Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1914)
- Date
- 1914-12-25
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Doppelquartett ausgeführt, dessen Wirksamkeit schon seit langem von den Synagogenbesilchern störend empfunden wird. Hoffen wir, daß es der neuen Bereinigung im Lause der Zeit gelingen wird, nicht nur .zur Erhöhung der Andacht im öffentlichen Gottesdienst beizntragen, sondern auch an der Schaffung eines jüdischen Gemeindelebens mitzuarbeiten, das hier leider fast völlig fehlt. Erwähnt sei, das; unser neuer Rabbiner, Herr Tr. M. E h r e n *- preis, der sich für alles Künstlerische lebhaft interessiert, auch an, der Arbeit der neuen Bereinigung tätigen Anteil nimmt. Von jpaij und Ferm — T er B o r st a n d de s K r a n k e n h ause s d e r j ü d i s ch e n G e ln e i n d e hat beschlossen, für die im Lazarett des Krankenhauses befindlichen' verwundeten und kranken christlichen Soldaten eine Weihnachtsbescherung zu veranstalten. Tie mit der Bescherung verbundene Feier wird Pfarrer Ulsert leiten. — Der Inhaber des Bankhauses Jaffa u. Levin,-Herr Max Jaffa, hat anläßlich des 25 jährigen Bestehens seiner Firma die Summe von 10 000 Mark dem Kriegsministerium zur Verfügung, gestellt. Es sollen solchen Kriegern, die durch außergewöhnlich ernste Verwundungen, besonders auf heimtückische Weise, dauernd und schwer in ihrer Gesundheit beeinträchtigt sind, Geldgeschenke in Höhe von mindestens je 100 Mark überreicht werden. Ter Kriegsminister hat es übernommen, die für die Schenkung in Betracht Kommenden in Vorschlag zu bringen. — Ihren 00. Geburtstag beging am 13. d. M. die Kaufmannswitwe Jeanette Louis, früher in Strasburg, Westpreußen, jetzt in Berlin, Wallner-Theater-Straße 39, wohnhaft, in körperlicher und geistiger Frische. Frau L o u i s ist 26 Jahre lang Vorstandsmitglied im Vaterländischen Frauenverein zu St. gewesenhat sich um die Errichtung des Kinderheims daselbst verdient gemacht und war auch Mitglied des israelitischen jüdischen Frauenvereins. Sie ist für ihre lebhafte Teilnahme an öffentlicher Wohltätigkeit mit der Roten-Kreuz-Vtedaille ausgezeichnet worden. An den jetzigen Kriegsereignissen nimmt die würdige Matrone lebhaften Anteil, sie hofft auch noch den Sieg Deutschlands über seine Feirkde zu erleben. -- Professor Max L i e b e r m a n n, der seit dem Beginn des Krieges in Zeichnungen und Lithographien Gestalten und Bilder dieser Monate darstellte, hat in seinen Gemälden auch jetzt an den Gegenständen fortgearbeitet, die den Meister in den letzten Jahren beschäftigt haben. Hatte er damals einen Treiber mit Hunden in den Dünen gemalt, den die Wiener Moderne Galerie erwarb, so schuf Liebermann jetzt das lebensgroße Bild eines Jägers mit einem Hunde. Auch ein neues Bild eines Wettrennens hat der Künstler jetzt vollendet. Bei den diesjährigen Ergänzungswahlen für das Aeltestenkolleginm und die Finanzkommission der Korporation der Berliner Kaufmannschaft sind unter anderen gewählt worden: Vizepräsident Stadtältester Tr. Max Weigert, Vizepräsident, Geheimer Kommerzienrat Edmund Helfft, Joseph Brasch, Georg Frank und Heinrich Maas: als Mitglieder der Finanzkommission: Max Salinger und Leo Wreschner; alle mit fast sämtlichen abgegebenen rund 1460 Stimmen. — Die Errichtung einer öffentlichen jüdischen Schule in Antonienhütte ist von der Regierung zum 1. April 1915 genehmigt worden-. Träger der Schnllast sind die Hausbesitzer der dortigen jüdischen Gemeinde. Herr Holler bäum aus Passau übernahm als Major z. D. bald nach Beginn der Mobilmachung die Bahnhofskommandantur Passau. Jetzt steht er als Kommandant des Landstnrmbataillons Passau mit seinem Bataillon im Osten. Da Major Hollerbaum, der schon den Feldzug 1870/71 mitge macht hat, 62 Jahre alt ist, dürste er der älteste jüdische aktive Offizier des bayerischen Heeres sein. — Dein Direktor der israelitischen Realschule in Fürth, Tr. Alfred Fe i lchen seld, wurde der Titel eines königlichen Professors mit dem Rang eines Gymnasialprosessors verliehen. — Frau Leonhard Tietz in Köln hat zum Andenken an ihren jüngst verstorbenen Mann 100 000 Mark der dortigen Handelshochschule zu Stipendienzwecken für bedürftige Schüler aller Konfessionen und 70 000 Mark für Wohltätigkeitszwecke gestiftet. — Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: In der kürzlich stattgefundenen Generalversammlung der Suppenanstalt für israelitische Arme in Frankfurt a. M. legte der Kassierer den Abschluß des am 30. September abschließenden Geschäftsjahres vor. Nachdem bis 