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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-05-12 · Heft 19 (12.5.1916) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 19 (12.5.1916)
Date
1916-05-12
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 m erster Linie die Anerkennung der Inden als gleichberechtigte Nationalität in der Monarchie erstrebt. Der neue Verein will nach dem Kriege seine Tätigkeit einsetzen, um auf allen Gebieten für die Rechte und die Würde der Judenheit zu wirken. An der Spitze des Ausschusses stehen die Herren Advokat Dr. S. Kaßner, Ingenieur Robert Stricker und Redakteur M. I e n i s ch. — Gegenwärtig dient beim k. k. Infanterieregiment 83 ein Knirps, der noch nicht den Kinderschuhen entwachsen ist, aber schon ein volles Jahr auf dem nördlichen Kriegsschauplatz dem oft sehr gefährlichen Kriegsdienst als Meldereiter oblag. Salo Presser ist der Name des kleinen Kriegers, der erst zwölf Jahre zählt. Gr ist der Stiefsohn des praktischen Arztes Rudolf Auspitz in Radautz in der Bukowina. Als neunjähriger Knabe kam er mit Erlaubnis seiner Eltern als Reiteleve in das Gestüt mach Radautz, wo er sich zum tüchtigen Reiter herangebildet hat. Bei Kriegsausbruch gelüstete es dem Knaben, auf den Kriegsschauplatz zu ziehen. Mit Hilfe seines Stiefvaters wurde der Kleine tatsächlich bei dein k. k. Landwehrregiment Nr. 22 als Meldereiter ausgenommen und in eine Marschkoinpagnie eingereiht, mit der er in die Karpathen zog. Salo erzählte, daß er sein Leben nur seinem kleinen Pferde zu verdanken habe, von welchem er sich nur sehr schwer trennen könnte. Beim D u k l a p a ß wurde er von Kosaken bemerkt, als er mit seinem Ponh eine sehr wichtige Meldung dem Kommando überbringen sollte. Einige Kosaken jagten ihm nach und feuerten eine Anzahl Schüsse auf ihn ab. Er erhielt einen Streifschuß an der Schädeldecke, welcher noch sichtbar ist. Zum Glück kam er hx ein Dorf, das mit einem Walde umgeben war, und galoppierte davon. Seine Verfolger vermuteten, daß er sich in den Wald geflüchtet, und schossen und stürmten auf den Wald los. Der kleine Reiter kam aber glücklich mit der Kopfschußwunde bei seinem Kommando an, wo er den Vorfall meldete. -Tür dieses wackere Verhalten wurde der kleine Held mit der silbernen Tavferkeitsmedaille 2. Klasse ausgezeichnet. Vor einiger Zeit kam er nach Wien und befindet sich gegenwärtig in der k. k. Monturwerkstätte, 2. Bezirk. Novaragasse Nr. 28, wo er mit der nächsten Marschkompagnie wieder ins Feld abrückeu wird. Von Ooh und JFnu ~ Der Vorsitzende der Reprüsentantenverfammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Herr Direktor Dr. G. Minden, beabsichtigt, zur Erinnerung an die Gründung des Vereins für Volkskunde in Berlin vor 25 Jahren künstlerische Auszeichnungen zu stiften, die für hervorragende Verdienste um die Wissenschaft der Volkskunde von Zeit zu Zeit durch den Verein für Volkskunde und das Museum für deutsche Volkskunde in Berlin verliehen werden können. - Geheimer Mediuualrat Professor Tr. Adolf Baginskh, Direktor des Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Kiuderkrankenhauses zu Berlin, beging anx 7. d. Bi. das goldene Doktorjubilnum. Geheimrat Baginskv gehörte eine Zeittana der Reprüsentantenversarnmlnng der jüdischen Gemeinde an. Die kürzlich im 79. Lebensjahre verstorbene Frau Kommerzienrat Julie G e r s o u - L i e b e r m a u u, die Gattin des sebon vor längeren Jahren verstorbenen Kouxmerzienrats Julius Gerson, Hirt ihr gesamtes Vermögen in Höhe von 3 Millionen Mark für wohltätige Zwecke bestinxmt. Ein größerer Teil fällt der Berliner jüdischen Gemeinde zu, in deren Ehrendienst die Verstorbene vier Jahrzehnte lang tätig war. — Die Leinenweberei Julius B e n d i r Söhne, Berlin. -Friedland und Schömberg in Schlesien und Qualisch in Böhmen, stiftete 100 900 M., ans deren Zinken technische und kaufmännische Angestellte und deren Familien unterstützt werden sollen. --- Wie „Der Konfektionär" mitteilt, wurde dieser Tage das Testament Moritz Manheim er s eröffnet, der sein gesamtes Vermögen für 42 Stiftungen und Legate ausgesetzt hat. Das Testament selbst tritt erst nach Ableben der Witwe in Kraft, die als Universalerbin eingesetzt ist. Schon zu seinen Lebzeiten hat Moritz Mmcheimer 3 Millionen Mark wohltätigen Zwecken zugeführt; trotzdem bleibt jedoch noch ein sehr beträchtliches Vermögen übrig, zu dem auch das wertvolle Grundstück in der Tiergartenstrabe 5a gehört. Am 1. Mai hätte Moritz Manheimer seinen 90. Geburtstag begehen köxxnen. Anläßlich dieses Tages wurden gemäß einer letztwilligen Verfügung des Verstorbenen seiner Geburtsstadt Gommern wie auch der Stadt Berlin namhafte Summen zur Fürsorge für Arme ohne Unterschied der Konfession überwiesen. — Zur Regelung der Anstell