Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Bürgermeister der politischen Israelitischen Gemeinde Lundenburg. Tr. Heinrich S ch n> enge r, Rabbiner. Regine B n u e r, Präsidentin des Israelitischen Frauenwohltätigkeitsvereins. Josef Holländer, Obmann der Kultnsgemeinde. Oslsstina. §2 Jerusalem, im Juli. Es ist erfreulich, mitteilen zu können, daß die Flecktyphus-epidemie in Palästina nunmehr zurückzugehen beginnt. Sämtliche jüdische Schulen konnten wieder eröffnet werden. Leider forderte diese Krankheit äußerst schmerzvolle Opfer. Besonders schmerzlich war für das palästinensische Judentmn der Tod des jungen Arztes Dr. Elijahu Spitzberg, der mit übermenschlicher Opferfreudigkeit und beispielloser Hingabe sich der Behandlung der if)m anvertrauten Kranken widmete und Tag und Nacht für sie tätig war, bis er selbst der Krankheit zum Opfer fiel. Die gesamte Intelligenz Jerusalems begleitete den jungen Verstorbenen zur Ruhe, die Behörden sandten zwei „Kawas" zur Ehrenwache. Dr. Ofaltko sprach im Namen der Leitung des Gesundheitsamtes dein Toten den Dank der Regierung für seine unermüdliche Tätigkeit aus. — Die in Damaskus erscheinende Zeitschrift „Chark" bringt die Nachricht, daß die Verwaltung der Hedschasbahn auf die Initiative ihres Direktors Dykmann Bei ein großes und wunderbares Projekt ausgearbeitet habe, um die Wasserfälle auszunntzen, die in einer Entfernung von 60 Kilometern an der Hedschaslinie gelegen sind. Es sind die Wasserfälle von Tel-Cheab und von Wazizon in der Nähe von Daraa. Die Ingenieure, die man dorthin geschickt hat, haben konstatiert, daß die Kräfte, die die Fälle geben können, 9000 PS betragen werden. Diese Kraft wird für die Bahn zwischen Daraa— Damaskus von Aful6 nach Daraa und nach Jerusalem und von Afulö nach Aman nutzbar gemacht werden. Der übrigbleibende Rest der Kraft soll für die Beleuchtung der Städte Daraa, Tiberias, Nazareth, Haifa, Jaffa, Jerusalem verwendet werden. Eine elektrische Bahn wird überdies Afula mit Nazareth verbinden. Ein anderer Teil des Wassers soll als Trinkwasser für die Bewohner von Daraa benutzt werden sowie zur Bewässerung der Gärten und Felder. Der Direktor der ^Hedschasbahn hat erklärt, daß man sich au die Ausführung dieses Projekts sofort nach Kriegsbeendigung machen und daß man sich sofort alle dazu notwendigen Maschinen verschaffen werde. Es heißt, daß 100 Dynamomaschinen im See von Tiberias benutzt werden sollen, um die angrenzenden Terrains zu bewässern. - - Angesichts der drohenden Gefahr der Cholera wurden sämtliche Einwohner Jerusalems verpflichtet, sich mit Serum impfen zu lassen. Dr. Arje Goldberg veröffentlichte im „Hacheruth" einen ausführlichen Aufsatz über die Bedeutung dieser Impfung, indem er die jüdischen Einwohner zur Erfüllung dieser Pflicht aufsordert. Das Gesundheitsamt in Jerusalem erösfnete in den Vorstädten zwei Abteilungen, in denen die Aermeren unentgeltlich und die Bemittelteren um geringeren Preis die Serumimpfung erhalten. — Die Jerusalemer hebräische Zeitung „Hacheruth" meldet: Die Herren Etan B e l k i n d und Jacob Bacher in Rischon-Lezion erhielten die Anszeichnungsmedaille 1. Klasse für ihre großen Verdienste bei der Bekämpfung der Heuschrecken. Von Sah und ffrrn. — Der Zahnarzt Joseph Witkowski (Berlin) erhielt das österreichische goldene Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille. —- Im Krematorium in der Gerichtstraße fand am 24. August unter großer Beteiligung die Einäscherung des im 80. Lebensjahre verstorbenen Berliner Großindustriellen A l bc r t R o s e n h a i n statt. An der Tranerfeier nahmen zahlreiche hervorragende Vertreter von Handel und Industrie teil, u. a. das Mitglied des Kollegiums der Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin Georg Frank, Vertreter der Berliner und Potsdamer Handelskam lner, ferner Oskar T i e tz, der Neffe des Verstorbenen Chefredakteur I. Landau, der Vorsitzende des Vereins der Berliner Spezialgeschäfte Heinrich G x ü nfeld, der Charlottenburger Stadtverordnete I a st r o wl Prediger Dr. Lehmann von der Berliner Jüdischen Ref-ormgemeinde hielt die Trauerrede. - Ans Posen wird uns geschrieben: Seinen 76. Geburtstag feierte am 23. August der Geheime Kommerzienrat Herr Michael Herz. Auf einen an Arbeit imb Erfolgen reichen Lebensweg konnte der Jubilar an diesem Ehrentage zurückblicken. Daß diese nicht zuletzt auf geschäftlichem Gebiete liegen, ist wohl selbstverständlich. Beweis dafür ist der gute Klang, dessen sich sein Name in der ganzen deutschen Handelswelt und darülter hinaus, vor allem aber auch in seiner Vaterstadt Posen erfreut. Bei seinem Ausscheiden aus der städtischen Verwaltung, der er dreißig