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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-06-16 · Heft 24 (16.6.1916) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 24 (16.6.1916)
Date
1916-06-16
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Gemeinden. Aber als die griechische Regierung infolge politischer Erwägungen die Vertreibung der Juden anordnete und sie n-ach Korsika unter französischen Schutz gebracht wurden, lvar die Sorge um sie bedeutend größer, denn dort lvar nicht ein einziger- Jude. Nichtsdestoweniger glückte es einem Beamten der Alliance, cht zweites Mal diese hilflose Schar zu einer organisierten Gemeinschaft nmzuwandeln. Diese Arbeit wurde ihm durch die freundliche Aufnahme der Flüchtlinge seitens der Korsikaner und die werktätige Hilfe der Negierungsbeamten von Ajaccio und deren Familien erleichtert. — Auf einem großen Meeting, das vor kurzem unter Vorsitz von Dr. Magnes in NewPort stattfand, lvurde beschlossen, lvieder größere Sunnnen, welche die Hilfskomitees in Alnerika gesannnelt haben, für die Notleidenden in den Kriegsländern' abznsenden. Es loerden 100 000 Dollar nach Polen, 50 000 Dollar nach Litauen, 100 000 Dollar nach Galizien gelangen. Auch sollen die Juden in Smyrna und die Flüchtlinge in Japan unterstützt loerden. — Seit dem 4. Mai d. I. erscheint in New Aork eine neue jüdische Wvchenzeitung in englischer Sprache unter dem Titel „American Jewish Chronicle". .Die neue Zeitung wendet sich an die Oeffentlicbkeit mit der Mitteilung, daß sie keine Lokalzeitung, sondern eine Zeitung für das ganze Reich sein will. Sie ist keine politische Zeitung, sondern bezweckt in Anbetracht dessen, das; die europäische Judenheit mehr oder weniger hilflos der Lage der Judenheit, insbesondere der osteuropäischen gegenüber dasteht und die amerikanische Judenheit berufen ist, eine historische Mission zur Rettung des jüdischen Volkes zu erfüllen, ein Zentrum sür die jüdischen Bestrebungen des über die aanze Welt verstreuten jüdischen Volkes zu sein. Es wird daher seine Spalten allen Ansichten, Anschauungen und Zielen der jüdischen Allgemeinheit öffnen, ganz gleich, ob diese Anschauungen das Mißvergnügen des einen oder anderen Teiles des jüdischen Volkes erregen. Es null auch belehrend wirken und alle literarischen jüdischen Erscheinungen behandeln. Zn diesen; Zwecke bat es sich die wertvolle Mitarbeit hervorragender Juden auf allen Gebieten verschafft. Wir wünsche;; auch unsererseits dem neuen Unternehmen guten Erfolg. Von Aoh und jfem. — Professor Dr. Felix Lieb er mann, der bereits 180 000 Mark für Berliner Kriegswohlfahrtspflege gestiftet hat, hat eine weitere Spende von 00 000 Mark sür den gleichen Zweck dem Magistrat überwiesen. Die Berliner medizinische Gesellschaft hat in ihrer letzten Sitzung den Geheimen Medizinalrat Dr. Hirschbera, außerordentlichen Professor für Augenheilkunde an der Universität Berlin, zum Ehrenmitglied ernannt. Kommerzienrat Alb. D z i a l o sz v ns k i in Berlin hat die bulgarische Rote-Kreuz-Medaille erhalten. — Sanitätsrat Dr. -Hermann Rosenberg, der im Norden Berlins ansässig war, ist am 8. d. M. nach schwerem Leiden im 58. Lebensjahre verschieden. Rosenbera. der lange Jahre den; Vorstande des Aerztevereins des Berliner Rettnnaswesens angehörte, war auch Mitglied der Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde. Die Beisetzung erfolgte unter großer Beteiligung am 11. d. M. mrf dem Friedhof in Weißensoe. — Die jüdische Gemeinde in Schneidemnhl beklagt den Tod ihres langjährigen Vorstandsmitgliedes Herrn Abraham Baumann. Der Verstorbene, der unermüdlich der Sache der jüdischen Gesamtheit diente, hat sich ein dauerndes Andenken in der Gemeinde gesichert. -- Der Breslauer Israelitischen Kranken-Verpsleanngsanstalt soll nach einem Anträge des Gemeindevorstandes bis zur Beendigung des Krieges zunächst auf sechs Monate vom 1. Januar bis 80. Juni d. I. eine weitere Kriegsbeihilfe von monatlich 0000 Mark bewilligt werden. Die Nepräsentantenversinnmluug erteilte diesem Anträge ihre Zustimmung. - Ans Dresden wird gemeldet: An Stelle des Verstorbenei; zweiten Rabbiners Dr. Stein hat der Vorstand den Rabbinatskandidaten und Reliaionslehrer der Gemeinde Herrn Tr. Eugen Gärtner gewählt, Sohn des Privatiers Abr. Gärtner in Nürnberg. Gärtner der sich feit Kriegsbeainn im Felde befindet, hat bei seinem ersten Urlaub im November v. I. sein Rabbinereramen an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin bestanden: er hat seit Ausbruch des Krieges beim 102. N'eserveinfanterieregim'ent alle Schlachten und Gefechte desselben mitgemacht und erhielt nach der Chau;pagneschlacht, die er glücklich überstanden, nacheinander die Friedrich-Ar;gust-Medailte und die Militär - St. - Heinrich - Medaille und wurde zum Unteroffizier ernannt. Die Dresdener Gemeinde hat den gewählten Rabbiner wiederholt