ll n g s v erh ä l t n i ss e de r R el i g i o n s l ehr ex hat der Verband der Deutschen Juden eine Kommission eingesetzt, der je drei Mitglieder des Verbandes der Deutschen Juden, des Gemeindebundes und des Lehrerverbaudes angehören. Die Kommission hielt am 26. April ihre erste Sitzxmg ab. -- Zur Wiederaufrichtung des Lebens der jüdischen Genxe i nd en Ostpreußens findet nächster Tage in Königsberg eixxe Konferenz statt, wozu Vertreter des Jüdischen Frauenbundes mit den Vorständen der Königsberger jüdischen Frauenvereine und Damen ans der Provinz zusammentreten. — Der bekannte Editor der „Tosefta", Rabbiner Dr. M. S. Zucker mandel in Breslau, beging am 24. v. M. feinen 80. Geburtstag. Wir entbieten dem greisen Jubilar nachträglich unsere herzlichsten Glückwünsche. — Aus Dortmund wird berichtet: Aus Anlaß des 25jährigen Amtsjubiläums des Rabbiners Dr. Jacob fand am 24. v. M. ein Festgottesdienst in der reich mit Blumen geschmückten Synagoge statt. Die Festpredigt hielt Herr Rabbiner Dr. Samuel aus Essen. Er feierte seinen Kollegen in warm empfundenen begeisterten Worten. Herr Dr. Jacob hielt daraus eine in ihrer Schlichtheit ergreifende kurze Ansprache. In seiner Wohnung fand sich darauf eine große Anzahl Glückwünschender Zusammen. Dort nahm der Jubilar auch die Wünsche verschiedener Vereine durch den Mund ihrer Vertreter ent. gegen. — In vielen deutschen Gemeinden wurden während der Pessachfeiertage Sammlungen zugunsten Palästinas veranstaltet. Sämtliche Spenden in den Synagogen waren nur für das Heilige Land bestimmt. Die Summen, die sich hieraus ergeben werden, dürften beträchtlich sein und werden der Deutsch-holländischen Palüstinaverwaltung zugeführt. — Kaiser Franz Joses hat in Schönbrunn eine unter Führung des Landeschefs für Bosnien und die Herzegowina Geheimen Rates Stephan von Sarkotic stehende Huldigungsdeputation ans Bosnien und der Herzegowina in Axxdienz empfangen. Zu dieser Deputation gehörten auch der Oberrabbiner der österreichisch-ungarischen Kultusgemeinde in Sarajevo, Dr. Samuel Weszel, und der Rabbiner der israelitisch-sevhard-ischen Kultusgemeinde in Sarajevo, Dr. Moritz L e v h. - Der Kaiser von Oesterreich hat dem Oberleutnant d. R. Eugen Freiherrn v. Rothschild, Dragonerregiment, für tapferes Verhalten vordem Feinde das silberne Signum landis am Bande des Militärverdienstkreuzes verliehen. Freiherr v. Rothschild war schon vorher mit dem bronzenen Signum laudis ausgezeichnet worden. — In Galizien sind während des Einfalles der Russen 50 000 jüdische Häuser zerstört, 20 000 Inden verschleppt worden. 15 000 Waisenkinder sind ohne Schutz und Heim geblieben. — Aus Frankreich wird der Tod des Generalarztes Jules Aar o n ge meldet, der im Alter von 86 Jahren in Paris gestorben ist. Er war dcr Sohn des ehemaligen Großrabbiners von Straßbnrg. — In jüngster Zeit fanden in Rußland drei wichtige Kongresse statt, ein Kongreß des kriegsindnstriellen Konxitees, ein Kongreß des Städte- Verbandes und ein solcher des Senxstwo-Verbandes. Sämtliche Tagungen sprachen sich in ihren Beschlüssen entschieden zugunsten der jüdischen Gleichberechtigung aus. —- Aus New Uork wird geschrieben: Der Jüdische Hilfsbasar in New Pork war bestimmt, die Sammlungen für die infolge des Krieges notleidenden Juden in Osteuropa zn verwenden, die berens drei Millionen Dollar eingebracht haben Auf dem Hilfsbasar erschien auch Roosevelt und hielt eine Rede in der er dem Zweck des Basars seine Anerkennung zollte. Roosevel: belobte die Juden, daß sie ihren europäischen Glaubensgenosse! große Teilnahme zeigten. Keine Nation dürfe mit Recht erwarten, daß sie sich großen Glückes und eines immer anschwellenden Reichtums auf unbeschränkte Zeit erfreuen könne, ohne dafür Nechnnxxg nblegei zu müssen. Auch das amerikanische Volk xnüsse seine Prosperität mi jenen teilen, die in Not seien, wenn es fein eigenes Recht daran behaupten wolle. Nach dieser Rede, die mit unendlicheux Beifall ans genommen wurde, nxachte Roosevelt einen Ruxxdgang durch die Säll und stieß dabei auf einen fünfjährigen Jungen, der ein kleines deutsches Fähnchen an die Brust geheftet trug. Roosevelt vergaß sich so weit, ihn darob zur Rede zu stellen, obgleich ihn das doch nicht das mindeste anging. Herrisch fuhr er ihn an: ,>Jch denke, daß dieser Platz ein neutraler Boden ist," worauf der Junge die treffende Antwort gab: „Der Platz schon, aber rächt ich." Erzürnt drehte Roosevelt sich um und ging weiter. Der Knabe hat dem polternden Wüterich, ans den die deutschen Farben wie ein rotes Txlch auf einen Büffet wirkten, eine treffliche Abfuhr erteilt. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Floraftraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mofse.

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