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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1915-10-29 · Heft 44 (29.10.1915) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
79 (1915)
Issue
Heft 44 (29.10.1915)
Date
1915-10-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
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79. Jahrgang Nr. 44 Berlin, 29. Oktober 1915 Der GemeLndevote. Meilsgr zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". kortttzMdkttM unv Aachrichtkll. Lrutschlsnd. Betlttt, 26." Oktober.. Vom.Vorstand der freien Organisation -er Allrance Jsraelite Universelle erhalten wir mit der Bitte um Veröffentlichung folgende Inschrift: Das C o n s i st o i r e Central des Israelites de France hat einen Aufruf, an die Juden der neutralen Länder gerichtet, in welchem es diese auffordert, die Lache des Vierverbandes zu fördern. Die tatsächlichen Angaben dieses Aufrufs sind wahrheitswidrig, seine Schlußfolgerungen schon deshalb verfehlt. Wir würden uns mit.diesem Machwerk ebensowenig zu befassen haben wie mit ähnlichen von französischen Gemeinschaften anderer Glaubensbekenntnisse herrührenden, wenn nicht in Tagedlütt-ern behauptet worden wäre, daß die Versendung dieses Ausrufs von der Pariser Zentralleitung der. Alliance Jsraelite Universelle ansgegangen fei. Da wir feit Kriegsbeginn selbstverständlich außer jeder Beziehung zur. Zentralleitung der Alliance stehen, können wir nur auf Umwegen eine Feststellung des Sachverhalts vornehmen. Einstweilen können wir nicht glauben, daß die Zentrale einer Vereinigung, die lediglich gemeinnützige Zwecke zu verfolgen, mit Politik aber nicht das.allergeringste zu tun hat, in schwerer Verletzung der satzungsinäßigen Vorschriften, unsere gemeinnützige internationale Gesellschaft den politischen Zwecken eines einzelnen Landes dienstbar zu machen versucht haben sollte. We n n a b e r u n s e r e E r Mittelungen ergeben sollten, daß wider alles Erwarten dennoch dies gesch e hen s ei, so würden wir selbstverständlich als deu t sch e I u den di e Bezieh ungen zu der Zentralleitung der Alliance Israeli te Universelle niemals w i e d e r a u f n e hm e n. Für jeden, der das Verhalten der deutschen Juden seit Ausvruch des Krieges objektiv beobachtet hat, bedarf es übrigens keiner Erwähnung, daß das Interesse der deutschen Juden völlig eins ist mit dem Interesse unseres geliebten deutschen Vaterlandes. 2£2 Berlin, 26. Oktober. Das jüdische Hilfskomitee „Roter valbrnond" unter dem Vorsitz von Kommerzienrat Gerson Simon in Berlin, au besten Sammlungen sich bekanntlich über 300 jüdische Gemeinden Deutschlands mit größeren Zeichnungen beteiligt haben, lull den von ihm aufgebrachten Fonds, entsprechend den Wünschen der Leitung der Sanitätsabteilung der türkischen Armee, zum Ankauf von Sanitätsartikeln verwendet. Das angeschaffte Material wurde mittels Sonderzuges nach Konstantinopel gebracht. Der Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses des Komitees, Dr. Alfred Nos sig, übergab in Konstantinopel die Spende dem Leiter der He^ressanitätsabteilung Sü leim an Numan Pascha sowie den Vertretern 'des türkischen ,-Roten Halbmonds". Kommerzienrat-G. S im on war durch Erkrankung verhindert, sich an der Reise zu beteiligen. Wie die offiziellen Depeschenbureaus bereits gemeldet haben, wurde Dr. No s s i g vom. Sultan-: dem Th ro niolger Jüssu'f Jzzedim, dem Kriegsminrster Ender P a sch a, dem Minister, des Innern. T a laat Bey und dem Kawmerprästdenten Halil Bey sowie von den Vertretern des jungn'irkischen Komitees M i'dh a t. Sch ü k r i und. Dr. N a s im Bey empfangen. Die Mitglieder des Herrscherhauses und die Vertreter der Regierung sprachen sich in anerkennend ste r We i se über die jüdische Bevölkerung aus, der ' ihr besonderes, Wohlwollen gesichert sei. Dr. Nossig und Kommerzienrat G. S i m o n wurden durch Verkeihüng des Medjidjeordens ausgezeichnet. Aus Veranlassung des Deputierten von Konstantinopel, Cmanuel C ar a s s o, und Dr. N o sfig gründete ein Kreis namhafter türkischer Juden mit Einwilligung der Regierung-eine Vereinigung unter dem Namen ,-Osmanisch-Jsraelitische U n i o n". Unter dem Vorsitz von C a r a s s o gehören dem leitenden Komitee folgende Persönlichkeiten an: der Deputierte' von Smyrna N i s f i m M a z l i a h, der Vorsitzende des Konsistoriurns der jüdischen Gemeinde von Konstantinopel Fa r h i Bey, Professor Abrevay