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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-07-28 · Heft 30 (28.7.1916) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 30 (28.7.1916)
Date
1916-07-28
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 „Edel sei der Mensch, hilsreich und gut!" Darum bewahren ihm Kollegen und Schüler die dankbarste Erinnerung. Pros. Dr. Kisch war auch literarisch vielfach tätig; seine Aufsätze behandeln Themen auf dem Gebiete der jüdisch-theologischen Wissenschaft, in welcher er hervorragendes leistete: auch edierte er verschiedene Schriften. Allerhöchstenorts wurde sein Wirken durch allergnädigste Verleihung des Goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone und des Ritterkreuzes des Franz-Josess-Ordens gewürdigt; die israelitische Kultusgemeinde in Prag, die ihn 1886 zum Gemeinderabbiner ernannt hat, und in welcher er als Prediger an der altehrwürdigen Meiselshnagoge und als Militürseelsorger wirkt, betraute ihn mit der Inspizierung des Religionsunterrichtes an Volks-, Bürger- und Mittelschulen. Anläßlich seines Scheidens aus dem Lehramte wurde ihm die belobende Anerkennung des hohen k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht durch den k. k. Landesschulrat ausgedrückt. Möge er sich nach segensreich vollendeter Lehrtätigkeit noch viele Jahre in ungefchwächter Gesundheit seines Ruhestandes erfreuen!" Von Sah und fern. — Ter Stabsarzt Sanitätsrat Dr. M. Saalfeld, Mitglied des Vorstandes der Berliner Jüdischen Reformgemeinde, ist zum Oberstabsarzt befördert worden. — Am 26. d. M. beging der Berliner Stadtverordnete und Handelsrichter Kommerzienrat Hermann Bamberg seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar zählt als Mitinhaber der Damenmäntelfabrik Gebr. Manheimer zu den Senioren der Berliner Konfektion. Außerdem ist er. Vorsitzender und Mitbegründer des „Verbandes deutscher Damen- und Mädchenmäntelfabrikanten", des „Gläubigerschutzverbandes für Handel und Industrie", Vorstandsmitglied des „Berliner Handwerkervereins", des „Vereins Berliner Kaufleüte und Industrieller" und anderer gemeinnütziger Verbände. Kommerzienrat Bamberg ist Veteran von 1870/71 und hat sich seit Kriegsbeginn in den Dienst des Roten Kreuzes gestellt. Hochbetagt starb in Danzig Kaufmann Abraham K r o n h e i m , Mitinhaber der Metall- und Produktengesellschaft. Er war Mitglied des Vorstandes des Hirsch Weitzschen Ausstattungsvereins und des Israelitischen Armenverpflegungsvereins. - Am 10. d. M. feierte der Erste Vorsteher der Synagogengemeinde Lissa i. P., Herr Julius Baginskh, seinen 70. Geburtstag. Obwohl er diesen Tag, um allen ihn zugedachten Ehrungen zu entgehen, außerhalb verlebte, liefen trotzdem von allen Seiten Glückwünsche und Aufmerksamkeiten ein und legten Zeugnis ab von der hohen Wertschätzung, deren sich Herr B. erfreut. — Aus Posen wird im§ geschrieben: Rach dem Tode des Herrn Leibowitz wurde die Wiederbesetzung der Kantorstelle wegen Ausbrucks des Krieges hinausgeschoben. Jetzt hat die Gemeindebehörde beschlossen, vorläufig eine musikalisch geschulte, bestempfohlene Kraft zur Uebernahme der Funktion des ersten Kantors an der hiesigen Gemeindesynagoge A zu engagieren. — Die Tochter des Rabbiners Tr. Rosenthal in Breslau, Fräulein Käthe Rosenthal, promovierte magna cum laude zum Doktor und erhielt eine Anstellung als Assistentin am Königlichen Botanischen Garten und Museum in Breslau. — Kürzlich veranstalteten die Gäste des Hotels Strauß-Kaufmann in Bad Brückenau zum Besten der Lazarette von Brückenau einen gemütlichen Abend, der einen in jeder Beziehung herrlichen Verlauf nahm. Besonders verdient machten sich um das Gelingen desselben Frau Dr. Marr, Frau M. Kahn-Roedelheimer sowie die jungen Gebrüder K l i - bansky. Es konnten 150 Mark den Lazaretten zugeführt werden. — Die Synagogengemeinde in Oberlistingen ist aufgelöst und dem Bezirke der Synagogengemeinde in Breuna zugeteilt worden. — Aus Frankfurt am Main wird berichtet: Die Synagoge der Gemeinde Ortelsburg ist, wie bekannt, von den Russen zerstört worden. Die Gemeinde begnügt sich zurzeit mit zwei provisorisch für den Gottesdienst eingerichteten Zimmern, für den auch zwei Thorarollen ausgeliehen wurden. Zu der von dem Jüdischen Frauenbund übernommenen Anschaffung von Ritualgegenständen für die neu zn errichtende Synagoge sucht die Ortsgruppe Frankfurt am Main des Jüdischen Frauenbundes einige Thorarollen mit oder ohne Kle Kodesch/ Angebote werden erbeten an Frau Paula N a s s a u e r, Frankfurt am Main, Rheinstraße 26. — Aus Massenheim wird geschrieben: