Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-10-18 · Heft 42 (18.10.1916) · p. Seite 502

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 42 (18.10.1916)
Date
1916-10-18
Page
Seite 502 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3229232-3229275--72607-3285059
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

502 %^cmt Tode und von der Beerdigung des hervorragenden Kaufmanns und Philanthropen in Nürnberg ist kurz im „Gemeindeboten" die Rede gewesen. An dieser Stelle geben wir ein Bild des ungemein tätigen Mannes, der auch für die jüdischen Gemeinden seiner Heimatsstadt Baiersdorf und seiner Wohnstätte Nürnberg segensreich wirkte und für die allgemeinen jüdischen Angelegenheiten regen Sinn besaß und eine offene Hand bewährte, und lassen aus dem „Fränkischen Kurier" seine Biographie folgen. Sie lautet: Der Ehrenbürger der Stadt Nürnberg, Herr Geheimer Kommerzienrat Ludwig Ritter v. Gerngros, ist heute nach längerem schweren Leiden gestorben. Die Bürger- und Einwohnerschaft der Stadt steht an der Bahre eines Mannes, der für Nürnberg außerordentlich viel getan hat, dessen Name nicht nur mit der Entwicklung der Stadt in den letzten Jahrzehnten unauflöslich verbunden ist, sondern auch für alle Zeiten in der Geschichte derselben mit goldenen Lettern verzeichnet sein wird. Wo es galt, Kunst und Wissenschaft zu fördern in Nürnberg oder im stillen Gutes und Edles zu tun, da stand der Verstorbene immer an der Spitze der Mäzene und Wohltäter. Mit dem Neptunbrunnen auf dem Hauptmarkt, dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Aegidienberg, dem Prinzregentendenkmal am Bahnhofsplatz, dem Künstlerhaus, der städtischen Kunstsammlung, der ganz besonders seine Fürsorge galt, wird der Name Ludwig v. Gerngros für alle Zeiten unzertrennlich verknüpft sein? Unvergänglicher aber noch als diese Denkmäler von Stein und Erz ist das Denkmal aufrichtiger Dankbarkeit, das sich der Verstorbene, der stets eine offene Hand hatte, wenn es galt, Elend und Not zu steuern, in den Herzen der Armen und Hilflosen errichtet hat durch seine edle Wohltätigkeit, die im Stillen und Verborgenen Großes leistete. Ludwig v. Gerngros stammte aus einfachen Verhältnissen. Er wurde am 1. Mai 1839 zu Baiersdorf geboren, besuchte die Handelsschule zu Fürth und gründete, nachdem er in dem Handlungshaus Mayer Kohn, hier, geraume Zeit als Lehrling, Angestellter und Reisender gewirkt hatte, anfangs 1864 zusammen mit dem Kaufmann Moritz Frauenfeld das Hopfenhandlungsgeschäst Gerngros u. Frauenseld, hier. Nachdem er am 3. Februar 1866 das Bürgerrecht in Nürnberg erworben hatte, vermählte er sich am 11. März desselben Jahres mit Julie Tuchmann aus Dessau, mit der er in glücklichster Ehe lebte und am 11. März d. I. das Fest der goldenen Hochzeit noch in völliger körperlicher und geistiger Frische begehen konnte. Im Jahre 1899 trat er aus dem von ihm gegründeten Geschäft aus und widmete sich seitdem Kunst- und Wohltätigkeitsbestrebungen. So zahlreich wie seine edlen Werke sind die Ehren und Auszeichnungen, durch die er im Laufe der Jahre geehrt wurde. Zur Anerkennung seines geschäftlichen Wirkens wurde der Verstorbene 1889 zum Kommerzienrat ernannt und 1891, als er bei Gelegenheit seiner silbernen Hochzeit eine namhafte Wohltätigkeitsstiftung errichtet hatte, durch die Verleihung des Michaelsordens ausgezeichnet. Aus Anlaß der Errichtung der Nachbildung des Neptunbrunnens auf dem Hauptmarkt, für die er mit seiner Gemahlin alle Kosten übernahm, wurde dem Ehepaar Ludwig und Julie Gerngros von den