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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-02-18 · Heft 7 (18.2.1916) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 7 (18.2.1916)
Date
1916-02-18
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 sind, verköstigt zu werden, um wenigstens einmal am Tage gekochte Speise zu erhalten. Diese Erwägung und die Furcht, daß die Deutschholländische Verwaltung allein nicht imstande sein werde, die bedeutenden Mittel auch nur für das bisher iige Hilfswerk aus die Dauer, zur Verfügung zu stellen, veranlagten Fräulein Dreyfus vor etwa fünf Monaten, nach Aanerika zu reisen, um -dort Helfer zu suchen. Sie erreichte auch, daß ihr das amerikanisch-jüdische Komitee einss'Mouatssubvention von 7500 Frcs. zusagte, von der die erste Rate allerdings bisher noch nicht völlig eingetroffen ist. Doch interessiert sich der amerikanische Konsul jetzt lebhaft für das Werk, das dauernd auf die kräftige Mithilfe Amerikas und Deutschlands, dem ja der Ruhm der Initiative gebührt, angewiesen ist. Von MH und Lern. — Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Hermann Cohen kündigt für das kommende Semester zwei öffentliche und unentgeltliche Vorlesungen an. Die eine wird die Geschichte der griechischen Philosophie vorführen, die in Platon gipfelt und dessen System mit der ihm gebührenden Ausführlichkeit zur Darstellung kommen wird. In der zweiten wird Geheimrat Cohen ausgewühlte Psalmen und Prophetenreden in eigener Uebersetzung und Deutung vortragen, um damit, wie uns geschrieben wird, „dem langgehegten Wunsche sowohl der Studierenden der Philosophie als des religiös interessierten Publikums in Berlin entgegenzukouuuen". Beide Vortragsreihen werdeu im Gebäude der Lehranstalt des Judentums (Artilleriestraße 14) gehalten werden. — Geheimer Sanitätsrat Dr. Gustav Simon- Berliu-Wilmersdorf, Chefarzt eines Lazarettzuges, wurde zum Ober-, stabsarzt befördert und erhielt die Silberne Schnalle zum Eisernen' Kreuz von 1870/71. — Herr Georg Frank, i. F. David u. Co., Mitglied des Aeltestenkollegiums der. Kaufmannschaft von Berlin, hat der Korporation der Kaufmannschaft von Berlin die Summe von 12 000 Mark übersandt zur Begründung einer Stiftung für Witwen und Waisen der hu Kriege gefallenen Kaufleute und Industriellen. Das Aeltesteukollegimn hat diese hochherzige Schenkung mit herzlichem Danke, vorbehaltlich der landesherrlichen Genehmigung, entgegengenommen. — Ter Reue Jüdische G e m e i n d e v e r e i n hat einer größeren 'Anzahl seiner im Felde stehenden Mitglieder das Werk des .Herrn Dozenten Tr. I. W o h l g e m u t h , „Der Weltkrieg im Lichte des Judentums", als Liebesgabe übersandt. Ter Verein ist gern bereit, auch anderen im Felde stehenden Kriegern das Buch zukommen zu lassen. Entsprechende Wünsche werden erbeten an die Adresse des Herrn Rechtsanwalt Dr. Klee, Berlin NW, Altonaer Straße 7. - Aus Anlaß seines 70. Geburtstages ist dein emeritierten Lehrer und Kantor Herrn Bernhard Jacobsohn in Berlin-Friedenau unter vielen anderen auch ein herzliches Glückwunschschreiden vom D. I. G. B. zugegangeu und nicht, wie in dein uns zugegangeiien in Nr. 5 erschienenen Bericht über die Geburtstagsfeier irrtümlich angegeben ist, von der Großloge U. O. B. B. — Der Vorstand der Synagogengemeinde in Königsberg i. Pr. hat dein langjährigen ersten Gemeindesekretär und Rendapten ' Herrn I o s. R osenthal die Amtsbezeichnung „O b e r s e k r e t ä r" verliehen. — Dem Bataillonsarzt Dr. Georg G o hu-Königsberg i. Pr., wurde der bayerische Sanitätsorden verliehen. — Ans Landeck wird berichtet: Die Firma Aron Hirsch u. Sohn, Berlin- Halberstadt, Kupfer- und Messingwerke, stiftete dem hiesigen seiner Vollendung entgegensehenden Kaufmallnserholungsheim für die innere Zimmereinrichtung den namhaften Betrag von 10 000 Mark. — Ans Posen wird uns geschrieben: Unter überaus zahlreicher Beteiligung fand die Beerdigung des auf den: Felde der Ehre gefallenen Unteroffiziers der Linie, Moritz Hirschlik, aus dem hiesigen Friedhofe statt. Mannschaften der Posener Garnison stellten die Leichenparade. Herr Gemeinderabbiner Dr. Freimann hielt die Gedenkrede. Herrn Professor Grotte, Baugewerksschuloberlehrer Hierselbst, ist der Rang der Räte vierter Klasse verliehen worden. — Zum Leutnant der Reserve wurde befördert der Kriegsfreiwillige, Vizefeldwebel in einem Fnßartillerieregiment Tr. Hanns Hirschberg, Sohn des Geheimen Sanitätsrats Dr. Hirschberg, Posen. — Dem Beigeordneten Geheimen Sanitätsrat Tr. Sachs in Schönlanke, Kreis Czarnikau, ist der königliche Kronenorden dritter Klasse verliehen worden. — Der Direktor der Stettiner Automobilsabrik Gebrüder