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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-05-05 · Heft 18 (5.5.1916) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 18 (5.5.1916)
Date
1916-05-05
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 der jüdischen Elementar- und Religionsschulen" an das Kaiserlich Deutsche Polizeipräsidium mit der Anfrage, ob der Unterricht in den Elementarschulen wieder fortgesetzt werden könne. Darauf erhielt der Verein die Antwort, daß vorläufig eine Wiedereröffnung der geschlossenen Elementar- und Religionsschnlen in Anbetracht des Passahfestes nicht in Betracht komme. Es solle erst die Meinung des Kreisarztes gehört werden, woraus eine Entscheidung darüber getroffen wird, unter welchen Bedingungen eine Wiedereröffnung dieser Schulen zugelassen werden kann. — Das Bürgerkomitee unserer Nachbarstadt Konstantinow entwickelt eine energische Tätigkeit, um die Not Zu lindern. Das Komitee besteht aus drei Abteilungen: für Evangelische (Vorsitzende Frau Pastor Schmidt), Katholiken (Vorsitzender Josef S i k o r s k i) und Juden (Vorsitzender D. Guter m a n n). Die drei Abteilungen verteilen wöchentlich 325 Rubel; die Evangelischen erhalten 140K Rubel, die Katholiken 147 Rubel und die Juden 37 Rubel 50 Kopeken. Die Unterstützung für eine Person betrügt 50 Kopeken wöchentlich. Das Geld wird an Stelle von billigen Mittagessen verteilt, die von Februar bis Juni v. I. ausgegeben worden - waren. Das Bürgerkomitee erteilt ferner dem Gemeindehospital, das 25 Betten ausweist, eine monatliche Unterstützung von 200 Rubel. Die Lebensmittelniederlage des Bürgerkomitees versorgt die Stadt mit sämtlichen Gebrauchsartikeln: Kohle und Zucker werden den Einwohnern zu den Höchstpreisen im Kleinhandel verkauft, um Mißbräuchen vorzubeugen. Die Einwohnerzahl beträgt jetzt 6500 Seelen, je 2600 Evangelische und Katholiken und 1300 Juden. Das Schulwesen ist das gleiche wie vor dem Kriege. Es bestehen drei evangelische, drei katholische und eine jüdische Schule, die von 500 Kindern beiderlei Geschlechts besucht werden. Die jüdische billige Küche verabfolgt 130 Mittagessen täglich. Von Ash und ffrrn. — Bon einem schweren Unfall ist am 27. v. M. der Sanitätsrat Dr. Max Edel aus Charlottenburg betroffen worden. Dr. Edel, leitender Arzt der bekannten Heilanstalt für 'Nervenkranke in der Berliner Straße 15' in Charlottenburg, sprang vor dem genannten Hause vom Hinterperron des Triebwagens eines Zuges der Linie II während der Fahrt ab, kam dabei zu Fall und geriet mit dem linken Fuß unter den Beiwagen, dessen Näder den Unterschenkel zermalmten. Der Verunglückte wurde nach dem Krankenhause Westend gebracht, wo ihm der verletzte Fuß bis zum Kniegelenk abgenommen werden mußte. — lieber das Religionsbekenntnis der Berliner Gemeindeschulkinder enthalten die neuesten amtlichen Ermittelungen über das Berliner Gemeindeschulwesen nachstehende bemerkenswerte Angaben. Ben den im Schuljahr 1914/15 die Berliner Gemeindeschulen besuchenden 226 4 71 Schulkindern waren 195 452 evangelisch, 25 333 katholisch, 4445 jüdisch, 1191 gehörten anderen Religionsgemeinschaften an. Gegenüber den Vorjahren hat sich die Zahl der evangelischen und anderen Religionsgemeinschaften angehörenden Kinder etwas verringert, während die Zahl der katholischen und jüdischen Schüler zu genommen hat. — Die Pen fi o n s - u n d H i l f sk a s s e f it r d i e Beamten der S y n a g o g e n g e in ein b c rt C st Preußens (selbständige Pensionskasse im Sinne $ 365 des Angestelltenversichernngsgesetzes) hat ihren Pensionären eine K r i e g s t e u e r u n g s z u l a g e von 15 Mark monatlich gewährt. - - In Beuchen steht die Neubesetzung der durch den Tod des Zweiten Rabbiners Nischkowsky vakant gewordenen Stelle unmittelbar bevor. Am Sabbat der Festwoche hielt Herr Rabbinatskandidat Dr. E r a ca ne r aus Breslau je eine Gastpredigt im kleinen und großen Tempel. Aus Schneidemühl wird uns geschrieben: Zum vierten Male sendet ein ehemaliger Einwohner Schneidemühls, der schon seit längerer Zeit in Amerika ansässig ist, Felix Sommerfeld, der Bruder des hiesigen Kaufmanns Herrn Siegfried Sommerfeld, einen größeren Geldbetrag, diesesmal 1500 Mark, zur Verwendung für Waisen und Witwen gefallener Krieger und für notleidende aus dem Kriege zurückgekehrte Kriegsbeschädigte. Aus diesen Summen konnte bereits zu Weihnachten 1914 und 1915 und ebenso zu Ostern 1915 so manche Not gelindert werden, und auch zu dem diesmaligen Osterfeste wurde vielen eine Freude bereitet. — Kaufmann Aron P a c y n a in Pudewitz wurde als zweiter Vorsteher der jüdischen Ge ine in de für die Dauer von sechs Jahren gewählt; ferner Kaufmann Emanuel Gumpel als dritter Vorsteher