städtischen Kollegien das Ehrenbürgerrecht von Nürnberg verliehen und Ludwig Gerngros vom Prinzregenten Luitpold mit dem bayerischen Kronenorden ausgezeichnet, mit dem bekanntlich der persönliche Adel verbunden ist. Im Jahre 1908 erfolgte seine Ernennung zum Geheimen Kommerzienrat und zu seinem 70. Geburtstag wurde ihm die höchste Ehrung zuteil, die die Stadt Nürnberg zu vergeben hat: die goldene Bürgermedaille. Außerdem war er Inhaber des Komturkreuzes der bayerischen Krone und des preußischen Roten Adlerordens zweiter Klasse. Mit Nürnbergs Bürgerschaft und Stadtverwaltung stehen an der Trauerbahre die städtischen Beamten 'und Bediensteten, für die der Verstorbene 1909 eine bedeutende Wohltätigkeitsstiftung errichtete, das-Germanische Museum, dessen Verwaltungsausschuß er angehörte und das er jederzeit tatkräftig förderte, der Albrecht-Dürer-Verein, die städtische Galerie, für die er noch aus Anlaß seiner goldenen Hochzeit eine hochherzige Stiftung errichtet hat, die Israelitische Kultusgemeinde in Nürnberg und die Gemeinde Baiersdorf, sein Geburtsort, dem der Verstorbene neben seiner zweiten Vaterstadt NüLkiberg stets treue Anhänglichkeit bewahrt hat. Und auch sonst wird weit über Nürnbergs Mauern hinaus die Kunde von dem Ableben des Geheimen Kommerzienrats Ludwig Ritter v. Gerngros mit aufrichtiger Trauer ausgenommen werden. * In dem Nachruf des Bürgermeisters von Nürnberg, der unmittelbar nach der bekanntgewordenen Nachricht des Ablebens in öffentlicher Versammlung gegeben wurde, heißt es: „Ein bleibendes Denkmal ist ihm auf dem Hauptmarkt im Neptunbrunnen erstanden. Auch am Kunstbrunnen am Plärrer, am Kaiser-Wilhelm-Denkmal, am Prinzregentendenkmal, am Künstlerheim und an der Ausgestaltung unserer städtischen Gemäldesammlung ist er hervorragend beteiligt. Nicht allgemein bekannt sind seine Zuwendungen an die Wittelsbacher Landesstiftung und an das Germanische Museum. Auch in unseren Akten schlummert so mancher Beweis edler Taten dieses Mannes, ich nenne nur die Stiftung zugunsten unserer Beamten. Nach seinem Tode wird noch manches, worüber uns während seines Lebens Schweigen geboten war, offenbar werden. Für alle, die ihn kannten, war er ein lieber Freund. Ein großer Schmerz für ihn war es, daß die Wirkungen des Alters in den letzten Jahren es ihm unmöglich gemacht haben, sich am öffentlichen Leben so zu beteiligen, wie er es früher gewohnt war." Der Galt aus dem heiligen Lande. Von A. E l i ct.3 b e t g1). in junger Mann, der mit dem heiligen Rabbi Israel Rishiner von Sadagora verwandt war, verlor sein ganzes Vermögen. Er begab sich zum Rabbi und bat ihn, er möchte ihm einen Empfehlungsbrief an seine Chassidim geben. Der Rabbi wollte das aber nicht tun und sagte ihm: „Es ist nicht recht, wenn man aus den Verdiensten seiner Vorfahren Nutzen zieht. Ich will dir lieber einen Brief an meinen Schwager Reb Jakob Halpern in Berditschew geben, damit er dich in seinem Geschäft anstellt. So wirst du dich von deiner Hände Arbeit ernähren und nicht von milden Gaben. Höre, was ich dir nun für eine Geschichte erzählen werde: „Im Heiligen Lande lebte ein sehr gelehrter, frommer und gottessürchtiger Mann. Er betrieb keine Geschäfte, sondern beschäftigte sich nur mit dem Studium der Thora. Er war sehr arm und hatte zwei oder drei unverheiratete Töchter. ') Aus dem dieser Tage bei Georg Müller (München) erscheinenden Werk: „Sagen polnischer Juden"; ausgewählt, übertragen und eingcleitet von Alex. Eliasberg. Geh. 8 Mark, geb. 4 Mark.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.