Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 79 (1915)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1915)
- Date
- 1915-11-05
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 Vizewachtmeister der Oleferbe stud. jur. Arthur Lebkowicz <Dresden-); Leutnant und Adjutant in einem Jnfanteriereg-iiiient Tr. Max Eduard Huth, Sohn des Herrn Adolf Huth (Halle a. S.);- Tanitätsunterossizier Martin Wolfsohn (Neustadt bei Pinne); Unteroffizier Simon P i n c z o w e r (Ratibor); Kriegsfreiwilliger Julian B e n j a m i n (Culm); Offizierstellvertreter Eugen B r o m o: r g (Posen); Unteroffizier Rudolf G l o g o w s k i (Polauowitz); Vizewachtmeister Plaut, Sohn des Kommerzienrats Plaut (Kassel); Kriegsfreiwilliger Alfred G u g g e n h e i m und Unteroffizier Max :H ußbaum ' (Frankfurt am Main); Unteroffizier Arthur Alexander (Köln); der 16jährige Kriegsfreiwillige Joseph Steinhardt, Sohn des Buchdruckereibesitzers Herrn Ferdinand Steinhardt (Mannheim); La-ndsturmmanu Friedrich Stern, Sohn des Möbelsabrikanten Herrn S. Stern (Ofsenbach am Main); Oberreterinär Hermann Davidsohn (Rheim, Ostpreußen), Sohn des uantors A. Davidsohn in Rastenburg; Reservist Joseph Hertz Varendorf in Westfalen); Kaufmann Karl Haase (Rogowo, nreis Znin); Vizefeldwebel Fritz Zer nick (Gleiwitz), zurzeit verwundet im Hafenkrankenhaus in Hamburg, ist mit dem Eisernen Areuz erster und zweiter Klasse ansgezeichnet worden. Das Eiserne Nreuz und das Königlich Bayerische Militärverdienstkreuz zweiter ulafse mit Krone und Schwertern wurde dem Kaiserlich türkischen Vizegeneralkonsul Heinrich Goldberg (München), Ofsizieri'ullvertreter in einem bayerischen Pionierbataillon, verliehen. Derelbe wurde schon vor mehreren Jahren mit einem türkischen Orden iNlsgezeichnet. Er ist.ein Sohn des Kantors Goldberg aus Ghemnitz. — Königsberg i. Pr., 29. Oktober. Im hiesigen Verein für indische Geschichte und Literatur sprach Universitätsprofessor Dr. 2 i> h v über „Is r a els R elig i o n i in Li chte de r al to r ie n * ’ ü [ i f ch e ii Geisteskuktu r". Davon ausgehend, daß das gewählte Theinai das Hauptproblem der heutigen alttestamentlichen Wissenschaft sei, skizzierte der Vortragende mit 'einigen Strichen zunächst den lebhaften materiellen und geistigen Verkehr, der die alten Völker des Orients, Babylon, Aegypten und Israel, schon ein bis drei uihrtansende vor Christi Geburt miteinander verbunden habe. Gewisse Anschauungen waren sowohl in der geistigen Oberals Unter- ' Picht jedem dieser Völker gemeinsam, so die Vorstellung von Toteneistern, unterirdischen Geistern, Dämonen, Zauberern. Daraus ergaben sich sittliche Ideen, eng verwandt mit der Ethik des mosaischen Tekalogs, Größer noch war die literarische Verwandtschaft auf dem Gebiet der Poesie, was an der inhaltlichen und formalen Uebereinlimmung der Klagelieder^ Bußpsalmen und der Spruchweisheit uachuluiefcn wurde, wie auf dem Gebiet der Prosa. Auf dem Gebiet der Geschichtschreibung aber ist Israel weit hinailsgeschritten über die Form der annalistischen Darstellung. Die Wurzel dazu lag in einer von jedem Naturznsammenhang losgelösten Gottesanschaunng. Während der Gott Babylons und Aegyptens eine Personifikation wdischer Kräfte war, ist Adonai ein reiner Geist, zugleich Weltschöpfer und Weltlenker. Als Israel in die Geschichte eintrat, strebte seine Gottesanschaunng über die materiellen Schranken hinweg. Die Propheten führten die weitere Entwicklung des Monotheismus herbei. Nirgends bei den alttestamentlichen Völkern ist der Gedanke des einigen Gattes so scharf formuliert, nur unbewußte Ansätze finden sich bei itmen. Der Vortragende wies dann auf den rein sittlichen Charakter des Dekalogs, dieses literarischen Denkmals an der Schwelle der Bibel, hin, der als vornehmstes Gebot die Forderung hinstellt, Gott zu lieben und seinen Nächsten lote sich selbst. Keine andere der altorien- 'Gischen Religionen zeigt diesen sozialen Charakter, der ein integrieren- -\'v Faktor des Wesens Adonais ist. Die Folgerung daraus war die Verpönung seiner bildlichen Darstellung. Dennoch war er dem Volke eine lebensvolle Persönlichkeit. Dieser rein sittliche Zug hat auch auf den Kultus eiugewirkt. Er hat die materiellen Opfer veruuu’fcn und als höchstes Opfer den Gehorsam gegen Gottes Gebote lsingestellt. Eine wesentliche Bereicherung erfuhr wohl der israelitische Gottesbegriff durch die Berührung mit dem Mythen schätz Babylons, aber jedes mythische Gewand wurde diesen Erzählungen abgestreist und ethische Begründung eingesetzt. Ter Redner wies dies nach an der Geschichte von der Sintflut und dem Turmbau zu Babel, der uns die Forderung eines Reiches des Friedens zeigt, von dem Wh deute leider mehr als je -entfernt sind. An sittlichen Idealen ist das alte Testament noch immer unerschöpflich. Wir finden wohl die nämlichen