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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-12-18 · Heft 51 (18.12.1914) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 51 (18.12.1914)
Date
1914-12-18
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Grltkrrrich-Anggm. K. Wien, 11. Dezelnber. Am 15. v. M. wurde liier in der Denisgasse 88 ein herrliches Wvhlsahrtshans der Oesfentlichteit übergeben in aller Stille, der ernsten Zeit entsprechond. Diese schöne Heimstätte der Armen verdankt ihre Entstehung der Munifizenz des Fabrikanten Heinrich Men dl, der es in pietätvoller Erini'. erlmg an seine früh verstorbene Gattin „Josefine-Mendt- Wohlfahrtshaus" benannt hat. Dieses nach den Plänen des Architekten Schölt entnwrfene Haus ist für bedürftige und würdige Arme ohne Unterschied der Konfession bestimmt. Frau Baronin- A l s o n s v. R o t h sch i l d erläßt in der Presse eine Bekanntmachung, daß sie allen in Wien unter Pflege befindlichen Mann schäften der österreichisch-ungarischen Armee eine komplette Wintergarnitur attszufolgen bereit sei. Die auf die Wintergarnitur ref-lektierenden Krieger haben den Nachweis zu erbringen, daß sie nicht auf Urlaub, sondern zur Truppe ins ffelb ziehen. Die Garnitur besteht aus einer Schneehaube, einer Leibbinde, einem Paar Pulswärmer, cinent Paar Kniewärmer und zwei Paar Fußlappen, einer Flanellhose und einem Flanellhemd. --- Zur die jüdischen Flüchtlinge aus Galizien, die aus strategischen Gründen genötigt waren, Haus und Heim zu. verlassen, gibt sich in der ganzen Monarchie großes Mitgefühl kund. Der Strom der aus den galizischeu Städten evakuierten Flüchtlinge hat übrigens in den letzten Tagen abgenommeu. Die meisten sind in Böhmen und Mähren untergebracht. Einer ganz besonderen Fürsorge erfreuen sich die Emigranten, wie die „Neue Freie Presse" vom 2 4. v. M. berichtet, in der Knltnsgemeinde Ga ha in Mähren. Leider herrscht dort ein Mangel an Schn h ell und warmen Kleibnngssiücken, der sich bei der jetzt herrschenden Kälte am meisten 'fühlbar macht. Für den momentanen Gebrauch an Schnhnparaturen sorgen hvanzig galizische Schuster, die täglich fünfzig --'s sechzig Paar Schuhe sticken. In einer eigens zu diesem Ztveck eingerichteten Schneiderinnenwerkstätte sind dreißig Mädchen aus dein galizischen Lager mit der Reparatur voll Kleidern und Wäsche beschäftigt, die von nah und fern dort eintreffen. Bon dem Verdienst (etwa drei Kronen täglich) schaffen sich die in den Werkstätten beschäftigten Handwerker und Näherinnen ein kleines Reservekapital zur Gründung einer neuen Eristeuz. Auch andere jüdische. Handwerker, wie Zimmerleule, Spengler, Maurer, Kürschner, Sattler, Gerber usw., werden teils in Brünn, teils in Proßnitz beschäftigt, wo sie ihr Auskommen finden. Das Verdienst für die umsichtige Leitung der Emiarantentolonie gebührt dem Bürgerlneister Leopold Klein und dem praktischen Arzt Tr. Mandler, welch letzterer die erkrankten Flüchtlinge nicht nur unentgeltlich behandelt, sondern sie auch mit den nötigen Medikamenten versorgt. Von Ksh nnN jfern. Die Kriegshilfskommission der jüdischen Gemeinde in Berlin versendet jetzt einen Bericht über die Tätigkeit ihrer Frauen- und Jngendsnrsorge. 9000 Personen werden durch die Korn Mission unterstützt. 