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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-12-17 · Heft 51 (17.12.1915) · p. Seite 608

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 51 (17.12.1915)
Date
1915-12-17
Page
Seite 608 (sequence 8)
Language
German
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--- 608 was echt und unecht ist. Welche Wirkungen eine solche Predigt nuszuüben versteht, dessen sind wir dankbarer Zeuge, seitdem unser Rabbiner Herr Tr. Beer in a n n sich mit besonderer Liebe und feinstem Verständnis diesem Zweige deS Gemeindelcbens zugewandt hat. Das Urteil von Zivi, das; wir das christliche Vorbild nachahmen sollen, ist insofern berechtigt, als er uns empfehlen kann, von der Erfahrung der christlichen, in diesem Falle der protestantischen Kirche zu lernen. Dort ist als Voraussetzung des geregelten Gemeindegesangs ein durch die landeskirchlichen Oberbehvrden festgelegtes Gesangbuch vorhanden, dessen Lieder (Choräle) ans einheitlichem Text und auf einheitlicher Melodie beruhen. Dieses Buch ist in der Hand eines jeden Gemcindemitgliedes. Tie Terte werden im Schulunterricht auswendig gelernt, und die Kenntnis der gebräuchlichsten Chvralmelvdicn bildet gleichermaßen den Gegenstand des offiziellen Gesangsunterrichts der Volks- und Mittelschulen. Daraus ergibt sich ohne weiteres, daß man, wenn man das christliche Beispiel heranzieht, für den jüdischen Gottesdienst bis zu einem gewissen Grade ähnliche Vorbedingungen schaffen müßte. Die gesangliche Jugenderziehung, wie wir sie vorhin beschrieben haben, würde nur halbe Arbeit sein und leicht zu anarchistischen Zuständen führen, wenn die Wahl der Gesänge, der Kompositionen dem zufälligen Ermessen oder der Liebhaberei dieses oder jenes Kantors überlassen bliebe. Es wäre deshalb vor allem notwendig, ein solch a l l g e - in e i n g ü l t i g e s „G e j a n g b u ch" zu schaffen. Bis dahin bewähren sich hier und anderswo die Lewandvwskischcn Gesänge (Kvl-Rüwh), deren leichte Sangbarkeit, deren melodiöse Linienführung und verständnisvoller Anschluß an den Tert pädagogisch und künstlerisch durchaus schätzenswerte Vorzüge bilden. Geheimer Lsurat Orok. Dr.-Jng. Theodor Tsndsberg gestorben am 20. fiJhtobrr 1315. heodor Landsberg') wurde am 8. August 1847 in Hildesheim als zweiter Sohn des Landrabbiners Meyer Landsberg geboren. Die Erinnerung an das streng jüdische Elternhaus, an den Vater, dem der fromme Beruf Herzenssache >var, begleiteten ihn durch sein ganzes Leben. Ebenso die Erinnerungen an die Schulzeit. Humanistische Bildung und modernes Naturerkennen wurde an dem Gymnasium Josephinum der alten Bischvfsstadt von katholischen Priestern in eindringlich-feierlicher Art gelehrt. Dirke wissenschaftliche Folianten wurden am Ende des Schuljahres für die Besten jeden Faches in jeder Klasse verteilt, lind kein Jahr verging, ohne daß Landsberg nicht wenigstens eines dieser Werke als Prämie davontrug. In den höheren Klassen bezeugten ihm seine Lehrer auch außerhalb der Schulzeit in persönlichem Verkehr Zuneigung und Forderung. Nach dem Abiturinm studierte Landsberg in den Jahren >865/69 an der Polytechnischen Schule zu Hannover Bauknnde, ein Lehrgebiet, welches damals gleichmäßig Architektur rend Kvnstruktivnslehre umfaßte. Nach Ablegung der Bauführer- Prüfung trat er, seiner schon damals hervvrtretenden Neigung folgend, in die Polytechnische Schule in Hannover ein, studierte unter Leitung von Karmarsch, Grelle, Ritter, Rühlmann, v. Kaven ri. a. und trat nach Beendigung seiner Studien in ') Nach private» Mitteilungen und einem Aufsatz des Herrn Professor Kayser in dem „Zentralblatt der Bauverwaltung", 35. Jahrgang Nr. 87, Berlin, den 30. Oktober 1915. das Jngenieürbureau von Dr. Strousberg in Berlin ein, wo