Hauptrolle. Daß bei einer so großen Zahl von neuen Wohlfahrtseinrichtungen auch die zu Recht bestehenden ' und gut gekitteten nicht über genügend gut vorgebildete Hilfskräfte verfügen konnten, ist zu verstehen. Wenn auch eine große Zahl von Frauen und Männern in Groß-Berlin seit Jahren aus dem sozialem Gebiete sich betätigten, so war doch auch unter diesen nur ein Bruchteil wirklich gründlich theoretisch und praktisch für diese Arbeit vorgebildet und es war ganz unmöglich, den riesigen Bedarf an Mitarbeitern zu decken, wenn man nicht reichlich Gebrauch machen wollte von dem Angebot Gutwilliger, die bisher noch nie in der Wohlfahrtspflege gearbeitet hatten. Die Folge davon war mancher Mißgriff, doch ist es erfreulich, daß aus der großen Schar viele sich bewährten und auch für die Zukunft schätzenswerte Mithelfer in der sozialen Arbeit sein werden. Wieviel Verständnis für eine gründliche Durchbildung in dieser Arbeit bei einer großen Menge besteht, zeigt der zahlreiche Besuch des Ausbildungskursus, den für'diesen Zweck im November 1915 die Berliner Zentrale für private Fürsorge veranstaltete und der von etwa 800 Hörern besucht wurde. Das ganze Gebiet der Kriegsfürsorge wurde dort eingehend behandelt und es ist dankenswert, daß die Vortrüge im wesentlichen jetzt der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden. Allerdings ist in manchen Dingen die Entwicklung der Dinge «über die Zeit vom Beginn des letzten Winter hinausgegangen, aber das Heft wird dennoch vielen ein wertvolles Nachschlagehest und eine belehrende Anleitung in der Hilssarbeit sein. Was Staat und Stadt, was die bestehenden gesetzlichen Fürsorgeeinrichtungen, was freie Wohltätigkeitspstege in der Kriegssürsorge leisten, ist hier in kurzen Vorträgen übersichtlich zusammengestellt. Daß hier auch gerechter,, als es früher oft bei großen Organisationen geschah, volle Gleichberechtigung der Wohlfahrtspflege der jüdischen Gemeinde entgegengebracht wird, will ich nur kurz hervorheben. Justizrat Breslauer, der verdienstvolle Leiter der Kriegshilfskommisston der jüdischen Gemeinde, berichtet über die Liebestätigkeit der jüdischen Gemeinde neben Vertretern der katholischen und evangelischen Liebestütigkeit. An dieser Stelle darf ich wohl auch mit einer gewissen Befriedigung hervorheben, daß eine große Anzahl der Vortragenden durch ihre Persönlichkeit den Beweis erbringen, wie ernst es gerade die Juden mit einer zielbewußten, auf gründlicher Vorbildung beruhenden Arbeit in der Charitas nehmen. Möchten viele der neuen Mitarbeiter das Heft zur Hand nehmen, um daraus Anregung und Belehrung zu schöpfen. W i l h e l m Feil ch e n f e l d. * . — Tre ne. Eine jüdische Sammelschrist. Herausgegeben von Leo H e r r m a n n. Jüdischer Verlag, Berlin 1916. In den Worten der Widmung heißt es, daß nach der Erzählung des Midrasch die Erlösung der Israeliten aus dem Bande der Knechtschaft um ihrer Treue willen geschah: weil sie ihrer Tracht nicht entsagt, ihre Namen nicht geändert, ihre Sprache nicht vergessen hatten. Auch die jungjüdischen Dichter und Schriftsteller, die mit einigen ihrer Schöpfungen in dieser Sammlung vereinigt sind, wollen von dem Geiste der Treue zu dem alten jüdischen Volkstum Zeugnis ablegen. Zu den Bindegliedern des Zusammenhangs zwischen dem Ehemals, Jetzt und Einst gehören die hebräische Sprache und die sich neu belebenden Hoffnungen auf das wiederholte Wunder der Erlösung, das sich nach dem Worte der Ha-ggadah jedem Geschlecht aufs neue erfüllen muß. Zu den Perlen der Sammlung möchten wir zählen: „Im Bannkreis des Hebräischen." Von Moses Calvary; Moses in Stein. Bild von Bernstein-Wischnitzer; „Rache eines Leierkastens." Von G. Schoffmann; Ein Rat von Scholen! Aleichem; „Dreißig Jahre Bilu." Von Otto Eberhard. Diese jüdische Sammelschrist verdient warme Empfehlung. Sie eignet sich besonders zu Sendungen an unsere Feldgrauen und für die Bibliotheken der Literaturvereine. Sanitätsrat Dr. Scherbe! (Lissa). # Wissenschaftlicher Jahresbericht über die morgenländischen Studien im Jahre 1915. Das Semitische 1918—1915 mit Ausschluß der Asshriologie, des Sabäo-Minäischen und der abessinischen Dialekte sowie der alttestamentlichen Studien. Von H. Torczyner. Sonderabdruck aus der „Zeitschrift der Deutschen Morgen-