Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 42 (18.10.1916)
- Date
- 1916-10-18
- Page
- Seite 504 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3229232-3229275--72609-3285061- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der Geistliche denkt: Das kann nicht sein. Ichsteh' hier bei meinem Toten allein. Der hört mich nicht und ist doch wert. Daß jeder ihn noch einmal ehrt. ..Bleibt Kameraden", so ruft er laut, „Arbeiter war er und kriegsgetraut!" Sie standen alle festgebannt Und hielten die Mützen in der Hand. Heiß schien die Sonne vom Abend her, Und allen ward so schwer, so schwer. Sie kannten und liebten ihn alle zumal: Kriegsgetraut, Arbeiter. Rosenthal. mirni. ar ganz allein im nächtlich hellen Zimmer. Und las von Dreadnoughts, halb geborstnen Bugs, Sog leis an der Zigarre, stillen Zugs, Und dachte ferner Jugend, so, wie immer. Da zog vorbei, gespensterhaften Trugs, Ein teures Bild; geheimnisvoller Schimmer Unrgab's. Und der Zigarre milder Glimmer Beleuchters, auf dem Wege seines Flugs. Kein Zweifel. Durch des Speisesaales Räume Stieg auf der Mutter Bild in mein Geträume, Bog sich zu mir, grau, flüchtig, schwand zur Wand. Ich bebte aus. Vom Innern stiegen Tränen. Da kam es nochmals. Ach, ein eitles Wähnen: Zigarrenrauch war's, was da schwebend schwand! Alfred Fried mann. Akdrrall. ohin du gehst, wohin dein Auge fällt. Auf rosa-rote Pfirsich-, Mandelblüten, Auf grünen Strauch, drin Vorjahrsrosen glühten. Auf lichte Saat, vom Sturm noch unvergällt. - Auf Hände, die jetzt Lieb' zusammenhält. Auf Kinder, die die Schwestern treu behüten. Auf mild Gestad', das Wogen nicht umwüten. Aus Rieseneichen, die der Landwirt fällt. Wohin du schaust im weiten Deutschen Reiche, Du bist betrübt, erhoben durch das Gleiche, Die Folge großer Tat in Freiheitsbrand. Du siehst nur Männer, die den Arm, ein Bein, Hingaben in den großen Grabesschrein Für König, Herd und Hofund Vaterland! Alfred Fried mann. Literarische Mitteilungen. — M a u s ch e l p r e d i g t eines Fanatikers. Voll Abraham Schwadron. Verlegt 311 Wien durch A. Löwit. MCMXVI. Was der Verfasser will, sagt er oder der Verleger in folgender Stelle der Buchhändleranzeige: „Unsere antiassimilatorischen Schriften bis jetzt waren aus Ueberzeugen eingestellt oder Erfühlenlassen. Was aber für neuzeitlich nervierte Menschen, auf die ein Leitartikel und ein Feuilleton nicht wirkt und kein Ruf des Blutes? Das will der Fanatiker: mit vergiftetem Hammer in Köpfe eine Bresche schlagen, die geistig verschmalzt sind, oder objektiv und abgeklärt, für „nichts Kleineres zu haben sind als Menschheit und Allheit". Auch wie er sich zu den Jlldenfeindeil stellt, wird bei den Anti, aber auch bei den Anti-Anti Widerspruch lvecken. Doch mit den zwei hebräischen Versen aus Jeremias, die er der Predigt voranstellt, neigt er sich bekennend zum altjüdischen Ursprung, und auch seilie zwei letzten Worte rufen: zum Ursprung!" Will man nach dieser Kraftstelle noch weitere Proben unseres Manschelpredigers, so sei z. B. S. 25 zitiert: „Schaut, meinen Mund spitze ich Euch, wie zu kleinem Kinde bjm Mund man spitzt. Und mit gespitztem Munde sage ich Euch: Kitzle, katzte, grase weich Blasen, überblasene Platzen gleich." Oder: „Eurer Judheit, Eures Herkommens schämt Ihr Euch so und ich Eures Herlailfens: zum Unort seid Ihr geworden, den niemand gern nennt. Ihr seid selber Euch selbsteigen Pech, Ihr seid llebbich — freisinnig." Oder endlich, „heuchelnd, veräußert, quatschig, im Namen und im Sein — weise mit wißgeronnenem Blute und modrig und schwammig und schwellend und schwimmend und mollig und glitschig und klebrig und quallig . . . Habt Ihr nicht Rückgrat, nicht Senkrechtigkeit ... 