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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-07-28 · Heft 30 (28.7.1916) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 30 (28.7.1916)
Date
1916-07-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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80. Jahrgang Nr. 30 Berlin, 28. Juli 1910 Allgemeine eitung des Judentums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements«pre)s: durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und vor« orten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich S M. — Postscheckkonto 324. Begründet von Rabbiner vr. Ludwig Philippfon Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor vr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen fftr Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums*. Berlin SW, Jerusalemer Straße 4M9, zu richten. Verlag von Rudolf Masse, Berlin. Was unserer Wohlfahrtspflege not tut! Bon Rechtsanwalt IJIllJllll* Dr. Lamm, Berlin. - DieWoche. - Das Studium der Ausländer an den deutschen Hochschulen. Bon Dr. Kurt Alexander,Krefeld. - Synagoge in Warschau. (Bild.) - Iubiläumszug in Warschau. (Bild.)-Gustav Karpeles als Briefschreiber. Von Dr. Adolph Kohut. - Feuilleton: Auge um Auge. Russischer Sozialroman von M. Pulver mann. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin- Posen, Schneidemühl, Dresden, Elberfeld, Hattingen-Ruhr, Kassel, .Frankfurt a. M., Wien, Prag. - Von Nah und Fern. Was unterer Wohlkahrtspklrse not tut! Von Rechtsanwalt Dr. Lamm (Berlin). ie Kriegszeit hat besondere Kriegstagungen der großen Wohlsahrtsverbände gebracht: der Deutsche Verein für Armenpflege und Wohltätigkeit, die Zentrale für Säuglingssürsorge, die Vereinigung für Krüppelfürsorge, die Deutsche Zentrale für Jugendfürsorge und letztens die Zentrale für Volkswohlsahrt haben die sie berührenden Fragen durch hervorragende Fachgelehrte und Sachverständige behandeln lassen. Es ist bemerkenswert und ein nicht zu übersehendes Anzeichen für die Zukunft, daß dabei die konfessionelle Wohlfahrtspflege unter dem Schutze kirchlicher Autorität besonders in de» Vordergrund trat, und daß konfessionell hier nur im Sinne von evangelisch und katholisch zu verstehen ist. Hob auf der einen Tagung ein bekannter katholischer Prälat das gleichzeitige Wirken evangelischer Kreise hervor, so nahm auf der anderen ein evangelischer Arbeiterführer Gelegenheit, zu versichern, daß auch seine katholischen Arbeitsgenossen gleicher Gesinnung seien. Charakteristisch waren aus der von der Zentralstelle für Volkswohlfahrt veranstalteten Tagung über „Jugendpflege seit 1913" die Darlegungen eines Hamburger Pastors über die Hamburger Kriegshilfe. Er bezeichnete das Zusammensassen aller Hilfskräfte und Richtungen als einen Notbehelf, dem in Friedenszeiten wieder die Teilung nach den Weltanschauungen folgen müsse, er verwarf die neutrale Jugendpflege. Es kann nun nicht zweifelhaft sein, daß diese Neutralität gerade von jüdischer Seite immer eine bewußte Förderung erfahren hat. weil man glaubte, aus diesem Wege sich die Gleichberechtigung erringen zu können. Das Mittel erscheint verfehlt. Die große Zeit hat allseitig zu einer vertieften Religiosität geführt, und wir werden an diese Zeitstimmung anknüpfen müssen, wenn wir uns durchsetzen und für die jüdische Wohlfahrtspflege in Deutschland die Anerkennung erreichen wollen, die ihr entsprechend ihren Leistungen und den in ihr wirkenden persönlichen Kräften gebührt. Und wir werden s e l b st hierzu Hand anlegen müssen, wenn auch im Zeichen des Burgfriedens die Hervorhebung jüdischer Wohlfahrtsarbeit nicht zu kurz kommen soll. So wies die vorbereitete Diskussionsordnung der vorerwähnten Tagung „Deutsche Jugendpflege seit 1913" unter 15 Rednern fünf evangelische und drei katholische Geistliche auf; es hätte nahegelegen, zwischen ihnen auch die jüdische Jugendpflege zum Wort kommen zu lassen, zumal das letzte behandelte Thema „Die Bedeutung der ethischreligiösen Einwirkung auf die Jugendpflege" hierzu Gelegenheit geboten hätte. Schon auf der ersten Konferenz der Zentralstelle (1997), die das Programm der Wohlfahrtspflege zum Gegenstand hatte, war nur der evangelischen und katholischen Kirche und ihren Beziehungen für Wohlfahrtspflege ein Platz Vorbehalten worden. Immerhin mag anerkannt werden, daß wenigstens auf dem Plan der Besichtigungen, die sich der letzten Tagung anschlossen, das Heim des Jüdischen Frauenbundes in der Rosenthaler Straße an erster Stelle stand. Daß nun immer und überall jüdische Wohlfahrtspflege Erwähnung finde, ist naturgemäß dahin zu verstehen, daß es dort der Fall sein soll, wo es sich um Fragen handelt, zu denen sie eigene Erfahrungen und Leistungen beibringen kann. Solche sind z. B. auf einer Versammlung des Deutschen Armenpflegevereins bei Erörterung der „Beschaffung von Mitteln für die freie Liebestätigkeit und der Wanderarmenfürsorge", bei einer Tagung der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge über den „Kampf der Parteien um die Jugend" zur Sprache gekommen. Erwähnt sei auch, daß in dem anläßlich des Regierungsjubiläums im Jahre 1913 dem Kaiser überreichten Werk über die gesamte kulturelle Entwicklung Deutschlands während der Jahre 1888 bis 1913 der jüdischen Wohlfahrtspflege eine besondere Darstellung neben der evangelischen und katholischen gewidmet worden ist. Bei gutem Willen geht es also — es sei nur an den großen Berliner Ausruf für das Rote Kreuz erinnert, zu dessen Unterzeichnung auch der Vorstand der jüdischen Gemeinde aufgesordert wurde —, und es kommt darauf an, ihn auf der anderen Seite wachzuhalten, wenn er vorhanden ist, andernfalls, ihn herbeizuführen. Dabei ist es von Wichtigkeit, daß Vertreter jüdischer Wohlfahrtspflege in jenen großen Ausschüssen vorhanden sind, die die Tagungen vorbereiten. Gesichert erscheint diese Vertretung nur in der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge, deren Präsidium ein vom Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde abzuordnender Vertreter neben dem des evangelischen Generalsuperintendenten und des katholischen fürstbischöflichen Delegatars angehört. Daneben sind in die Abteilungen „Deutsches Reich" ein Vertreter des Verbandes jüdischer Jugendvereine „Berlin" und ein solcher der Fürsvrgekommission der jüdischen Gemeinde gewählt. Dem Ausschuß des Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit gehören zwei Mitglieder des geschäftsführenden .Allsschusses des Berliner Verbandes sür jüdische Wohlfahrtspflege an, einer davon auch dem Beirat der Zentralstelle für Volkswohlsahrt. Sie sind zwar nicht in dieser Eigenschaft berufen, doch sorgen sie nach Möglichkeit und mit Wachsamkeit dafür, daß jüdische Interessen nicht geschmälert werden. Als aber der Deutsche Armenpflegeverein zu einer Kriegstagung betreffend die Fürsorge für Kriegerwitwen und

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