7505 Speisemarken wurden verteilt, ferner mehrere tausend Gutscheine ans Brot und Leberlsmittet und viele Zentner Materialwaren, Gemüse ilnd Kartoffeln. Die Büraerkücheu in Eharlottenbnrg verabfolgten 10 000 Portionen Mittagessen. Auch sonst wurde den Bedürfuisseu in erster Linie durch Arbeitsbeschafsimg geholfen. Zuwendungen an Kleidungsstücken sind sehr erwünscht. Geldspenden finb zu richten au den Schatzmeister Koßmmm, Rosenstraße *2/4, Kleidungs- und Wäschestücke an die Kleiderkammer in der Neuen Friedrrchstraße 88/40. - - Unser geschätzter Mitarbeiter Dr. phil. Viktor K lern pe rer wurde als Privatdozent für romanische Philologie an der Universität München zugelassen. Dr. Klemperer, der zurzeit als Lektor der deutschen Sprache in Neapel tätig ist, ist 1881 zu Landsberg an der Warthe als Sohn des früheren Rabbiners und nachmaligen Predigers der Berliner jüdischen Reformgemeinde D r. W i l - h e l m K l e m p e r e r geboren. Seine Hochschulstudien absolvierte er in Ri buchen, Berlin, Genf und Paris, besonders unter den Professoren Boßler, Muncker und H. Paul. Dr. Klemperer ist Mitglied der Prüfnngstvnnnifsion für das Spracheramen der italienischen Mittelschullehrer in Neapel. Sein Spezialgebiet war bisher deutsche Literaturgeschichte. Der Berliner G o e t h e - B u n d ließ am 4. Dezember, an dem vor Jahresfrist sein treuer tätiger Schriftführer Dr^ I o n L e h m a n n. der Besitzer der „Breslauer Zeitung", aus dem Leben geschieden ist, einen Kranz > am Grabe des Berelvigten in Weißen s-ee niederlegen. - j Aus Breslan wird uns geschrieben: Um jeden Wahlkampf zu ver- : meiden, haben sich mit Rücksicht auf die.Kriegszsiten auch für die Re-! präseutauteuloahleu der Syuagoaengenreinde die verschiedenen Richtungen ' zusannnengeschlossen und eine gemeinschaftliche Kandidatenliste ausgestellt.! Die Wahl fand Mittwoch, den 2. Dezember statt. Alle Kandidaten wurden ' gewählt. — Durch Entschließung des bayerischen Kultusministeriums ist! für die verschiedenen IN ittelschulen eine neue Ferienordnung für die jüdi-; schen Schüler eingeführt worden, die sich ans die Freigabe des Unterrichts! für die Schüler am Laubhütten-, Passah- und Wochenfest bezieht. An : den städtischen Volksschulen bleibt es so wie bisher, zumal die Bezirks- I schulinspektoren und die Oberlehrer ennächtigt sind, den Schülern all! den zweiten Tagen der genannten Feste freizuaeben. - Die jüdische j Gemeinde in LiPPstadt i. W. sandte über hundert Pakete an die im Felde j stehellden Soldaten, die all Angehörige aller Bekelllltllisse ohne Unter'-! schied verteilt werden sollen. An die jüdischen Soldaten aus der Gemeinde lvurden außerdent „Chauucka-Pakete" geschickt. — Aus Kassel wird uns geschrieben: Nach 33jährigor Tätigkeit trat am 1. Oktober dieses Jahres Lehrer Levi Plaut aus Gesundheitsrücksichten in den Ruhestand. In den Gemeinden Zimmersrode, Witzeilhausen und Frankenberg, in welchen er gewirkt, loar er wegen seiner Tüchtigkeit und seines bescheidenen, freuudlicheu Wesells sehr geachtet. Jll Anerkennung seiner treuen Dienste wurde ihlll allerhöchst der Adler der Inhaber des königlichen Hansordens voll! Hoherlzolleril verliehen, den ihm der Polizeipräsident mit sehr ehrenden , Worten überreichte. Die jüdisch e G e