er hauptsächlich mit der Planung eiserner Brücken beschäftigt wurde. Im Oktober 1870 beabsichtigte er als Assistent seines Lehrers, des Baurats v. Kaven, an dem neu zu eröffnenden Polytechnikum in Aachen zu wirken. Durch den Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges wurde dieseAbsicht vereitelt, da Landsberg als Kriegsfreiwilliger in vaterländischer Begeisterung zuerst beim Ersatzbataillon des Garde- Füsilier-Regiments eintrat und später beim Garderegiment zu Fuß sich am Kriege beteiligte. Zurückgekehrt, trat er im August 1871 zu seiner weiteren Ausbildung bei der Kaiserlichen Werft in Kiel als Bauführer ein, wo er bei den verschiedenartigsten Wasser- und Landbauten beschäftigt wurde. 1872 fand er bei dem Neubau der Leipzig-Zeitzer Eisenbahn eine sehr vielseitige Tätigkeit beim Bau einer 16 Kilometer langen Strecke mit mehreren Bahnhöfen und Haltestellen. Gleichzeitig war er mit Vorarbeiten für den Umbau des Thüringer Bahnhofs in Leipzig betraut. Schon in dieser Zeit wurde in dem jungen Bauführer durch seine Praktische Tätigkeit ein lebhaftes Interesse für den Eisenbau und dessen theoretische Grundlagen geweckt, das durch die besondere Befähigung Landsbergs für statische Aufgaben wesentlich gefördert wurde. Nach bestandener Banmeisterprüfung im Mai 1876 trat Landsberg als Hilfsarbeiter in das damalige Preußische Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten ein, wo er in der Lage war, sich einen Einblick in die mannigfachen Aufgaben der Staatsverwaltung zu verschaffen. Seine besonderen Neigungen blieben aber der Statik und dem Brückenbau gewidmet, und als sich im Jahre 1878 Gelegenheit bot, im Dienste der Stadt Berlin sich beim Bau der Marschallbrücke Praktisch zu betätigen, übernahm er die Bauleitung dieser Brücke und war bis zum Jahre 1880 teils mit Vorarbeiten, teils mit der Bauausführung bei diesem Brückenbau beschäftigt. Schon in diesen Jahren der Praktischen Arbeit regte sich in dem jungen Baumeister die Lust zum Lehrberuf und zu wissenschaftlicher Arbeit. 1876/77 wurde er im Nebenamt Assistent für Brückenbau an der Königlichen Gewerbeakademie und ferner Assistent für Jngenienrwissenschaften an der Königlichen Bauakademie in Berlin. Im Jahre 1877/78 verpflichtete ihn Professor Dr. Winkler als Assistent für Statik der Baukonstruktionen und Brückenbau. Landsberg erwarb sich in dieser Stellung die besondere Hochschätzung seines Lehrers, dem er manche Anregung zu wissenschaftlicher Arbeit verdankte. Darauf erlangte er im Herbst 1877 das Vorlesungsrecht als Privatdozent an der Königlichen Gewerbeakademie und las über die Eisenkonstruktionen des Hochbaues. Seit 1879 hielt er die gleiche Vorlesung an der Technischen Hochschule in Berlin und las ferner über statisch unbestimmte Kvnstruktionssysteme. Durch eisernen Fleiß und große Liebe zu seinem Berufe war es ihm in diesen Jahren möglich, sich sowohl praktisch zu betätigen als auch die Grundlagen zu seinem späteren Berufe als Forscher und Lehrer technischer Wissenschaften zu legen. Während dieser Zeit versah er bei der jüdischen Gemeinde in Berlin, deren erster Vorsteher schon damals Julius Jacoby war, die Stelle eines Gemeindebanmeisters. Er leitete als solcher unter anderem den Bau der heutigen „alten Halle" auf dem Friedhof in Weißensee nach den Entwürfen Hugo Lichts, der sich später als Stadtbaurat und Erbauer des Rathauses in Leipzig einen bedeutenden Namen gemacht hat. Als im Jahre 1880 an der Technischen Hochschule in Darmstadt der Lehrstuhl für Statik und Brückenbau infolge des Ausscheidens von Proffessor Dr. Schäffer neu zu besetzen war, fiel die Wahl für dessen Nachfolger auf Landsberg, den man sowohl wegen seiner praktischen Erfahrung als auch wegen

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