Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1916)
- Date
- 1916-10-18
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Feldrabbiner gestalteten die Veranstaltungen zumeist zli recht erheben-'^ 'den und ergreifenden. Feiern. — Kommerzienrat Louis Schlesinger hat der Handelskammer zu Berlin die Summe von 40 000 Mark überreicht als Grundstock zur Begründung einer Stiftung für Witwen und Waisen von im Kriege gefallenen Berliner Kaufleuten mit Bevor--, zugung der Interessenten der Berliner Leder- und Häutebranche. — Z u m Mi t g I-i-e b e de r K a i se r -- W i l he l m s - G e se l l scha s t zur Förderung der Wissenschaften lvurde vom Senat dieser Stiftung unser Glaubensgenosse, Kommerzienrat Jacob Mandel bäum, bulgarischer Konsul in Berlin, gewählt. Seine Majestät der Kaiser hat der Wahl seine Bestätigung erteilt. — Die ausscheidenden Mitglieder des Berliner Magistrats, die Stadträte Dr. Preusz und Panofsky, nmrden in der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung wiederum zu unbesoldeten Stadträten gewühlt. -- Zum H andelsrichter am Landgericht I ernannt lvurde Fabrikant Julius Leun h o f, ein Bruder des aus dem Gebiet der sozialen Medizin rühmlichst bekannten Professors Dr. ured. Rudolf Lennhos. - Der Rentier Herr Lesser Louis Orb ach ist am 14. d. M. hu 75. Lebensjahre verstorben. Herr Orbach brachte allen jüdischen 'Angelegenheiten lebhaftes Interesse entgegen und gehörte dem Borstand der Synagoge Rykestraße seit ihrer im September 1904 erfolgten Eröffnung an. — Die Proben für die Winterkonzerte des B e r e i n s zur Pflege h e b r ä i s ch e r G e s ä n g e haben be-' gönnen; sie finben wöchentlich Mittlvochs 5 bis 7 Uhr, Oranienburger Straße 30, statt. Ateldungen singender Mitglieder nimmt der Vereinsdirigent Kapellmeister Keller mann, Oranienburger Str. QO/63, Dienstag und Freitag von Al bis A2 Uhr, entgegen. — Der Kaiser von Oesterreich hat dem Inhaber der Bronzeloarensabrik Robert Sachs, Berlin, dem Fabrikbesitzer Robert S a ch s , die silberne Ehrenmedaille vom Roten Kreuz am lveiß-roten Bande verliehen. — In Memel verschied im Alter von 72 Jahren Frau Amalie Wolpe, Witwe des vor zwölf Jahren in Frankfurt a. M. verstorbenen Jonas Wolf Wolpe. Tie große Beteiligung an der letzten Ehrlmg zeigte, welche Schätzung sich Frau Wolpe hier in Memel erworben hat. — In Tilsit starb am 3. d. M. Herr Heinrich Löwens o n. Der Verstorbene gehörte Jahrzehnte hindurch dem Repräsentantenkollegium und dem Vorstände der dortigen jüdischen Gemeinde als eifriges und segensreich -wirkendes Mitglied an. Aus Kattowitz wird berichtet: Herr Stadtrat Wiener hat sein Amt als Vorsitzender des Vorstandes der Synagogengemeinde niedergelegt. An seine Stelle lvurde Herr Justizrat Badrien, der bisherige zlveite Vorsitzende, gewühlt. — Die Stadtverordnetenversammlung zu Breslau hat einstimmig der Annahme der Erbschaft des verstorbenen Rentners Hermann Auerbach in Breslau, der die Stadtgemeinde als Uuiversnlerbin seines Rachlasses in Höhe von VA Millionen Mark einsetzte, zngestimmt. Ter Betrag soll Verwendung finden für eine große Reihe gemeinnütziger Einrichtungen, darunter die Auerbachsche Erziehnngsanstalk für Waisenkinder beiderlei Geschlechts ohne Unterschied der Religion, und für Zwecke des Kleinwohnungsbaus. — Aus Posen wird uns geschrieben: Bei Eröffnung der Stadtverorduetensttzung am 5. Oktober gab der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Herr R-ochnungsrat Busse der Freude unter lebhafter Zustimmung der Versammlung Ausdruck, daß Stadtrat Schleyer nach längerer Krankheit lvieder gesundet sei und hoffentlich zum Wohle der Stadt noch lange werdet wirken können. — Tie Brüder Albert und Benno Sieburth, in Firma Robert Sieburth Söhne, spendeten je dreitausend Mark au die Israelitische Waisenknabenanstalt und das Jüdische Mädchenwaisenhallsmit der Bestimmung, daß die Jahrzeiten der verstorbenen Eltern Robert und Sara Sieburth geb. Tiamont von seiten der Anstalt gehalten lverden. — Der Kaufmann' Benno Sieburth von hier, welcher zilm Kriegsheere einberufen ist, macht von seinem Solde einen Ausnahmegebrauch. Er empfängt seine Löhnung wie jeder Alaun der Kompagnie, übergibt aber am Monatsende seinem Hnuptmaun die Gesamtsumme für Kameraden, die eines Zuschusses bedürftig sind. — Zum Vorstand der Gemeinde Rödelheim wurde an Stelle des verstorbenen Julius Mayer der Kaufmann Josef Strauß gewählt. Die Wahl fand die Bestätigung des Polizeipräsidenteu. -- Man schreibt uns ans Worms: Außer der bereits genannten Frau Rabbiner Dr. Holzer sind noch folgende Damen vom Großherzog durch das Ehrenzeichen für Kriegsfürsorge ausgezeichnet worden: Frau Johanna Bvekmann, Fräulein Lissi