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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-03-10 · Heft 10 (10.3.1916) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 10 (10.3.1916)
Date
1916-03-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Berlin, 10. März 1916 0. Jahrgang Nr. 10 Allgemeine eitung desAudentums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wöchentlich. A bon nements-pee^s; durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 Nl. — Postscheckkonto 32H. Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor Dr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen fftr Reduktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums*, Berlin SW, Jerusalemer Straße zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. flttflStlf* Dstjuden. Vl.Nl L. (i. — Die Wc> che. — Pros. Dr. William Stern. Von Dr. E M. — Meyerdeers Stammbuch. Von L G. — Noch einmal: #uv Stellung des jüdischen Religionsunterrichts an den höheren Lehranstalten in Preußen. Von Rabbiner Dr. Gelles, Lissa. — Feuilleton: Auge um Auge. Russischer Sozialroman von M. Pulver mann. — Büchereinlauf. — Literarische Mitteilungen. — Sprechsaal. — Berichtigung. Der Gemcin-ebote (Beilage zur »Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Königsberg i. Pr., Posen, Breslau, Hamburg, München, Aus Baden, Warschau. — Von Nah und Fern. Sttjudkn. (F e b x it a x % e f t her „S ü ddeutsche n M o n a t s - Heft c".) s ist höchst anerkennenswert, daß eine Zeitschrift, die man als judenrein zu bezeichnen hat, da weder ihr Verlag ein jüdischer ist noch ihre Redaktion, soweit mir bekannt ist, aus Juden besteht, ein ganzes Heft der Lstjndenfrage widmet. Allerdings sind unter den zur Mitarbeit Ausgeforderten viele, wenn nicht die meisten, ausgesprochene Zionisten, und wenn auch ein Nichtzionist, wie der treffliche Eugen Fuchs, zu Worte kommt, so hat er nur über die „Indischen Organisationen Deutschlands" zu handeln. Jedenfalls wird von vielen Gutes und Verständiges gesagt und manches zur Aufklärung des schwierigen Problems beigebracht. Es ist hier natürlich nicht möglich, auf jeden einzelnen Aufsatz einzugehen. Ausgeschlossen von der folgenden Besprechung bleiben daher einige Anekdoten, Sprichwörter und kleine Novellen, die nicht übermäßig viel bedeuten. Im Anschluß daran sei erwähnt, daß manche Aufsätze sich mit Literatur beschäftigen. Raphael Seligmanns Plauderei „Die jüdische Kleinstadt und die jiddische Literatur" gibt eine Uebersicht der Prosaschilderungen durch Abramowitsch, Perez, Schalom Aleichem und andere, denen als ein neuer, aber noch nicht ausgeglichener Schriftsteller, Nistor hinzugefügt wird. Der Verfasser setzt außerordentliche Hoffnungen auf die Entwickelung dieser jiddischen Literatur und meint geradezu, daß in ihr „die Behandlung geistiger, dem Schoße des jüdischen Lebens entsprungene Probleme" mit"' einer Urwüchsigkeit erfolgen werde, die in anderen Sprachen schreibende jüdische Dichter schwerlich erreichen können, eine Hoffnung, die wir in keiner Weise zu teilen vermögen. Kart Schwarz berichtet sachlich über die Ostjuden als Künstler, indem er Kunsthandwerk, Stein- und Holzsynagogen betrachtet und zuletzt jüdische Künstler der Gegenwart zusammenstellt. Julius Hirsch, der seine Anschauung auch in unserem Blatte entwickelt hat, behandelt das wirtschaftliche Leben der Juden in Polen, zeigt, wie die Hausindustrie, welche bei ihnen hauptsächlich gepflegt war, durch den Krieg zerstört wurde, daß jetzt durch wohltätige Maßregeln manches gewandelt worden, daß aber die wichtigste Parole für die Zukunft „Arbeitsgelegenheit" heißen müsse. Was Alexander I. Tnroff über die jüdische Landwirtschaft in Rußland zu sagen hat, ist außer einem historischen Rückblick ein Hinweis darauf, daß die meisten jüdischen Landwirte durch ihre Landknappheit gezwungen sind, möglichst großen Vorteil aus ihrem minimalen Besitze zu ziehen, daß Tausende von Familien (freilich nur iVA Prozent der Juden in Rußland) mit ihrer Hände Arbeit der Landwirtschaft dienen, daß allerdings daneben eine ziemliche Anzahl von Inden als Großbauern zu betrachten sind. Tnroff schließt seine Betrachtung mit den Worten, die zugleich die Unmöglichkeit der Ausführung seiner gutgemeinten Ansicht dartun: „Die Rückkehr der Juden zur Landwirtschaft kann am besten in Rußland selbst erfolgen. Freilich müßte vorher jenen geborenen Unterdrückern, den russischen Tschinowiks samt ihren Großherren in Petersburg, die Macht entzogen werden, die Menschen zu verfolgen und zu bedrücken und ehrliche Leute zu verhindern, in freier Arbeit den Boden zu pflegen und zuin Lohn dafür Brot für sich und die Ihrigen ans ihm zu holen." Adolf Friedemann sieht in seinem Aussatz „Tie Bedeutung der Lstjuden für Deutschland" in dem Lstjnden den Mittler des deutschen Gedankens, meint trotzdem, man müsse Polonisierungsebenso wie Germanisiernngstendenzen vermeiden, aber deutsche Gesinnung in diesen Ostjuden stärken. Ta nun viele, wie er behauptet, nach Deutschland auszuwandern gedenken (das wird von anderen Kennern der Verhältnisse jedoch stark bestritten), so will er einer Ausnahmegesetzgebung in keiner Weise das Wort reden, sondern sieht das einzige Hilfsmittel in der Ueberleitung der Inden vom Handel zum Gartenbau, Landwirtschaft, Heimarbeit im weitesten Umfange. Die Einwanderungbeschränknng der Juden in Ostpreußen wird von Bodenheimer beleuchtet. Er schließt sich den Forderungen von Wolfgang Heine an, die so lauten: „Die von unseren Gegnern so gern gespielte dankbare Rolle des Anwalts der Völker sollte auch Deutschland liegen. Das weite russische Reich mit seinen ungehobenen Bodenschätzen und seinem außerordentlich schnell wachsenden Wohlstand müßte den durch Geschäftsgewandtheit, Bildung, Tatkraft und Weltanschauung der heimatlichen Bevölkerung überlegenen Juden als ideales Ausbeutungsfeld erscheinen, wenn sie von ihren lästigen Fesseln gelöst werden. Besäßen sie wirtschaftlich unbeschränkte Freizügigkeit und Gewerbefreiheit, dann würden sie wohl sagen: „ubi bene, ibi patria“, und im Lande bleiben." Er erklärt, daß eine Gefahr der Masseneinwanderung kaum bestehe, wenn eben das Deutsche Reich der Ueberführung der Juden zur Industrie und Landwirtschaft sein Interesse zuwende. Das Charakteristischste in dem Hefte sind die Aufsätze, die mehr oder weniger den Stempel des Zionismus in sich tragen. Nachum Goldmann: „Zur Psychologie der Ostjuden", will diese keineswegs von allen Vorwürfen reinwaschen, gesteht vielmehr

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