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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-09-27 · Heft 39 (27.9.1916) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 39 (27.9.1916)
Date
1916-09-27
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 - Herr Tr. Wohl, der Rabbiner von Tachau, hat die hebräische Inschrift auf dem Grabe des Rabbi ins Deutsche übertragen. Die Anfangsbuchstaben auf dem Grabstein bilden eine kabbalistische Formel und ergeben die Jahreszahl des Ausbruches des Weltkrieges. , Von Nah und f*ra. — Am 27. d. M. sind 25 Jahre seit der Einweihung der Lindenstraße-Shnagoge verflossen. Aus diesem Anlaß findet in dieser Synagoge am ersten Abend des Neujahrsfestes im Rahmen des Roschhaschana-Gottesdienstes eine schlichte Gedenkfeier statt, bei der Rabbiner Tr. B l u m e n t h a l die Festrede halten wird. Der Ernst des Tages und der Ernst der Zeit haben die Gemeindebehörde veranlaßt, von einer besonderen Feier abzusehen. — Frau Franka M i n d e n, die Gattin des ersten Vorsitzenden der Reprüsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde, Direktor Tr. Georg Nt i n d e n, überwies der Stadtgemeinde Berlin 10 000 M. als Grundstock für eine akademische Blindenbücherei im Anschluß an die Bibliothek der städtischen Blindenanstalt. Mit der Einrichtung der Bücherei, die den Namen „Mindensche Schenkung, akademische Blindenbücherei" führt, ist bereits begonnen worden. -7 Der Königliche Hoflieferant Herr Georg Schwarz in Berlin- Pankow beging mit seiner Gattin am 21. d. M. das schöne Fest der silbernen Hochzeit. — Aus Anlaß des deutsch-bulgarischen Sieges über die Rumänen bei Tutrakan fand im Ehrenhofe d'es Rathauses zu Kassel vor einer großen Volksmenge eine erhebende Siegesfeier statt, wobei Herr Rabbiner Dr. D 0 c t 0 r eine Ansprache hielt. Er feierte in herrlichen Worten den bulgarisch-deutschen Sieg in Tutrakan und schloß, daß der Herbst, der sich nun nähere, auch dem deutschen Volke aus Blut und kraftvollem Ringen den Frieden bringen möge, den es nach seinen ritterlichen Kämpfen, seinen glänzenden Siegen ersehne, erhoffe und an den es fest glaube. — Aus Frankfurt a. M. wird be-- richtet: Für das Fach der inneren Medizin habilitierte sich Tr. med. Jsaac aus Köln a. Rh., Sekundärarzt der medizinischen Universitätspoliklinik. Seine Habilitationsschrift trägt den Titel: „Beiträge zur Kenntnis des intermediären Stoffwechsels bei der experimentellen Phosphorvergiftung". — Der König von Württemberg hat dem Vorsitzenden des Präsidiums der Deutschen Gesellschaft für Kaufmannserholungsheime, Kommerzienrat Josef Bau m in Wiesbaden, das Ritterkreuz 1. Klasse des Friedrichsordens verliehen. — Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Baden hat dem Stadt- und Konserenzrabbiner Tr. Appel in Karlsruhe und dem Bezirksrabbiner Tr. G r z Y m i s ch in Bruchsal das Kriegsverdienstkreuz verliehen. — Das K 0 penhagener Bureau der Z i 0 n i st i s ch e n Organisation hat auf Verlangen verschiedener Körperschaften im besetzten Gebiete Russisch-Polens nach Amerika berichtet, daß unter der jüdischen Bevölkerung der besetzten Gebiete großer Bedarf an kondensierter Milch, besonders für Kinder, besteht. Nunmehr ist die Nachricht eingetrofsen, daß das gemeinsame Verteilungskomitee der mnerikanisch-jüdischen Hilfskomitees auf diesen Bericht hin'25 600 Dollar für den Ankauf kondensierter Milch bewilligt hat. Sollte der erste Versuch der Milchbeschasfung günstig aussallen, so ist die Aussetzung weiterer Beträge für diesen Zweck zu erwarten. — Dem Freiherrn Louis v. Rothschild in Wien wurde das Großkreuz des Franz-Jofef-Ordens verliehen. — Dem verdienstvollen Vorsteher der Israelitischen Kultusgemeinde Marienbad Herrn Otto Wolf ne r wurde in Anerkennung seiner Verdienste das Ehrenzeichen 2. Klasse vom Roten Kreuz zuerkannt; ebenso wurde dessen im Wohltun unermüdliche Gattin, Frau Luise Wolfner, mit der Ehrenmedaille vom Roten Kreuz ausgezeichnet. — Am 1. d. M. beging Herr Rabbiner Dr. Oppenheim (Olmütz) in aller Stille, dem Ernste der Zeit entsprechend, sein 25jähriges Amtsjubiläum. Der Jubilar ist ein Sohn des verstorbenen gelehrten Rabbiners Dr. Ch ajim Oppenheim in Thorn. — Wie berichtet wird, wurde in den rumänischen Provinzen die Landsturmmiliz schon am Freitag und Sonnabend vor der Kriegserklärung einberufen. Die Soldaten jüdischen Glaubens mußten sofort ihren Truppendienst antreten. Diese Verfügung wurde damit begründet, man müsse den Juden die Möglichkeit nehmen, nach russisch-jüdischem Beispiel zugunsten Deutschlands Verrat zu üben. Sie kamen in die vorderste Angriffslinie. — In Paris ist am 20. August Fran Baronin Lambert aus Brüssel, geborene Baronin Notschild, beerdigt worden. Sie war die Gattin des Barons L^on Lambert, Präsident des israelitischen Konsistoriums von Belgien, und hat sich in Brüssel namentlich um die wohltätigen Institutionen der Frauenvereine der Gemeinde große Verdienste erworben. — Die Jargonzeitung „Der Moment" in Warschau schreibt: „Reuter meldet wieder, daß von den Zeppelin- Bomben auf London nur ein paar Pferde getötet worden seien. Ein merkwürdiges Pferdeland! Wen man dort trifft — jeder ist ein Pferd." — Aus Lodz wird uns geschrieben: In der jüdischen Volksküche, Buschlinie 121, wurden im Monat August 39 792 Mttagsessen aus-gegeben, darunter 3547 unentgeltlich. Die billige Mittelstandsküche, die vor kurzem der jüdische Textilmeisterverein im eigenen Lokale (Zachodnia 65) erösfnete, gibt bereits täglich über 200 Mittagessen aus. Bemerkenswert ist, daß nicht nur Vereinsmitglieder, sondern auch andere Personen Mahlzeiten erhalten. — Der amerikanische Geistliche William I. Black st one überreichte vor kurzem Präsident Wilson eine Petition, in welcher um dauernde Hilfe für das jüdische Volk gebeten wird und in dem auch die Bitte ausgesprochen ist, es möge den Juden die Rückkehr nach Palästina ermöglicht werden. Diese Petition ist auf der Konvention der Presbyterianer in Atlantic City, die im Mai stattfand, ausgearbeitet worden. Ihr zugrunde gelegt ist eine ähnliche Petition, die Blackstone im Jahre 1891 dem damaligen Präsidenten Harrison überreicht hatte, mit dem Titel „Was wollen wir für die russischen Juden tun?" und die von zahlreichen führenden amerikanischen jüdischen und nichtjüdischen Persönlichkeiten unterschrieben war. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Floraftratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Innge, Berlin-Friedenau. Druck unG Verlag von Rudolf Moste. Oie Kriegsanleihe ist die Waffe der Oaheimgebliebenen!

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