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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-01-28 · Heft 4 (28.1.1916) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 4 (28.1.1916)
Date
1916-01-28
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 v. K 5 nigsw n r icr ihre Glückwünsche zum Ausdruck gebracht. — Der „Kurier codzienny" berichtet: Zs. Rak . . . ans Binlci, 2 8 Jahre alt, Baker von acht mindern, legte der Bezirkshauptmannschaft in Biala ein Zeugnis über die Ablegung der Rabbinerprüsnng vor, das von den Rabbinern in Tarnow und Brody ausgestellt war. Auf Grund des 29 des Wehrgesetzes wurde er von der aktiven Dienstpflicht befreit. Einige Zeit danach begab sich R.in das okkupierte Gebiet des Königsreichs Polen und trieb hier Wollhandel zwischen den Orten Miechow und Biala. Als das Kreiskommando erfuhr, daß R.... angeblich Rabbiuatskandidat und aus diesemTitel vorn Militärdienst befreit sei, ließ es denselben zur Bezirkshauptmannschaft in Biala überführen«. Letztere annullierte den militärischen Enthebnngsakt und ließ N. . . . der Musterungskommission vorführen. Obwohl nun dienstuntauglich erkannt, wurde er der Uebertretnng des § 68 des Militürgesetzes angeklagt und hatte sich diesbezüglich vor einem Militärgerichte zu verantworten. (Willkürliche Anmaßung des Titels „Rabbinatskandidat" zwecks Befreiung vom militärischen Dienste.) Der Militäranklüger, Rittmeister Koscicki behauptete, daß sich der Begriff eines Seelsorgers mit denr eines Händlers nicht Vereinen lasse. Der als Sachverständiger einvernommene Festungsrabbiner Tr. Weinsberg von Krakau stellte zunächst fest, daß mangels eines Unterstützungssonds für Rabbinatskandidaten letztere vielfach gezwungen seien, sich um einen Erlverb umznsehen. Zlvecks Feststellung, ob der Angeklagte Mm Talmud beherrscht, fand in Gegenwart des Gerichtshofes eine formelle Prüfung statt, wobei der sachverständige Rabbiner die Fragen in hebräischer Sprache richtete. Das Gutachten lautete dahin, daß der Angeklagte ein gelehrter Talmudist und geeignet sei, ein rabbinisches Amt zu bekleiden. Das Militärgericht unter Borsitz des Hauptmanns Samuel S t«o c f i sprach den Angeklagten Von der Schuld frei, und wurde dieses Urteil vom zuständigen Kommandanten bestätigt. Von Kah und Fern. — D i e K r i e g s h i l -f s k o m m i s s i o n der j ii >d i s ch e ll Gemeinde, Abteilung für Frauenlind Jugendfürsorge, die in der Rosenstraße für alle Bedürftigen der Gemeill.de eine Kleiders n m m e l st e l l e unterhält, bittet bei der zurzeit überaus großen Inanspruchnahme dieser Einrichtung um Zuwendung an Kleidung, Unteriväsche und Stiefel. Es mangelt besonders an Unterzeug und Schuh - wert für die Kinder, da bei der Teuerung der Lebensverhültnisse außerordentliche Ansprüche seitens bedürftiger Familien «an die Kleidersammelstelle gestellt iverden. Außer in der Rosenstraße 2/4, lvo die Sachen in Empfang genommen mrd von dort auch aus schriftliche Anmeldung abgeholt iverden, können Gegenstände beim Portier des Hauses Lietzenburger Straße 48 abgegeben werden. — Das Bayerische Ludwig-Kreuz erhielten Oberstabsarzt a. D. Dr. Eugen Jacoby (Charlottenbnrg), Reservelazarettdirektor in Bayreuth, und Stabsarzt d. R. Dr. Julius Peiser (Berlin). —- Der Nestor der B e r l i n er S ch a ch s r e u n d e, der Bankier Salomon Valentin Bl a r r in Charlottenburg. ist im hohen Alter von 87 Jahren gestorben. In seinem gastfreien Hanse trafen sich in den Jahren zwischen 1860 und 1870, gelegentlich auch später, die stärksten Spieler Deutschlands, u. a. Andersten, Dnfresne, Blähet, und manche berühmte Partie ist dort gespielt worden. Er selbst war ein Amateur von bedenkender Spielstärke und hak noch bis in feine allerletzten Lebensjahre dem Schachspiel gehuldigt. Ans Posen wird uns geschrieben: Der Deutschen Gesellschaft für Kanfmannserholunasheime in Wiesbaden haben die Gebrüder Lesser, hier, eine Zuwendung von 1 00 0 Mark gemacht. - Auf seine fünfnndzwanzigjührige Mitgliedschaft bei der Posener Handelskammer kann der Kaufmann und Stadtverordnete Simon A f ch znrnckblicken. Er nahm am 5. Januar 1891 znm erstenmal an einer Hauptversammlung der Handelskammer keil. — Tie Handelskammer für den Regierungsbezirk Posen wühlte in ihrer am 14. Januar abgehaltenen Sitzung den bisherigen Vorsitzenden, Geheimen Kommerzienrat Razarh Kantorowicz, znm Präsidenten, den Kaufmann Israel Fried! a e n d e r, in Firma Friedlaender u. Cm, zum ersten und den Stadtrat E l k e l e s zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden wieder. -- Aus Reichenbach wird geschrieben: Als Hevmann-Hnlda Eohnsche Fabrikstistung wurden dieser Tage anläßlich des 70. Geburtstages des Fabrikbesitzers H e r m a n n E o h n, Mitinhabers und Chefs der Firma Gebrüder Cohn in Neichenbach, von diesem und seiner Gemahlin 20 000 Mark in deutscher