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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-12-17 · Heft 51 (17.12.1915) · p. Seite 606

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 51 (17.12.1915)
Date
1915-12-17
Page
Seite 606 (sequence 6)
Language
German
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606 typischen Personen (Nebbe, Bocher, Schadchen usw.) in zwingender Komik vorgeführt wurden. Hier feierte Faibischefs schauspielerische Triumphe, aber auch von den Dilettanten offenbarten einige beträchtliches Talent. Freilich, unseren künstlerischen Maßstab dürfen wir nicht anlegen, aber nicht darauf kommt es an, sondern darauf, daß es einem ganz in seinem Beruf lebenden jüdischen Schauspieler gelingt, unter den ungünstigsten Verhältnissen seinen Brüdern und Lands-, teuten eine ständige Bühne zu schaffen und sie allwöchentlich für einige Stunden aus ihren: Grübeln über die Not ihres Volkes und ihre eigene herauszureißen. Und es ist sicherlich ein gutes Zeugnis für die Kraft der jiddischen Theaterkunst, daß sie dieses neueste Produkt der jüdischen Gvlus-Geschichte, ein Jargontheater im Gefangenenlager, schaffen konnte. Die Ssgurrreotypie in Hamburg. ich das in der Anmerkung') verzeichnete Werk in diesen Blättern erwähne, so geschieht es, wie ich gleich von vornherein bemerken will, trotzdem der Gegenstand des Buches mit den sonst an dieser Stelle behandelten Dingen in keinem rechten Zusammenhang steht und trotzdem die Künstler, von denen in dem Werke die Rede ist, ausnahinsloS Christen sind. Ter Grund, das; ich von dem Werke spreche, ist der, daß unter den dargestellten Persönlichkeiten drei sicherlich dem Judentum entstammen, die beiden ersten höchstwahrscheinlich auch dem Judentum treu geblieben sind. Diese Persönlichkeiten sind Rüben Hahn, Julius Louis Asher und Moritz Saphir. Der erstere war ein in Hamburg bekannter Kaufmann, dessen Nachkommen noch in Hamburg leben. Rüben Hahn, geboren am 6. Oktober 17<so, gestorben am ■20. März 1860, hatte nenn Kinder. Gr war ein Mann vieler Interessen mit freiheitlichen Tendenzen, ein Idealist, der sich darum weniger ans den praktischen Erwerb verstand. Er bemühte sich dafür, daß die jüdischen Handwerker Meister werden durften, was bis dahin in Ham- Huben bürg verboten war. Tie jüdischen Handwerker sandten aus Dankbarkeit ihrem Beschützer einen silbernen Pokal, der noch in der Familie verwahrt wird und der folgende Inschrift trägt: „Zum 25 jährigen Stiftungsfeste des Vereins zur Beförderung nützlicher Gewerbe unter den Israeliten — dem Präses, Herr Rüben Hahn, am 15. Dezember 1847 — von den in ihrer Vaterstadt etablierten Zöglingen des Vereins" (nach Mitteilungen von Mitgliedern der Familie). Rüben Hahn war einer der Vormünder der Erben des bekannten Hamburger I. H. Michael, dessen hinterlassene Bibliothek durch ihren Reichtum an hebräischen Drucken und Handschriften weltberühmt geworden ist. (Vgl. M. Jsler an Znnz, I I. August 1841.) Der zweite, Julius Asher (1804—1874), gleichfalls jüdischen Ursprungs, Veröffentlichungen des Hamburgischen Museums für Kunst und Gewerbe. Die Daguerreottzpie in Hamburg 1889—1860. Ein Beitrag zur Geschichte der Photographie von Prof. Weimar, Wissenschaftlichem Dozenten am Museum chr Kunst und Gewerbe. Mit 101 Abbildungen auf 49 Tafeln lind 4 Textbildern. L Beiheft. Zum Jahrbuch der Hamburgischen wissenschaftlichen Anstalten XXXII. 1914. Hamburg 1915. In Kommission bei Otto Meißners Verlag. ist ein Hamburger Künstler, Historien- Und Porträtmaler. In der Kunsthalle zu Hamburg befinden sich manche seiner Bilder: König Lear an Cordelias Leiche, zwei Danksagungstafeln für die Könige von Bayern und Württemberg nach dem Hamburger Brande, eine Römerin am Brunnen und manche andere. Der bekannteste ist der dritte, M. G. Saphir (1795—1858). Er war jüdischen Ursprungs, hat sich aber in seinem Mannesalter dem Christentum zugewandt. Er war ein Humorist, besonders durch seine humoristischen Vorlesungen berühmt, die er an vielen Orten Deutschlands, auch in Hamburg, und zwar 1843 (vgl. seine Streitigkeiten mit dem gleich zu nennenden Biow, S. 22 ff. unseres Buches), selbst im Auslande, zum Beispiel in Frankreich, hielt. Während seines Lebens unendlich überschätzt, so daß er geradezu als „Großmeister des deutschen Humors" galt, wurde er auch Jahrzehnte nach seinem Tode noch viel gelesen, so daß noch 1888 eine große Sammlung seiner Schriften erscheinen konnte. Jetzt darf man wohl sagen, daß sein Humor und seine Satire sich überlebt haben, da sie nur kleine Vorgänge des Tages betrafen und in Wortwitzen und geistreichen Anspielungen schwelgten. Einzelne seiner Erzählungen und Gedichte sind wohl heute noch zu genießen. Das meiste jedoch ist veraltet. Aber da er seinerzeit ein hochberühmter Mann war, auch in seinem Humor gar manche Eigenarten jüdischen Wesens zeigt und gerade wegen dieser Eigentümlichkeit angegriffen und verfolgt wurde, darf sein Bild hier wohl ans Interesse rechnen. Das Werk, dem die Bilder dieser drei Männer mit besonderer Erlaubnis des Verfassers entnommen sind, gibt eine Geschichte der Daguerreotypie in Hamburg, jener Kunst, die 1837 von dem Franzosen Daguerre erfunden wurde. In Hamburg wurde die Kunst seit 1839 geübt, und zwar zuerst durch den Mechaniker- Koppel. Die Hauptkünstler, die sich diesem Fache zuwandten, waren die Maler Hermann Biow (1810—1850) Hahn. und Karl Ferdinand Stelzner (1805 bis 1849). Stelzners Wirken war das bedeutendste, so daß die meisten der im Buch nritgeteilten Proben von ihm herrühren. Die übrigen Künstler brauchen, da es sich hier nicht um eine kunstgeschichtliche Darstellung handelt, nicht erwähnt zu werden. Für die Leser unseres Blattes möchte noch die Notiz hervorzuheben sein, daß sich in dem alphabetischen Verzeichnis der Lichtbildner in Hamburg einige wenige finden, die einen jüdischen Namen tragen: L. I. Frankel senior und drei Träger desselben Namens. Die Schrift, über welche diese Notizen handeln, ist eine ungemein gelehrte, reich dokumentierte, die wohl verdient, auch außerhalb ihres Erscheinungsortes beachtet und gewürdigt zu werden. L. G. Drr JusendgottesMentt im Dientte des Gemrindrgelsnss. Von I. Krämer, Heilbronn. Frage, welche Stelle im jüdischen Gottesdienst die „Gemeinde" nicht mehr als andächtige Zuhörer, sondern im gewissen Sinne als Mitwirkende einnehmen soll, hat in letzter Zeit dem Historiker, Theoretiker und Praktiker

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