30. Juki bereits über 54 000 Portionen verabreicht worden sind, ist die Anstalt entgegen ihrer sonstigen- Gepflogenheit sofort gelegentlich der Mobilmachung geöffnet worden und es sind bis zum 30. September, durch ihre Kriegsfürsorgeverpflegung weitere 20 473 Portionen verabreicht worden. Der Anstalt ist hierdurch ein Defizit von knapp 6000 Mark entstanden. Die Verwaltung hofft es durch freiwillige Gaben ihrer vielen Gönner tilgen zu können. — Dr. jur. Siegfried Spier in Wiesbaden wurde mit dem Rang eines Oberleutnants an ein Kriegsgericht in Belgien berufen. — Eine annähernde Zusmnmenstellung der bisher erfolgten Auszeichnungen an jüdische Offiziere und Mannschaften im österreichich^ungarischen Heere ergab folgende Zahlen (deren vollständig genaue Richtigkeit allerdings nicht verbürgt werben kann): Es wurden verteilt: 6 goldene Tapferkeitsmedaillen, 84 silberne Tapferkeitsmedaillen erster Klasse, 238 Ta Pserkei ts me da i llen zweiter Klasse, 194 Signa laudis, 28 Militärverdienstkreuze dritter Klasse mit der. Kriegsdekoration, 6 Orden der Eisernen Krone mit der Kriegsdekoration, 4 Komthnr kreuze des Franz - Josefs - Ordens. Die Zahl der Belobungen könnte nicht genau, festgestellt werden. — Aus Sofia wird berichtet: In Viddin (Bulgarien), von wo fast sämtliche Juden an den letzten zwei Balkankriegen teilgenommen hatten, hatte sich gleich nach Beendigung des Balkankrieges ein Komitee zur Sammlung eines Fonds zur Errichtung eines Denkmals für die in den Balkankriegen gefallenen jüdischen Soldaten aus Bulgarien gebildet. Die Sammlung dieses Komitees hatte ein günstiges Ergebnis, und auch das Kriegerdenkmal ist bereits sertiggestellt. Es wird dieser Tage unter besonderen Feierlichkeiten im Hofe der Synagoge von Viddin zur Aufstellung gelangen. — Der Londoner Orden ' der Jne Brith" hat in einem der aristokratischsten Viertel von London auf eigene Kosten ein Asyl für die zahlreichen hierher kommenden jüdischen F l ü ch t t i n g e eingerichtet. Bis jetzt sind da 50 Familien aufgenommen worden, die ans Paris, Löwen, Lüttich, Gent und Antwerpen geflüchtet waren. Es verdient besonders hervorgehoben zu werden, daß die Räume für diesen Zufluchtsort von einem edlen Christen, namens Dr. Bäcker, den „Bnö Brith" unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurden. Für die Verpflegung sorgen vollständig die „Bne Brith". - Im 85. Lebensjahre verschied in London Artur Cohen, einer der bedeutendsten Rechtsgelehrten Englands und eines der nützlichsten Mitglieder der. jüdischen Gemeinde London. Bemerkenswert isft daß vor 60 Jahren seine Zulassung, zur Canlbridge-Univerfität verweigert wurde, „da er Jude sei". — In das Warschauer Einwohnerkomitee, das zur Feststellung, der Not des Königreichs Polen und Einrichtung einer Hilfsaktion gegründet war, wurde ursprünglich Herr B e r g s o n, ein angesehener jüdischer Einwohner Warschaus', mit hineingewählt. Die Regierung hat bestimmt, daß Herr Bergson das allgemeine staatliche Komitee verlassen müsse. Für die Juden solle ein besonderes Komitee gebildet werden, in dem Herr Bergfon neben drei anderen Juden wirken solle. ----- Der Fähnrich Golube w, der Präsident des berüchtigten Verbandes der echtrussischen Leute in Kiew, ist aus dem Kriegsschauplatz gefallen. Es ist noch erinnerlich, welche verhängnisvolle Rolle Golubew im B e i l i s - P r o zeß gespielt hat. Er hatte bis zuletzt großen Einfluß ausgeübt. Er veranstaltete an der Spitze reaktionärer Akademiker, diedurch beträchtliche Zuzüge von „Holigans" verstärkt wurden, große Straßenexesse unter patriotischer Flagge und trat bei allen reaktionären Treibereien als einer der schlimmsten Hetzer hervor. — Die „Morning Post" vom 4. d. M. bringt folgendes Telegramm ihres Korrespondenten aus Washington: Mr. Jakob H. Schiff, eines der hervorragendsten Mitglieder der New-Iorker Bankfirma Kuhn, Loeb u. Co., welche innige Beziehungien zur deutschen Regierung unterhält, hat seine Mitgliedschaft an der Japanischen Gesellschaft niedergelegt, weil Japan sich auf die Seite Rußlands gestellt hat. Während des russisch-japanischen Krieges hat die Firma Mr. Schiff eine große japanische Anleihe in Amerika vermittelt. Mr. Oskar Strauß, vormals Botschcister der Vereinigten Staaten in der Türkei, hat gleichfalls alls feine Mitgliedschaft an der Japanischen Gesellschaft resigniert. Verantwortlicher Ledaklcur: Albert Katz in Bcrlin . Pankow, Flora ft ratze 58. Verantwortlich für tun Anzeigenteil: Max Fahrrriünder, Neulölln. Druck und Verlag von Rndols Mosse in Berlin.