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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-11-19 · Heft 47 (19.11.1915) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 47 (19.11.1915)
Date
1915-11-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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19. Jahrgang Nr. 47 Allgemeine Berlin, 19. November 1915 Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preisdurch den Buchhandel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 NI. — Postscheckkonto 32%. Begründet von Rabbiner vr. Ludwig Phiiippson Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor Dr. Ludwig Geiger Vertag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46-49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin. SW, Jerusalemer Straße 4M9, zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. nh'llt * Die deutschen Juden und der Krieg. Von Ludwig G erge r. — lUjull« Die Woche. — Dr. David Leündörfer 40 Jahre im geisthen Amt. Von Dr. Phil. Josef Zolinski, Hamburg-Eppendorf.— ax Lilienthal (1815—1882). Von Gotthard Deutsch. — Aus Henriette oldschmidts jungen und alten Tagen. Don Regina Neißer. — Tie riegshilsskommission der Berliner jüdischen Gemeinde. — Gottesdienst r 11. Armee. (Bild.) — Feuilleton: Zwischen Vater und Sohn, rzählung von Regina Ne iß er. — Literatur. — Sprechsaal. Der 6-emeindebote (Beilage zur „Allgemeinen Zeitung des Judentums"), erlin, Insterburg, Posen, Janvwitz, Wronke, Breslau, Glogau, Leipzig, nrnberg, Stuttgart, Wien. — Von Nah und Fern. Die deutschen Juden und der Krieg. ntcr diesem Titel ist soeben eine Broschüre erschienen^, ans die die Leser dieser Zeitung hinzuweisen ich mir eriibe. Ich versuche darin nicht nur die Beteiligung der deutlen Inden an dem Kriege, sondern ihre Stellung im Heere, * Soldaten, geschichtlich darzustellcn. Ter erste Abschnitt „Die Zeit bis 181.3" setzt auseinander, >e die Inden bis zum 18. Jahrhundert, da sie wie Hörige beachtet und behandelt wurden rmd sich selbst zu dem Beafs eines deutschen Vaterlandes nicht aufzuschwingen vernichten, unbeteiligt an den Kämpfen bleiben mußten, die in rutschland stattfanden. Machten einige Abenteurer sich vielicht unter die Menge der Krieger mischen, andere als Münzäger und Händler Gewinnste machen, — die Unternehnrnnn, in denen Deutschlands Kraft sich verzehrte, waren nicht re Kriege. Erst durch Dohms Schrift „Hebet die bürgerliche Bersserung der Juden" wurde die Frage angeschnitten, ob sie rößeres Recht erhalten und stärkere Verpflichtungen tragen 'Uten; zu diesen Rechten und Pflichten wurde auch die Teilahme am Soldatenstand gerechnet. Gegenüber den Widergungen vvn I. D. Michaelis, der sich auf eine falsch verladene Stelle des Maimonides berief, erhoben Mendelssohn ad Dohm Widerspruch. Während der Regierungszeit Friedrich Wilhelms II. gannen, unter der seines Nachfolgers, Friedrich Wil- 1ms III., wurden fortgesetzt die Bemühungen, die von i> Juden selbst, besonders von den Aeltesten der uliner Gemeinde, ausgingen, den Juden staatsngerliche Rechte zu verschaffen, und unter diesen wurde auf e Militärpflichtigkeit großer Wert gelegt. Die Staatsregie- -ng, die zuerst diesen Anstrebungen unsympathisch gegenberstand, wurde, nachdem der ärgste Jridenfeind, der Minister chrötter, durch einen Aeltesten der jüdischen Gemeinde in mügsberg umgestimmt war, für den Gedanken gewonnen und atz der Gegnerschaft, die in den Schriften Grattenaners und nur Genossen zu Worte kam, wurde in mannigsachen Ent- J) Kriegspolitische Einzelschriften, Heft 8: „Die deutschen Juden ad der Krieg." Von Geh. RegierungSrat Professor Dr. Ludwig Geiger, ulin W 57, C. A. Schwetschke u. Sohn, Verlagsbuchhandlung. Würfen und Vorarbeiten für das Edikt von 1812 auch diese Pflicht und dieses Recht den Juden gewährt. Wilhelm v. Humboldts erleuchteter Geist neigte sich diesen Bestrebungen zu, der König ging, vielleicht etwas widerwillig, auf den Gedanken ein; am 11. März 1812 erfolgte die Gleichstellung der Juden, die ihnen auch die Pflicht der Verteidigung des Vaterlandes auferlegte. Der zweite Abschnitt „Der Befreiungskrieg von 1813—15" tut dar, wie die Juden die ihnen auferlegte Pflicht freudig übterr. Diese Uebung ist um so mehr anzuerkennen, weil ihnen bisher der Begriff des Vaterlandes gefehlt hatte und ihre körperliche Beschaffenheit sie die Mühe des Heeresdienstes und anstrengender Arbeit doppelt schwer empfinden ließ. Trotzdem beteiligten sich die Juden auch an dem freiwilligen Dienste weit mehr als unter den, Zwange der allgemeinen Wehrpflicht und zeichneten sich durch tapfere Taten ans. Sehr viele wurden verwundet, gar manche fanden den Heldentod; von den Ueberlebenden erhielten zahlreiche Lobsprüche und Anerkennungen. Feiglinge, wie ein jüdischer Vorsteher im Hessischen, der die Loskaufsmöglichkeit befürwortete, wurden von den treuen Söhnen des Vaterlandes lebhaft bekämpft. Auch die, die nicht zu den Waffen greifen konnten, bewährten vaterländische Gesinnung. Männer und Frauen spendeten Gaben, beteiligten sich an den Liebcswerken, mehrere Rabbiner hielten patriotische Predigten, auch der Berliner jüdische Vizeoberlandrabbiner Wehl; viele Schriftsteller gaben ihrer Vaterlandsliebe lebhaften Ausdruck, wie Ludwig Börne und Heinrich Heine, die damals beide noch dem Judentum angehörten, ferner Ludwig Robert und der junge Michael Beer. Nur einer erlangte höhere Ehren, der spätere Major Burg, der, ein leuchtendes Beispiel treuer Dienstersüllung und glühender Vaterlandsliebe, bis zum Ende seines Lebens ein wahrhafter Jude blieb. Die Zeit von 1815 bis 1870, über die im dritten Abschnitt gehandelt wird, blieb ohne größere Kämpfe. In diesem Abschnitt wird gezeigt, wie der Enthusiasmus für die belgische und französische Revolution, für die Freiheitskämpsc der Griechen und Polen auch unter den Juden lebhaft gepflegt wurde; als Ausdruck der Teilnahme für die Polen werden Gedichte Moritz Veits und Moritz Hartmanns und die Schtlderungel, Heinrich Laubes von einem deutschen Juden angeführt, der an dem Aufstand teilnahm, tapfere Taten verrichtete, aber als Jude manche Zurücksetzung zu erleiden hatte. Vor allem wird dargetan, wie das von dem König Friedrich Wilhelm IV. ausgehende Bestreben, die Juden von der Militärpflicht auszuschließen, von den Juden, sowohl von Gemeinden als von Privaten (Gutachten Abraham Geigers), auf das entschiedenste bekämpft wurde. Diese Bemühungen, unterstützt durch eine Broschüre Gabriel RießerS, hatten den gewünschten Erfolg, so daß die befürchtete Reaktion nicht eintreten konnte. Es wird sodann an einzelnen Beispielen

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