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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-08-11 · Heft 32 (11.8.1916) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 32 (11.8.1916)
Date
1916-08-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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80. Jahrgang Nr. 32 Berlin, 11. August 1916 eitung des Judentums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements«Pre^sdurch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 JYl. — Postscheckkonto 22H. Begründet von Rabbiner vr. Ludwig Philippfon Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor vr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin» Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen sLr Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Ullgein. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin« ■Tltlflftfl'" Martin Philippfon. Von Ludwig ' IJUljUll« Woche. — Die Juden in der Ukraine. Geiger. — Die Von Maraarete Marasfe. — Das Volk der Zerstreuung unter der Geißel des Krieges. Von Prinzessin Nadziwill. Aus dein Schwedischen von Felix Saul. — Die Juden in Rheinhessen. — Reisebrief. Von Nathan Cohn. — Feuilleton: Auge um Auge. Russischer Sozialroman von M. Pulvermann. — Literarische Mitteilungen. — Büchereinlauf. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Neustadt O.-S., Schwersenz, Aus der Provinz Posen, München, Nürnberg, Prag. — Von Nah und Fern. | Martin Khilipplon. | Von L u d wig Geiger. Zweimal haben wir in jüngster Zeit Martin Philippfon» gedacht: im Jahre 1910 brachten wir sein Bild mit einer Würdigung seines Wirkens. Am 26. Juni 1916 gedachten wir ausführlich seines siebzigsten Geburtstages. Nun, da er nach langem Leiden am 2. August von uns geschieden ist, halten wir es, obgleich wir mehrmals auf ihn hingewiesen haben, für unsere Pflicht, seiner wiederum zu gedenken; nicht nur deshalb, weil sein Vater, Ludwig Philippfon, der Begründer unseres Blattes gewesen, der ihm die bestimmende Richtung gab und ihm jahrzehntelang mit erstaunlichem Meiste und ungewöhnlicher Vielseitigkeit Vorstand, sondern weil auch der Verstorbene selbst, die Traditionen des Hauses sortsetzend, stets ein freundlicher Berater und Mitarbeiter dieses Blattes blieb, der noch in dem letzten Jahrgange einige bedeutende aufsehenerregende Artikel für unsere Zeitung geschrieben hat. Ueber die letzte Ehrung, die dem Plötzlich Verstorbenen in diesem Blatte zuteil geworden ist, freute er sich dermaßen, daß er unmittelbar nach dem Erscheinen der Nummer mir seinen Dank für den Verfasser des Festartikels übermittelte. Seinen 70. Geburtstag verbrachte er seines gerade damals sehr schlechten Befindens wegen in völliger Zurückgezogenheit. Er freute sich über die vielfachen Ehrenbezeugungen, die ihm zuteil wurden, besonders auch über die schöne ihm von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums überreichte Festschrift, die noch ttu Prof. Dr. Martin Philippfon (Letzte Aufnahme.) anderem Zusammenhänge gewürdigt werden soll, vermochte aber nicht mehr Besuche zu empfangen und den Dank für die ihm zuteil gewordenen Huldigungen in der Weise zu bezeugen, wie ihm zur angenehmen Gewohnheit geworden war. Nun ist er, kaum fünf Wochen, nachdem er in das Patriarchalische Alter eingetreten war, friedlich entschlafen. Sein Verlust wird in weitesten Kreisen schmerzlich empfunden, von seiner treuen Gattin, der näheren Familie und von dem weiten Freundeskreise, von den großen Organisationen, in denen er tätig gewesen, von der Wissenschaft, deren treuer Diener er sein Leben lang gewesen ist. Was von den Werken eines Tätigen und Gefeierten für die Dauer übrigbleibt, wer will das entscheiden. Selbst gediegene Werke veralten leider schnell; aufsehenerregende Schriften werden durch andere verdrängt, die das augenblickliche Interesse mehr zu befriedigen geeignet sind. Ein Mann aber, der neben treuer wissenschaftlicher Arbeit auch praktisch wirkt, hat für seinen Namen und seine Tätigkeit den großen Vorteil, daß diese Werke ihn überdauern. So wird Martin Philippsons Name durch die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, in deren Kuratorium er zu wiederholten Malen einen Platz einnahm, durch den Deutsch- Israelitischen Gemeindebund, dessen langjähriger Vorsitzender er war, durch den Verband der deutschen Juden, an dessen Spitze er eine Zeitlang gestanden, durch die Gesellschaft zur Beförderung der Wissenschaft des Judentums und durch das Gesamtarchiv der deutschen Juden, die auf seine Initiative entstanden und in denen er feit ihrer Begründung den Vorsitz führte, durch den Verband der jüdischen Literaturvereine, dessen Ehrenvorsitzender er war, dauernd fortleben. Denn er hat allen diesen Schöpfungen, wenn er sich auch im Laufe der Jahre von einer zurückzog, seinen Stempel ausgeprägt und ihnen die Art seines Wesens mitgeteilt. Ein Vierfaches kennzeichnete seine Tätigkeit: treuer Dienst der Wissenschaft, zu dem ihn reiche Kenntnis, unermüdlicher Fleiß, treue Hingabe befähigten, die nicht den lauten Erfolg und raschen Erwerb suchten; ein ungemein praktischer Sinn — ein Erbteil seines Vaters —, der die Resultate des Wissens für das Leben nutzbar zu machen suchte, nicht im Haschen nach Popularität, sondern in rastloser Arbeit, die den

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