Aus dem berühmten Unterseehandelsschiff „Deutschland" befindet sich auch ein Jude unter der Mannschaft. Es ist dies, wie man uns mitteilt, der zwanzigjährige Herr Ludwig Schwarzschild, der als Elektrotechniker auf diesem Schiffe beschäftigt ist. — Zwei Söhne des Herrn Leopold Kirchheimer in Berwangen in Baden erhielten dieser Tage ihre Auszeichnung: Gefreiter Arthur Kirchheimer die Badische Verdienstmedaille, Sally Kirchheimer die Badische Tapferkeitsmedaille. — Durch eine soeben erschienene Verordnung des Gouverneurs wird für die Stadt Straßburg und Vororte das im Mai d. I. erlassene Schächtverbot vollständig aufgehoben. — Die vom Jüdischen Nationalfonds in Holland und in den Vereinigten Staaten von Amerika veranstalteten Vlumentage haben einen Reinertrag von 100 000 Franken gebracht. In Amsterdam wurde mit dem Blumentag die Ausstellung „Das verschwindende Amsterdamer Ghetto im Bilde" verbunden, die in großer Reichhaltigkeit und Anschaulichkeit ein Stück jüdischer Kulturgeschichte zur Darstellung brachte. Die Ausstellung wurde vom Bürgermeister von Amsterdam eröffnet. Die Spendeneinkünfte des Jüdischen Nationalfonds im Monat Juni ergaben 75 000 Franken. — Aus Wien wird uns geschrieben: Am 7. d. M. ist hier der Großindustrielle Herr Julius Reitlinger im 74. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene, der zu den hervorragendsten Persönlichkeiten des Wiener Judentums zählte, nahm besonders in früheren Jahren mit großem Interesse an der Verwaltung jüdischer Institutionen teil. Er war ehemals auch Mitglied des Wiener Kultusvorstandes und gehörte bis zu seinem Ableben dem Vorstande der Israelitischen Allianz an. Mit hochherziger Freigebigkeit förderte er jedes gute und edle Werk, und sein Heimgang wird von Tausenden, denen er seine hilfreiche und rettende Hand geboten hat, beklagt und betrauert werden. Das Leichenbegängnis fand Sonntag, den 9. d. M., unter ungemein zahlreicher Teilnahme statt. — In den letzten zwei Wochen wurden aus London dreizehn Juden im Kriege getötet, sechzehn verwundet und sechzehn für Tapferkeit ausgezeichnet. „Jewish Ehronicle" klagt darüber, daß die jungen englischen Juden, die in die Reihen der Kämpfer für ihr Geburtsland eintreten, ihren guten jüdischen Namen ändern. So lese man von einem Larh, dessen bisheriger Name Levy war, Noscoe (Moskau) Pool u. a. m. Das geschehe, um die jüdische Herkunft zu verheimlichen. Die ganze Welt solle aber Kenntnis von der hingebenden Tapferkeit der jüdischen Soldaten haben. Wenn der Name versteckt ist, dann gehe der tapfere jüdische Soldat unter der Zahl der übrigen unter. — General Kaledin, die rechte Hand und der Intimus des Generals Brussilow, hat vor dem neulichen Sturm auf Luck den in seinem Quartier versammelten drei kommandierenden Generalen und mehreren Divisionären den klassischen Befehl erteilt: „Die Judenbagage wird voran ins Feuer gejagt." („Shidow gnatj wogonj wperedi.“) — In Petersburg findet demnächst eine Konferenz der hebräischen Sprachvereine statt, die die bekannte Gesellschaft „Freunde der hebräischen Sprache" organisiert. Zu dieser Konferenz wird eine große Anzahl von Vertretern aus den Residenzen und der Provinz erwartet. Eine größere Anzahl von bekannten Hebraisten, Lehrern und Schriftstellern hat ihre Beteiligung zugesagt. Es werden Referate halten der Dichter Eh. N. Bialik, Dr. I. L. Katzenelsohn, Dr. Josef Klausner, Dr. Mohilewer, S. Per sitz, Hillel Slato polski und andere mehr. Hauptsächlich wird sich die Konferenz mit den Schulfragen beschäftigen, namentlich mit der Reorganisierung der Chedarim und der Durchführung der hebräischen Unterrichtssprache in den der Gesellschaft unterstellten Schulen. — Die Stadtverordnetenversammlung in Lodz bewilligte dem christlichen Wohltätigkeitsverein eine Unterstützung von 31 500 Mark, dem jüdischen Wohltätigkeitsverein 17 150 Mark. Die jüdische Gemeinde Plant die Massenspeisung der armen jüdischen Bevölkerung. Zu diesem Zwecke wurde eine Riesenküche eingerichtet, die einstweilen 500, später aber 10 000 Mittagessen verabreichen soll. — In dem Präsidentschaftsprogramnr des republikanischen Kandidaten Hughes findet sich auch folgender wesentliche Punkt: „Bekämpfung fremder Gesetze, die sich gegen amerikanische Bürger wegen ihres Glaubensbekenntnisses richten", was wohl aus die russische Judengesetzgebung gemünzt ist. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Floraftratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil:MaxJunge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

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