Stoewer, Herr Weller, den jüdisch-polnische Arbeiter, die bei ihm eintreten sollen,. um koschere Speisen gebeten haben, hat telegraphisch geantwortet, daß ein besondere koschere Küche für die jüdischen Arbeiter eingerichtet ist. Er läßt von Warschau einen frommen Juden als Aufseher kommen, der das Kaschrus überwachen wird. Die Fabrik verlangt neuerdings gute qualifizierte jüdische Schlosser. Diese sind bereits durch die deutsche Handwerkerzentrale in Warschau engagiert worden. - - In München verschied der im politischen Leben sehr bekannte JrM^ratLeopold Siegel. Er bekundete.auch stets reges Interesse für das Judentum, von 1890 und bis 1912 war er Mitglied dee dortigen israelitischen Kultusverwaltung. — Zwei Schwestern des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen in Westfalen, Tania und Frieda, die seit Monaten in den von den deutschen Logen ausgestatteten und unterhaltenen Lazarettzug tätig sind-, wurden mit der Roten Kreuz-Medaille ausgezeichnet. — Aus Köln wird gemeldet: Am 2. Februar versammelten sich an hundert Schwestern im Saale der königlichen Negierung, um dort die ihnen für ihre aufopfernde Tätigkeit int Dienste des Vaterlandes zugedachten Rote- Kreuz-Medaillen in Empfang zu nehmen. Darunter waren drei jüdische Schwestern vertreten, denen diese Auszeichnung zuteil wurde, die Damen Frieda Blank, Helene Horn und Anna Lindenberg, die im hiesigen jüdischen Asyl für Kranke und Altersschwache tätig sind, wo gegenwärtig 140 bis 160 verwundete Offiziere und Soldaten verpflegt werden. — Die hessische Tapferkeitsmedaille wurde Sind. jur. Karl Ladenburg aus Mainz, Krieg sfreiwilliger in einem Reservedragouerregimeut, verliehen. Die Re i chs g e t r e i de st e l le hat dem israelitischen Konsistorium des Unter-Elsaß für die jüdischen Pessachfeiertage die notwendigen Mehlmengen zur Mazzothbereitung bereitgestellt. Tie Mazzoth dürfen nur für jüdische Familien gebacken werden und nur für das Fest. Vorher dürfen keine Mazzoth als Delikatessen v^-mst werden. Jeder bekommt so viel Mazzoth als er braucht. Jan Vertrauen auf die Gewissenhaftigkeit der jüdischen Bürger werden vorläufig behördliche oder polizeiliche Vorschriften nicht getrosten. — Die orthodoxe Gemeinde in Budapest hat in ihrer Geneccüversammlung die Ausgaben des laufenden Jahres mit 234 934 Kronen veranschlagt itub beschlossen, den Fehlbetrag oon 7 2 745 Kronen durch Erhöhung der Kultussteuer zu decken. - Anläßlich der Anwesenheit des Deutschen Kaisers in Risch wurde von diesem unter anderen Ministerialdirektor Herbst, ein gesinnuugstreuer Jude, mit einem hohen Orden bedacht. — Die in Krakau erscheinende hebräische Wochenschrift „Hamizpe", steht sich infolge militärischer Einberufung ihres Redakteurs, Herrn S. M. Laser, gezwungen, das Erscheinen der Zeitschrift bis auf weiteres einzustellen. „Dzieunik Polskie" erfährt, daß die und) Sibirien verschleppten polnischen und jüdischen Einwohner Polens in großen Massen nach Amerika auswanderteu. Aus Wladiwostok reisen tagtäglich 200 bis 300 dieser Familien auf japanischen und amerikanischen Schiffen nach den Vereinigten Staaten ab. —- Der russische Minister des Innern C h o w st o w hat, nach einer Meldung der „Rjetsch", bic Verfügung seines Vorgängers Scherbatoss wieder aufgehoben, nach der allen Juden ein siebentätiger Aufenthalt in Petersburg und Mosfmi gestattet wurde. Die Aufenthaltserlaubnis wird von mm an nur noch den Personen erteilt werden, die ihre Gesuche bis zum 18. Dezember im Ministerium des Innern eingereicht haben. In Zukunft werden derartige Gesuche überhaupt nicht mehr bewilligt werden. - Das Iudenunterstützungskouritee zu Petersburg erhob beim Gouverneur von Minsk Beschwerde wegen eines Pogroms, der vier Tage gedauert hat. Die Juden wurden innerhalb zwei bis drei S t u n d e n aus ihren Wo h n li n g c n g £ - w i e s e n, ohne daß für ihre Habe irgendwelche Vorsorge, getroffen lvurde. Die verlassenen Städte wurden von den Soldaten in kurzer Zeit in Trümmerhaufen verwandelt. Aus New Jork wird gemeldet: Louis D. Br and eis, der bekannte zionistische Führer, ist von Wilson zum Mitgliede des Obersten GVrichtshofes ernannt worden. Die Ernennung hat großes Aussehen erregt. — Dr. Cyrus Adler, Präsident des Drop,sie College in Philadelphia, ist mit der Präsidentschaft des New Uorker Jüdischtheologischen Seminars betraut worden, bis ein Nachfolger für ddn verstorbenen Dr. Salomon Schechter gewählt ist. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Floraftratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: M a x In n g e, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moste.

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