a, der Präsident des Sanitätsrats der Marine. Oberst Gale.mid.i Bey sowie andere hervorragende osmanifche Juden. Die Vereinigung bezweckt die Pflege freu n d s ch a s t l i ch er Be - ziehungen zwischen den Juden verschiedener Länder und den Osmanen, sowie die festere Angliederung der osmanischen Juden an die anderen Bevölkerungsgruppen der Türkei. Ferner sind der „Osmanisch-Jsrael.itischen Anion" auf Grund der ihr von der türkischen Regierung verliehenen Satzungen in der Angelegenheit der ge s e tz l i ch e n Regelung d e r Ei n w a n de r u n g von Juden nach der Türkei wichtige Befugnisse übertragen worden. Es ist besonders hervorzuheben, daß das j u n g t ü r k i sch e Komitee „Einheit und Fortschritt", dessen Verhältnis zur türkischen Regierung bekannt ist, einen ständigen Vertreter in den Vorstand der „Osmanisch-Jsraelitischen Union" entsendet. Die Vereinigung gedenkt auch mit den die ostjüdische Bevölkerung betreffenden Fragen gelegentlich der i n t e r n a t i o n a l e n Verhandlungen nach Beendigung des Weltkrieges sich zu befassen. In dieser Angelegenheit fand auch bereits zwischen der türkischen Regierung und der deutschen Botschaft in Konstantinopel ein M e i n u n g s a u s t a u s ch statt, der ergab, daß die türkische Regierung, ebenso wie die deutsche und österreichisch-ungarische, den Bestrebungen zur Besserung des Loses der Juden d es Osten s durchaus wohlwollend gegenübersteht. Berlin, 26. Oktober. Wie gering die Rolle der religiösen Bekenntnisse gerade in diesem Weltkrieg anzirschlagen ist, sieht man -am besten, wie Prof. Ludwig Stein in der Abendausgabe der „V/Z." vom 14. d. M. in einem „Nationale Gewissensfragen" überschriebenen Artikel anssührt, an der treuen Waffenbrüderschaft der mohammedanischen Welt mit dem protestantischen Preußen und dem katholischen Oesterreich. Allüberall stehen Juden als nationale Feinde einander auf Leben und Tod genau so gegenüber wie Protestanten und Katholiken. Der Papst bringt unserer Gruppe Sympathien entgegen, während das Calvinische Genf im Herzen auf der Serie des katholischen Frankreich steht. Die Juden in der Türkei, besonders in Palästina, stehen mit Leib und Seele auf unserer Seite. Auch die jüdischen Sympathien im ganzen Osten kamen unserer großen und heiligen Sache überall zustatten. Daß die deutschen- Juden vollends ihre Pflicht restlos getan haben, versteht sich von selbst und bedarf keiner besonderen Hervorhebung. Immerhin dürsten einige statistische Ziffern, die uns von zuverlässiger Seite zur Verfügung gestellt worden sind, nicht ohne Belang sein. Der Zustrom der Kriegsfreiwilligen unter den Juden war ein relativ wie absolut hoher. Die Zahl der zuverlässig bekannten Leutnants jüdischer Religion beträgt 286, darunter 190 preußische, 80 bayerische, 10 Württemberg ische, 6 sächsische. Die Zahl der Kreuzträger dürste 4000 weit übersteigen, darunter 12 Träger des Eisernen Kreuzes 1. Klasse (sämtliche Zahlen sind Annäherungswerte). Die Kriegsbetei'ligung in jüdischen Stnbentenverbänden und im Turnverein „Bar Kochba" ergab Mite September felgende Ziffern: 1. Kartell-Convent, etwa 1000 Mitglieder, darunter 825 Kriegsteilnehmer — 82,5 v. H., 2. Turnverein „Bar Kochba" 200 Kriegsteilnehmer — 75 v. H. der männlichen Mitglieder, 20 Gefallene — 10 v. H., 12 Auszeichnungen. Natürlich haben diese Zahlen keine andere Beweiskraft, als ihnen hier beigelegt werden soll, daß nämlich an vaterländischer Gesinnung wie.Handlung kein religiöses Bekenntnis im Reiche und wohl auch in Oesterreich-Ungarn hinter dem anderen zurücksteht. Aus diesem Kriege werden wir alle ohne Unterschied der Abstammung und Gesinnung als neue, gestähltere, gelautertere Menschen hervorgehen. Unhaltbar gewordene Vorurteile werden endgültig preisgegeben werden müssen. Das Nationalgefühl wird einen Stärkegrad erreichen/der alle anderen staatenbildenden Gefühle überschatten wird. ### Berlin, 26. Oktober. Am 20. dieses Monats ist der Geheime Baurat Professor Dr. ing. h. c. Theodor Landsberg im Alter von 68 Jahren verschieden. Um den Tod dieses edlen Mannes trauern weite Kreise der deutschen Judenheit. Er war, wie der Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde, dem er eine Zeitlang angehörte, ihm nachrust, ein begeisterter Jude, erfüllt von tiefster Liebe und Verehrung für das heilige Erbe der Väter. Der Adel seines Wesens, sein

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