für weitere sechs Jahre. — Durch den Tod des Kaufmanns Joseph F r ey e r hat die Shnagogengemeinde Schwersenz ein bewährtes Mitglied verloren. Bei der Beerdigung zeugte die große Anteilnahme von der Beliebtheit dieses Dahingeschiedenen. Herr Gemeinderabbiner Dr. M. L e w i n in Wreschen hielt die Leichenrede und schilderte in beredten Worten den Lebenslauf des Mannes. — Exzellenz v. S t e i n , kommandierender General eines Reservekorps, hat dem im Westen amtierenden Armeerabbiner Dr. Emil Levy ans zur Verfügung stehenden Mitteln 306 Mark für jüdische Soldaten des Korps zur freien Berwendung überweisen lassen. — Aus Budapest lvird berichtet: Rabbiner Dr. Hevesi schreibt im „Egh-g." über die von den russisch-jüdischen Kriegsgefangenen des Somorjaer Lagers herausgegebene lithographierte Zeitschrift: „Der jüdische Kriegsgefangene." Es ist eine im blauen Hestband erscheinende, mit Zeichnungen und Ornamenten reichlich illustrierte, lebhaft redigierte Zeitung. Herausgeber ist die „Bibliothek. Gesellschaft für die jüdischen Kriegsgefangenen in Somorja (Ungarn)". Ihren Inhalt bilden Gedichte, Feuilleton, Abhandlungen, Kriegsfchildernngen, Stimmungsvolle Beschreibungen, Skizzen usw. Tie 780 jüdischen Gefangenen bilden mit ihrem Kulturstreben eine eigenartige Spezies des 20 000 Personen umfassenden Lagers, und ihre Bewegnngsmöglichkeit ist der untrügliche Kultur Messer des österreichisch-ungarischen Staates, der ihnen mit der größten Nachsicht begegnet. Sie haben in eigener Verwaltung eine Chewra Kaddischa, Synagoge, Bibliothek, Theater. Literaturverein und Zeitschrift. Gelang, Kunst und Lernen werden von ihnen gepflegt. - In Rumänien haben in den letzten Wochen jüdische Familien, deren Väter und Söhne bereits zmn Heere eingezogen sind, den Befehl erhalten, binnen drei Tagen Haus und Gut zu verlassen. Umsonst haben sie sich bemüht, die Ungerechtigkeit dieser Verfügung nachznweisen. Tie von ihnen verlangten Führungszeugnisse der Behörden des Dorfes, in dem sie früher gewohnt haben, sind in den seltensten Fällen zu erlangen, so daß auf Grund dieser Verfügung wieder viele rumänische Juden heimatlos werden. — Seit etwa drei Monaten erscheint in Warschau in jüdischer Sprache die wöchentliche Arbeiterzeitung „Lebensfragen". Neben Artikeln über theoretische und politische Fragen enthalten die bisher erschienenen Nummern recht interessantes Material aus der Arbeiterbewegung in Warschau, Lodz und anderen Städten Polens und Litauens. Für den organisatorischen Zusammenschluß der jüdischen Arbeiterschaft in diesen Gebieten dürfte das Blatt von großer Bedeutung sein. — Soeben ist der „Wilnaer Zeitung" zufolge eine Verordnung in Kraft getreten, der zufolge alle arbeitsfähigen M (inner i m A l t e r von 15 bis 69 I a h reu, die im Verwaltnngsgebiet des Oberbefehlshabers Ost einen Wohnsitz haben oder sich daselbst des Erwerbes wegen aufhalten, einer Kopfsteuer unterliegen. Für das Steuerjahr 1916, das den Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Dezember umfaßt, beträgt die Kopfsteuer 6 Mark, für die späteren Jahre 8 Mark für jedes Steuerjahr. Tie Steuer wird in vierteljährlichen Teilbeträgen im voraus am 1. Januar, 1. April, 1. Juli und 1. Oktober des Jahres erhoben. Für das Steuerjahr 1916 ist die Kopfsteiler am 1. Jul: und am 1. Oktober in Teilbeträgen von je 3 Mark zu entrichten Nach näheren Anordnungen durch den Verwaltnngschef kann die Kreisbehörde für einzelne kopsstenerpslichtige Personen oder für bestimmte Klassen von ihnen eine höhere als die oben erwähnte Kopfsteuer festseßen, ebenso sind die Kreisbehörden befugt, mit Einwilligung des Verwaltungschefs zur Deckung der den Kreisen, Städten, Amtsbezirken und Gemeinden obliegenden Ausgaben die Erhebung von Zuschlägen anzuordnen. — „Jewish Chronicle" meldet: Am Sonntag, den 26. März, und an ben beiden folgenden Tagen wurde in Philadelphia eine Vorkonferenz für den amerikanisch-jüdischen Kongreß abgehalten. Sie war von 400 Delegierten 300 verschiedener Organisationen in 28 Staaten besucht. Tie Konferenz beschloß, einen Kongreß amerikanischer Juden nicht später als für Dezember 1916 einzuberufen. Der Kongreß soll aus demokratischer Basis organisiert worden linb feine Plattform soll die Forderung der Emanzipation von Juden überall dort, wo sie unterdrückt sind, und ihre Anerkennung als einer nationalen Einheit in den Nationalitätenstaaten fein. Es herrscht die Ansicht, daß das ^merieun Jewish Commitee sich anschließen und daß der Kongreß somit die Gesamtheit der amerikanischen Judenheit repräsentieren wird. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: MaxJunge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe.

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