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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-11-12 · Heft 46 (12.11.1915) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 46 (12.11.1915)
Date
1915-11-12
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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und salongewandten Vertreter des schönen Geschlechts der assimilatorischen Kreise gegenüber den bescheidenen und schüchternen Mädchen des Mittelstandes und der Arbeiterschaft im Vorteil sind. Die Schnlfrage führte bereits zu einer Krise im provisorischen Vorstand der jüdischen Gemeinde. Zwei Mitglieder, und zwar ein Vertreter der Polen mosaischer Konfession und einer der chassidischm Orthodoxie, verlangten eine Stellungnahme des Vorstandes für die polnische Lehr- . spräche. Der Vorstand lehnte dies ab, worauf die beiden Herren demissionierten. - Hör das ante Verhältnis, das zwischen den Deutschen uitb unseren Glaubensgenossen hier in Lodz besteht, ist die Tatsache bezeichnend, daß dieser Tage ein von der „Deutschen Lodzer Zeitung" imb dem hiesigen „Jüdischen Volksblatt" gemeinsam eingerichtetes und bezogenes Pressehaus in feierlicher Weise bezogen worden ist. Der Organisator und Leiter der deutschen Presseverwaltung im besetzten Russisch-Polen war *u diesem Zweck eigens aus Warschau herüoergekommen, und Herr Geheimrat Eleinow feierte in seiner Begrüßungsansprache die Einhelligkeit der Bevölkerung. Er stellte freudig fest, daß im eroberten Gebiet weit mehr als 100 Landesbewohner solcher deutscher Nationalität mit Polen und Inden gemeinsam und in Eintracht an einem deutschen Friedenswerke tätig wären und dank dieser Arbeit sich mitten in den Nöten des Krieges wirtschaftlicher Sicherheit erfreuten. Außer Herrn Geheimrat Eleinow ivrach auch der Leiter der Presseabteilung Lodz. Herr Hanptmann Schultze. bei diesem Einweihungsfest. Von Aah und ssem. — Geheimrat Professor Dr. Hermann Cohen, der im 74^ Lebensjahre stehende Gelehrte, welcher unlängst das goldene Doktorinbitäum feierte, hat sich in unermüdlichem Eifer der Universität M a r b u r g zur Vers ü g u n g g e st e l l t. Obwohl Geheimrat Cohen wöchentlich sechs Stunden der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums verpflichtet ist und außerdem an der Vollendung seines grvßangelegten „Svstems der Philosophie" arbutet. will er in jeder Woebe einmal nach Marburg reisen, um dort Vorlesungen zu halten, weil die Universität Marburg durch die Einberufung einer großen Anzahl von Lehrern in ihrem Betrieb besonders schwer betroffen ist. — Professor Dr. Felir Lieber in a n n hat durch eine weitere Spende seine Gabe für den Sammlungsfonds des Magistrats zur Linderung der durch, den Krieg hervoraernfenen Notstände aus die Höhe von 180 000 Mark gebracht. - Im Lazarett des Professors Dr. Kare los k i, Trankenaustraße 5, fand dieser T aa« anläßlich des ein* iährigen Bestehens des Lazaretts, eine Feier statt. Eiugeleitet wurde ff,' durch Ansprachen des Professors Dr. Karewski und ^niimraks Dr. Mar Lew in. Dann kamen durch Tr. Eurtius Lichtbilder zur Vorführung. Bon der Verwundeten wurden vaterländische Lieder und Soli.-- unter der musikalischen Leitung des Oberleutnant? P r i u g s h e i m vorgetragen. - Der bisher in der Svuaaoqe Bisurarckstraff' in Eharfottenbnra amtierende Kantor Josef Bar o eh o w i ß iß, wie nur hören, für bi" biesiae Königliche Hofoper mit 'ffn'nn Il-hreseehalt von 22 000 Mark vervslichtet worden. -- Den Heldentod für das Vaterland starb am 20. vorigen Monats der swifnungsvalle Sohn des Rabbiners Dr. Ludwig A. Rosenthal, der Kunsthistoriker Mar R a s e n t h a l. Unteroffizier im 64. Infanteriereaiment. Er bat ein Alter von nur 24 Jahren erreicht, ükbre ffnnem Andenken. Aus Posen wird uns geschrieben: Das I i! H ii s?( Ui n r t i di c Vermächtnis beschloß d-'e Stadtverordlwtenversgmrnluna mit Dank anznnehmen. Es handelt sich um den Betrag von 20 000 Mark, dessen Zinsen alliäbrlich nun 1. Oktober ie nix Hälfte an verschämte Arme indischer und christlicher Konfession in Pown zur Verteilung kommen sollen. — Anläßlich seines 70. Geburtstages überwies der Kaufmann Hermann Wreichinfki in Pudewiß als zweite Svende Zinn Temvetbau der Svnagoaenaemeinde den Betrag von 500 Mark. -- Herr Leo Fräukel. Hohensalza, spendete der Universität Breslau rum Andenken an seinen Bruder Professor Dr. Siaismund FränkK -2000 Mark für eine Stiftung für bedürftige Studierende der semitischen Svrach-n.