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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-11-05 · Heft 45 (5.11.1915) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 45 (5.11.1915)
Date
1915-11-05
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 bk allgemeinen Unkosten in keinem Verhältnis zu den erzielten Einnahmen stehen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß nach dem Krieg' das bisherige Israelitische Krankenhaus seinen Betrieb nicht mehr aufnehmen wird und das Gebäude vielleicht für die Zwecke eines K r i e g s lv a i s e n h a u s e s Verwendung findet. Grsterreich-Angsrn. K. Wien, 29. Oktober. Oberrabbiner Dr. Gü bemann veröffentlicht in der hiesigen Tagespresse folgenden Aufruf, der auch in der Presse unseres treuverbündeten Nachbarreiches die weiteste Verbreitung und Beherzigung verdient: „Das Vaterland bedarf der zur siegreichen Durchführung des Weltkrieges erforderlich.'n Geldmittel. Es richtet deshalb an alle Staatsbürger die Aufforderung: „Zeichnet die dritte Kriegsanleihe!" Bon allen Kanzeln herab ertönt der Appell: „Zeichnet die dritte Kriegsanleihe!" Auch die Rabbiner unserer Kultusgemeinde werden von den Kanzeln ihren Zuhörern ans Herz legen, das; es ihre heilige Pflicht ist, dieser Aufforderung Folge zu leisten. Ta ich wegen meines Alters den regelmäßigen Dienst auf der Kanzel des Gotteshauses nicht mehr versehe, so habe ich mir vorgenommen, von den Kanzeln der öffentlichen Blätter, von denen der Schall weiter bringt als von jenen, den eindringlichen Ruf zu verlautbaren: „Mitglieder der israelitischen Kultusgemeinde! Zeichnet die dritte Kriegsanleihe!" Vielleicht übt mein Alter, das sonst die Stimme abschwächt, diesmal die entgegengesetzte Wirkung und verstärkt meinen Aufruf, da ich nicht bloß euch, das gegenwärtige Geschlecht, als trure Patrioten kenne, sondern auch eure Väter und Großväter als opferwillige Söhne des Vaterlandes gekannt habe und also auch in ihrem Namen die eindringliche Mahnung au euch richten darf: „Zeichnet die dritte Kriegsanleihe!" Ihr erfüllt damit Zugleich eine Pflicht gegen unsere Religion, die uns auffordert, für das Vaterland die größten Opfer zu bringen,' ihr erfüllt aber auch eine Pflicht gegen unsere Ehre. Unsere Ehre ist unsere Geschichte. Wir gehören einem Volke an, das älter ist als irgendein Volk der Gegenwart, einem Volke, das die Gotteserkenntnis in die Menschheit eingepslanzt, trotzdem aber mehr gelitten, mehr Opfer gebracht hat als irgendein Volk der Gegenwart. Beweisen wir neuerdings die alte Opfersähigkeit und Opferfreudigkeit unfc zeichnen wir für unser Vaterland die dritte Kriegsanleihe, das einzige Opfer unter allen, die wir während unserer langen Geschichte gebracht haben, das sich reichlich verzinst. Der Weltkrieg, der so viele Tränen verursacht hat, wird auch viele Tränen trocknen. Unseren Brüdern, die „im Hanse der Sklaverei" geseufzt haben, winkt die Erlösung, winkt die Freiheit. Helfet zu ihrer Verwirklichung und zeichnet die dritte Kriegsanleihe! Einer unserer alten Lehrer übergab einem anderen eine große Summe mit dem Aufträge, ihm dafür ein Landgut zu kaufen. Dieser verteilte das Geld unter die Armen. Befragt, rechtfertigte er sein Verfahren mit der Antwort: Diese Anlage sei das schönste Landgut. In ähnlichem Sinne habt ihr jetzt Gelegenheit zu einer heilbringenden, segensreichen Anlage eures Geldes: „Zeichnet die dritte Kriegsanleihe!" Wir Juden beten an jedem Morgen den hundertsten Psalm, der den Namen des Dankpsalms trägt. Danken kommt von Denken. Denket daran, was ihr dem Vaterlande schuldet, daß es euch aus der Nacht zum Licht erhoben, daß es euch zu freien Menschen gemacht und euch allen Staatsbürgern gleichgestellt hat> Das Vaterland hat seine Schuldigkeit getan, tut ihr die eurige, beweist ihm euren Dank und zeichnet die dritte Kriegsanleihe!" Diesem beherzigenswerten Aufruf an die Wiener Judenschaft schließt sich auch der Präsident der Kultusgemeinde, Dr. Alfred S t e r n, an. Von Ash und jfern. Die G r o ß l o g e f ü r Deutschland U. O. B. B. hat als äußeres Zeichen der Sympathiekundgebung für Bulgarien den dortigen sechs Bne-Brith-Logen 3000 Mark zur Linderung der Not Kriegsbeschädigter überwiesen. — G e h. Negier u n g s r a t P r o s e s s o r D r. Hermann E o h c n war aus Anlaß seines fünfzigjährigen Doktorjubiläums Gegenstand mannigfacher Ehrungen. Eine Abordnung der K a n t - G e s e l l s ch a f t überreichte eine Adresse, in der Cohens Fortsetzung der Lehre Kants in seinem neuen System der Philosophie rühmend gewürdigt wird. Geheimrat Professor