Probleme in der babylonischen Religion, doch, sie geht am Gängelband des Priesters, während sich in Israel alle Forderungen -an die eigene Seele iveudeu. Keine andere alttestainentltche Religion hat eine solche Höhe erstiegen. Wurde auch Israel bei dem lebhaften Verkehr, den es mit den anderen orientalischen Völkern hatte, von ihnen geistig befruchtet, das sittliche Moment hat es doch aus sich selbst hinausgetragen als höchstes Postulat und einen Geistesban errichtet, den jedes vorurteilsfreie Denken als nie lunzustoßeiides Denkmal anerkennen muß. M. Hamburg, 29. Oktober. Der Verein selbständig e r jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender hielt im Logenheim, Hartnngstraße, seine Mitgliederversammlung unter Vorsitz des Herrn Bhd. Heine m a n n ab. Ter Vorsitzende teilte mit, daß das Vermögen der Unterstützuug-skasse für den Ankauf von mehreren- Stücken der dritten Kriegsanleihe Verwendung gefunden und eine Abordnung von Vorstand und Ausschuß an der Nagelung des „Eisernen Michel" teilgenommen hat. Eine längere Aussprache ries die Beschlußfassung über die Löwensteiu-Spende hervor, die von den dem Zeutralverbnnd selbständiger jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender Deutschlands angeschlossenen Vereinen anläßlich des Meisterjubiläuins des Verbandsvorsitzenden I. Löwenstein aufgebracht, von ihm aus eiaeneu Mitteln um ein beträchtliches vermehrt und für Berbandszwecke als J.-Löwenstein-Spende bestimmt worden ist. Nach längerer Besprechung wurde uns Antrag des 2. Vorsitzenden, Ed. Berlin, beschlossen, die Spende als Grundstock für eine nach dem Krieg zu gründende Kriegssürsorgestiftnug zur Unterstützung kriegsbeschädigter jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender zu verwenden. Von der Feier des Stiftungsfestes soll abgesehen, dagegen den im Felde stehenden Mitgliedern auf Kosten der Vereinskasse ein Liebesgabenpnket übersandt werden. 22 Bamberg, 29. Oktober. Ein für alle Zeiten ruhmreiches Ehrenblatt in der Kriegsgeschichte unserer Stadt wird die am 27. d. M. um 11 Uhr vormittags auf dem Marplatze stattgefuudeiie Nagelung des Eisernen N i t t e r s v o n Bamberg bilden. Die Msperrung des Platzes für die zahlreichen Ehrengäste, Vereine und andere Korporationen hatten die Freiwillige Feuerwehr, Sanitätsmannschaften und die Juaendwehr übernommen. Prächtig nahmen sich die vier von Kimstmaler Riedhammer dahier gemalten Standarten aus,' welch? die Wappen Deutschlands, Oesterreich-Ungarns, der Türkei und Bulgariens trugen und das in einem schmucken Häuschen untergebrachte Standbild zu beiden Seiten flankierten. Tie Stifterin des Standbildes ist eine jüdische Dame, die Gattin des Kommerzienrats Herrn Hermann Hell m a u n. In der Weiherede, die der Erzbischof von Bamberg hielt, führte er unter anderem ans: Ein Wahrzeichen dieser großen Zeit wollen wir heute in unserer lieben Stadt Bamberg errichten in dem Standbild des Stadtritters, das einer d e u t s ch e n Frau e d l e r S i n n gestiftet hat. So möge der Stadtritter allzeit ein Wahrzeichen sein von der Größe und dem Adel des Geistes und Willens, die unser deutsches Volk in dieser schweren, aber großen Zeit bewährt hat! Alle Söhne und Töchter unserer Stadt aber können und sollen und wollen gewiß auch tei-lnehineu an der Aufrichtung des schönen Wahrzeichens, indem sie einen der goldenen, silbernen oder eisernen Nägel in die Rüstung schlagen. Jeder Naget, der des Stadtritters eherne Rüstung festigt und stärkt, stärkt auch die Rüstung der beiden Organisationen, der Krieasfürsorge und des Noten Kreuzes, die den schönen Zweck verfolgen, die Not, die der Krieg gebracht, zu lindern, die Wunden, die er geschlagen, zu heilen, an unseren Kriegern Werke der barmherzigen Liebe zu üben. Noch späteren Geschlechtern soll des Stadtritters schimmernde Wehr künden von dem Opsersinn, von der Opferfreudigkeit, in der die gesamte Bevölkerung Barnbergs zur großen harten Kriegszeit 1914/15 geeint war. Mit einer kernigen Ansprache übernahm dann Oberbürgermeister Wächter das Standbild, worauf die Nagelung des Ritters und Eintragung der Ehrengäste und Spender der Gaben in das Eiserne Buch folgte. Als erster begab sich der Erzbischof zu dem Bildwerke, um den ersten goldenen Nagel einzuschlagen. Dann folgten die Stifterin Frau Kammerzienrat Hellmann, Bürgermeister Wächter und viele andere. Das finanzielle Ergebnis des ersten Tages der Nagelung betrug 4501 Mark. Stratzbrrrg i. E., 29. Oktober. Der Berwaltnngsrat des hiesigen I s rnelitische n K r a n k e n h n lt s e s hat beschlossen, vom 1. November ab vorerst auf unbestimmte Zeit das Krankenhaus zu schließen. Der Grund dieser Maßnahme liegt, wie wir hören, darin, daß besonders durch die Kriegsverhältnisse der Besuch von Kranken und Pflegebedürftigen erheblich znrückgegangen ist, so daß