^ Ans Groß-Strehliß wird uns geschrieben: UnKr Glaubensgenosse der Reciernngsbanführer Herr Kurt Wolfs. Offizierstellvertreter und Ritter des Eisernen Kreuzes, ist zum Leutnant bei einem, Pionier regünent befördert worden. — Die Rentier Steinihscheu Eheleute in Kattowitz feierten das schöne Fest der goldenen Hochzeit. Ans Eannnin in Pommern wird geschrieben: Am 31. Oktober starb unser langjähriger .Kultusbeamte, der em. Lehrer Isaac Finder; er stand im 92. Lebensjahre. Länger als 40 Jahre hat er segensreich m unserer Gemeinde gewirkt, und als das Alter ihn zwang, sein Amt niederzulegen, hat er noch bis zu seinem letzten Atemzug seine ganze Kraft dem Dienst der Gemeinde gewidmet. Nicht nur Beamter war er uns, sondern Freund und Berater. Sein Name wird in der Gemeinde stets mit Liebe Und Verehrung genannt werden, sein Andenken nie erlöschen. — Nach langem Leiden verschied nur 24. Oktober in Ohlau Herr Hugo Niesenfeld im Alter von 62 Jahren. Voller Trauer beklagt die Synagogengemeinde das Ableben dieses braven, gottessürchtigen Mannes, der eine Reihe von Jahren dem Repräsentantenkollegium angehörte. — Aus Hamm i. W. wird uns geschrieben: Unsere Stadt lvird nun auch ein eisernes Gedenkzeichen erhalten, und zwar in der Form einer 2,50 Meter hohen, nagelbaren Statue des Grafen von der Mark, des Gründers der Stadt. Es lvurde ein engerex Wettbewerb ausgeschrieben; den Auftrag erhielt der Bildhauer Leopold Fleischhacker ans Düsseldorf, Sohn des Predigers Fleisch-Hacker in Rosenberg, O.-S. — Herr Rabbiner Dr. Fuchs in Luxemburg widmete in der Synagoge dem verstorbenen Staatsminister Eh scheu herzliche Worte der Erinnerung. Er knüpfte an an das Bibelwort: „Und ich werde deinen Namen groß machen, und deinem Volke sollst du zum Segen werden." Der Name Eyschen werde in Luxemburg unvergeßlich für alle Zeiten bleiben. — „Eiserner Saum bet N ächstenl i e b e" betitelt sich ein Wahrzeichen, welches in Wien am 31. Oktober in der Eingangshalle des Vereinshauses (15. Bezirk, Herklotzgasse 21), des Kaiser-Franz-Joses-Kinderhortes Zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder des 12., 13., 14. und 15 Bezirkes, durch Herrn Rabbiner Dr. Israel Taglicht zur festlichen Einweihung gelangte. Dieses Wahrzeichen ist zum Gedächtnis an die Opferwilligkeit seiner Mitglieder, Freunde und Gönner errichtet. Jeder Nagel, der dieses Denkmal der Menschenliebe ziert, hilft ein armes Judenkind vor Hunger zu schützen. Nägel sind im Vereinshause stets erhältlich. — Der Meister der ungarischen Pädagogik und Schöpfer des Mustergymnafiums, Universitätsprofessor Moriz v. K arm an, ist in Budapest im 72. Lebensjahre gestorben. Daß heute die ungarische Mittelschule auf europäischem Niveau steht, daß Ungarns Gymnasial- und Reatschulprofessoren den Vergleich mit jenen Oesterreichs und Deutschlands bestehen können, das alles ist ein Verdienst Moriz Karmans. Baron Josef Eötvös entdeckte ihn, der — vor mehr als vierzig Jahren - ein einfacher jüdischer Religionslehrer war, und er sandte ihn ins Ausland, damit er dort die neuesten Errungenschaften der Pädagogik studiere und dann in seinem Vater lande verwerte. Und Karman — damals noch Kleinmann — erfüllte alle Erwartungen seines Gönners und ward „zum Bildner und Vorbild zweier Generationen". — Aus Paris wird über die Schweiz gemeldet, daß der Neffe von Alfred Dreh s u s, Sohn des aus der Drehsus- Afsäre bekannten Mathieu Dreyfus, auf dem Schlachtfelde den Tod gefunden hat. Der erst 24 Jahre alte Unterleutnant Emile Dreyfus hatte mit in Flandern gekämpft und das Militärverdienstkreuz und die Ehrenlegion erworben. Alfred Dreyfus selbst steht als Oberstleutnant auch im Felde. — Das israelitische Waisenhauses in Paris, von Baron Rothschild in der Rue Lamblardie gegründet, wird vergrößert. Sein wohltätiger Stifter hat Boden angekauft, um neue Pavillons zu errichten-. — Die Schlacht bei Loos, in der die Engländer vergeblich gegen die Deutschen kämpften, hat 16 jüdische Opfer auf seiten der Engländer gekostet, darunter einen Kapitän, zwei Leutnants und drei Unterleutnants. Etwa 60 jüdische Soldaten wurden verwundet. — Obgleich der Verkehr zwischen England und Rußland aufrechterhalten worden ist, wurde doch in England bis jetzt verhältnismäßig sehr wenig getan, um die materiellen Leiden der russischen Jude zu lindern. Während der ganzen Tauer des Krieges wurden bisher hierfür bloß 300 000 Rubel von Privatleuten aufgebracht. Wie die Zeitungen Mitteilen, hat sich jetzt zu diesem Zweck aus den repräsentativsten Persönlichkeiten der englischen Judenhett ein neues Komitee gebildet. Zu Mitgliedernwurden die Herren Rothschild, Lord S w e y t l i n g , Leo R u f u s I s a a c s . Minister Samuel, Israel Z a n g w i l l, die Oberrabbiner Gaste r mld Herz, E. M o n t e f i o r e und andere gewühlt.— Aus New Jork wird gemeldet: N. Slouchz, Professor au der Sorbonne in Paris und bekannter hebräischer. Schriftsteller, ist hier eingetroffen. — Auf dem in San Franciscco stattfindenden Weltbibelkongreß wurde hervorgehoben, daß im Jahre 1914 nicht weniger -als 2 8 Millionen Bibeln in der Welt verbreitet wurden._ Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastrabe 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau; Druck und Verlag von Rudolf Moste.

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