Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1915)
- Date
- 1915-11-26
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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-4 Bulgarien. Z. Sofia» tut Nvdember. Während das alte Serbien unter 4.4 Millionen Einwohnern kaum 6000 Inden zählt, befinden sich unter delt 4 686 300 Einwohnern Bulgariens nach den Ergebnissen der letzten bulgarischen Volkszählung 40118 jüdische Seelen. Die bulgarische Judenschast ntacht fast ein Prozent der Gesamtbevölkerung nn§ und ist in den einzelnen Departements des Landes verschieden stark vertreten. So wohnen im Departement Sofia 11 846 Juden, von denen 10 703 auf die 102 812 EiMvohner zählende Hauptstadt selbst entfallen. Von den anderen Departements zählt Varna 2250 Juden, Burgas 3422, Viddin 2402, Tirnowo nur 205, dagegen Plovdiv 6132; erwähnt sei auch noch Küstcndil mit 2581. Durch den vor kurzem'abgeschlossenen türkisch-bulgarischen Grenzvertrag, der die Maritza von der Quelle bis zur Mündung zu einem bulgarischen Strom macht, erhielt Bulgarien mit den Städten Karagatsch bei Adrianopel und Dedeagatsch einen iveiterc» Zuwa-Hs an jüdischer Bevölkerung von etwa 500 Seelen. Die Hafenstadt Dedeagatsch. bei der die Maritza in das Aegäische Meer mündet, zählt etwa 200 Inden trnter 3000 Einwohnern, Seit 1870 besteht dort eine jüdische Gemeinde mit Synagoge. Schule und Wohlfahrtscinrichtungen. Von MH und JFmt -a Am Donnerstag, den 2. Dezember» begehen die um die Wohlfahrtseinrichtungen der Berliner jüdischen Gemeinde hochverdienten Eheleute Moritz Manheimer und Frau, von den innigsten Wünschen weiter Kreise begleitet, das seltene Fest der sechzigsten Wiederkehr ihres Hochzeitstages. Zu Ehren des Jubelpaares findet, wie wir hören, am Sonntag, den 5. Dezember, in der Neuen Synagoge eine religiöse Feier statt. — Der Hilfs - ve rein der deutschen Juden hat der jüdischen Gemeinde in Warschau 60 000 Mark zur Unterstützung der heimatlosen sowie der durch den Krieg geschädigten Juden in- Warschau überwiesen. — Dem Kriegsfreiwilligen Assistenzarzt Dr. Hugo Bernhardt- Berliu wurde das Ritterkreuz des sächsischen Albrechtsordens mit Schwertern zweiter Klasse verliehen. — Durch das Ableben des Herrn Arthur Z a m o r y hat die Mietsunterstützungsanstalt „Ohel Jescharim", der er 14 Jahre als Vorstandsmitglied angehört hat, einen schmerzlichen Verlust erlitten. Durch die Vornehmheit ferner Gesinnung und die treue/gütige Fürsorge für die Bedrängten hat er Anerkennung und Hochschätzung in weiten Kreisen gefunden. — Aus Posen wird uns geschrieben: Dem Bruder des Herrn Heinrich E p st e i n» hier, in Firma Heinrich Epstein, I. Katzenellenbogen Nachfolger, dem Geheimen Kabinettsrat des Fürsten von Lippe, ist» nachdem er sich als Hauptmann der Linie das Eiserne Kreuz erster Klasse erworben hat, vom Fürsten von Lippe der erbliche Adetstitel verliehen worden. — Herr Lehrer Hofmann - Lboruik, der seit der Mobilmachung als Unteroffizier im Militärdienste der Posener Garnison angehört und an die Verwundeten, einarmige Krieger, Unterricht erteilt, beging hier sein 25jähriges Arntsjubiläum als Lehrer. Der JnLilnnmsf-eier wohnte außer vielen Kollegen auch ein Regimentsadjutant bei. — Die jüdische Gemeinde in Cottbus bat durch den am 19. d. M. erfolgten Tod des Herrn Bankier Wolfs Loewenstein einen schmerzlichen Verlust erlitten. Der Dahingeschiedene war 34 Jahre lang, davon über 25 Jahre als Vorsitzender des Vorstandes, mit unermüdlichem Eifer zum Segen der Gemeinde tätig und hatte sich besonders um den Bau des neuen Gotteshauses verdient gemacht. Ehre seinem Andenken! — Aus Hamburg wird uns geschrieben: In der gemeinschaftlichen Sitzung des Vorstandes und des Repräsentantenkollegiums der Neuen Dammtor-Spnagoge wurde für den verstorbenen Herrn Jakob Levv Herr Isidor Ascher sunt Vorstandsmitglied gewählt. Der neuaewählte Vorstand bekleidete bisher das Amt des zweiten Vorsitzenden der Repräsentanten und hat in bewährter Weise um die Ausgestaltung der Vereinigung der Neuen Dammtor-Shnaaoge gewirkt. — In Halle a. d. S. hat am 17. November eine Kriegstaaung mitteldeutscher Rabbiner stattgefunden, in der religiöse Gegenwartsfragen der deutschen Juden behandelt wurden. — Die Regelung des Fettbezuges ist in München vom Stadtmagistrat angeordnet worden. Einstimmig wurde hierbei beschlossen, den Israeliten, die nach jüdischem Ritus leben, nach Maßgabe der auf die jüdischen Metzger prozentual treffenden Menge Roh fett abzugeben. — Geheimrat Professor Dr. Moritz Nußbaum in Bonn am Rhein, Direktor des Biologischen Instituts, ist verschieden. — Wie uns im Anschluß an die vor einigen Wochen veröffentlichte Notiz aus dem Bureau der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" zu Frankfurt a. M. mitgeteilt wird, hat das Kriegsministerium die stellvertretenden Generalkommandos unter dem 4. November mit dem Aktenzeichen Nr. 2148. 