Boekmann, Frau E. Heilbrunner, Fräulein Berta Hüttenbach-, Fräulein Clara Jack o b i - Frau Bertha I s et y, Fräulein Carola Üevh, ^rau Marie M ichel, Frau Lina R o thfch i l d , Fräulein Clara W u r m s e r. — Aus Bruchsal wird uns berichtet: Dem Großkaufmann Jacob O P P e n h e i m e r, Vorsitzenden des „Vereins für jüdische Geschichte und Literatur" und des „Vereins zur Erziehung -israelitischer Waisen in Baden", der sich um das Rote Kreuz große Verdienste erworben, wurde vom Großherzog von Baden das Kriegshilfskreuz verliehen, ebenso der Frau Emma Oppenheimer, der Schwägerin, nickst Gattin des Obengenannten. Herrn Großtäufmann und Bezirksrat Ferdinand Katz lvurde das „Kriegsverdienstkreuz" verliehen. — Professor Dr. Jakob Singer, außerordentlicher Professor der speziellen Pathologie und Therapie au der Prager deutschen Universität, Vorstand der Poliklinik und des Israelitischen Spitals, Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde- Reprüsentanz, wurde zum ordentlichen Professor ernannt. — Die Oesterreichische Wochenschrift in Wien berichtet: Dr. Julius S ch w a x tz, 26 Jahre alt, Oberarzt .in einem k. u. k. Infanterieregiment, versieht seit der Mobilisierung Frontdienst. Er erhielt, wie „Egyenlöseg" berichtet, bisher die folgenden Auszeichnungen: Signum laudis, das goldene Verdienstkreuz mit der Krone und die Ehrenmedaille erster Klasse vom Roten Kreuz. — Frau Witwe Josef Fischer in Szaltszentmarton hat elf Enkel, einen Sohn, einen Schwiegersohn und drei Schwiegerenkel als Soldaten. Von, diesen ist bereits ein Erckel — Offizier — gefallen; drei Enkel sind in Gefangenschaft geraten und drei Enkel wurden verwundet. — Ferner wird aus Budapest berichtet: Der namhafte Pädagoge und gelvefene langjährige Direktor der Israelitischen Landestehrerpräparandie Abraham Lederer ist vor kurzem im 90. Lebeiisjahre gestorben. Er ftantmtc aus Böhmen und wurde seinerzeit von August Trefort nach Budapest gerufen, wo er bahnbrechend wirkte und auch eine umfassende sachschriftstellerische Tätigkeit entfaltete. Er war der Begründer des Israelitischen Landeslehrervereins. Sein Leichenbegängnis fand am 27. September vom Leichenhause des Farkasroter israelitischen Friedhofes aus statt. — Die rllssisch-jüdischen Emigranten in London wählten in einer Konferenz, in der u. a. Sokolvlv, Achad Haam und der englische Abgeordnete King anwesend waren, eine Abordnung aus 15 Herren, die dem Minister Samuel ein Kompromiß Vorschlägen soll, dahin gehend, die russischen Juden nur zur nationalen Arbeit (in den Munitionsfabriken usw.) und zur Verteidigung des Landes zu verwenden. — Rabbiner Z i r e l s o h n in Kischinew hat an das russische Ministerium des Innern das Gesuch gerichtet, die Regierung möge den Beschluß der Rabbinerversammlung genehmigen, den israelitischen Gemeinden zu gestatten, eine Kultussteuer zu -erheben. Die Haupteinnahme der Gemeinden, die Koscherfleischsteller, ist infolge der vier fleischlosen Tage in der Woche ganz unzureichend geworden. Rabbiner Zirelsohn fordert auch die Gemeindevorstände auf, ähnliche Gesuche einzureichen. — Ans Warschau wird geschrieben: Daß die jiddische Bühne dem deutschen Theater in Rudolf Schildkraut einen ihrer größten Darsteller geschenkt hat, ist bekannt. Die stärkere Annäherung, die sich mit der Besetzung Polens zwischen' dem deutschen und dem jiddischen Theater vollzogen hat, scheint nun eine gegenteilige Entwicklung zu fördern: die jiddische Bühne beginnt frischen schauspielerischen Zuwachs auf der deutschsprachlichen Bühne zu suchen. Die Direktion des jiddischen Zentraltheaters im Warschauer Ghetto hat vor kurzem die deutsche Schallspielerin Pinna Serbe vom Deutschen Kurtheater in Liechocinek engagiert und sie soeben in dem Bolksstück „Das Glücksmädel" im Rahmen eines rein jiddischen Ensembles ihrem Publikum vorgestellt. Daß die Tirektioll beabsichtigt, dieses Experimeilt svrtzusetzen, beweist die Berufung einer deutschen zweiten Soubrette Fräulein Rosen, angeblich vom Residellztheater in Berlin, an die Ghetto-Bühne. Ueberdies schweben zurzeit Verhandlungen mit dem Schauspieler Walter Wassermallll, dem ausgezeichneten deutschen Bonvivant, der seit Jahresfrist als Direktor des Deutschen Theaters in Lodz die Fahne der deutschen Kunst in Polen hochgehalten hat. Herr Wassermann hat sich zu einem Gastspiel als Gesangskomiker an der jiddischen Bühne erbeten. Die Gesamtsumme der Unterstützungsgelder, die die amerikanischen I n den nach Europa, Palästina, Aegypten, Türkei und Marokko geschickt haben, betrug bis zum 15. Ang-nst 1916 zirka 5 Millionen Dollar. Verantwortlicher Redakteur: AlbertKatz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mofse.