me i n d e in Wies b a d e n hat ntehrere hundert Pakete all die im Felde stehelldell Soldaten gesandt, die ail Angehörige aller Bekenlltnisse ohne Rücksicht auf die Glanbeutzzugehöriokeit verteilt werden solleli. Jedes Paket enthält lmter andereill Schokolade, Zigarren, Briefpapier, Notizbuch, Bleistift, eine elektrische Taschenlampe usw. In einzelnen Gemeinden sind Geistliche, Beamte, allch israelitische Knltusbeamte. für unabkömmlich erklärt worden. Nach der neuen Nummer des Virordnimasblattes des Großh e r z o g l i ch -e ll O b e r r a t e s de r I s r a e l i t e ll i n K n r l s - r u h e silld diejeuigen lvehrpftichtigen R a b b i u e r , R e l i g i o n s - le h re r und K a u t o re li, die wegen ihrer llnabkölnmlichkeit volll Gottesdienst einstweilen befreit lvurden, auch bis aus weiteres fernerhill lucht verpflichtet, zir dienen. - Ans W i e n loird berichtet: Der zum Feldntarschall-Lentuaut beförderte Adolf K o r ll h a b e r , Ritter von Pilis, im Houvedkomlnando, ist 58 Jahre alt, in Drohobycz lGalizierl) geboren, erhielt als aktiver Oberst bat Adel mit dem Prädikat ,,von Pitis", wurde im Nionat Alai 1914 zum Generalmajor ernallnt und dient jetzt im Houvedkommaudo als Feldmarschall-Leutnant. Erzellellz v. Kvrnhaber ist ein Bruder des langjährigen Bürgeruleisters von Borhslav, Moses Jsak Kornhaber. - Privatnachrichtelt aus E z e r n o m i tz nte(beit, daß der dortige russische Gouverneur der jüdischen Bevölkerung eilte Strafe von 50 000 Rubel auferlegt hat sinter dem Vorwände, daß die Jndeit sich beim ersten russischen Rückzüge schlecht benviltuten hätten. Sieben angesehene jüdische Bürger lvtlrden als Geiseln festgeltontlnen. - Zur Judenfrage hat die Vereinigung rumänischer Inden die Heratlsgabe einer umfangreichen Denkschrift beschlossen, die dasgesamte Tatsachenmaterial zur jüdischen Frage in Rumänien enthalten und eine Art Bilanz der Judenfrage zur Zeit der Thronbesteigung des Königs Ferdinand I. darstellen soll. Diesem wird die Schrift auch zugeeignet sein. — Wie vom obersten polnischen Nationalkomitee mitgeteilt loird, lvurden in R a d o m, nachdem die Truppett der Verbündeten die Stadt verlassen hatten, einige Juden geheltkt, wie attch in Kielce, wo außerdem die russischen Soldatetl jüdische Häuser grültdlich ausplünderten. Einen weit größeren Umfang nahmen die Judenpogrome in den Städten des Warschemer - Gouvernements an, lvo eine große Anzahl Juden getötet und ihre Habe vernichtet wurde. -- Wie die Konstantinopeler Zeitungen berichten, hat Barort E d m u ndRothschild - Paris seinen Vertretern in Jerusalem telegraphiert, alle Verhandlungen bezüglich des Ankaufs von Ländereien für das jüdische Kolonisationswerk vorläufig emzltstellelt. -- Der persische Gesandte in Konstantinopel verhandelte mit dem Großrabbiuer wogen lieber siedelt! ng der kürzlich aus Saloniki nach Konstantinopel übersiedelten jüdischen Kausleute nach Persien, lvo den Kaufleuten Steuerfreiheit und sonstige Vergünstigungen gewährt werden sollen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin »Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich inr den Anzeigenteil: Max Fatirniänder, Neutölln. Druck und Verlag von Nudog Moste in Berlin.

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