0 Meeresbranden, 0 Blitzesschmettern." Ich habe an solchen Schimpfereien, denen nach der Meinung des Verfassers wohl auch ein Sinn innewohnt, vollständig genug. L. G. * — Schlichte Kriegserlebnisse. Von Dr. Felix A. T h e i l h a b e r. Verlag Louis Lamm, Berlin. Lamms Jüdische Feldbücherei Nr. 7. Anmutige Skizzen, die von grausigen, tragischen, mitunter auch erfreulichen Erlebnissen des Verfassers während des Krieges reden. Auch allster den speziell den Juden gewidmeten Abschnitten „Jüdische Impressionen in Polen, Samogitien und Kurland" werden sehr häufig Begegnungen mit jüdischen Soldaten oder mit Bewohnern der okkupierten Gebiete geschildert, die als Juden sich 31t erkennen geben. Alles dies wird in schlichter Weise vorgetragen und dient dazu, das Ertragen namenloser Leiden, aber auch den Patriotismus deutscher Soldaten jüdischer Herkunft zu verdeutlichen. L. G. Mchereinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Neue jüdische Monatshefte, Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Literatur in Ost und West. l. Jahrgang. 10. Oktober 1916. Heft 1. Verlag der Neuen jüdischen Monatshefte, Berlin-München. 40 Pfennig. Der Jude. Monatsschrift. 1. Jahrgang. Heft 6. Septenrbcr 1916. R. Löwitt, Verlag, Berlin-Wien. Der Weltkrieg und die Judenfrage von Dr. Max Simon. Verlag und Druck von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin 1916. Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur. Von Armin Abeles. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Herausgegeben von Professor Dr. M. Brann. Seite 213—226, Seite 263—278. Berichtigung. In meiner Besprechung des Vortrages von Professor Dr. I. Hirsch: Die Kriegspsalmen und die jüdische Volksseele (s. „Mg. Ztg. d. Jud." Nr. 29 vom 21. Juli 1916) schrieb ich Seite 348 folgendes: „Auch die folgende Bemerkung des Verfassers (S. 12): „Der einzige mit kriegerischer Tendenz, der 44. Psalm, wurde denn auch wirklich eliminiert", erscheint mir nicht stichhaltig; soweit mir bekannt, ist Psalm 44 niemals für den gottesdienstlichen Gebrauch bestimmt gewesen, konnte also auch nicht daraus eliminiert werden." .Herr Kollege Professor Dr. Hosfmann-Reichenberg macht mich nun in dankenswerter Weise darauf aufmerksam, daß eine Stelle im Talmud babli Sota 48a beichtet, dah aus Betreiben des Johann Hhrkan die Rezitation des 44. Psalms durch die Leviten beim täglichen Morgengottesdienst abgeschafft wurde. Als Grund wird die anthropomorphistische Ausdrucksweise im Vers 5 angegeben (vgl. die Parallelen in der Mischna Maaser scheni V, 15, jer. 59ä; eine ähnliche anthropomorphistische Ausdrucksweise ist Gegenstand der Erörterung im Targum Ester ad VI, 1). — Danach ist der Schlußsatz meiner oben zitierten Bemerkung richtiggestellt. A u st i g a. E. Dr. A r t u r R 0 s e n z w e i g.