10. 15. B. 2 neuerdings verständigt, daß jüdische Mannschaften, die unter Berufung aus die Religivnsgesetze einen entsprechenden Antrag st eilen, auch während der Dauer der M ob i l m a ch u n g von der Teilnahme an der gemeinsamen Truppencküche befreit werden können. Die alsdann an die Mannschaften zu zahlende bestimmungsmäßige Geldabfindung beträgt vom 26. September d. I. ab für die Verpflegung einschließlich Brot 1,50 Mark und ohne Brot 1,35 Mark täglich. Durch diesen neuen Erlaß ist die Verfügung vom 23. August überholt. — Der Redakteur des „Neuen Wiener Tagblatt", Herr Moritz Epstein, ist im Alter von 72 Jahren verschieden. — Dem Rabbiner Dr. M. Lewin in Nikolsburg wurde seitens des Generalinsvektors der k. u. k. Sanitätspflege, Sr. k. k. Hoheit Erzherzog Franz Salvator sowie seitens des k. k. Ministeriums des Innern der Dank und die besondere Anerkennung für seine ersprießliche Wirksamkeit auf dem Gebiete der Hilfeleistung für die israelitischen Kriegsslüchtlinge aus Galizien und der Bukowina ausgesprochen. — Aus Szegedin wird berichtet: Der 14jährige Sohn des Agenten Moritz Weißfeiller war schon vor Monaten verschwimden, und nach langem vergeblichen Suchen hatten die Eltern bereits jede Hoffnung verloren, den Knaben je wiederzusehen. Vor einigen Tagen erhielten nun die Eltern eine Feldpostkarte, auf der der Vermißte mitteilt, daß er sich wohlbefinde, Soldat sei und mit einem Artilleriehauptmann, der sich seiner annahm, im Felde stehe. Eine auf die Karte geklebte Photographie zeigt den 14jährigen Knaben in Uniform, wie er gerade das Feldtelephon bedient. — Bekanntlich waren die ersten Soldaten der Zentrglmächte bei dem welthistorischen Zusammentreffen mit den Vulgaren in Kladowo an der Donau ungarische Soldaten. Nun erfährt die Vudapester „Allgem. Jüdische Zeitung", daß es ein Budapester Jude war, der an der Spitze unserer Soldaten dem bulgarischen Leutnant Gatschew die Hand schüttelte, nämlich der Landsturmoberleutnant Dr. Ferdinand Schön, im bürgerlichen Beruf Advokat. Seine Kameraden bereiteten aus diesem Anlaste dem braven Offizier, der seit Kriegsbeginn im -Felde steht, herzliche Ehrungen. — Dem „Israelitischen Wochenbl." in Zürich wird aus Paris berichtet: Die Leitung der ..Alliance isra 6 lite Universelle" hat, da es nicht gut möglich war, eine Sammlung zu veranstalten. 100 000 Fr. für die russischen Fuden bewilligt, welche dem Komitee in Petersburg zugestellt wurden. Ebenso wurden die jüdischen Flüchtlinge in Alerandrien (Aegypten) und Kreta unterstützt. Die Lage der Juden in Tripolis ist infolge des Rückzuges der italienischen Truppen sehr unsicher geworden. Heute befinden sich aus dem Innern des Landes in der Stadt Tripolis viele indische Flüchtlinge. Die Alliance bat durch den Direktor der dortiaen Schule eine Summe für die notwendige Lebensmittelanschaffung hingeschickt. —-Die Mitglieder der Londoner Börse sind zu einer Versammlung einberufen worden, in der die Fraae der Wiederwahl naturalisierter deutscher und österreichischer Mitglieder für den März nächsten Jahres erörtert werden soll. Wie die „Morning Post" erfährt, soll deren Wiederwahl abgelehnt werden. Nur in solchen Fällen, wo nahe Verwandte jener Naturalisierten auf seiten der Verbündeten kämpfen, sollen Ausnahmen zulässig sein. — Wie aus Moskau berichtet wird, bat die dortige jüdische Gemeinde an die Regierung das Gesuch gerichtet, man möge den galizischen Juden erlauben, sich mit Handel und Handwerk zu befassen. Das Gesuch wird mit dem Umstand begründet, daß die Massen verschickter galizischer Juden den armen Gemeinden zur Last fallen, während sich unter den Verschickten zahlreiche gute Handwerker und Gewerbetreibende befinden, die gern arbeiten wollen. Auch haben sich zahlreiche jüdische Geschäftsinhaber bereit erklärt, galizische Juden in ihren Geschäften zu beschäftiaen. —< Der Verband der galizischen Juden in Nordamerika hat sich an Präsident Wilson gewandt, damit dieser bei der russischen Regierung dafür eintrete, daß verschiedene galizische Rabbiner, die jetzt in Rußland gefangen sind, freigelasten werden. — Wie ein Reuter-Telegramm aus New Dork meldet, verschied dort am 20. d. M. Dr. Salomon S ch e ch t e r, Rektor des Jüdisih-theologischen Seminars von Amerika. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: M a x I u u g e. Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moffe.