Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1916)
- Date
- 1916-03-24
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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in seiner Begründung, daß mit aller Strenge dem Denunziantentnm begegnet werden müsse, welches gerade in dieser Kviegszeit so mancherlei schweres Unglück über einzelne Familien gebracht habe iuti> in dem hier anhängigen Falle sehr leicht einem ehrbaren Mannes verhängnisvoll werden konnte. Polen. Z. Lodz, 17. März. Der B e r e i-n z u r U n terstütz u n g > rtrmer kranker Jude n „Linas Hazedek" hielt vor kurzem eine Versammlung ab in Sachen der Gründung einer billigen Lebensmittelverkanfsstelle für die Ntitglieder und Pfleger des Vereins. Ueber die Tätigkeit des Vereins wurde folgendes berichtet: Der Verein ' unterhält ein Ambulatorium, in welchem im Februar 890 Personen umsonst ärztlich behandelt wurden; die Aerzte des Vereins statteten 242 Krankenbesuche ab. Er verabfolgte unentgeltliche Arzneien rmd besorgte den Kranken unentgeltliche Pfleger. Bis Ansbruch des Krieges unterhielt der Verein eine ärztliche Unfallrettungsstation, die demnächst wieder ihre Tätigkeit aufnehmen soll. Ilm. die dazu nötigen Mittel aufzutreiben, veranstaltete der Verein in den letzten Tagen zwei Konzerte des Warschauer Kantors S i r o t a. Dem Verein gehören jetzt etwa 3000 Mitglieder an. In der Versammlung wurde beschlossen, eine Lebensunttelver,kaufsstelle zu gründen. Sie wird sich im Vereinslokale, Ziegelstraße Nr. 56, befinden und von einem be- - sonderen Vorstand verwaltet werden. — Der Hilfsverein „Ezro" entfaltet eine rege Tätigkeit. So gründete er letztens einen Allsschuß zur Bekämpfung der ansteckenden Krankheiten:, an dessen Spitze bekannte Lodzer Aerzte stehen. Ter Ausschuß ist mit der Gesuirdheitsdeputation. in Verbindung getreten. — Im Feldzuge 1914 haben die Russen in unserer Nachbarstadt Brzesin 13 Juden erschossen und 20 Juden als Geiseln der jüdischen Einwohnerschaft mitgenommen. Als Warschau erobert war, erfuhr man, daß die Geiseln im Motokower Gefängnis eingeschlossen waren und beim Abzug der Russen nach Rußland verschleppt waren. Jetzt kanr von einem Verschleppten durch das neutrale Ausland die erste Nachricht, in dem er mitteilt, daß alle auf Veranlassung der Petersburger jüdischen Vorsteher freigelassen sind und in Rostow sich befinden. — Der Gutsbesitzer Anton Gurski hat wieder 340 Mark für die kriegsnotleidenden Juden gespendet. — Ter verstorbelre Rabbiner F e i n k i n d hat in seinem Testament eine Summe für hiesige Gelehrte hinterlassen. — Mit Erlaubnis des Lodzer Militärgonvernements ist ein russischer Soldat, Gerscha B a s ch k u r, der im Feldzüge bei Brzesin fiel, - auf dem dortigen jüdischen Friedhof beerdigt worden. Von MH und Fern. =-= Am Sonntag, den 9. 2bprit d. I., vormittags 1134 Uhr findet in den Räumen der Gesellschaft der Freunde, Potsdamer Straße 9, die ordentliche Generalversammlung des Hi tfs Vereins der d e ll t scheu Juden statt, 31t der die Mitglieder eingeladen werden. - Dem Oberarzt d. R. Dr. Julius S i m 0 n wurde das Hamburger Hanseatenkreuz verliehen. — Die Wahl des Kaufmanns Max Z i m m t als K v rpo ra ti aus vorsteh er imb des Kämmereikassenr-endanten Raphael Di e u s t a g als Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde zu Schrimm für die Zeit bis Ende März 1921 ist vom Regierungspräsidenten in Posen bestätigt worden. — Aus Prenzlau wird geschrieben: Am 6. d. M. ist hier Herr Moritz Lieb recht sanft verschieden. Lange Jahre wirkte er als Repräsentanten- und Synagogenvorsteher und war wie kein anderer für dieses Ehrenamt geeignet. Er verband jüdisches Wissen mit religiöser Gewissenhaftigkeit und Festigkeit. Weit über die. Greuzen unserer Provinz ist er aber durch seine mustergültige Gastfreundschaft bekannt geworden. Eine große Trauerversammlung folgte seiner Bahre, imb der Gemeinderabbiner, Herr Dr. B ä h r gab der schmerzlichen Trauer der Gemeinde beredten Ausdruck. — Zn Ehren des Andenkens Gottfried Senders wurde der Reinertrag von 500 Mark ans dem Verkauf des Leutnant Sender- Büchleins (Verlag M. Glogan jr. in Hamburg) den: Reserveinfanterieregiment Nr. 24 für seine Kriegsinvaliden gespendet. — In der Gemeindevertreterwahl der hochdeutschen Jsraelitengemeinde zu Altona, die vor einigen Tagen stattsand, wurde Herr Julius Holl and e r zum Mitglied des Vorstandes, Herr Dr. Julius Jonas zum Gemeindevertreter loieder gewählt. — Die zehn Schüler der ersten Klasse der Höheren Israelitischen Schule zu Leipzig wurden vom Kultusministerium in diesem Jahre der fünften städtischen Realschule zur Ablegung der