Jahre lang als Stadtverordneter und dann als Stadtrat angehört hat, wurde ihm der Note Adlerorden vierter Klasse verliehen. In der hiesigen jüdischen Gemeinde führte er seit Jahren den Vorsitz der Repräsentantenversammlung. — In Schönlanke verschied am 19. August Geheimer Sanitätsrat Dr. Ludwig Sachs, Stabsarzt a. D., Ritter des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse von 1870/71 und anderer Orden, im Alter von 79 Jahren. — In Breslau, wo er Heilung von schwerer Krankheit suchte, k>erschied am 16. d. M. Herr Daniel Landau ans Kempen i. P. Er gehörte bis Ende 1914 der Repräsentantenversanunlnng der jüdischen Gemeinde seiner Vaterstadt an. — Am 1. September d. I. begeht Herr Lehrer Broh in Schwersenz b. Posen sein 30jähriges Jubiläum. Durch seine vorbildliche Berufstreue ist es ihin jederzeit gelungen, das Vertrauen seiner Vorgesetzten Behörde wie die Liebe der Gemeinde zu erringen. Herr Broh wirkt an der israelitischen öffentlichen Volksschule in Schwersenz seit 23 Jahren. — Herr Meyer Kopp e n h e i m in Breslau hat aus Anlaß seines 50. Geburtstages der bortigen Synagogen gemeinde für die zweite große (Storch-)Shnagoge orthodoxer Richtung einen reich silber- und goldverzierten Sefer-Thora- Schmuck schenkungsweise überreicht. — Aus Hamburg wird uns geschrieben: Die Jü d i sche B i bli o th ek un d Leseh a lle im Hause Bieberstraße 4 wurde im ersten Halbjahr 1916 von 1400 Personen besucht und verlieh innerhalb dieser Zeit 793 Bände. Augenblicklich liegen im Lesesaal 27 Zeitungen und Zeitschriften aus, darunter auch eine seit dem 1. Juli 1915 abonnierte Kriegszeitung, das in jüdischer Sprache erscheinende „Lodzer Volksblatt". Die Benutzung der Einrichtungen des Instituts ist unentgeltlich. - Die goldene Hochzeit feierten in Göttingen am 22. August Herr L. Arensberg und Frau. Durch Herrn Rabbiner Dr. Behrens wurde dem Ehepaar die von Sr. Majestät den: Kaiser verliehene Ehejubiläumsmedaille überreicht. — Anläßlich ihres 80. Geburtstages machte die Witwe des Geheimen Kommerzienrats C o p p e l in Solingen eine Reihe beträchtlicher Schenkungen. — Rentner James Loeb (München) wurde vom Kaiser zum ordentlichen Mitglied der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft ernannt. — Ein Zeichen der Wertschätzung wurde dem verdienten Lehrer Herrn Wertheimer in Hardtheim (Baden) zuteil. Der Gemeinderat der bürgerlichen Gemeinde überwies ihm mit Rücksicht auf die Teuerung und darauf, daß seine drei Söhne int Felde stehen, ein Geldgeschenk. - Der Kaiser von Oesterreich hat der Aerztin Dr. A d a H i r s ch, Abteilungsleiterin eines Epidemiespitals, für vorzügliche und aufopferungsvolle Dienstleistung vor dem Feinde das Ritterkreuz des Franz-Josef-Ordens am Bande des Mlitärverdienstkreuzes Geliehen. —- Airs dem Haag wird gemeldet, daß der Minister Samuel unter dem scharfen Druck seiner Glaubensgenossen den Abschub der in Großbritannien wohnenden russischen Inden nach Rrrßland eingestellt hat. Diejenigen, die den Eintritt in die britische Armee verweigern, sollen zu anderen Dienstleistungen st'rr den Staat herangezogen werden. Das beanspruchte Recht, ins neutrale Ausland auszuwandern, wird ihnen jedoch nach wie vor verweigert. - Aus Lodz wird berichtet: In einer der letzten Sitzungen der jüdischen Gemeinderlerwaltung wurde beschlossen, den Plan zur Gründung eines Tagesheims für 700 Kinder auszuarbeiten. Lallt den von der Gemeindeverwaltung gesammelten statistischen Daten sind gegenwärtig etnxi 2000 jüdische Kinder ohne Unterkunft. Die Gemeindeverwaltung will das Jnformationsbureau für dlrrch den Krieg Geschädigte schließen und das gesammelte Material ben beim Lodzer Ortshilfsausschuß gebildeten Komitee zur Abschätzung von Kriegsschäden überweisen. — Ter New Porker Großbankier Jacob H. Schiff wurde von der New Uorker Universität zum Doktor der Handelswissenschasten ehrenhalber ernannt, - Unser geschätzter Mitarbeiter Professor Tr. G o tth a r d De u t sch. Direktor des Rabbinerseminars in Cincinnati, konnte im Juni d. I. ans eine 25jährige Tätigkeit als Professor am Seminar znrückblickeu lind wurde sehr gefeiert. Rabbiner Mar H elle r (New Orleans) hielt die Festrede: Dr. Köhler nannte ihn eine „lebendige Enzyklopädie" wegen seines phänomenalen Gedächtnisses und seiner wunderbaren Vertrautheit rnit der jüdischen Geschichte. Ein Bild des Jubilars vom Maler A. G. Warf ch a w s k y wurde voll den Studenten überreicht als Zierde für die Seminarbibliothek. (Wir entbieten dem gelehrten Jubilar nachträglich unsere herzlichsten Glückwünsche. Die Red.) Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastrasre 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.