Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1916)
- Date
- 1916-04-28
- Page
- Seite 199 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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199 chriften. So schreibt I. C. Adelung an Engel, 23. Dezember! '80: „Herrn Mendelssohns Schrift (vielleicht Uebersetzung von i ousseau) sende Ihnen mit dem verbindlichsten Danke wieder irück, und seine mehrmalige Uebereinstimmung mit seinen oeen vermehrt bei mir das gute Vorurteil bei den letzteren, elche Ihre Gütigkeit mir beigebracht hat. Ich wünschte, daß; sein System ausführte und dessen Richtigkeit in der ebräischen Sprache zeigte." Sehr interessant ist folgende Notiz von Marcus Herz (an tichael Friedlaender in Königsberg, 31. Dezember 1796): Kants Gleichgültigkeit gegen das Leben in seinem hohen lter wundert mich um so mchr, da ihm die Genüsse noch so chr behagen und er das Essen noch sehr liebt. Mendelssohn alle sie gar nicht und war doch jünger und konnte gar nicht erbauen. Er ist in der Tat ein wahrer, konsequenter Welteiser." Einzelnes sehr Merkwürdige enhalten die Briese Wilhelm Humboldts; dieser schreibt an Friedlaender 11. September ' si9: „Vorzüglich freue ich mich, Ihre Schrift über Mendelsohn zu lesen. Alles, was mich an die Zeit, in der er blühte, rinnert, ist mir erfreulich. Wenn er jetzt auch mehr, das ist er natürliche Gang der Dinge, mit sich gebracht hätte, veressen ist, so bleibt das Gute, das er gestiftet, unleugbar." Eine für das Leben Mendelssohns außerordentlich wich-!ge Notiz, die bisher, soviel ich sehe, völlig unbekannt ist, mdet sich in einem Briefe I. G. P. Müchlers an Breitenbauch um 12. April 1756. Sie lautet: „Ich und Herr Moses im vertrauen arbeiten itzo an einer hiesigen berlinischen Wochenchrift „Der Cämäleon" (sie), davon ich Ihnen ein Stück beiegen will." Derselbe schreibt am 23. November 1758 (die Nachricht ist sehr eigentümlich, bedarf aber wohl der Berichtiuing): „Herr Moses ist von seinem Juden (gemeint ist Isaak Bernhard) abgegangen und entsaget dem Handel, lebet wie -pinoza und studiert für sich." Und endlich schreibt der Genannte wiederum an Breitenbauch, 12. Dezember 1765: .Herr Moses lebt vergnügt und ist mit einer artigen, geehrten Jüdin ans Haneburg verheiratet." (Diese Charakteristik der guten Fromet geb. Guggenheim ist merkwürdig genug.) In dieselbe Zeit wie Müchlers Notizen führt ein Brief von Christian Nicolaus Naumann vom 1. März 1756, in dem es heißt: „Seit Ihrer und Herrn Lessings Abwesenheit bin ich hier nicht so glücklich, außer dem braven Herrn Moses einen einzigen Freund zu haben, dem ich mich frei entdecken lönnte . . . Beiläufig muß ich Sie sehr bitten, an den lieben Herrn Moses nur eine Zeile zu schreiben, damit es nicht icheinet, als ob man ihn, der so viel Verdienste und Gründlichkeit hat, nunmehr verachtete, da er hier gut genug war, unser Freund zu heißen." Elise v. d. Recke schreibt an D. Friedlaender am 29. September 1824: „Täglich habe ich in Gedanken zu Ihnen, lieber Freund, gesprochen, mich immer nach einer mündlichen Unterredung gesehnt, und wenn ich zu Ihrem und unseres Mendelssohns Bildnisse hinausblickte, den Wunsch gehegt, daß Sie sich doch entschließen möchten, noch das Leben dieses edlen Weltweisen zu schreiben." Den Schluß dieser Mendelssohniana mag eine Bemerkung von I. A. H. Reimarus an Friedrich Nicolai vom 30. Januar >786 machen: „Unser Moses hat dann auch noch des Glaubens halber von Lavatern, Michaelis und Jacobi leiden müssen, und diese Kränkung kann doch wohl seine schwache Gesundheit noch mehr heruntergebracht haben. Er war nicht älter als ich: ich mußte ihn als Philosophen, als trefflichen Menschen und als Freund schätzen und habe noch zuletzt über