bei;;; Kriegsministerimn bzlv. der zuständigen Stelle reklamiert, bisher scheinbar ohne Erfolg. — Die * Friedrich-August-Medaille in Silber erhielt Vizefeldwebel Glaser im Artillerieregiment Nr. 19. Herr Glaser ist der Sohn des Vorstehers der Israelitischen Neligionsgemeinde und Stadtverordneten Glaser in Zittau und lvar vor seiner Einberufung zum Heere in Dresden als Rechtsanwalt tätig. Zun; Vizefeldwebel wurde er dieser Tage befördert. — Man schreibt uns aus Nürnberg: In der Sitzung des städtischen Armenpflegschaftsrates vom 7. Juni beglückwünschte der Vorsitzende Herr Oberbürgermeister Dr. G e ß l e r das Mitglied des Armenpflegschaftsrates Herrn Rabbiner Dr. Freudenthal zu der ganz außergewöhnlichen Auszeichnung seines Sohnes mit der goldenen Tapserkeitsmedaille aus Anlaß der im schwersten Feuer unter großer Gefahr erfolgten Errettung von 16 tapferen Soldaten, welche in der Champagneschlacht verschüttet waren, und knüpfte daran den Wunsch auf eine glückliche Wiederkehr des Sohnes. Auch in der ganzen Gemeinde hat die Nachricht über die hohe Auszeichnung des Offizierstellvertreters Walter Freudenth al mit der goldenen Tapferkeitsmedaille, welche nur sür ganz außergewöhnliche Taten von Mut und Entschlossenheit verliehen wird, freudigen Widerhall gefunden. — Der Königliche Bezirksrabbiner Dr. Beer mann in Heilbronn ist für seine Bemühungen auf dem Gebiete der Militärseelsorge durch Verleihung des Charlottenkreuzes ausgezeichnet worden. — Aus Wien wird uns geschrieben: Herr Kultusvorsteher Dr. Isidor S a nni e I Y, Obmann der „Toynbeehalle", feierte sein sünsundzwanziajähriges Jubiläum als Börsenarzt. Aus diesem Anlasse ging ihn; seitens. der Börsenkammer ein sehr schmeichelhaftes Anerkennungsschreiben zu. Herr Doktor Samuely, der sich um die Kinderhorte und um die Fürsorge verlassener Kinder viele Verdienste erworben hat, erfreut sich allgemeiner Sympathien. — Ter Budapester Israelitische Ferienkolonienverein hat das Kriegsspital in Diosjenö, wo seit Kriegsbegrnn ständig achtzig, insgesamt aber 281 rekonvaleszente Soldaten werkten, aufgehoben, da die großen Militär an stabten für den Bedarf schon genügen. Infolgedessen ist die Direktion wieder in der Lage, die volle Kinderzahl in der Diösjenöer Kolonie unterzubringen, wobei in erster Reihe Kriegswaisen, ferner Kinder Eingerückter berücksichtigt loerden sollen. Es loerden insgesamt 450 Kinder in drei Gruppen angenommen werden. In den; berüchtigten französischen Hetzblatt ,.Libro Parole" untersucht dessen ebenso berüchtigter Herausgeber Edouard Drumont die Tatsache des starken Sinkens des französischen Geldkurses in Saloniki. Er kommt zu dem famosen Schluffe, daß daran niemand anders als die Juden die Schuld tragen, denn. Saloniki ist eine jüdische Stadt und die Juden beherrschen den dortigen. Geldmarkt. — - Am 14. Mai fanden in London die Wahlen der Gemeinde v'n-stäude statt, die iodoch ob ne Kampf und besonderes Interesse verliefen und hauptsächlich mit der Wiederwahl der bisherigen Vorstandsmitglieder endeten. „Jewish World" bemerkt dazu: ,.Es ist -unmöglich, nur eine leichte Bewegung in den trockenen Knochen des „Board of Doinifirs“ zu entdecken". Es ist das alte Jaisser faire, laisser allm ". Die englisch-jüdischen Blätter beschäftigen sich viel mit einen; australischen General, Jobn Monasch, der sich in diesem Kriege und schon früher in Kolon ialkrt egen sehr bewährt habe. Es wird nun bekannt, daß General Monasch ein Neffe des berühmten Historikers Professor Heinrich Grätz ist. Sein Vater war schon in jungen Jahren ans Krotoschin (Posenl nach Australien ausgewandert. — Anläßlich der 50. Wiederkehr des Tages seiner Ankunft in New Pork stiftete Herr Jakob Schiff der Harvard-Universität 500 000 Dollar zur Er richtuug einer Stndentenhallo. — Harald L. Laski, bisher Hilfs aeschichtsprofessor der McGill-Universitüt in Kanada, wurde zmn Lehrer für Geschichte an der Harvard-Universität ernannt. — In Gatdeston (Teras) starb im Alter von 76 Jahren Morris Laster, der Bruder des bekannten deutschen Parlamentariers Eduard Laste r. Er lebte seit 1860 in Texas, und die texanische Judenheit spricht in geftihlvollen Nachrufen ihre tiefe Dankbarkeit für alles das aus, was M. Laster für sie getan hat..Nach dem soeben erschienenen „A m e r i c a n I e w i s h P e a r b o o k" 1915/16 beträgt die Zahl aller Juden 18 277 542, und zwar leben in Europa 9 988 197 (hiervon in; europäischen Rußland 5989 770 und in OesterreichUngarn 2 258 2621, in Asien 856 617, Afrika 418 259, Australien 10 415 und in Amerika 2 500 054 (allein im Staate New Pork 2 258 262) Juden. Den Angaben liegen die Resultate der letzten Volkszählungen zugrunde. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastratze 58. Verantwortlich fite den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

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