Einjährig-Freiwilligenprüfuug Angewiesen. Sämtliche Examinanden haben die Prüfung gut bestarrdem — In Künstler (Westfalen) ist Herr Siegfried Feldes, der Vorsitzende des Kuratoriums des dortigen israelitischen Lehrerseminars (Marks- Heindorfsche Stiftung) verschieden. —- Am 1. April >d. I. begeht Herr Oberrabbiner Dr. Baßfreund das 25jährige Jubiläum seiner Amtstätigkeit in Trier. — Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Der Arbeitsnachweis der Weiblichen Fürsorge für israelitische Frauen und Mädchen hat trotz der Kriegszeit eine solche Entwicklung genornuven, daß die Geschäftsstelle eine Erweiterung erfahren mußte. Sie befindet sich seit denr 15. Januar Laugestraße 30, II, Telephon Hansa 3425, Geschäftsstunden 9A bis 1134, 234 bis 5 Uhr. — In der alten Synagoge der Israelitischen Männerkraukenkasse, Börneplatz 10, die aus ein ehrwürdiges Alter von etwa 300 Jahren zurücksieht, wurden innere Renovier arbeiten ausgeführt. Sehr sehenswert ist eine Malerei an der Decke, die einen alten Juden am Folianten darstellt, sowie in frohen Färber: blinkende Möge:: David-Sterne. Die Knnstarbeit ist vom Malerrmd Weißbindernreister Joses Meier (Vrlbelerstraße 25) ausgeführt. — Aus Wien wird uns geschrieben: Gegenüber der Nieldung reichsdeutscher Tageblätter, daß der Frankfurter Rabbiner Dr. Artur Nobel als Oberrabbiner von Wien au Stelle Dr. Güdemanns berufen wurde, fei bemerkt, daß diese Nachricht iur gegenwärtigeil Stadium zumindest verfrüht ist. Herr Dr. Nobel hat zwar eine Bersung aus Wien erhalten, aber nicht als Oberrabbiner, sondern zur Fühlungnahme mit den maßgebenden Faktoren der Gemeinde. Ob diese Berufung zu einem festen. Engagement führen wird, ist zur Zeit noch fraglich. Jedenfalls ist das Kesseltreiben gewisser Kreise gegen Dr. Nobel ebenso ungerecht als verwerflich, jedenfalls stark verfrüht. — Herr I. Merson, Sohn des Oberkantors S. Merson, Stuhlweißenburg, ein 18jühriger Pianist, hat durch sein in Wien im Konzerthaussaale veranstaltetes Konzert Aufsehen erregt. Der hochbegabte junge Pianist hat die Budapester Akademie mit Auszeichnung absolviert. Dem jungen Künstler wurde bereits die hohe Ehre zuteil, im Hause der durchlauchtigsten Frau Prinzessin Erzherzogin Elisabeth, ferner bei Seiner k. u. k. Hoheit Erzherzog Joseph zu konzertieren. — Den Juden in Neugriechenland ist jetzt noch die Gleichberechtigung, verliehen worden. Damit sind sie der griechischen Dienstpflicht unterworfen. — In Petersburg starb Professor E. W. Pawlow, der angesehenste Chirurg Rußlands, im Alter von 71 Jahren. Pawlow, der auch den Titel eines Leibarztes des Zaren führte, trat im Kiewer Ritualmordprozeß im Jahre 1913 als Sachverständiger der Verteidigung aus; rücksichtsloses Eintreten für die Wahrheit machte ihn damals in ganz Rußland volkstümlich. — In Lublin erscheinen keine jüdischen Zeitungen, darum geben die jüdische literarische Gesellschaft und der jüdische Turnverein eine lebendige Zeitung heraus. Die „Redaktion" und die „Leser" versammeln sich allabendlich in einem Saale; dort werden von den Mitgliedern der „Redaktion" politische und wirtschaftliche Artikel, Feuilletons, Depeschen usw. vor> gelesen. Einmal wöchentlich.gibt die „Redaktion" in derselben Weise eine humoristische Wochenschrift heraus. — In Warschau treffen sich die jüdischen Soldaten regelmäßig Sonnabend abend 8 34 Uhr in der Bar Angielsky, Rymarska 7, zu kameradschaftlichen Zusmnmenkünsteu unter Leitung des Herrn Rabbiners Dr. A. L e v y. Es werden dabei in zwangloser Weise aktuelle Frager: des jüdischen Lebens besprochen. Jüdische Soldaten, die sich dauernd oder vorübergehend in Warschau aufhalten, Werder: aus diese Veranstaltung aufmerksam gemacht. — Zur Bekämpfung der epidemischen Krankheiten wurde in Kutno eine jüdische Sanitätsmiliz gegründet. Herr A. S. Elberg hielt einen Vortrag über das Sanitätswesen. Die jüdischen Bürger sammelten für Maßnahmen zur Hebung des Gesundheitswesens der Stadt 4000 Mark. — Der bekannte jüdische Philanthrop Nathan Strauß hat, wie die'New Dorker „Times" rnitteilen, 350 000 Dollar von Longwich aus, wo er sich zurzeit aushält, an das jüdische Hilfskomitee mit der Bestimmung gesandt, daß diese Summe an die armen jüdischen Kinder in Polen verteilt werde. Das ist bis jetzt die größte Spende, die für die kriegsnotl-eidenden Inden von einer Einzelperson gegeben wurde. — Die New Uorker Handelskammer hat in ihrer Sitzung vom 3. Februar den Beschluß gefaßt, solange nicht für ein neues Handelsabkommen mit Rußland zu stimmen, als Rußland nicht die Rechte der amerikanischen Juden anerkennen werde. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mofse.