einige ernsthafte Gegenstände einen sehr angenehmen Briefwechsel geführt, da ich ihn als eine vortreffliche Stütze der Wahrheitsforschung ansahe." Sehr schön schreibt Nicolovius an David Friedlaender über Mendelssohn am 25. Mai 1814. Friedlaender hatte dem Staatsmann die neue Ausgabe von Mendelssohn „Phädvn" geschickt und dieser fügt seinem Dank die Worte hinzu: „Wenn meine erste Freude aus der Ueberzeugung entsprang, daß die Nachfrage nach dieser Schrift ein untrüglicher Beweis unserer Rückkehr von vielfachen Jrrpfaden zu den Quellen echter Weisheit sei, so müßte die jene Ueberzeugung bestätigende Stimme eines so feinen und ruhigen Beobachters mir sehr willkommen sein und mich zu sehr schönen Hoffnungen für die Zukunft erheben." Von David Friedlaender sind nur verhältnismäßig wenig Briefe vorhanden: einer an den Generalmajor v. Schölten und die schon längst bekannten Briese an Goethe, mit denen der Berliner Stadtrat dem großen Weimarer Sammler Antiken übersandte und dafür nicht vollwertige Gegenstände empfing. Aber die Fülle der an Friedlaender gerichteten und irr unserem Katalog größtenteils abgedruckben Schreiben ist fast unübersehbar. Von Bedeutenderen seien nur folgende genannt: Adelung, Beyme, Völliger, F. v. Bülow, Dohm, I. G. Eichhorn, I. I. Engel, Eschenburg, Göcking, Alexander und Wilhelm v. Humboldt, Kunth, Kircheisen, Klewitz, Merkel, Nicolovius, Elisabeth v. d. Recke, E. F. Schinkel, Schölten, Freiherr v. Schuckmann, Zelter. So interessant auch alle diese Briefe find — die Engels zeichnen sich durch besondere Zärtlichkeit aus —, so seien nur einige besonders wichtige hier hervorgehoben, wobei das Jüdische natürlich in erster Linie stehe. Nur einer von allgemeinem Interesse sei hier erwähnt. Unmittelbar nach Goethes Tode hatte Friedlaender dem Berliner Vertrautesten des Altmeisters, dem Musiker Zelter, sein Beileid ausgesprochen und empfing von dem Genannten eine Antwort, in der es hieß: „Ich bin gesund, lieber Freund, und muß wie jeder andere tragen, was aufgeladen wird. Sie sind alt genug, um zu verstehen, was ich sagen kann. Sie haben Ihre Frau verloren und mir ist mein Mann gestorben. Bisher war ich 36 Meilen von ihm entfernt, nun kvnuue ich ihm mit jedem Tage näher, und er wird mir nicht entwischen. Sv habe jeder seinen Schmerz, und ich soll den ineinen Haben." Von ganz eminenter Wichtigkeit sind die Briefe, in welchen jüdische Verhältnisse erwähnt werden. Nach dem Edikt vom 8. März 1812 beschäftigten sich die Berliner Aeltesten, speziell Friedlaender, mit der Reform des Gottesdienstes. Friedlaender hatte diesem Gegenstände eine bekannte Schrift gewidmet; er schickte sie an verschiedene Staatsmänner und erhielt darüber bemerkenswerte Antworten. Eine der wichtigsten ist die des vielgenannten Grvßkanzlers Beyme, die hier in ihrem ganzen Wortlaut folgen muß: Steglitz, 9. November 1812. „Euer Wohlgeboren haben mich durch die gütige Mitteilung Ihrer Abhandlung über die notwendige Umformung des Gottesdienstes und des Unterrichts der Juden einen neuen höchst schätzbaren Beweis Ihrer Achtung gegeben, der, wenn es möglich wäre, meine gegenseitige Achtung noch vermehren würde. Empfangen Sie dafür meinen herzlichen Dank, den ich Ihnen aber noch mit größerer Wärme für die Sache selbst abstatte, worin Sie, würdiger Mann, sich Ihrer verewigten Freunde, Lessings, Moses Mendelssohns und Engels und Ihrer selbst würdig bewiesen haben. Hierin liegt schon mein Geständnis, daß ich Ihnen vollkommen in allem Beifall gebe, sowohl in Ansehung des Zwecks als der vorgeschlagcneu Mittel. Ein Hauptpunkt, worauf es meines Erachtens bei der Verbesserung des Gottesdienstes in der Synagoge ankommt, i ist die Eigenheit der jüdischen Nation, daß sich bei derselben