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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-08-04 · Heft 31 (4.8.1916) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 31 (4.8.1916)
Date
1916-08-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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80. Jahrgang Nr. 31 Berlin, 4. August 1916 Mannlge Herr Schiffe e i m e r chnung: nedaille, - Durch für die SchächLmlfonds ika verioo ooo itag die Bilde" keit ein ie Aus- Die t Juni n: Am i n g e r hervornahm;r Verh Mit- Abhochk, und )e und Das lgemein wurden wundet onicle" Reihen idischen höriger leschehe, Xt solle n Soltapfere General ussilvw, uartier ehreren wird ") - -prachäischen Annz erehrern verden I. L. wer, >aupttigen, ^)urchlschaft Lodz von Die Be- Htet, 'rabdes ender gegen iten", Allgemeine eitung desAudenlums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse »«« A-.WN, (rfd)(i.t --ch.n.ttch. I VegrLnvet von Rabbiner vr. Ludwig Philippfon A bonnement s«pre^s; durch den Buch- Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor Vr. Ludwig Geiger vierteljährlich 3 m. - poUcheckkont« 33t. [ yetjag. Rudolf Mosse, Berlin, Jerusatemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen fftr Redaktion und Expedition sind an die Adresse: yerlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin 8^V, Ierusalenier Straße 46*9, zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Tlnhftft* ^um neunten Ab. Von Albert Katz. — Heldentum. Von Stadtrabbiner Dr. Behrens, Göttingen. — Die Woche. — Ludwig Uhland und Berthold Auerbach. Von Ludwig Geiger. — Hauptmann d.L. Kommerzienrat Albert Rosenselder. Von E. D. — Gustav Karpeles als Briefschreiber. Von Dr. Adolph Kohut. — Feuilleton: Auge um Auge. Russischer Sozialroman von M. Pulvermann. — Büchereinlauf. — Sprechfaul. .Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Posen, Wolfeubüttel, Meiningen, Köln, Nürnberg, Frankfurt a. M., Metz, Zürich, Lemberg, New Jork. — Von Nah und Fern. Lum neunten pb. Von Albert Katz. rei Propheten bedienten sich in ihren Reden des Wortes „Echa"'), das ebenso wie das in der deutschen Sprache gebräuchliche „Ach" als Ausdruck seelischer Erregung, insbesondere des Unmuts und der Klage, des Mitleids und der Trauer angewendet wird. Der erste, der dieses vielsagende Wort gebrauchte, war Moses, der nach vierzigjähriger, ruhmgekrönter Führung seines Volkes in den Unmut und Sorge verratenden Ruf ausbrach: „Ach, wie kann ich allein eure Mühe, Last und Hader tragen!" Dem unsterblichen Lehrer und Leiter Israels folgte Jahrhunderte später der Prophetensürst Jesaia, der in seiner bekannten, nachhaltigen Strafrede mitleidsvoll sprach: „Ach, wie bist du, Burg der Treue, zu einer Buhlerin geworden!" Der dritte, der sich des Ausdruckes Echa bediente, war der unheilkündende Prophet Jeremia, dessen erschütternde Klage: „Ach, wie umwölkt in seinem Zorn der Herr die Tochter Zions!" der Schmerzensschrei der Juden bis auf den heutigen Tag geblieben ist. Moses sah Israel zur Zeit seiner weitstrahlenden Herrlichkeit, Jesaia während des bereits fortgeschrittenen Niederganges und Jeremia in den Tagen des Unterganges und der Verlassenheit3). Was Israels alte Lehrer damit sagen wollen, ist nicht schwer zu erraten. Mit dem Hinweis auf die drei ereignisreichen Epochen in der Geschichte des jüdischen Volkes, die wohl zunächst bekunden, daß es wie im Leben des einzelnen Menschen, so auch in dem eines ganzen Volkes nichts Beständiges und Unvergängliches gibt, zeigen sie uns den inneren Zusammenhang der historischen Begebenheiten mit den Ursachen und Wirkungen, die die Auflösung des jüdischen Staates vorbereiteten und allmählich herbeiführten. Es ist darum interessant, zu beobachten, wie sie an einen in der Heiligen Schrift mitgeteilten Vorgang, der sich zur Lebenszeit Moses' abspielte, weitschweifende Betrachtungen knüpfen und in geschickter Weise — man möchte fast sagen — bis auf die Gegenwart fortspinnen. Folgen wir ihrem Gedankengang. ') Midrasch Echa. 2) ibid. Moses schickte angesehene Männer aus, daß sie das Land Kanaan auskundschaften und über ihre dort gemachten Wahrnehmungen berichten sollten. Nach vierzig Tagen kehrten sie zurück und verbreiteten ein übles Gerücht, indem sie das nach ihrem eigenen Eingeständnis von Milch und Honig fließende Kanaan als ein Land, das seine Bevölkerung verzehre, bezeichneten und die Bewohner als mächtig und unbesiegbar, als Riesen schilderten, die auf sie, die Helden Israels, wie aus Schwächlinge, aus Heuschrecken herabsahen. Als das Volk diese Worte vernahm, „fuhr es auf, schrie und weinte in dieser Nacht". Da sprach der Ewige: EJV32 En« m-vnb rrra cnb r2p« 'iui Din bv ,T22 Ihr habt ohne jegliche Veranlassung in dieser Nacht geweint, so mag sie zum Weinen und Trauern auch für die euch folgenden Geschlechter bestimmt fein3). Diese verhängnisvolle Nacht — fahren sie fort — sei die von Leid und Unglück begleitete Nacht des neunten Ab gewesen'), in welcher, eine merkwürdige Fügung des Geschicks, der heilige Tempel auf Zion zweimal zerstört und Israel, gedemütigt und gebrochen, wiederholt aus der sonnigen Heimat in die kalte Fremde vertrieben wurde. Forschen wir nach dem Kern dieser Sage, so offenbart sich uns folgender Gedanke: Schon zur Zeit Moses', der den Grundstein zum nationalen Werden Israels gelegt, machte sich der Keim des Zerfalles bemerkbar, der später die völlige Auflösung des jüdischen Staatslebens herbeisührte. Ein Volk, das einem gottbegnadeten Manne wie Moses, dem in beispielloser Treue und Aufopferung bewährten Führer und Befreier aus drückender Knechtschaft, so wenig Vertrauen entgegenbrachte, daß es, sooft eine Schwierigkeit zu überwinden, ein Hindernis auf dem Wege in das Land der Verheißung zu beseitigen war, mit der Rückkehr in den früheren Sklavenzustand nach Aegypten drohte, ein solches Volk war schon vor seinem Entstehen dem Untergang geweiht. Der Weise, lautet ein rabbinischer Ausspruch, ist höher einzuschätzen als der Prophet3), denn er ist nicht nur nachsichtiger, sondern auch tiefblickender als dieser, obwohl er dessen Sehergabe nicht besitzt, vielleicht auch deswegen, weil er auf eine solche gar keinen Anspruch macht. Die Propheten, die Israels Sündhaftigkeit in den düstersten Farben zeichnen, geben als Grund seines nationalen Unterganges vorwiegend seinen Abfall von Gott oder richtiger den von ihm betriebenen Götzendienst an. Israels Weisen aber kennen noch andere Ursachen, die die Entfaltung seiner nationalen Kraft lähmten und sein Schicksal besiegelten. Sie verabscheuen den Götzendienst nicht minder als die Propheten, halten ihn ebenso wie diese für die Wurzel alles Uebels und warnen sogar davor, ss. h Numeri rabba, Kap. 16. ') ibiä. 5) Baba batra 12a: N’2352 rpny D3n

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