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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-09-15 · Heft 37 (15.9.1916) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 37 (15.9.1916)
Date
1916-09-15
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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80. Jahrgang Nr. 37 Berlin, 15. September 1916 Der Gemeindebote. Vellage zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums". korrrhwndru?kn und Pschrichten. Lrutfchlanv. L2 Berlin, 12. September. Anläßlich des 5 0jährigen B e - steh ens der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße hatte sich -am vergangenen Sabbat zur Andacht >im genannten (Lotteshause ein zahlreiches Publikum eingefunden. Vertreter des Gemeindevorstandes und der Repräsentantenversammlung sowie der gesamte Synagogenvorstand und andere Ehrenbeamte waren erschienen. Das Gotteshaus strahlte in vollem Lichterglanz, und der Altarraum war reich mit Blumen geschmückt. Nach dem Orgelvorspiel (es. war dasselbe, das seinerzeit Schwantzer zur Einweihung spielte) nahm der Gottesdienst seinen Verlauf. Vor der Predigt ertönte Psalm 84: „Wie lieblich sind deine Wohnungen" von Rheintaler, vom Chor unter der bewährten Leitung seines Dirigenten, Kapellmeister A. Keller mann, vorgetragen. Dann bestieg Rabbiner Dr. Weiße die Kanzel zur Festpredigt. Nach einigen historischen Angaben, aus denen u. a. hervorging, daß die erst? Gemeindesynagoge, die alte Synagoge, im Jahre 1714 erbaut wurde, uachdenl vorher die Gottesdienste in Privathäusern abgehalten wurden, schilderte er die Geschichte des Baues der Neuen Synagoge. Dabei gedachte er der Erbauer Knobloch und Stüler sowie des unvergeßlichen Dr. Michael Sachs, der im Jahre 1859 bei der Grundsteinlegung Worte der Weihe sprach, die Einweihung, die, durch die damaligen Kriege verzögert, erst am 5. September 1866 stattsand, aber nicht mehr erlebte. Ferner wurde der Männer Erlvähnung getan, die im Laus? der Jahre von der Kanzel herab Worte der Erbauung gesprochen: Joseph Aup, Abr. Geiger, Frankl und Ungerleider sowie derjenigen, die an der Spitze der Gemeinde gestanden und nun nicht mehr unter den Lebenden weilen: Stadtrat Magnus, Justizrat Meyer, Hermann Makower und Julius Jacoby; und endlich gedachte er des Mannes, der durch die musikalische Ausgestaltung -des Gottesdienstes die Herzen der Andächtigen bewegte: Louis Lewandowski. Zur Gegenwart übergehend, schloß er seine inhaltsreiche Rede urit dem Gedenken an all die Tapferen, die draußen auf blutigem Schlachtfelde weilen, und mit einem inbrünstigen Gebet um baldigen Frieden. Rach der Predigt ertönte Lewandowskis Psalm 134, vom Chor machtvoll gesungen, worauf der Gottesdienst seinen gewöhnlichen Fortgang nahm. C. M. B. Berlin, 12. September. Der Bericht des Königlich Preußischen Konsistoriums für die Provinz Brandenburg für das Jahr ]915 enthält genaue Angaben über die Austritte aus der preußischen Landeskirche, deren Zahl gegen das Jahr 1914 erheblich zurückgegangen ist. Die Zahl der Austritte beträgt nur 7 Prozent des Vorjahres. 1039 gegen 14 506. Von den Ausgetretenen sind 39 zum Judentnm übergegangen, während 139 aus dem Judentum geschiedene Personen zur evangelischen Kirche übertraten. Die Zahl der im Jahre 1914 erfolgten Uebertritte betrug 139; der Rückgang beträgt hier etwa 25 Prozent gegen das Vorjahr. Berlin, 12. September. In der „Näh lehr- und Stillstube" (Auguststraße 17) der Deutschen Gesellschaft für Mutter- und Kindesrecht wird gründlicher sachlicher Unterricht in der Wäschenäherei an Schwangere sowie an Bruststillende, die die Wochen überstanden haben, erteilt. Eintritt vom 15. September d. I. ab. Beschränkte Anzahl Plätze. T a ge s sa tz : Wohnung und Verpflegung 1,50 Mark, Unterricht 0,50 Mark, Säugling 0,50 Mark. Für Schwangere, wenn ohne Pension, die Unterrichtsstunde 8 Pfennig. Nach erfolgreichem zweimonatigen Unterricht wird durch die Nährlehr- und Stillstube Heimarbeit ausgegeben. Ausnahmsweise sind, ohne schwanger oder bruststillend zu sein, Frauen von Kriegsblinden oder sonst Sch we r kr i e g sbe s chä d i gte n zum Mitunterricht zugelassen und erhalten dann unter der gleichen Voraussetzung erlangter Tüchtigkeit auch Heimarbeit. Gesunde, arbeitskräftige Frauen mit einiger Nadelfertigkeit und Hebung aus der Nähmaschine können sich schon jetzt persönlich im Bureau der „Nählehr- und Stillstube", A u g u st st r a ß e 17, Dienstags und Freitags von 9 bis 11 Uhr vormittags m-elden. