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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-12-10 · Heft 50 (10.12.1915) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 50 (10.12.1915)
Date
1915-12-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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79. Jahrgang Nr. 10 Allgemeine Berlin, 10. Dezember 1915 eilung desAudmtums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wSchentUch. Abonnements-Prers; durch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3)11. — Postscheckkonto 324:. Begründet von Rabbiner vr. Ludwig PHUippson Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor vr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin SW, Jerusalemer Straße zu richten. Verlag von Rudolf Masse, Berlin. Scümnon Schechter. Ein Gedenkwort. Von I. Elbogen. — Die Woche. -- Bittschrift des polnischen Lehrerausschufses an den Generalgouverneur General v. Baeseler in Warschau. — Deutschtum und Judentum. Von Dr. med. David Roth sch i l d. — Geheimer Justizrat Freund. Von L. G. — Persönliche Erinnerungen an den Altreichskanzler. Von Tr. Adolph Kvhut. — Die Armenkounnission der Berliner jüdischen Gemeinde während des Krieges. Von Bnreauvorsteher Nathan Cohn. — Feuilleton: Ein jüdischer Robinson. Voll M. Schweitzer, Glogau. — Büchereinlauf. — Literarische Mitteilungen. Der Gemeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Posen, Nakel, Breslau, Kottbus. Plauen, Nürnberg, Frankfurt a. M., Stuttgart, Straßburg, Wien, Budapest. — Von Nah und Fern. Salomon Schrchtrr. E i n G e d e n k w o r t. Von I. Elb 0 ge n. (tf£ § lag im Plane dieser Zeitschrift, mit der Anzeige von S. Schechters jüngstem Buche „Seminary Addresses and other Papers“ sein Bild zu bringen. Es ist anders gekommen. Das jüngste Buch Schechters ist sein letztes geworden. Reuter übermittelt die Nachricht, daß der Gelehrte am 20. November aus dem Leben geschieden ist. Airs der Anzeige einer einzelnen Schrift muß somit ein Rückblick auf das gesamte Lebenswerk des Verfassers werden. Schechters Heimgang bedeutet einen schweren Verlust für das Judentum und seine Wissenschaft. Er war kein Mann, den man mit unseren Durchschnittsmaßen messen kann, sondern eine überragende Persönlichkeit -von ausgeprägter Eigenart, von starkem Willen und genialer Begabung. Schon sein Lebensgang lvar nicht gewöhnlich. In Focszany in Rumänien ist er 1847 geboren und dort, nach der Sitte des Landes, fast ausschließlich an dem talmudischen Schrifttum herangebildet worden. Es drängte ihn, sich europäische Bildung anzueignen. Im Alter von nahezu 30 Jahren ging er nach Wien, wo er zum erstenmal die allgemeinen Wissenschaften kennen lernte und wo er zum erstenmal von der kritischen Erforschung des Judentums und seiner Literatur erfuhr; M. Friedmann, der besonders auf ihn einwirkte, hat er dauernd seine Dankbarkeit bewahrt und ihm auch in der oben genannten Schrift ein Denkmal gesetzt. Gegen 1880 kam er nach Berlin, wo Israel Lewy und seine kritische Behandlung des Talmuds tiefen Eindruck auf ihn machten. Hier wurde er durch P. F. Frankl mit Elaude G. Montefiore zusammengesührt, und das wurde entscheidend für sein Leben. Als Montefiores Lehrer zog er 1882 nach England. Dort fand er nicht nur die reichsten Anregungen für seine wissenschaftlichen Arbeiten, dort begründete er auch sein häusliches Glück durch die Vermählung mit Mathilde Roth, die seitdem seine treueste Mitarbeiterin geblieben ist, und dort fand er endlich einen offenen Weg für eine glänzende wissenschaftliche Laufbahn. - 1890 wurde er zum Dozenten für die rabbinischen Wissenschaften auf einen für ihn eigens geschaffenen Lehrstuhl nach Cambridge gerufen; von den vielen Ehrenbezeigungen, die ihm dort zuteil wurden, sei nur erwähnt, daß die alte Universität ihm 1898 den Ehrendoktor verlieh. Auch andere englische Universitäten haben ihn wiederholt -ausgezeichnet und zu Vorlesungen und Prüfungen berufen. Als 1901 das Jewish Theological Seminary in New Jork auf neuer Grundlage aufgebaut und urit reicher: Mitteln für eine intensive wissenschaftliche Arbeit ausgestattet wurde, wurde Schechter die Leitung des Instituts übertragen; als sein Direktor ist er nunmehr gestorben. In Amerika wurden ihm ebenfalls von wissenschaftlichen Körperschaften hohe Ehren verliehen, er gehörte n. a. dem Senat der Columbia University in New Port an und war Ehrendoktor von Harvard. Auch die großen jüdischen Organisationen der Vereinigten Staaten bedienten sich seines Einflusses und seines Rates; soweit sie sich um allgemeine jüdische Angelegenheiten kümmern, beriefen sie ihn sämtlich zur Mitarbeit. Bei aller Bereicherung seines Wissens und Erweiterung seines Gesichtskreises hatte sich Schechter viel von der U r w ü chs i g k e i t seiner Heimat be- - wahrt. Nicht nur, daß er in seinem äußeren Auftreten einen gewissen Grad goldener Rücksichtslosigkeit beibehälten hatte, auch in seinem inneren Wesen behauptete sich das Ursprüngliche, Naturhafte, Lebendige

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