Reichsanleihe gestiftet, deren Zinsen alljährlich an bedürftige und verdiente Arbeiter und Arbeiterinnen der Fabrik obengenannter Firma zur. Verteilung gelangen sollen. Außerdem wurden von diesen dem Magistrat der Stadt Neichenbach 500 Mark znm Besten städtischer Unterstützungsbedürftiger zur Verfügung gestellt. - Die jüdische Gemeinde in Düsseldorf beklagt den Verlust des am 14. Januar verstorbenen Herrn Berthold Silberberg. Der Verewigte gehörte 27 Jahre hindurch dem Repräsentantenkolleginm an, zuletzt als dessen stellvertretender Vorsitzender, und erwarb sich große Verdienste um die Entwicklung der Düsseldorfer jüdischen Gemeinde. — Ans Straßburg i. E. wird geschrieben: Die Inhaber der Schokoladen- und Zuckerfabriken E. Wolffs Nachfolger, die Brüder A. und G. C r a l l s - h e i m e r, hier, feierten vor einigen Tagen ihr 25jähriges Geschüstsjnbiläum. Aus diesem Anlaß haben sie ansehnliche Stiftungen gemacht. Ans einem Kapital von 20 000 Mark zugunsten ihrer Zahlreichen 'Angestellten sollen alljährlich die Zinsen verteilt werden; 2000 Mark wurden der städtischen Armenverwaltung, 1000 Mark der jüdischen Armenkasse und außerdem noch mehrere tausend Mark verschiedenen wohltätigen Institutionen überwiesen. —- Unter dem Titel „Die Bibel wird wieder zeitgemäß" erinnert der „Christliche Volksbote von Basel" an die Beschreibungen, die der Prophet Ezechiel von der Belagerung von Jerusalem gibt (Ezech. 4, 9): „So nehme nun zu dir Weizen, Gerste, Bohnen, Linsen, Hirse und Spelt und tue es in ein Faß und mache dir Brot daraus, daß du 390 Tage daran zu essen habest. Deine Speise, die du täglich essen sollst, sei 20 Lot schwer." (Ungefähr 320 Gramm.) Der „Bolksbote" bemerkt hierzu, daß, von einigen Einzelheiten abgesehen, die von dem Propheten gegebene Vorschrift ungefähr dieselbe ist, die die deutschen Bäcker gegenwärtig ausführen müssen. -- Denr Feldrabbiner Professor Dr. 'Arnold Frankf n r te r , Leiter der k. u. k. israelitischen Militärseelsorge Wien, wurde das Ehrenzeichen vom Roten Kreuz zweiter Klasse mit Kriegsdekoration verliehen. -- Aus einer großen Anzahl kleiner orthodoxer Kultnsgemeinden in Ungarn kommen Meldungen darüber, daß die Kultusgemeinden infolge der Einrückung der bei den Landsturmmusterungen geeignet befundenen Gemeindemitglieder zmn Teil öffentliche Gottesdienste kaum mehr abhalten können. Aus einer orthodoxen Kultusgemeinde, welche nicht einmal zu den kleinen gehört, und zwar ans Nagybanya, kam der Bericht, daß diese Gemeinde vor dem Kriege 200 stenerzahlende Mitglieder zählte, von denen ungefähr 150 als Reservisten und als geeignet befundene Landsturmmänner bereits £tngerückt sind, während 33 am 15. Dezember einrückten. — D i e rumänischen Juden hielten am Mittwoch und Donnerstag voriger Woche einen Kongreß ab. Sie verlangten von der Niegierung die Gewährung der bürgerlichen Rechte. — Die französischen Zeitungen melden fortgesetzt von Heldentaten jüdischer Offiziere und Soldaten. Biele sind in den höchsten Rang als Generale vorgerückt. Unter den Gefallenen befindet sich auch, wie bereits gemeldet, ein Sohn voll Mathieu Treyfns, des Bruders des bekannten Alfred D r e y f u s. Baron Alexander G i n z b n r g in Petersburg richtete an den bekannten Philanthropen Hermann Landau in London einen Brief über die verzweifelte lvirtschaftliche Lage der Inden in Tarnopol, welche galizische Stadt sich ja noch im Besitz der Russen befindet. Die Lage sei so schlimm, daß der russische Kommandant von Tarnopol dieserhalb einen Besuch bei dem jüdischen Hilfskonntee in Petersburg machte. - - Bon den 230 000 Inden Englands befinden sich gegenwärtig 17 000 in der englischen Armee, was einem Satz von 8X» Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung entspricht. — In Nazareth wurde von der türkischen Sanitätsverwaltung ein großes Lazarett unt 3000 Betten eingerichtet. Die Beiruter Bevölkerung hat durch eifrige Sammlungen die Kosten für die Einrichtung des Spitals ausgebracht; bisher konnten schon für 100 000 Mark Einrichtungsgegenstände angeschafft iverden. — Dr. Wilhelm B r ü n n, der Direktor des Jerusalemer Spitals, hat von Nathan Strauß 10 000 Francs für die durch den Krieg brotlos gewordenen Familien erhalten. — Der ehemalige Botschafter der Bereinigten Staaten von Nordamerika, Herr Oskar Strauß, hat vor kurzem in einer Kirche in Nein Dort' einen Bortrag gehalten. Das Thema lautete: „Gott und der Krieg," Er lvendete sich gegen die Prosessoreil u. a., welche sagen, der Krieg sei ein Beweis gegen die Religion, gegen das Dasein Gottes. „Nicht Gott", sagt Oskar Strauß, „wird durch den schrecklichen Krieg angeklagt, sonderil die Menschen." Verantwortlicher Redakteur: Alberst Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Jun^e, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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