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde hat für die Anstalt zwei Stockwerke in den: Quergebäude des alten jüdischen Krankenhauses (Auguststraße 17) kostenlos zur Verfügung gestellt. 2/D Berlin, 12. September. Die Beisetzung der Nichte Heinrich Heines, der 82jahrigen Frau H e l e n e H i r s ch - E m b d e n - H e i n e, fand am vergangenen Sonntag nachmittag unter zahlreicher Beteiligung der Schriftsteller- und Künstlerwelt auf dem Israelitischen Friedhof in Weißensee statt. Nach einem Chorgesang und Orgelspiel würdigte Rabbiner Dr. Weiße das Leben und Wirken der Entschlafenen, ganz besonders ihre Beziehungen zu ihren: großen Oheim. Alsdann wurde der mit Kränzen bedeckte Sarg zur Gruft getragen und unter Gebet und Segen und abermaligem Chorgesang der Erd? übergeben. — Danzig, 8. September. In der Neuen Synagoge fand hier bei den: Militärgottesdienst, der die jüdischen Mannschaften der Garnison vereinigte, unter reicher Beteiligung der Gemeindemitglieder eine schlichte, aber eindrucksvolle vaterländische Gedenkfeier statt. Rabbiner Dr. Kae >lter gedachte in seiner Predigt in markigen Worten des Tages von Tannenberg m:d des jüngsten Erfolges von ^-„Deutschland". Er legte seinen Gedanken das Prophetenwort zugrunde: „Jede Waffe, die gegen dich geschmiedet wird, wird nichts ausrichten, und wer seine Zunge wider dich erhebt, wird seines Unrechts überführt werden. Solches ist der Anteil der Diener Gottes, und ihre Rechtfertigung geht von mir aus, spricht der Ewige." Chorgesaug und Orgelspiel verschönten den festlichen Akt. H. Schwersenz, 8. September. Der hiesige Kultusbeamte Ab r aham Jakobowitz starb im hohen Greifen-alter. Seit ununterbrochen fünfzig Jahren war er -in hiesiger Gemeinde beruflich tätig und war unablässig bemüht, sein Amt getreulich zu versehen. Seine Gewissenhaftigkeit, verbunden mit tiefer Frömmigkeit, hat ihm ein dauerndes Gedenken innerbalb der Gemeinde gesichert. Herr Gemeinderabbiner Dr. M. L e w i n (Wrescher0 bielt die Leichenrede und gedachte der hohen Tugenden, die den Verstorbenen stets auszeichneten. Breslau, 8. September. Au: 1. d. M. sind 75 Jahre vergangen, seitdem an diesem Tage im Jahre 1841 hier die Einweihung des Fränkelschen Hospitals in dem damaligen alten Hausgrnndstücke Antonienstraße Nr. 6 erfolgte. Dieses schon seinerzeit sehr zweckmäßig eingerichtete Hospital wurde durch die Brüder David und Jonas Frankel gestiftet. Die Stifter dieses edlen Menschenwerks hatten auf den Gebäudekomvler 75 000 Taler verwandt. Am Tage der Stiftung erklärte der Kaufmann Jonas Frankel, der hochherzige Philanthrop unserer Stadt, diese Sunune auf rund 100 000 Taler erhöhen zu wollen, die überschießende Summe von 25 000 Talern überwies er jedoch dem damaligen jüdischen Obervorsteherkollegiuu: zur.Verwaltung und bestimmte die Zinsen ausschließlich zu wohltätigen Zwecken. Ueber fünfzig Jahre verblieb das Krankenhospital in diesem Hausgrundstück, bis dann an: 27. Llpril 1903 die Erösfnung des mittlerweile wieder erweiterten Krankenhauses auf der Hohenzollernstraße Nr. 92/96 erfolgte. Die Gesamtkosten dieser neue:: mustergültigen Anstalt betrugen ungefähr 1 800 000 Mark, der Wert des bisherigen alten Grundstücks nur etwa 230 000 Mark. Ss. Göttingen, 8 September. Die hiesige „Wissenschaftlich-gesellige Vereinigung der jüdischen Jugend" hat nach zweijähriger Pause, die durch Kriegsarbeit ausgefüllt war, ihre Arbeiten in vollem Umfange wieder ausgenommen. Seit dem Ausgange des akademischen Sounnersemesters wurde eine Reihe von Vorträgen gehalten, die sich starken Zuspruchs zu erfreuen hatten. Am .13. v. M. fand eine u: u s i k a l i s ch - d e k l a m a t o r i s ch e Abendunterhaltung für die Verwundeten und die Soldaten der Garnison statt, die einen ausgezeichneten Verlauf nahm. - Der lang gehegte Wunsch der einheimischen. Jugend und der hiesigen jüdischen Akademiker ist nunmehr in Erfüllung gegangen. Der unermüdlichen Arbeit des Herrn cand. ehern. Hugo Löwenstein (Göttingen) ist es gelungen, ein Jugendheim ins Leben zu rufen. Dank der Mitarbeit weiterer Kreise konnte es bereits au: 26. v. M. feierlich seiner Bestimmung übergeben werden. Es liegt in: besten Teile der Stadt — Kornmarkt 6, I — und ist darum von allen Seiten bequen: zu erreichen. Es besteht aus zwei behaglich eingerichteten Räumen,

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