Dr. Ludwig Geiger hielt daun im Namen des Kuratoriums für die Lehranstalt des Judentums eine Ansprache, in der er Cohen als „die Seele und das Gewissen' des Judentums feierte. Nach einer kurzen Erwiderung Hermam Cohens, in der der Name Beit S i m ons mit Dankbarkeit genann wurde, trat Paul N a t o r p vor den Jubilar, um ihm die Grüß und Glückwünsche der Universität Marburg zu überbringen. Unter den zahlreichen Glückwünschen und Telegrammen, die von Schülern Freunden und Anhängern der Marburger Schule eingegangen waren befand sich auch eine Depesche des K u l t u s m i n i st e r s v. Trot z u Solz. — Der bekannte Berliner Arzt und Goethe-Forsche' S n n i t ä t s r a t T r. M a x M o r r i s ist anläßlich der Goethe Feier der Leipziger Universität von der philosophischen Fakultä zum Ehrendoktor ernannt worden. Von seinen Schriften ist besonderdas sechsbändige Werk „Der junge Goethe" zu nennen. Der neu Ehrendoktor der Leipziger Universität befindet sich im Felde und ist i: einem Lazarett auf dem östlichen Kriegsschauplatz als Arzt tätig. - Im rüstigen Alter von 53 Jahren ist in Danzig am 23. v. M. nab, kurzer Krankheit Herr Samuel Landau, Inhaber der gleich namigeu Getreidekommissionssirma, gestorben. Der Heimgegangen gehörte seit 1888 der Korporation der Kaufmannschaft an, in der e auch als Mitglied iit Fachkommissionen, namentlich für Futtermittel und Mühlenfabrikate, wirkte. Seit kurzem war er Mitglied des R. präsentantenkolleglmns. Ueberall wirkte er stets mit Regsamkeit un1 Treue, so daß sein Hinscheiden aufrichtig betrauert wird. — Au Graudeuz wird geschrieben: In den der Seelsorge des hiesige! Rabbiners D r. L o e v y benachbarten Kriegsgefangenenlagern befinde, sich viele russische Inden, welche dringend -um Tefillin bitten. Vo i hiesigen Beständen konnte nur ein Teil befriedigt werden. Her Dr. Loevy bittet daher um Zusendung von Tefillin (auch gebrauchte: > zu diesem Zwecke. — Kantor und Religionslehrer Jakob U ck o t1 Ohlau feierte am 26. v. M. sein fünfzigjähriges Amtsjubiläum uw seinen siebzigsten Geburtstag. — Aus Posen wird uns geschrieben, Herr Martin Friedm-ann, Mitinhaber der Firma Alport uw Friedmann, Vizewachtmeister jetzt im Refervedragonerregimew Nr. 3, wurde zum preußischen Leutnant der Landwehrkavaller: ersten Aufgebots ernannt. — Die vom Magistrat in Schrinu! nach Anhörung der Stadtverordnetenversammlung beschtosfel: Anstellung des Tierarztes Platschet als Schlachthosdirekto. ist vom Bezirksausschuß in Posen genehmigt worden. — An: Altona wird gemeldet: Am 22. Oktober siel im Westen infob? einer Granatverletzung Rechtsanwalt Dr. Jacob Möller von f)tc Er erreichte ein Alter von 30 Jahren und hatte noch wenige Woche i vor dem Ausrücken die Geliebte seines Herzens geehelicht. Die Trau-: um den infolge seiner Begabung und seines großen Interesses für d i Sache des traditionellen Judentums vielversprechenden Mann it allgemein. — Der Offizierstellvertreter im 71. Reserveinfanteri regimmt und Inhaber des Eisernen Kreuzes Ignatz Reis, Sot : des Herrn Ferdinand Reis in Meiningen, ist zum Leutnant beförde: worden. — Die am 2. Oktober verstorbene Frau Betty Fränkel iu Wien vermachte 1 Million Kr. für Wohltätigkeitsanstalte: 300 000 Kr. der israelitischen Gemeinde für ein Kinderkrankenhau. 20 000 Kr. den Armen der Stadt und 10 000 Kr. den jüdischen Arme:. - Wie aus Nhireghhaza gemeldet wird, hat der Husarenoberst Akusü > Nagy der dortigen israelitischen Neligionsgemeinde ein interessant' Geschenk gewidmet. In einer verwüsteten Ortschaft in Russisch-Pol., i kam unter den Trümmern der eingestürzten Synagoge ein groß r silberner Armleuchter zum Vorschein, welchen der Oberst in B. gleitnng eines in warmem Tone gehaltenen Schreibens dem Gemeind Präsidenten Mathias Kun übermittelte. Der Leuchter wurde i i Nyiregyhazaer Tempel untergebracht, und der Kultusvorstand votier e in einer seiner jüngst abgehaltenen Sitzungen dem Husarenobe^t Nagy für sein freundliches Patriotisches Gedenken protokollarisch d-: Dank. —- Mit dem Einzug der Deutschen in Wilna uder Ueberuahme der Verwaltung ist auch dort sofort de Gleichberechtigung der Juden in kommunalpolitischer Beziehu: /! eingeführt worden. Die Rücksichtnahme der deutschen Behörden a-o den jüdischen Bevölkerungsteil zeigt sich unter anderem auch dar:!' daß sämtliche Bekanntmachungen der Behörden nicht nur in deutsche:, polnischer und litauischer, sondern auch in jüdischer Sprache zur offen'- lichen Kenntnis gebracht werden. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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