Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 53 (31.12.1915)
- Date
- 1915-12-31
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Anfrechterhattllng des kulturellen Lebens haben wir wie früher dadurch bewirkt, daß wir Beihilfen an ihre Beamten 311 den Lebensversicherungsprümien und Angestelltenversicheritngsbeiträgen bewilligt haben. Die Zahl dieser Beamten ist im vergangenen Berichtsjahre auf 13 gestiegen. Erheblich eingeschränkt ist dagegen infolge des Krieges die Inspektion des ))leligionsunterrichtes gewesen. Nicht nur war die Stundenzahl durch anderweitige Berwendung der Schulen vermindert, sondern auch eine Reihe von Beamten zum Heeresdienst einberufeu worden. So kam es, daß im Berichtsjahre nur fünf Schulen inspiziert worden sind, und zwar durch Herrn Rabbiner Tr. Lncas in Glogan und Tr. G old - m a n n in Oppeln. Der letztgenannte hat in Lölven auch einen Gottesdienst veranstaltet und in Namslau einen Bortrag über das Thema gehalten: „Der Optimismus des Judentums und unsere Zeit." An fleißige Schüler in den inspizierten Gemeinden sind wie bisher Prämienbncher zur Berteilung gelangt. Im Borjahre sind wir in der angenehmen läge gewesen, an den hohen Feiertagen in sechs Gemeinden Prediger 311 entsenden, in diesem Jahre dagegen konnten wir Prediger nur in zwei Gemeinden schicken. Auch Borbeterbeihilfen erhielten im abgelaufenen Verwaltungsjahre mir zwei Gemeinden. Bon erheblichster Einwirkung ist der Krieg auf unsere Provinzialkasse für Wanderarmenfürsorge gewesen. Nachdem noch in den Monaten April, Mai, Juni und Juli des abgelausenen Jahres insgesamt 808 Personen bei unserer Kassa vorgesprochen hatten, horten naturgemäß die Wanderungen seit Ausbruch des Krieges im allgemeinen auf. Im einzelnen fanden sich trotzdem Personen bei uns ein, die teils ans Galizien geflüchtet waren und zu Angehörigen nach dem Inneren Deutschlands reisten, teils nach O-effnung der Grenzen wieder in die Heimat zurückkehrten. Die Zahl dieser Beförderten belief-sich in den acht Monaten von August 1914 bis Ende März 1915 auf 324. Die eigentliche Fürsorgetätigkeit der Provinzialkasse fand somit -int ganzen ein Ende, doch ergaben sich an deren Stelle neue Aufgaben, denen wir uns nicht entziehen zu können glaubten. Es galt zunächst für eine nicht geringe Zahl von Unglücklichen zu sorgen, die notgedrungen teils infolge Sperrung der Grenzen, teil aus anderen Gründen hier zu bleiben gezwungen und ohne jede Existenzmittel waren. Diesen hatten wir zum Teil für eine längere Dauer ihres Aufenthaltes die Mittet für ihren Unterhalt zur Verfügung gestellt. Ebenso haben wir dem Komitee, das sich zur Unterstützung der notleidenden Glaubensgenossen im Osten gebildet hatte und u. a. für den Unterhalt von ungefäljx' 25 vollkommen mittellosen Personen in Salzbrunn seit November vorigen Jahres sorgte, ans dessen Antrag eine größere Beihilfe überwiesen. Ferner ist entsprechend einem Wunsche des D. I. G. B. den Derbandsgemeinden ein Rundschreiben zngegangen, in dem sie ersucht wurden-, die vorgeschriebenen Maßnahmen für die Vorbereitung jüdischer Rekruten auf den Fahneneid zu treffen. Insbesondere wurden die Verbandsgemeinden, in denen sich zwar eine Garnison, aber kein Prediger befindet, aufgefordert, uns hiervon baldigst Kenntnis zu geben, damit wir rechtzeitig für die Zusendung eines Predigers Sorge tragen können. Auf Ersuchen des D. I. G. B. haben wir weiterhin eine Umfrage bei allen unseren Berbandsgemeinden'gehalten, um sestzustellen, ob sich an ihrem Orte oder in dessen Nähe eine nennenswerte Anzahl von jüdischen Kriegsgefangenen und Verwundeten befinde und ob Seelsorge für diese ausgeübt werde. Die Umfrage ergab, daß in den Orten Görlitz, Lauban, Sagau, Sprottau und Neuhammer eine nicht unerhebliche Zahl jüdischer Gefangener untergebracht war, um deren Seelsorge in dankenswerter Weife die Herren Rabbiner Tr. Berger-Görlitz, Rabbiner Tr. L u c a s - Glogan und Rabbiner Dr. P e r i tz - Liegnitz bemüht waren. Einer uns zugegangenen Anregung entsprechend, richteten wir ferner an die Vorstände unserer Berbandsgemeinden die dringende Bitte, falls Kriegsteilnehmer auf dem Friedhofe einer Verbandsgemeinde beerdigt werden, ehrenhalber weder für die Beerdigung noch für die Grabstätte irgendwelche Kosten rmd Gebühren zu berechnen. Für die Sammlung, die der Verband der Shnagogengemeinden Ostpreußens für die dortigen Knltusbeamten und Lew'^ hat, ist ein Beitrag von 100 M mt§ den Beständen des Verbands Mark und 1500 Mark auf die dr „So glauben lvir", schließt der haben, daß lvir auch in dieser . waren, nicht itur im engeren Rahmen ilnseres Verbandes dessen Ausgaben zu erfüllen, sondern darüber hinaus uns inl Dienste des deutschen Vaterlandes zu betätigen. Wenn der ehrenvolle Frieden, dem lvir zuversichtlich entgegensehen, lvieder eingekehrt fein wird, lverden wir in demselben Maße lvie früher an allen unseren Einrichtungen weiterbauen zum Heile unseres Vaterlandes und zur Ehre des Judentums." m. Hamburg, 24. Dezember. Das R e p r ü senk a n ten - k 0 l l e g i u m d e r Deut s ch - I s r a elitis ch e n G e in c t n d c hielt eine Versammlung unter Vorsitz des Herrn Jos. L i P p m a u n ab. Ter Vorsitzende gab Kenntnis von einem Schreiberr des Gemeindevorstandes, wonach 'laut ihm volll Verband der deutschen Judeir geloordener Nachricht den Feldrabbillerll, gleich den Geistlichen der übrigen Konfessionen, eine Allfwandsen tschädi-gung tont Reiche gezahlt wird, so daß die bisher von den Gemeinden zu diesem Zwecke bewilligten Beiträge hinfällig geworden sind. Dadurch ist die lnnggcwünschie Gteichstellllug der Rabbiner mit den Geistlichell der anderen Bekenntilisse durch Reichsgesetz ai:ch für die Feldseelsorge ausdrücklich anerkannt worden. Ein Antrag des GemeindevorstandLs auf Bewillignllg eines einmaligen Beitrages von 4000 Mark an die Israelitische höhere Mädchenschule (Lhzculn) wurde ohne Debatte einstimmig angenommen. Die Abrechnung der Gemeinde für das Jahr 1914 schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 266 000 Mark ab; der Voranschlag ist um 26 000 Mark überschritten, der Fehlbetrag beläuft sich auf 34 980 Mark. Das Armenwestn der Gemeinde erforderte 88 600 Mark, während für das Schulwesen 50 000 Mark und für das Begräbniswesen 13000 Mark verausgabt wurden. Die Abrechnung lvurde der bestehenden Kommission zur Prüfung überwiesen. Den Hauptgegenstand der Sitzung bildete der vom Gemeindevorstand vorgelegte Entwurf des Hanshaltungsetats für das Jahr 1916. Herr Gemeindevorsteher Heinrich Levh lvies einleitend darauf hin, daß der Entwurf auch diesnral von der durch den Krieg hervorgerufenen größeren Inanspruchnahme der Genleinde, namentlich des Armenimb Wohlfahrtswesens, beherrscht werde. Wenn der Voraarschlag 1916 nur den verhältnismäßig geringen Fehlbetrag voll 50 000 Mark answeise, so rühre dies in erster Linie daher, daß man mit dem im vorigen Jahr bewilligten Steueraufschlag der höheren Eiilkonlmen ganz gut ansgekommen sei. Der Vorstand werde sich auch diesmal von deul Grulldsatz leiten lassen, daß die zahlungsfähigen Kreise w viel lvie möglich herangezogen werden! sollen, während die loeniger Bemittelten und namentlich die Kriegsteilnehmer auf ihren Antrag von der Steuer befreit werden' sollell. Es lourde dann in die Beratung der einzelnen Positionen eingetreten. Unter den Ausgaben erfordert das Armenllnd Wohlfahrtswesen rund 100 000 Mark. Zur Pflege der Kriegergräber wird für einen Gedenkstein die erste Rate von 2500 Mark gefordert. Ter Vorstand will die dauernde Pflege der Gräber, in welchen Teilnehmer an dem gegenwärtigen Kriege auf dem Israelitischen Friedhof zur letzteu Ruhe bestattet lverden, ehrenhalber übernehmen und auf btefem Ehrenfeld einen Gedenkstein für alle in dem Feldzug verstorbenen hambnrgischen jüdischen Krieger errichten lassen. Auch die Namen der gefallenen Krieger, die nicht auf dem Gemeindefriedhof bestattet sind, sollen auf dem Gedenksteill verewigt lverden. Die Zuwendung einer Subvention an die Israelitische Allianz wurde damit begründet, daß diese Beihilfe nicht ins Allsland gehe, sondern der aus unbedingt zuverlässigen und angesehenen Glaubensgenossen bestehenden Berliner Zweigorganisa>tion zusließe, welche ihre Stellung zur Pariser Zentrale von der erst nach dem Kriege zu erwartenden Aufklärlnrg abhängig mache. In der Gesamtabstimmung wird alsdann der mit einem Fehlbetrag von 50 750 Mark abschließende Entwurf einstimmig genehmigt. Es wurde dann noch der Antrag angenommen, lvonach die Gellreindesteuer ein Prozent des Einkommens nicht übersteigen darf, und die bisherigen Steuersätze (unter Zugrundelegung der Veranlagung des Jahres 1914) von 40 Mark und mehr um einen zwanzigprozentigen Zuschlag zu erhöhen. 22 Hannover, 24. Dezember. Um einem dringenden Bedürfhreren Jahren in Hannover eine ins Leben gerufen. Zu diesem rliae Sammlung in der Shna-gogenzusammengebracht. Ter Verein verjüdischeu Hilfsbedürstigeu in Hangeln ähren, welche sie bei der Aus-